Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Arbeitsvertrag, Praktikum, Psychologe
   
Gericht: Arbeitsgericht Hamburg
Akten­zeichen: 21 Ca 43/12
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 16.10.2012
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen:
   


Ar­beits­ge­richt Ham­burg


Ur­teil

Im Na­men des Vol­kes

Geschäfts­zei­chen:
21 Ca 43/12


Verkündet am:
16. Ok­to­ber 2012


B., RHS
als Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

In dem Rechts­streit

er­kennt das Ar­beits­ge­richt Ham­burg, 21. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 16. Ok­to­ber 2012
durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt St­ein als Vor­sit­zen­den
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herr Sch.
die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Frau Pe.
für Recht:

2

1. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin € 33.460,20 brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz auf je­weils € 1.858,90 brut­to seit dem 01. Fe­bru­ar 2008, 01. März 2008, 01. April 2008, 01. Mai 2008, 01. Ju­ni 2008, 01. Ju­li 2008, 01. Au­gust 2008, 01. Sep­tem­ber 2008, 01. Ok­to­ber 2008, 01. No­vem­ber 2008, 01. De­zem­ber 2008, 01. Ja­nu­ar 2009, 01. .Fe­bru­ar 2009, 01. März 2009, 01. April 2009, 01. Mai 2009, 01. Ju­ni 2009 und 01. Ju­li 2009 zu zah­len.


2. Die Kos­ten des Rechts­streits trägt die Be­klag­te.


3. Der Streit­wert beträgt 33.460,--.

 

 

Sch.  

St­ein  

Pe.

3


Tat­be­stand


Die Par­tei­en strei­ten um die Zah­lung von Ar­beits­vergütung.
Die 1974 ge­bo­re­ne Kläge­rin ist ver­hei­ra­tet und zwei min­derjähri­ge Kin­der. Sie ab­sol­vier­te ein Uni­ver­sitäts­stu­di­um, das sie am 08. Ja­nu­ar 2003 als Di­plom-Psy­cho­lo­gin be­en­de­te. Von 2003 bis 2006 ar­bei­te­te sie als Schul­psy­cho­lo­gin und in der Re­ha hörgeschädig­ter Kin­der.
Die Kläge­rin be­schloss, als psy­cho­lo­gi­sche Psy­cho­the­ra­peu­tin tätig wer­den zu wol­len. Von Sep­tem­ber 2006 bis Ja­nu­ar 2008 ab­sol­vier­te sie bei der D. G. für V. in H. die dafür er­for­der­li­che theo­re­ti­sche Aus­bil­dung (192 Un­ter­richts­stun­den á 45 Mi­nu­ten).
Die prak­ti­sche Aus­bil­dung mach­te sie bei der Be­klag­ten. Am 14. Ja­nu­ar 2008 schlos­sen die Par­tei­en „Ver­ein­ba­run­gen“ für die Zeit vom 01. Ja­nu­ar 2008 bis zum 31. De­zem­ber 2008 so­wie gleich­lau­tend am 24. No­vem­ber 2008 für die Zeit vom 01. Ja­nu­ar 2009 bis 30. Ju­ni 2009 (An­la­gen K2 und K3, Bl. 8 und Bl. 10 d. A.). Dar­in wird die Be­klag­te als Aus­bil­der und die Kläge­rin als Prak­ti­kan­tin be­zeich­net. In dem Ver­trag heißt es, dass der Kläge­rin ge­stat­tet wird, bei der Be­klag­ten ein Prak­ti­kum aus­sch­ließlich in ih­rem ei­ge­nen In­ter­es­se zur Fes­ti­gung oder zur Er­wei­te­rung der be­ruf­li­chen Kennt­nis­se, Fer­tig­kei­ten und Er­fah­run­gen durch­zuführen. Fer­ner heißt es, dass we­der ein Ar­beits­verhält­nis noch ein Be­rufs­bil­dungs­verhält­nis be­gründet wird und dass das Prak­ti­kum nicht vom An­wen­dungs­be­reich ei­nes für die Be­klag­te gel­ten­den Ta­rif­ver­tra­ges er­fasst wird. Sch­ließlich heißt es, dass die Kläge­rin während des Prak­ti­kums kein Ent­gelt, kei­ne Bezüge oder Entschädi­gun­gen von der Be­klag­ten erhält und nicht der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rungs- und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rungs­pflicht un­ter­liegt.
Am 11. Ju­ni 2009 be­schei­nig­te die Be­klag­te der Kläge­rin, dass sie in der Zeit von Ja­nu­ar 2008 bis De­zem­ber 2008 im Rah­men ih­rer Aus­bil­dung zur Psy­cho­the­ra­peu­tin die prak­ti­sche Tätig­keit ent­spre­chend § 1 Abs. 2 Zif­fer 1 der Aus­bil­dungs- und Prüfungs­ver­ord­nung mit 1.480 St­un­den prak­ti­scher Tätig­keit bei der Be­tei­li­gung an min­des­tens 30 Fällen an der Dia­gnos­tik und Be­hand­lung über ei­nen länge­ren Zeit­raum ab­sol­viert hat. Für die Zeit von Ja­nu­ar 2009 bis Ju­ni 2009 be­schei­nig­te die Be­klag­te der Kläge­rin 750 St­un­den prak­ti­sche Tätig­keit und für Ja­nu­ar 2008 bis Ju­ni 2009 200 Be­hand­lungs­stun­den in ei­ner der psych­ia­tri­schen Am­bu­lan­zen. Für die Zeit von Ja­nu­ar 2009 bis Ju­ni 2009 be­schei­nig­te sie der Kläge­rin 38 Be­hand­lungs­stun­den in ei­ner der psych­ia­tri­schen Am­bu­lan­zen.
Am 11. Ju­ni 2009 er­teil­te die Be­klag­te der Kläge­rin ein „Ar­beits­zeug­nis“ (Anl. K 8, Bl. 16 d.A.). Dar­in heißt es, dass die Kläge­rin vom 01.01.2008 bis zum 30.06.2009 mit ei­ner Wo­chen­ar­beits­zeit von 25 St­un­den im Rah­men der Aus­bil­dung zum psy­cho­lo­gi­schen Psy­cho­the­ra­peu­ten im sta­ti­onären und teil­sta­ti­onären Be­reich tätig war. Es heißt so­dann, dass die Kläge­rin un­ter re­gelmäßiger Su­per­vi­si­on ei­genständig ko­gni­tiv-ver­hal­tens­the­ra­peu­ti­sche Ein­zel­gespräche mit ins­ge­samt 18 Pa­ti­en­ten durch­geführt hat und dass die Kläge­rin für die­se Pa­ti­en­ten als Primär-The­ra­peu­tin zuständig war und da­bei außer­dem die ärzt­li­che und pfle­ge­ri­sche Zu­sam­men­ar­beit ko­or­di­niert hat. Fer­ner heißt es, dass die ver­hal­tens­the­ra­peu­ti­sche Be­treu­ung ne­ben re­gelmäßigen Gesprächen auch Ex­po­si­ti­onsübun­gen so­wie An­gehöri­gen- und Paar­gespräche um­fass­te. So­dann heißt es, dass die

4

Kläge­rin ei­genständig und re­gelmäßig ver­schie­de­ne The­ra­pie­grup­pen ge­lei­tet hat und da­durch an der Kom­plex­be­hand­lung von ins­ge­samt über 100 Pa­ti­en­ten be­tei­ligt war. In dem Ar­beits­zeug­nis heißt es schließlich, dass wei­te­re re­gelmäßige Auf­ga­ben der Kläge­rin in der Lei­tung der ta­ges­kli­ni­schen Mor­gen­run­de, im Be­rich­ten über den The­ra­pie­ver­lauf, in Überg­a­ben und Ober­arzt­vi­si­ten, in der Teil­nah­me an Grup­pen­su­per­vi­sio­nen und Struk­tur­sit­zun­gen, im re­gelmäßigen Do­ku­men­tie­ren des The­ra­pie­ver­laufs, in der Or­ga­ni­sa­ti­on der Pa­ti­en­ten­da­ten im Com­pu­ter­sys­tem und im Er­fas­sen von Ent­las­sungs­brie­fen be­stan­den.
Mit Schrei­ben vom 11. No­vem­ber 2009 (An­la­ge K 12, Bl. 36 d. A.) mach­te die Kläge­rin ge­genüber der Be­klag­ten die Zah­lung von Ar­beits­vergütung in Höhe von € 35.713,92 gel­tend. Die Be­klag­te kam dem nicht nach.
Mit ih­rer am 2. Fe­bru­ar 2011 bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge be­gehrt die Kläge­rin Zah­lung von Ar­beits­vergütung für die Zeit vom 1. Ja­nu­ar 2008 bis zum 30. Ju­ni 2009 in Höhe von € 33.460,20 brut­to. Sie ver­tritt die Auf­fas­sung, dass die Re­ge­lung des Prak­ti­kan­ten­ver­tra­ges, der zu­fol­ge sie kei­ne Vergütung erhält, un­wirk­sam sei.
Sie macht gel­tend, dass ein Ar­beits­verhält­nis be­stan­den ha­be. Sie führt an, dass sie wie die an­de­ren Di­plom-Psy­cho­lo­gen in den Ar­beits­ab­lauf und die Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on ein­ge­bun­den ge­we­sen sei. Sie ver­weist dar­auf, dass sie wöchent­lich 25 St­un­den für die Be­klag­te mon­tags bis don­ners­tags je­weils von 08:30 Uhr bis 15:00 Uhr ge­ar­bei­tet hat. Sie be­zieht sich auf das ihr er­teil­te Ar­beits­zeug­nis und ver­weist auf die dort de­tail­liert wie­der­ge­ge­be­ne Be­schrei­bung ih­rer Tätig­kei­ten. Ergänzend trägt sie vor, dass ihr 3 ei­ge­ne Pa­ti­en­ten zu­ge­teilt wor­den wa­ren und dass sie bei der Neu­auf­nah­me von Pa­ti­en­ten eben­so wie an­de­re Psy­cho­lo­gen berück­sich­tigt wur­de, so­fern sie mit ih­ren ei­ge­nen Pa­ti­en­ten nicht aus­ge­las­tet war. Sie hebt her­vor, dass sie selbstständig und ei­gen­ver­ant­wort­lich The­ra­pie­grup­pen lei­te­te und in­so­weit die ver­ant­wort­li­che Psy­cho­lo­gin ge­we­sen war. Wie al­le an­de­ren Psy­cho­lo­gen ha­be sie die Auf­nah­me­gespräche vor­ge­nom­men, zu der der Ober­arzt kurz hin­zu­kam.
Sie trägt vor, dass der Ober­arzt für ei­ne Su­per­vi­si­ons­sprech­stun­de an ei­nem be­stimm­ten Wo­chen­tag von 12:00 Uhr bis 13:00 Uhr in sei­nem Büro ge­we­sen sei. Darüber hin­aus ha­be es ein­mal wöchent­lich ei­ne hal­be St­un­de Ein­zel­su­per­vi­si­on bei der lei­ten­den Psy­cho­lo­gin ge­ge­ben. Sie ha­be wöchent­lich al­so 2,5 St­un­den Su­per­vi­si­on er­hal­ten. Das würde zur nor­ma­len be­ruf­li­chen Tätig­keit des Fach­per­so­nals gehören.
Die Kläge­rin be­an­tragt,

1. die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin für die Zeit vom 01. Ja­nu­ar 2008 bis 30. Ju­ni 2008 ei­ne Brut­to­ar­beits­vergütung in Höhe von € 11.153,40 nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz auf je­weils € 1.858,90 brut­to seit dem 01. Fe­bru­ar 2008, 01. März 2008, 01. April 2008, 01. Mai 2008, 01. Ju­ni 2008 und 01. Ju­li 2008 zu zah­len;

5

2. die Be­klag­te wird darüber hin­aus ver­ur­teilt, für die Zeit vom 01. Ju­li 2008 bis zum 31. De­zem­ber 2008 ei­ne Brut­to­ar­beits­vergütung in Höhe von € 11.153,40 nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz auf je­weils € 1.858,90 brut­to seit dem 01. Au­gust 2008, 01. Sep­tem­ber 2008, 01. Ok­to­ber 2008, 01. No­vem­ber 2008, 01. De­zem­ber 2008 und 01. Ja­nu­ar 2008 zu zah­len.

3. die Be­klag­te wird darüber hin­aus ver­ur­teilt, für die Zeit vom 01. Ja­nu­ar 2009 bis zum 30. Ju­ni 2009 ei­ne Brut­to­ar­beits­vergütung in Höhe von € 11.153,40 nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz auf je­weils € 1.858,90 brut­to seit dem 01. Fe­bru­ar 2009, 01. März 2009, 01. April 2009, 01. Mai 2009, 01. Ju­ni 2009 und 01. Ju­li 20099 zu zah­len.

Die Be­klag­te be­an­tragt,
die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
Die Be­klag­te hebt her­vor, dass es selbst­verständ­lich sei, dass die Kläge­rin in die Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on der Kli­nik ein­ge­bun­den ge­we­sen sei. Sie hebt her­vor, dass nach § 2 Abs. 1 Satz 3 der Aus­bil­dungs- und Prüfungs­ver­ord­nung für psy­cho­lo­gi­sche Psy­cho­the­ra­peu­ten ei­ne fach­kun­di­ge An­lei­tung und Auf­sicht vor­ge­se­hen ist. Wenn die Prüfungs­ord­nung ei­nen pra­xis­na­hen und pa­ti­en­ten­be­zo­ge­nen Ein­satz vor­se­he, sei ei­ne in Tei­len selbstständi­ge Ar­beits­wei­se zwin­gend ge­bo­ten. Der Aus­bil­dungs­ein­satz der Kläge­rin ent­spre­che al­so auch im Hin­blick auf die teil­wei­se Selbstständig­keit dem vom Psy­cho­the­ra­peu­ten­ge­setz in Ver­bin­dung mit der Aus­bil­dungs- und Prüfungs­ver­ord­nung für psy­cho­lo­gi­sche Psy­cho­the­ra­peu­ten ge­setz­ten recht­li­chen Rah­men.
Sie macht dar­auf auf­merk­sam, dass der Prak­ti­kums­ver­trag aus­drück­lich re­gelt, dass die Kläge­rin kein Ent­gelt erhält. Die­se Ver­ein­ba­rung sei nicht sit­ten­wid­rig. Es feh­le be­reits an der Aus­nut­zung ei­ner Zwangs­la­ge, da die Kläge­rin be­reits ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung ab­ge­schlos­sen hat­te. Sie hätte ih­re bis­he­ri­ge be­ruf­li­che Tätig­keit wei­ter­hin ausüben können. Sie sei auch nicht dar­auf an­ge­wie­sen ge­we­sen, ihr Prak­ti­kum ge­ra­de bei der Be­klag­ten zu ab­sol­vie­ren. Zu­dem hätte sie das Prak­ti­kum je­der­zeit ab­bre­chen können, oh­ne ver­trags­brüchig zu wer­den. Auch ein wu­cherähn­li­ches Geschäft lie­ge nicht vor. Denn es feh­le an ei­nem auffälli­gen Miss­verhält­nis zwi­schen Leis­tung und Ge­gen­leis­tung. Den von der Kläge­rin er­brach­ten Ar­beits­leis­tun­gen ha­be ein er­heb­li­cher Auf­wand auf Sei­ten der Be­klag­ten ge­genüber ge­stan­den. Denn die ver­ant­wort­li­chen Ärz­te hätten sich lau­fend über den In­halt und die Ent­wick­lung der von der Kläge­rin durch­geführ­ten Be­hand­lun­gen in­for­mie­ren und hier­zu die von ihr ge­fer­tig­ten Do­ku­men­ta­tio­nen über­prüfen müssen. Dem­zu­fol­ge schei­de ein An­spruch aus § 612 BGB in Ver­bin­dung mit § 138 Abs. 1 BGB oder § 138 Abs. BGB aus.

6


Auf §§ 26, 17 BBiG könne die Kla­ge nicht gestützt wer­den, da nach § 7 Psy­cho­the­ra­peu­ten­ge­setz das BBiG auf die Aus­bil­dun­gen nach die­sem Ge­setz kei­ne An­wen­dung fin­det.
Sch­ließlich schei­de auch ein An­spruch aus §§ 611, 612 BGB aus. Denn zwi­schen den Par­tei­en ha­be kein Ar­beits­ver­trag be­stan­den. Die ver­trag­li­chen Be­zie­hun­gen der Par­tei­en hätten in ers­ter Li­nie Aus­bil­dungs­cha­rak­ter ge­habt. Die me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung für die von der Kläge­rin durch­geführ­ten Be­hand­lun­gen ha­be bei den Ärz­ten ge­le­gen. Die Ak­ti­vitäten der Kläge­rin hätte un­ter ständi­ger Be­auf­sich­ti­gung und Be­glei­tung der ihr über­stell­ten er­fah­re­nen Be­rufs­trägern ge­stan­den. Die Kläge­rin sei nicht ver­pflich­tet ge­we­sen, Ar­beits­leis­tun­gen zu er­brin­gen. Sie hätte je­der­zeit die Möglich­keit ge­habt, ihr Prak­ti­kum oh­ne die Ein­hal­tung ei­ner Kündi­gungs­frist zu be­en­den, oh­ne dass ihr dar­aus recht­li­che Nach­tei­le ent­stan­den wären. Das Ver­trags­verhält­nis sei al­so un­ver­bind­lich ge­we­sen. Zu­dem sei die Kläge­rin nicht Wei­sun­gen der Be­klag­ten un­ter­wor­fen ge­we­sen. Im Übri­gen sei es auch gänz­lich üblich, dass ein Prak­ti­kum im Rah­men der Aus­bil­dung zum psy­cho­lo­gi­schen Psy­cho­the­ra­peu­ten nicht vergütet wird. Fol­ge­rich­tig ent­hiel­ten die ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge kei­ne Re­ge­lun­gen für ei­nen Vergütungs­an­spruch der­ar­ti­ger Prak­ti­kan­ten.
Sch­ließlich ver­weist die Be­klag­te auf § 3 Zif­fer 8 des Prak­ti­kan­ten­ver­tra­ges, dem­zu­fol­ge die Kläge­rin ver­pflich­tet ist, un­verzüglich an­zu­zei­gen, wenn sie bei der Be­klag­ten ei­ne Tätig­keit ausübt, die nicht mehr aus­sch­ließlich der ei­ge­nen Fort­bil­dung dient. Die Be­klag­te meint, dass die Kläge­rin In An­be­tracht des­sen ver­pflich­tet ge­we­sen wäre, sie dar­auf hin­zu­wei­sen, dass sie sich in ei­nem Ar­beits­verhält­nis be­fin­de. Da die Kläge­rin ei­nen sol­chen Hin­weis un­ter­ließ, sei es ihr nach Treue und Glau­ben ver­wehrt, sich im Nach­hin­ein auf ein Ar­beits­verhält­nis zu be­ru­fen.
Die Be­klag­te macht fer­ner gel­tend, dass die Kla­ge der Höhe nach zum Teil un­schlüssig sei. Für die Su­per­vi­si­ons­stun­den könne die Kläge­rin kei­ne Ar­beits­vergütung ver­lan­gen, da sie während­des­sen kei­ne Ar­beits­leis­tung er­bracht ha­be.
Die Be­klag­te macht gel­tend, dass bei der Kläge­rin als „PiA“ (Psy­cho­lo­gin in Aus­bil­dung) der Aus­bil­dungs­cha­rak­ter im Vor­der­grund ge­stan­den ha­be. Ihr sei­en wöchent­lich 12 St­un­den Su­per­vi­si­on an­ge­bo­ten wor­den. Die Kläge­rin ha­be an den 5 wöchent­li­chen Pflicht-Su­per­vi­si­ons­stun­den teil­ge­nom­men.
Die Be­klag­te meint, dass es sich bei der Ein­ord­nung der recht­li­chen Be­zie­hun­gen der Par­tei­en auf­dränge, ei­ne Par­al­le­le zu den da­ma­li­gen Ärz­ten im Prak­ti­kum zu zie­hen. Trotz des ho­hen Gra­des an Ei­gen­ver­ant­wort­lich­keit der Ärz­te im Prak­ti­kum ha­be nie­mand ernst­haft in Erwägung ge­zo­gen, dass sich Ärz­te im Prak­ti­kum in ei­nem Ar­beits- und nicht in ei­nem Aus­bil­dungs­verhält­nis be­fun­den hätten. Ent­schei­dend sei ge­we­sen, dass den Ai­Plern die Ap­pro­ba­ti­on ge­fehlt hat. Ge­nau­so ver­hal­te es sich aber bei den Psy­cho­the­ra­peu­ten in Aus­bil­dung. Als di­plo­mier­te Psy­cho­lo­gin sei die Kläge­rin sei­ner­zeit nicht be­rech­tigt ge­we­sen, den Be­ruf ei­ner Psy­cho­the­ra­peu­tin aus­zuüben, da sie dafür ei­ne Ap­pro­ba­ti­on benötigt hätte.

7


Wei­te­re Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en er­ge­ben sich aus den ge­wech­sel­ten Schriftsätzen nebst An­la­gen, die Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung wa­ren, so­wie den münd­li­chen Erklärun­gen der Par­tei­en. Dar­auf wird ergänzend gemäß § 313 Abs. 2 ZPO in Ver­bin­dung mit § 46 abs. ArbGG ver­wie­sen.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Kla­ge hat Er­folg.
Die Kla­ge ist zulässig und be­gründet. Die Be­klag­te ist ver­pflich­tet, die aus­ge­ur­teil­ten Beträge an die Kläge­rin zu zah­len. Die­se Ent­schei­dung be­ruht in tatsäch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht kurz zu­sam­men­ge­fasst im We­sent­li­che auf fol­gen­den Erwägun­gen (§ 313 Abs. 3 ZPO in Ver­bin­dung mit § 46 Abs. 2 ArbGG):


1. Die Kla­ge ist zulässig.

a) Der be­an­trag­ten Sach­ent­schei­dung ste­hen kei­ne Pro­zess­hin­der¬nis­se ent­ge­gen. Die Sa­chur­teils­vor­aus­set­zun­gen sind erfüllt. Die Par­tei­en sind par­tei- und pro­zessfähig. Ih­nen steht die Pro­zessführungs­be­fug­nis zu. Die Kla­ger­he­bung ist ord­nungs­gemäß.

b) Der Rechts­weg zu den Ge­rich­ten für Ar­beits­sa­chen ist ge­ge­ben. Es han­delt sich um ei­ne bürger­li­che Rechts­strei­tig­keit zwi­schen Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­ge­ber aus dem Ar­beits­verhält­nis (§ 2 Abs. 1 Nr. 3 a ArbGG). Die Schutz­funk­ti­on ist des Ar­beits­rechts ist ge­fragt, weil der Ar­beits­markt an­de­ren Re­geln zu fol­gen hat als Güter- oder Ka­pi­talmärk­te. „Wer Ar­beit leis­tet, gibt kei­nen Vermögens­ge­gen­stand, son­dern sich selbst hin“ (Sinz­hei­mer, Das We­sen des Ar­beits­rechts, in: Sinz­hei­mer, Ar­beits­recht und Rechts­so­zio­lo­gie, Bd. 1, 108,110).

c) Das Ar­beits­ge­richt Ham­burg ist ört­lich zuständig. Die Be­klag­te hat ih­ren Sitz in Ham­burg (§ 17 ZPO), die Kläge­rin hat re­gelmäßig in Ham­burg ge­ar­bei­tet (§ 48 Abs. 1a ArbGG).

2. Die Kla­ge ist be­gründet. In der Zeit vom 01. Ja­nu­ar 2008 bis zum 30. Ju­ni 2009 be­stand zwi­schen den Par­tei­en ein Ar­beits­verhält­nis. Die Kläge­rin hat in die­sem Zeit­raum der Kli­nik der Be­klag­ten als Psy­cho­lo­gin 25 St­un­den in der Wo­che ge­ar­bei­tet.

a) Die Kläge­rin war nicht als psy­cho­lo­gi­sche Psy­cho­the­ra­peu­tin tätig. Nach § 1 des Psy­cho­the­ra­peu­ten­ge­set­zes be­darf ei­ne psy­cho­lo­gi­sche Psy­cho­the­ra­peu­tin der Ap­pro­ba­ti­on. Die­se fehl­te der Kläge­rin in dem hier in Re­de ste­hen­den Zeit­raum.

8

b) Die Be­klag­te hat die Kläge­rin mit Auf­ga­ben ei­ner Di­plom-Psy­cho­lo­gin be­traut und hat sie als Di­plom-Psy­cho­lo­gin ein­ge­setzt. Das war möglich, weil die Kläge­rin Di­plom-Psy­cho­lo­gin ist.

c) Zwi­schen den Par­tei­en be­stand ein Ar­beits­verhält­nis.

aa) Für die recht­li­che Ein­ord­nung ei­nes Ver­tra­ges als Ar­beits­ver­trag kommt es nicht dar­auf an, wie die Par­tei­en das Rechts­verhält­nis be­zeich­nen (BAG 12. Sep­tem­ber 1996 - 5 AZR 1066/94, BA­GE 84, 108).

bb) Das von den Par­tei­en als Prak­ti­kan­ten­zeit be­zeich­ne­te Ver­trags­verhält­nis war bei der ge­bo­te­nen ob­jek­ti­ven Be­trach­tung ein Ar­beits­verhält­nis.

Ar­beit­neh­mer ist, wer auf Grund ei­nes pri­vat­recht­li­chen Ver­tra­ges im Dienst ei­nes an­de­ren zur Leis­tung wei­sungs­ge­bun­de­ner, fremd­be­stimm­ter Ar­beit in persönli­cher Abhängig­keit ver­pflich­tet ist (BAG 6. Ju­li 1995 - 5 AZB 9/93, BA­GE 80, 256). Der Ar­beit­neh­mer er­bringt sei­ne ver­trag­lich ge­schul­de­te Leis­tung im Rah­men ei­ner von Drit­ten be­stimm­ten Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on. Sei­ne Ein­glie­de­rung in die Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on zeigt sich ins­be­son­de­re dar­an, dass er ei­nem Wei­sungs­recht un­ter­liegt, das In­halt, Durchführung, Zeit, Dau­er und Ort der Tätig­keit be­tref­fen kann (BAG 6. Mai 1998 - 5 AZR 612/97, AP BGB § 611 Abhängig­keit Nr. 95).

Die Ab­gren­zung zwi­schen ei­nem Prak­ti­kan­ten­verhält­nis und ei­nem Ar­beits­verhält­nis rich­tet sich da­nach, ob der Aus­bil­dungs­zweck im Vor­der­grund steht (BAG 13.3.2003 - 6 AZR 564/01, EzB BBiG § 26 Nr 18; LAG Ba­den-Würt­tem­berg 8.2.2008 – 5 Sa 45/07, NZA 2008, 768). Ein Ar­beits­verhält­nis ist zu ver­nei­nen, wenn bei ei­ner Ge­genüber­stel­lung der An­tei­le "Aus­bil­dungs­zweck" und "für den Be­trieb er­brach­te Leis­tun­gen und Ar­beits­er­geb­nis­se" das Er­ler­nen prak­ti­scher Kennt­nis­se und Er­fah­run­gen deut­lich über­wiegt.

cc) Vor die­sem Hin­ter­grund zeigt sich, dass zwi­schen den Par­tei­en ein Ar­beits­verhält­nis be­stand. Das gilt auch dann, wenn die tatsächli­chen Be­haup­tun­gen der Be­klag­ten als zu­tref­fend zu Grun­de ge­legt wer­den. Ei­ne wei­te­re Aufklärung des Sach­ver­halts war da­her nicht er­for­der­lich.

Die Tätig­keit der Kläge­rin er­folg­te auf­grund ei­nes pri­vat­recht­li­chen Ver­tra­ges. Die Kläge­rin er­brach­te ih­re Diens­te im Be­trieb der Be­klag­ten. Sie war

9

räum­lich, per­so­nell und or­ga­ni­sa­to­risch ein­ge­bun­den in die Struk­tur der Be­klag­ten. Der Kläge­rin stand es nicht frei, zu ent­schei­den, ob, wann und was sie wie vor­neh­men woll­te, viel­mehr ar­bei­te­te sie in Ab­stim­mung und nach Vor­ga­ben der Be­klag­ten.

Die Be­klag­te hat die Kläge­rin wie ei­ne Ar­beit­neh­me­rin ein­ge­setzt. Die von der Be­klag­ten im Ar­beits­zeug­nis vom 11. Ju­ni 2009 do­ku­men­tier­ten Auf­ga­ben und Leis­tun­gen der Kläge­rin sind un­strei­tig. Da­nach hat die Kläge­rin ei­genständig ko­gni­tiv-ver­hal­tens­t­he­ra-peu­ti­sche Ein­zel­gespräche mit Pa­ti­en­ten durch­geführt. Für die­se Pa­ti­en­ten war die Kläge­rin als Primärthe­ra­peu­tin zuständig. Sie hat da­bei außer­dem die ärzt­li­che und pfle­ge­ri­sche Zu­sam­men­ar­beit ko­or­di­niert. Zu­dem hat sie ei­genständig und re­gelmäßig ver­schie­de­ne The­ra­pie­grup­pen ge­lei­tet. Zu ih­ren den re­gelmäßigen Auf­ga­ben gehörten des Wei­te­ren die Lei­tung der ta­ges­kli­ni­schen Mor­gen­run­de, das Be­rich­ten über den The­ra­pie­ver­lauf in Überg­a­ben und Ober­arzt­vi­si­ten, die Teil­nah­me an Grup­pen­su­per­vi­sio­nen und Struk­tur­sit­zun­gen, das re­gelmäßige Do­ku­men­tie­ren des The­ra­pie­ver­laufs, die Or­ga­ni­sa­ti­on der Pa­ti­en­ten­da­ten im dafür vor­ge­se­he­nen Com­pu­ter­sys­tem und das Ver­fas­sen von Ent­las­sungs­brie­fen. Ih­re Leis­tun­gen sind ge­genüber den Ver­si­che­rungs­trägern nor­mal ab­ge­rech­net wor­den.

Zwar heißt es in der Aus­bil­dungs- und Prüfungs­ver­ord­nung, dass der Aus­bil­dungs­teil­neh­mer an der Dia­gnos­tik und Be­hand­lung zu be­tei­li­gen ist, die Kläge­rin hat ih­re Ar­beit je­doch aus­weis­lich des Zeug­nis­ses über­wie­gend ei­genständig er­bracht. Als Prak­ti­kan­tin wäre sie tätig ge­we­sen, wenn sie ih­re Ar­beit un­ter An­lei­tung der Be­klag­ten er­bracht hätte. Das war vor­lie­gend nicht der Fall. Die Kläge­rin war nicht be­glei­tet von ei­nem Aus­bil­der be­zie­hungs­wei­se un­ter den Au­gen ei­nes Aus­bil­ders tätig. Ih­re Leis­tun­gen und Tätig­kei­ten ent­spra­chen ge­nau dem, was in ei­nem Ar­beits­verhält­nis zur Be­klag­ten ste­hen­de Di­plom-Psy­cho­lo­gen voll­brin­gen. Die Be­klag­te hat fol­ge­rich­tig auch die von der Kläge­rin er­brach­ten Leis­tun­gen ge­genüber den Ver­si­che­rungs­trägern voll ab­ge­rech­net.

Nicht über­zeu­gend ist der Ein­wand der Be­klag­ten, dass der Ein­satz der Kläge­rin auch im Hin­blick auf die teil­wei­se Selbstständig­keit dem vom Psy­cho­the­ra­peu­ten­ge­setz in Ver­bin­dung mit der Aus­bil­dungs- und Prüfungs­ver­ord­nung für psy­cho­lo­gi­sche Psy­cho­the­ra­peu­ten ge­setz­ten recht­li­chen Rah­men ent­spre­che, dass al­so auch die von ihr

10

ei­gen­ver­ant­wort­lich er­brach­ten Tätig­kei­ten qua Ge­setz Aus­bil­dung sei­en. Dem ist ent­ge­gen­zu­hal­ten, dass das Psy­cho­the­ra­peu­ten­ge­setz le­dig­lich die Vor­aus­set­zun­gen re­gelt, un­ter de­nen ei­ne Tätig­keit als psy­cho­lo­gi­scher Psy­cho­the­ra­peut zulässig ist. Ver­langt wird ei­ne prak­ti­sche Tätig­keit, die von theo­re­ti­scher und prak­ti­scher Aus­bil­dung be­glei­tet wird (§ 5). Zur Fra­ge, ob die prak­ti­sche Aus­bil­dung in Ge­stalt ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses oder in Ge­stalt ei­nes Prak­ti­kan­ten­verhält­nis­ses statt­zu­fin­den hat, trifft das Psy­cho­the­ra­peu­ten­ge­setz kei­ne Aus­sa­ge. Das Psy­cho­the­ra­peu­ten­ge­setz schreibt mit an­de­ren Wor­ten kei­nes­wegs vor, dass die Aus­bil­dung oh­ne Vergütung zu er­fol­gen hat. Es gilt des­halb die all­ge­mei­ne Er­kennt­nis, dass sich Aus­bil­dung und Ar­beits­verhält­nis nicht aus­sch­ließen.

Die Vor­stel­lung des le­bens­lan­gen Ler­nens ba­siert ge­ra­de­zu auf der An­nah­me, dass Ar­beit mit Ler­nen ver­bun­den sein kann. Im Fall der Kläge­rin ist es um­so na­he lie­gen­der, von ei­ner Ergänzung und Er­wei­te­rung ih­rer be­ruf­li­chen Fähig­kei­ten aus­zu­ge­hen, nicht aber von ei­nem ers­ten Ken­nen­ler­nen ei­ner be­ruf­li­chen Tätig­keit über­haupt. Denn die Kläge­rin ist seit dem 8. Ja­nu­ar 2003 di­plo­mier­te Psy­cho­lo­gin und war be­reits jah­re­lang in ih­rem Be­ruf tätig.

Der Um­stand, dass die Kläge­rin ih­re Tätig­keit für die Be­klag­te je­der­zeit hätte be­en­den können, ist für die Klas­si­fi­zie­rung des Ver­trags­verhält­nis­ses un­be­acht­lich. Ein Ar­beits­verhält­nis setzt nicht not­wen­di­ger­wei­se ei­ne be­stimm­te Dau­er oder die Bin­dung an ei­ne be­stimm­te Kündi­gungs­frist vor­aus.

Recht­lich un­er­heb­lich, im Übri­gen aber auch un­zu­tref­fend ist, dass nie­mand für Psy­cho­the­ra­peu­ten in Aus­bil­dung ei­ne Vergütung for­dern würde. Die Be­klag­te selbst hat ge­schil­dert, dass die Ge­werk­schaf­ten seit länge­rem ei­ne ent­spre­chen­de ta­rif­li­che Re­ge­lung ver­lan­gen.

Der Ein­wand der Be­klag­ten, dass die Kläge­rin nicht ih­ren Wei­sun­gen un­ter­wor­fen ge­we­sen sei, geht fehlt. Die Kläge­rin hat sich während des Ver­trags­verhält­nis­ses nicht die Pa­ti­en­ten aus­ge­sucht, die sie be­han­deln möch­te und hat nicht selbst ent­schie­den, wann, wo und mit wel­cher Me­tho­de die Be­hand­lung durch­geführt wird. All dies ist ihr viel­mehr von der Be­klag­ten vor­ge­ge­be­nen wor­den.

Der An­nah­me ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses steht auch nicht ent­ge­gen, dass die Kläge­rin der Be­haup­tung der Be­klag­ten zu­fol­ge 5 St­un­den wöchent­lich

11

Su­per­vi­si­on ge­habt hat. Für kli­nisch täti­ge Psy­cho­lo­gen gehören Su­per­vi­sio­nen zum Be­rufs­bild, sie sind Be­stand­teil der be­ruf­li­chen Tätig­keit.

Der An­nah­me ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses steht des Wei­te­ren nicht der Aus­bil­dungs­zweck ent­ge­gen. Recht­lich maßge­bend ist, was im Vor­der­grund ge­stan­den hat.

Der An­nah­me ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses steht schließlich nicht ent­ge­gen, dass nach § 2 Abs. 1 Satz 2 der Aus­bil­dungs- und Prüfungs­ver­ord­nung für psy­cho­lo­gi­sche Psy­cho­the­ra­peu­ten die prak­ti­sche Tätig­keit un­ter fach­kun­di­ger An­lei­tung und Auf­sicht steht. Für die Ein­ord­nung ei­nes Ver­trags­verhält­nis­ses ist nicht das recht­li­che Sol­len maßge­bend, es kommt viel­mehr auf die tatsächli­che Hand­ha­bung an. Ent­schei­dend sind nicht die nor­ma­ti­ven Vor­ga­ben, aus­schlag­ge­bend ist die Rea­lität.

Die Klag­ver­fol­gung ist auch nicht treu­wid­rig. Der Hin­weis der Be­klag­ten auf § 3 Zif­fer 8 des Prak­ti­kan­ten­ver­tra­ges geht fehlt. Die Kläge­rin war kei­nes­wegs ver­pflich­tet, der Be­klag­ten ge­genüber an­zu­zei­gen, dass sie Tätig­kei­ten ausübt, die nicht mehr aus­sch­ließlich der ei­ge­nen Fort­bil­dung die­nen. Denn die Kläge­rin war nicht hin­ter Rücken und ge­gen den Wil­len der Be­klag­ten tätig. Sie hat viel­mehr mit Wis­sen und Wol­len der Be­klag­ten und un­ter den Au­gen der Be­klag­ten ge­ar­bei­tet.

d) Der Höhe nach ist die Klag­for­de­rung durch den ein­schlägi­gen Ta­rif­ver­trag ge­deckt.

aa) Maßge­bend sind der Ta­rif­ver­trag für den Kran­ken­haus­ar­beit­ge­ber­ver­band Ham­burg e.V. (TV-KAH) vom 14. Ju­ni 2007 so­wie der Ände­rungs­ta­rif­ver­trag vom 13. Ok­to­ber 2008 (zur An­wend­bar­keit für Psy­cho­lo­gen vgl. BAG 23.2.2011 – 4 AZR 214/09, ZTR 2011, 489). Der TV-KAH ist an­zu­wen­den, weil die Be­klag­te die­sen Ta­rif­ver­trag ge­ne­rell – und zwar auch ge­genüber nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mern – zum Tra­gen bringt. An­ge­sichts die­ser kol­lek­ti­ven Hand­ha­bung wäre es un­zulässig, die Kläge­rin da­von aus­zu­neh­men.

Zwi­schen den Par­tei­en ist un­strei­tig, dass die von der Kläge­rin gel­tend ge­mach­te mo­nat­li­che Vergütung von € 1.858,90 brut­to mo­nat­lich an­tei­lig be­zo­gen auf ih­re durch­schnitt­li­che Ar­beits­zeit von 25 St­un­den wöchent­lich leicht un­ter­halb der ta­rif­li­chen Vergütung liegt.

12

bb) Der Um­stand, dass die Kläge­rin - wie die Be­klag­te be­tont - in den ers­ten zwei Mo­na­ten nicht voll ein­ge­setzt wur­de, steht dem Vergütungs­an­spruch be­reits ab 1.1.2008 nicht ent­ge­gen. Ein Ar­beits­verhält­nis bleibt ein Ar­beits­verhält­nis auch dann, wenn der Ar­beit­neh­mer zu Be­ginn der Tätig­keit ein­ge­ar­bei­tet wird. Auch der ein­schlägi­ge Ta­rif­lohn bleibt in die­ser Pha­se maßge­bend.

cc) Auch die Su­per­vi­si­ons­stun­den sind zu vergüten.

Die Su­per­vi­si­ons­stun­den, an de­nen die Kläge­rin teil­ge­nom­men hat­te, fan­den während ih­rer re­gulären Ar­beits­zeit statt. Es ist nicht vor­ge­tra­gen wor­den, dass die­se Su­per­vi­sio­nen vor 8:30 oder nach 15:00 Uhr durch­geführt wor­den wären.

Auch ap­pro­bier­te in Kli­ni­ken täti­ge Psy­cho­the­ra­peu­ten müssen sich re­gelmäßig fort­bil­den und durch den Be­such zer­ti­fi­zier­ter Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen sog. "Fort­bil­dungs­punk­te" er­wer­ben. In­halt­lich kann ei­ne Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen aus ei­ner Su­per­vi­si­on oder In­ter­vi­si­on be­ste­hen (§ 6 Nr. 8, Nr. 9 Fort­bil­dungs­ord­nung der Psy­cho­the­ra­peu­ten­kam­mer Ham­burg vom 24.11.2004). Su­per­vi­sio­nen fin­den in Kran­kenhäusern teil­wei­se auch während der Ar­beits­zeit statt.

Ein­zel­su­per­vi­si­ons­stun­den, die die Be­klag­te spe­zi­ell und ein­zig mit der Kläge­rin oder Grup­pen­su­per­vi­si­onstun­den, die die Be­klag­te nur mit Psy­cho­lo­gen in Aus­bil­dung durch­geführt hätte, würden nicht zur Ar­beit gehören mit der Fol­ge, dass der Ar­beit­ge­ber kei­ne Ar­beits­vergütung zu zah­len hätte. Dass es sich bei den von Be­klag­ten be­haup­te­ten wöchent­li­chen 5 Su­per­vi­si­ons­stun­den um der­ar­ti­ge St­un­den ge­han­delt hätte, ist von ihr nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert vor­ge­tra­gen wor­den.

Prak­ti­sche Tätig­keit und prak­ti­sche Aus­bil­dung sind zu un­ter­schei­den (§ 2 und § 4 Aus­bil­dungs- und Prüfungs­ver­ord­nung für Psy­cho­lo­gi­sche Psy­cho­the­ra­peu­ten). Bei der Be­klag­ten hat die Kläge­rin ih­re prak­ti­sche Tätig­keit in vol­lem Um­fang und ih­re prak­ti­sche Aus­bil­dung zum Teil (von 600 ge­for­der­ten 238 Be­hand­lungs­stun­den) ab­sol­viert.

Für die prak­ti­sche Aus­bil­dung sind Be­hand­lungs­stun­den un­ter Su­per­vi­si­on vor­ge­se­hen. Ne­ben den in psych­ia­tri­schen Kli­ni­ken für Ärz­te, Psy­cho­lo­gen

13

und Psy­cho­the­ra­peu­ten übli­chen Su­per­vi­sio­nen gibt es dem­nach spe­zi­el­le Su­per­vi­sio­nen, die in § 4 der Aus­bil­dung- und Prüfungs­ver­ord­nung für Psy­cho­lo­gi­sche Psy­cho­the­ra­peu­ten an­ge­spro­chen sind. Dort heißt es, dass 150 Su­per­vi­si­ons­stun­den, von de­nen min­des­tens 50 St­un­den als Ein­zel­su­per­vi­si­on durch­zuführen sind, ver­langt wer­den und dass die­se Su­per­vi­si­ons­stun­den bei min­des­tens drei Su­per­vi­so­ren ab­zu­leis­ten sind. Dass die Kläge­rin bei der Be­klag­ten Su­per­vi­si­ons­stun­den die­ser Art ge­nos­sen hätte, wird von der Be­klag­ten nicht vor­ge­tra­gen. Eben­so spricht der Um­stand, dass die Be­klag­te die ex­ak­te An­zahl der Su­per­vi­si­ons­stun­den wie auch die Zahl der Su­per­vi­so­ren der Kläge­rin nicht be­schei­nig­te, da­ge­gen, dass es sich bei den von ihr an­ge­bo­te­nen Su­per­vi­sio­nen um Su­per­vi­sio­nen i.S.v. § 4 der Aus­bil­dung- und Prüfungs­ver­ord­nung für Psy­cho­lo­gi­sche Psy­cho­the­ra­peu­ten ge­han­delt hat. In ih­ren Be­schei­ni­gun­gen vom 11.6.2009 (An­la­gen K 6 und K 7, Bl. 14 und 15 der Ak­te) heißt es le­dig­lich pau­schal, dass die Su­per­vi­si­ons­stun­den der Kläge­rin zusätz­lich zu den St­un­den der prak­ti­schen Tätig­keit gemäß § 2 der Aus­bil­dungs- und Prüfungs­ver­ord­nung für Psy­cho­lo­gi­sche Psy­cho­the­ra­peu­ten statt­ge­fun­den ha­ben. Die An­zahl der Su­per­vi­si­ons­stun­den ist von der Be­klag­ten in den Be­schei­ni­gun­gen vom 11.6.2009 (Anl. K 6 und K 7) nicht aus­ge­wie­sen wor­den.

dd) Der Um­stand, dass die Kläge­rin - wie die Be­klag­te be­tont - nicht als Psy­cho­lo­gin ein­ge­stellt wur­de, ist für die Ein­grup­pie­rung nicht ent­schei­dend. Maßge­bend ist die tatsächlich aus­geübte Tätig­keit.

3. Auch der Zins­an­spruch ist be­gründet. Er er­gibt sich aus §§ 247, 286, 288, 291 BGB. Nach al­le­dem muss­te der Kla­ge in vol­lem Um­fang statt­ge­ge­ben wer­den.

4. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 91 ZPO i.V.m. § 46 Abs. 2 ArbGG. Als un­ter­lie­gen­de Par­tei war die be­klag­te da­zu zu ver­ur­tei­len, die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.

5. Der Streit­wert war gem. § 61 Abs. 1 ArbGG im Ur­teil fest­zu­set­zen. Er ent­spricht der Sum­mer der ein­ge­klag­ten Beträge.


Rechts­mit­tel­be­leh­rung


Die Be­klag­te kann ge­gen die­ses Ur­teil Be­ru­fung ein­le­gen, so­weit der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stands € 600,00 über­steigt.

14

Die Be­ru­fungs­schrift muss das Ur­teil be­zeich­nen, ge­gen das die Be­ru­fung ge­rich­tet ist, und die Erklärung ent­hal­ten, dass ge­gen die­ses Ur­teil Be­ru­fung ein­ge­legt wird.

Die Be­ru­fungs­schrift und die Be­ru­fungs­be­gründung müssen un­ter­schrie­ben sein

a) von ei­nem Rechts­an­walt, der bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­sen ist, oder
b) von ei­ner Ge­werk­schaft, ei­ner Ver­ei­ni­gung von Ar­beit­ge­bern oder ei­nem Zu­sam­men­schluss sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der. Dies gilt ent­spre­chend für ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der vor­ge­nann­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

Die Frist für die Ein­le­gung der Be­ru­fung beträgt ei­nen Mo­nat, die Frist für die Be­gründung der Be­ru­fung zwei Mo­na­te. Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die An­schrift des Be­ru­fungs­ge­richts lau­tet: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg, Post­fach 76 07 20, 22057 Ham­burg bzw. Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg, Os­ter­bek­s­traße 96, 22083 Ham­burg.


St­ein

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 21 Ca 43/12  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880