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Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters durch BAT-Le­bens­al­ters­stu­fen

EuGH be­stä­tigt Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung durch BAT-Le­bens­al­ters­stu­fen. Über­lei­tung des dis­kri­mi­nie­ren­den Ge­halts­ge­fü­ges vom BAT in den TVöD ist aber rech­tens: EuGH, Ur­teil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hen­nings und Mai)
Europafahne
14.09.2011. Ta­rif­ver­trag­li­che Le­bens­al­ters­stu­fen be­sa­gen, dass man bei glei­cher Ar­beit und glei­cher Be­rufs­er­fah­rung mehr Geld als an­de­re be­kommt, weil man äl­ter ist. Le­bens­al­ters­stu­fen sind im Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag (BAT) vor­ge­se­hen, und sie sind nach über­wie­gen­der Ein­schät­zung der Ar­beits­ge­rich­te und ar­beits­recht­li­chen Au­to­ren ei­ne vom All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) ver­bo­te­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters.

Nun wur­de der BAT zwar vor ei­ni­gen Jah­ren durch den Ta­rif­ver­trag für den öf­fent­li­chen Dienst (TVöD) ab­ge­löst, der Le­bens­al­ters­stu­fen nicht mehr ent­hält, doch wur­den die be­ste­hen­den Ar­beits­ver­hält­nis­se vom BAT in den TVöD un­ter Wah­rung des Be­sitz­stan­des über­ge­lei­tet: Wer zu­letzt auf­grund der BAT-Le­bens­al­ters­stu­fen mehr er­hielt als ein jün­ge­rer Kol­le­ge, hat zu­nächst ein­mal ein hö­he­res TVöD-Aus­gangs­ge­halt als der jün­ge­re Kol­le­ge.

Auf­grund ei­ner Vor­la­ge des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) hat der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof (EuGH) vor ei­ni­gen Ta­gen ent­schie­den, dass die BAT-Le­bens­al­ters­stu­fen wirk­lich ei­ne Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung jün­ge­rer Ar­beit­neh­mer sind. Bei der Ge­le­gen­heit hat der EuGH auch klar­ge­stellt, dass die be­sitz­stands­wah­ren­de Über­lei­tung des be­ste­hen­den dis­kri­mi­nie­ren­den Ge­halts­ge­fü­ges vom BAT in den TVöD recht­lich zu­läs­sig ist: EuGH, Ur­teil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hen­nings und Mai).

Ist die Überleitung von BAT auf TVöD eine Fortsetzung der Altersdiskriminierung durch die Lebensaltersstufen im BAT?

Auf­grund der BAT-Le­bens­al­ters­stu­fen er­hal­ten Ar­beit­neh­mer al­ters­abhängig al­le zwei Jah­re mehr Lohn, bis die End­grund­vergütung er­reicht ist. Die­se Schlech­ter­stel­lung jünge­rer Ar­beit­neh­mer verstößt recht klar ge­gen das AGG. Denn das AGG ver­bie­tet Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen des Al­ters im Er­werbs­le­ben (§ 1, § 2 Abs.1 Nr.2; § 7 Abs.1 AGG). Al­len­falls wäre ei­ne Lohn­dif­fe­ren­zie­rung nach dem Dienst­al­ter ge­recht­fer­tigt, d.h. durch die un­ter­schied­lich große Be­rufs­er­fah­rung.

Da der BAT trotz Einführung des TVöD im Ok­to­ber 2005 auf vie­le Ar­beits­verhält­nis­se wei­ter an­ge­wandt wur­de, v.a. in Ber­lin, ha­ben vie­le jünge­re Ar­beit­neh­mer auf glei­chen Lohn ge­klagt. Denn spätes­tens mit In­kraft­tre­ten des AGG am 18.08.2006 sind Le­bens­al­ters­stu­fen kaum mehr zu recht­fer­ti­gen - oder viel­leicht doch?

Und auch vie­le nach dem TVöD be­zahl­ten Ar­beit­neh­mer fra­gen nicht oh­ne Grund, ob die nach Über­lei­tung ih­rer Gehälter vom BAT in den TVöD fort­be­ste­hen­de Bes­ser­stel­lung älte­rer Ar­beit­neh­mer rech­tens ist. Können die in­fol­ge der Be­sitz­stands­re­ge­lung schlech­ter be­zahl­ten jünge­ren Ar­beit­neh­mer mehr Geld ver­lan­gen, nämlich den Lohn, den sie be­zie­hen würden, wenn sie aus der höchs­ten BAT-Le­bens­al­ters­stu­fe in den TVöD über­ge­lei­tet wor­den wären?

Die­se bei­den Fra­gen hat das BAG im Mai 2010 dem EuGH zur Klärung vor­ge­legt (Be­schluss vom 20.05.2010, 6 AZR 148/09 (A) und Be­schluss vom 20.05.2010, 6 AZR 319/09 (A)), der sie nun­mehr be­ant­wor­tet hat (Ur­teil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hen­nigs und Mai).

EuGH: BAT-Lebensalterstufen sind altersdiskriminierend, Überleitung in den TVöD ist rechtens

In dem ei­nen der BAG-Fälle ging es um den Geschäftsführer ei­nes Ber­li­ner Pfle­ge­heims, Herrn Mai, der auf Be­zah­lung nach der höchs­ten BAT-Le­bens­al­ters­stu­fe ge­klagt hat­te. In dem an­de­ren Fall ging es um ei­ne Bau­in­ge­nieu­rin, Frau Hen­nigs, die in den TVöD über­ge­lei­tet wor­den war, aber nicht auf Grund­la­ge der höchs­ten BAT-Le­bens­al­ters­stu­fe. Und die­se woll­te sie ha­ben.

Der EuGH ent­schied, dass die BAT-Le­bens­al­ters­stu­fen ei­ne Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung be­inhal­ten - was nicht über­rascht. Denn das Ziel, Be­rufs­er­fah­rung bes­ser zu be­zah­len, kann durch Berück­sich­ti­gung des Dienst­al­ters er­reicht wer­den. Die Fort­set­zung der Bes­ser­stel­lung älte­rer Ar­beit­neh­mer durch die Über­lei­tung vom BAT in den TVöD ist aber, so der EuGH, rech­tens, da sie nur zeit­lich be­grenzt ist und das Ziel ver­folgt, den Ta­rif­wech­sel vom BAT zum TVöD oh­ne Vergütungs­nach­tei­le für die Be­trof­fe­nen durch­zuführen.

Fa­zit: Die Le­bens­al­ters­stu­fen des BAT sind ei­ne ver­bo­te­ne Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung. Wer im­mer noch oder bis vor kur­zem nach BAT be­zahlt wird bzw. wur­de, soll­te da­her sei­ne Ansprüche zur Wah­rung von Aus­schluss­fris­ten schrift­lich gel­tend ma­chen und/oder ei­ne Lohn­kla­ge er­he­ben. Den vom BAT in den TVöD über­ge­lei­te­ten An­ge­stell­ten des öffent­li­chen Diens­tes hilft das ak­tu­el­le EuGH-Ur­teil da­ge­gen nicht.

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Letzte Überarbeitung: 21. September 2016

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