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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Diskriminierung: Sexuelle Identität, Diskriminierung: Einstellung
   
Gericht: Europäischer Gerichtshof
Akten­zeichen: C-81/12
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 25.04.2013
   
Leit­sätze:

1. Art. 2 Abs. 2 und Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf sind da­hin aus­zu­le­gen, dass Tat­sa­chen, wie sie dem Aus­gangs­ver­fah­ren zu­grun­de lie­gen, in Be­zug auf ei­nen Pro­fi­fußball­ver­ein auch dann als „Tat­sa­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen“, ge­wer­tet wer­den können, wenn die be­tref­fen­den Äußerun­gen von ei­ner Per­son stam­men, die sich als Haupt­geschäftsführer die­ses Ver­eins dar­stellt und in den Me­di­en und in der Ge­sell­schaft als sol­cher wahr­ge­nom­men wird, oh­ne not­wen­di­ger­wei­se recht­lich be­fugt zu sein, den Ver­ein zu bin­den oder bei Ein­stel­lun­gen zu ver­tre­ten.

2. Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass in dem Fall, dass Tat­sa­chen, wie sie dem Aus­gangs­ver­fah­ren zu­grun­de lie­gen, als „Tat­sa­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung“ auf­grund der se­xu­el­len Aus­rich­tung bei der Ein­stel­lung von Spie­lern durch ei­nen Pro­fi­fußball­ver­ein „ver­mu­ten las­sen“, ge­wer­tet wer­den können, die Be­weis­last, wie sie in Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ge­re­gelt ist, nicht da­zu führt, dass ein Be­weis ver­langt wird, der unmöglich zu er­brin­gen ist, oh­ne das Recht auf Ach­tung des Pri­vat­le­bens zu ver­let­zen.

3. Art. 17 der Richt­li­nie 2000/78 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung, nach der bei Fest­stel­lung ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund der se­xu­el­len Aus­rich­tung im Sin­ne die­ser Richt­li­nie als Sank­ti­on nur ei­ne Ver­war­nung wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de aus­ge­spro­chen wer­den kann, wenn die­se Fest­stel­lung nach Ab­lauf der Verjährungs­frist von sechs Mo­na­ten ab dem Zeit­punkt ge­trof­fen wird, zu dem sich der Sach­ver­halt zu­ge­tra­gen hat, dann ent­ge­gen­steht, wenn ei­ne sol­che Dis­kri­mi­nie­rung bei An­wen­dung die­ser Re­ge­lung nicht un­ter ma­te­ri­ell- und ver­fah­rens­recht­li­chen Be­din­gun­gen sank­tio­niert wird, un­ter de­nen die Sank­ti­on wirk­sam, verhält­nismäßig und ab­schre­ckend wäre. Es ist Auf­ga­be des vor­le­gen­den Ge­richts, zu be­ur­tei­len, ob dies bei der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Re­ge­lung der Fall ist, und ge­ge­be­nen­falls das na­tio­na­le Recht so weit wie möglich an­hand des Wort­lauts und des Zwecks der Richt­li­nie aus­zu­le­gen.

Vor­ins­tan­zen:
   

UR­TEIL DES GERICH­TSHOFS (Drit­te Kam­mer)

25. April 2013(*)

„So­zi­al­po­li­tik – Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf –Richt­li­nie 2000/78/EG – Art. 2 Abs. 2 Buchst. a, Art. 10 Abs. 1 und Art. 17 – Ver­bot von Dis­kri­mi­nie­run­gen auf­grund der se­xu­el­len Aus­rich­tung – Be­griff ‚Tat­bestände, die auf ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung schließen las­sen‘ – Be­weis­last­re­ge­lung – Wirk­sa­me, verhält­nismäßige und ab­schre­cken­de Sank­tio­nen – Per­son, die sich als Geschäftsführer ei­nes Pro­fi­fußball­ver­eins dar­stellt und in der Öffent­lich­keit als sol­cher wahr­ge­nom­men wird – Öffent­li­che Äußerun­gen, mit de­nen die Ein­stel­lung ei­nes als ho­mo­se­xu­ell dar­ge­stell­ten Fußball­spie­lers aus­ge­schlos­sen wird“

In der Rechts­sa­che C‑81/12

be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 AEUV, ein­ge­reicht von der Cur­te de Apel Bu­cu­reşti (Rumänien) mit Ent­schei­dung vom 12. Ok­to­ber 2011, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 14. Fe­bru­ar 2012, in dem Ver­fah­ren

Aso­ciaţia Ac­cept

ge­gen

Con­si­li­ul Naţio­nal pen­tru Com­ba­te­rea Dis­cri­minării

erlässt

DER GERICH­TSHOF (Drit­te Kam­mer)

un­ter Mit­wir­kung des Kam­mer­präsi­den­ten M. Ilešič, des Präsi­den­ten des Ge­richts­hofs V. Skou­ris in Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben ei­nes Rich­ters der Drit­ten Kam­mer so­wie der Rich­ter E. Ja­rašiūnas, A. Ó Cao­imh (Be­richt­er­stat­ter) und C. G. Fern­lund,

Ge­ne­ral­an­walt: N. Jääski­nen,

Kanz­ler: M. Alek­se­jev, Ver­wal­tungs­rat,

auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 23. Ja­nu­ar 2013,

un­ter Berück­sich­ti­gung der Erklärun­gen

– der Aso­ciaţia Ac­cept, ver­tre­ten durch R.‑I. Io­nescu, avo­cat,

– des Con­si­li­ul Naţio­nal pen­tru Com­ba­te­rea Dis­cri­minării, ver­tre­ten durch C. F. Asz­ta­los, C. Nuică und C. Vlad als Be­vollmäch­tig­te,

– der rumäni­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch R. H. Ra­du, E. Ga­ne und A. Voi­cu als Be­vollmäch­tig­te,

– der Eu­ropäischen Kom­mis­si­on, ver­tre­ten durch J. En­e­gren und C. Gheor­ghiu als Be­vollmäch­tig­te,

auf­grund des nach Anhörung des Ge­ne­ral­an­walts er­gan­ge­nen Be­schlus­ses, oh­ne Schluss­anträge über die Rechts­sa­che zu ent­schei­den,

fol­gen­des

Ur­teil

1 Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung von Art. 2 Abs. 2 Buchst. a, Art. 10 Abs. 1 und Art. 17 der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (ABl. L 303, S. 16).
2 Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen der Aso­ciaţia Ac­cept (im Fol­gen­den: Ac­cept) und dem Con­si­li­ul Naţio­nal pen­tru Com­ba­te­rea Dis­cri­minării (Na­tio­na­ler Rat für die Bekämp­fung der Dis­kri­mi­nie­rung, im Fol­gen­den: CN­CD) über des­sen Ent­schei­dung, ei­ne Be­schwer­de we­gen öffent­li­cher Äußerun­gen ei­ner Per­son – die sich als Geschäftsführer ei­nes Pro­fi­fußball­ver­eins dar­stellt und in der Öffent­lich­keit als sol­cher wahr­ge­nom­men wird –, mit de­nen die Ein­stel­lung ei­nes als ho­mo­se­xu­ell dar­ge­stell­ten Fußball­spie­lers durch die­sen Ver­ein aus­ge­schlos­sen wird, teil­wei­se zurück­zu­wei­sen.

Recht­li­cher Rah­men

Uni­ons­recht

3 Nach Art. 1 der Richt­li­nie 2000/78 be­steht de­ren „Zweck [in der] Schaf­fung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens zur Bekämp­fung der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Aus­rich­tung in Beschäfti­gung und Be­ruf im Hin­blick auf die Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung in den Mit­glied­staa­ten“.
4 In den Erwägungs­gründen 15, 28, 31 und 35 die­ser Richt­li­nie heißt es:

„(15) Die Be­ur­tei­lung von Tat­beständen, die auf ei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung schließen las­sen, ob­liegt den ein­zel­staat­li­chen ge­richt­li­chen In­stan­zen oder an­de­ren zuständi­gen Stel­len nach den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten oder Ge­pflo­gen­hei­ten …

(28) In die­ser Richt­li­nie wer­den Min­dest­an­for­de­run­gen fest­ge­legt; es steht den Mit­glied­staa­ten so­mit frei, güns­ti­ge­re Vor­schrif­ten ein­zuführen oder bei­zu­be­hal­ten. …

(31) Ei­ne Ände­rung der Re­geln für die Be­weis­last ist ge­bo­ten, wenn ein glaub­haf­ter An­schein ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung be­steht. Zur wirk­sa­men An­wen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes ist ei­ne Ver­la­ge­rung der Be­weis­last auf die be­klag­te Par­tei er­for­der­lich, wenn ei­ne sol­che Dis­kri­mi­nie­rung nach­ge­wie­sen ist. …

(35) Die Mit­glied­staa­ten soll­ten wirk­sa­me, verhält­nismäßige und ab­schre­cken­de Sank­tio­nen für den Fall vor­se­hen, dass ge­gen die aus die­ser Richt­li­nie er­wach­sen­den Ver­pflich­tun­gen ver­s­toßen wird.“

5 Art. 2 („Der Be­griff ‚Dis­kri­mi­nie­rung‘“) Abs. 1 bis 3 der Richt­li­nie sieht vor:

„(1) Im Sin­ne die­ser Richt­li­nie be­deu­tet ‚Gleich­be­hand­lungs­grund­satz‘, dass es kei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­nes der in Ar­ti­kel 1 ge­nann­ten Gründe ge­ben darf.

(2) Im Sin­ne des Ab­sat­zes 1

a) liegt ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung vor, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes der in Ar­ti­kel 1 ge­nann­ten Gründe in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt, als ei­ne an­de­re Per­son erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde;

(3) Un­erwünsch­te Ver­hal­tens­wei­sen, die mit ei­nem der Gründe nach Ar­ti­kel 1 in Zu­sam­men­hang ste­hen und be­zwe­cken oder be­wir­ken, dass die Würde der be­tref­fen­den Per­son ver­letzt und ein von Einschüchte­run­gen, An­fein­dun­gen, Er­nied­ri­gun­gen, Entwürdi­gun­gen oder Be­lei­di­gun­gen ge­kenn­zeich­ne­tes Um­feld ge­schaf­fen wird, sind Belästi­gun­gen, die als Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne von Ab­satz 1 gel­ten. In die­sem Zu­sam­men­hang können die Mit­glied­staa­ten den Be­griff ‚Belästi­gung‘ im Ein­klang mit den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und Ge­pflo­gen­hei­ten de­fi­nie­ren.“

6 Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 be­stimmt:

„Im Rah­men der auf die [Eu­ropäische Uni­on] über­tra­ge­nen Zuständig­kei­ten gilt die­se Richt­li­nie für al­le Per­so­nen in öffent­li­chen und pri­va­ten Be­rei­chen, ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len, in Be­zug auf

a) die Be­din­gun­gen – ein­sch­ließlich Aus­wahl­kri­te­ri­en und Ein­stel­lungs­be­din­gun­gen – für den Zu­gang zu un­selbständi­ger und selbständi­ger Er­werbstätig­keit, un­abhängig von Tätig­keits­feld und be­ruf­li­cher Po­si­ti­on …

…“

7 Art. 8 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 sieht vor, dass „[d]ie Mit­glied­staa­ten … Vor­schrif­ten einführen oder bei­be­hal­ten [können], die im Hin­blick auf die Wah­rung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes güns­ti­ger als die in die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Vor­schrif­ten sind“.
8 In Art. 9 der Richt­li­nie heißt es:

„(1) Die Mit­glied­staa­ten stel­len si­cher, dass al­le Per­so­nen, die sich durch die Nicht­an­wen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes in ih­ren Rech­ten für ver­letzt hal­ten, ih­re Ansprüche aus die­ser Richt­li­nie auf dem Ge­richts- und/oder Ver­wal­tungs­weg … gel­tend ma­chen können …

(2) Die Mit­glied­staa­ten stel­len si­cher, dass Verbände, Or­ga­ni­sa­tio­nen oder an­de­re ju­ris­ti­sche Per­so­nen, die gemäß den in ih­rem ein­zel­staat­li­chen Recht fest­ge­leg­ten Kri­te­ri­en ein rechtmäßiges In­ter­es­se dar­an ha­ben, für die Ein­hal­tung der Be­stim­mun­gen die­ser Richt­li­nie zu sor­gen, sich ent­we­der im Na­men der be­schwer­ten Per­son oder zu de­ren Un­terstützung und mit de­ren Ein­wil­li­gung an den in die­ser Richt­li­nie zur Durch­set­zung der Ansprüche vor­ge­se­he­nen Ge­richts- und/oder Ver­wal­tungs­ver­fah­ren be­tei­li­gen können.

(3) Die Absätze 1 und 2 las­sen ein­zel­staat­li­che Re­ge­lun­gen über Fris­ten für die Rechts­ver­fol­gung be­tref­fend den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz un­berührt.“

9 Art. 10 („Be­weis­last“) der Richt­li­nie be­stimmt in sei­nen Abs. 1 bis 4:

„(1) Die Mit­glied­staa­ten er­grei­fen im Ein­klang mit ih­rem na­tio­na­len Ge­richts­we­sen die er­for­der­li­chen Maßnah­men, um zu gewähr­leis­ten, dass im­mer dann, wenn Per­so­nen, die sich durch die Nicht­an­wen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes für ver­letzt hal­ten und bei ei­nem Ge­richt oder ei­ner an­de­ren zuständi­gen Stel­le Tat­sa­chen glaub­haft ma­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen, es dem Be­klag­ten ob­liegt zu be­wei­sen, dass kei­ne Ver­let­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes vor­ge­le­gen hat.

(2) Ab­satz 1 lässt das Recht der Mit­glied­staa­ten, ei­ne für den Kläger güns­ti­ge­re Be­weis­last­re­ge­lung vor­zu­se­hen, un­berührt.

(3) Ab­satz 1 gilt nicht für Straf­ver­fah­ren.

(4) Die Absätze 1, 2 und 3 gel­ten auch für Ver­fah­ren gemäß Ar­ti­kel 9 Ab­satz 2.“

10 Art. 17 der Richt­li­nie 2000/78 sieht vor:

„Die Mit­glied­staa­ten le­gen die Sank­tio­nen fest, die bei ei­nem Ver­s­toß ge­gen die ein­zel­staat­li­chen Vor­schrif­ten zur An­wen­dung die­ser Richt­li­nie zu verhängen sind, und tref­fen al­le er­for­der­li­chen Maßnah­men, um de­ren Durchführung zu gewähr­leis­ten. Die Sank­tio­nen, die auch Scha­den­er­satz­leis­tun­gen an die Op­fer um­fas­sen können, müssen wirk­sam, verhält­nismäßig und ab­schre­ckend sein. …“

Rumäni­sches Recht

11 Die Re­gie­rungs­ver­ord­nung Nr. 137 vom 31. Au­gust 2000 über die Ver­hin­de­rung und Sank­tio­nie­rung je­der Form von Dis­kri­mi­nie­rung in der ins­be­son­de­re durch das Ge­setz Nr. 324 vom 14. Ju­li 2006 geänder­ten, ergänz­ten und am 8. Fe­bru­ar 2007 neu be­kannt ge­mach­ten Fas­sung (Mo­ni­to­rul Ofi­ci­al al României, Teil I, Nr. 99, vom 8. Fe­bru­ar 2007, im Fol­gen­den: OG Nr. 137/2000) dient u. a. der Um­set­zung der Richt­li­nie 2000/78.
12 Nach Art. 2 Abs. 11 der OG Nr. 137/2000 löst ein dis­kri­mi­nie­ren­des Ver­hal­ten un­ter den ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Vor­aus­set­zun­gen je nach Fall ei­ne zi­vil­recht­li­che, ord­nungs­wid­rig­kei­ten­recht­li­che oder straf­recht­li­che Haf­tung aus.
13 Art. 5 der OG Nr. 137/2000 qua­li­fi­ziert u. a. den Um­stand, dass die Teil­nah­me ei­ner Per­son an ei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit von ih­rer se­xu­el­len Aus­rich­tung abhängig ge­macht wird, als Ord­nungs­wid­rig­keit.
14 Nach Art. 7 Abs. 1 der OG Nr. 137/2000 stellt es - außer in den ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Fällen - ei­ne Ord­nungs­wid­rig­keit dar, wenn ei­ne natürli­che oder ju­ris­ti­sche Per­son es u. a. we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung ei­ner Per­son ab­lehnt, die­se ein­zu­stel­len.
15 Art. 15 der OG Nr. 137/2000 sieht vor:

„Je­de Ver­hal­tens­wei­se …, die be­zweckt, we­gen … der se­xu­el­len Aus­rich­tung ei­ner Per­son, ei­ner Per­so­nen­grup­pe oder ei­ner Ge­mein­schaft de­ren Würde zu ver­let­zen oder ein von Einschüchte­run­gen, An­fein­dun­gen, Er­nied­ri­gun­gen, Entwürdi­gun­gen oder Be­lei­di­gun­gen ge­kenn­zeich­ne­tes Um­feld zu schaf­fen, stellt, so­fern sie nicht un­ter das Straf­recht fällt, ei­ne Ord­nungs­wid­rig­keit … dar.“

16 In Art. 20 der OG Nr. 137/2000 heißt es:

„(1) Wer sich dis­kri­mi­niert fühlt, kann in­ner­halb ei­ner Frist von ei­nem Jahr be­gin­nend mit dem Zeit­punkt, zu dem sich der Sach­ver­halt zu­ge­tra­gen hat, oder dem Zeit­punkt, ab dem er da­von hätte Kennt­nis er­lan­gen können, den [CN­CD] an­ru­fen.

(2) Der [CN­CD] ent­schei­det über den An­trag durch Be­schluss des … Lei­tungs­gre­mi­ums.

(6) Dem Be­trof­fe­nen ob­liegt der Nach­weis für das Vor­lie­gen von Tat­sa­chen, die auf ei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung schließen las­sen, während dem­je­ni­gen, ge­gen den die Be­schwer­de er­ho­ben wur­de, der Be­weis dafür ob­liegt, dass der Sach­ver­halt kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stellt. …

(7) Der Be­schluss des Lei­tungs­gre­mi­ums über den An­trag er­geht in­ner­halb von 90 Ta­gen ab dem Zeit­punkt der An­trag­stel­lung und be­inhal­tet: … die Mo­da­litäten der Zah­lung der Geld­buße, …

…“

17

In Art. 26 Abs. 1 und 2 der OG Nr. 137/2000 heißt es:

„(1) Die in den Art. … 5 bis 8 … und 15 vor­ge­se­he­nen Ord­nungs­wid­rig­kei­ten wer­den mit ei­ner Geld­buße in Höhe von 400 bis 4 000 RON ge­ahn­det, wenn sich die Dis­kri­mi­nie­rung auf ei­ne natürli­che Per­son be­zieht, und mit ei­ner Geld­buße in Höhe von 600 bis 8 000 RON, wenn sich die Dis­kri­mi­nie­rung auf ei­ne Per­so­nen­grup­pe oder ei­ne Ge­mein­schaft be­zieht.

(2) Die Sank­tio­nen können auch ge­gen ju­ris­ti­sche Per­so­nen verhängt wer­den. …“

18 Art. 27 Abs. 1 der OG Nr. 137/2000 be­stimmt:

„Wer sich als Op­fer ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung sieht, kann nach den all­ge­mei­nen Rechts­vor­schrif­ten bei Ge­richt ei­ne Entschädi­gung und die Wie­der­her­stel­lung des Zu­stands, der vor der Dis­kri­mi­nie­rung be­stand, oder die Be­sei­ti­gung des sich aus der Dis­kri­mi­nie­rung er­ge­ben­den Zu­stands be­an­tra­gen. Der An­trag … hängt nicht von ei­ner An­ru­fung des [CN­CD] ab.“

19 Art. 28 Abs. 1 der OG Nr. 137/2000 lau­tet:

„Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen, de­ren Zweck im Schutz der Men­schen­rech­te be­steht oder die ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se an der Bekämp­fung von Dis­kri­mi­nie­run­gen ha­ben, sind kla­ge­be­fugt, wenn die Dis­kri­mi­nie­rung sich in ih­rem Tätig­keits­be­reich ma­ni­fes­tiert und ei­ne Ge­mein­schaft oder Per­so­nen­grup­pe ver­letzt.“

20 Art. 5 Abs. 2 der Re­gie­rungs­ver­ord­nung Nr. 2 vom 12. Ju­li 2001 über die recht­li­che Re­ge­lung von Ord­nungs­wid­rig­kei­ten in geänder­ter und ergänz­ter Fas­sung (Mo­ni­to­rul Ofi­ci­al al României, Teil I, Nr. 410, vom 25. Ju­li 2001, im Fol­gen­den: OG Nr. 2/2001) sieht vor:

„Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­recht­li­che Haupt­sank­tio­nen sind: a) Ver­war­nung; b) Geld­buße; c) Leis­tung ge­meinnützi­ger Ar­beit.“

21 Nach Art. 7 Abs. 1 der OG Nr. 2/2001 be­steht die „Ver­war­nung … dar­in, den Täter münd­lich oder schrift­lich über die So­zi­al­gefähr­lich­keit der Tat zu be­leh­ren, ver­bun­den mit der Er­mah­nung, die ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten zu be­ach­ten“.
22 Gemäß Art. 13 Abs. 1 der OG Nr. 2/2001 beträgt die Verjährungs­frist für die Verhängung ei­ner Geld­buße zur Sank­tio­nie­rung ei­ner Ord­nungs­wid­rig­keit sechs Mo­na­te ab dem Zeit­punkt, zu dem sich der Sach­ver­halt zu­ge­tra­gen hat.
23 Art. 13 Abs. 4 der OG Nr. 2/2001 sieht vor, dass durch spe­zi­el­le Ge­set­ze an­de­re Verjährungs­fris­ten für die Verhängung ord­nungs­wid­rig­kei­ten­recht­li­cher Sank­tio­nen vor­ge­se­hen wer­den können.

Aus­gangs­ver­fah­ren und Vor­la­ge­fra­gen

24 Am 3. März 2010 er­hob Ac­cept, ei­ne Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on, die die Förde­rung und den Schutz der Rech­te les­bi­scher, schwu­ler, bi- und trans­se­xu­el­ler Per­so­nen zum Ziel hat, Be­schwer­de ge­gen Herrn Be­ca­li und den SC Fot­bal Club Steaua Bu­cu­rești SA (im Fol­gen­den: FC Steaua), mit der sie ei­nen Ver­s­toß ge­gen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz bei Ein­stel­lun­gen rügte.
25 Zur Be­gründung ih­rer Be­schwer­de mach­te Ac­cept gel­tend, Herr Be­ca­li ha­be am 13. Fe­bru­ar 2010 im Rah­men ei­nes In­ter­views zu ei­nem mögli­chen Trans­fer des Fußball­pro­fis X und des­sen ver­mu­te­ter se­xu­el­ler Aus­rich­tung die in der ers­ten Fra­ge des vor­lie­gen­den Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens wie­der­ge­ge­be­nen Äußerun­gen ab­ge­ge­ben. Die­sen Äußerun­gen las­se sich u. a. ent­neh­men, dass Herr Be­ca­li eher auf ei­nen Nach­wuchs­spie­ler zurück­grei­fen würde, als ei­nen als ho­mo­se­xu­ell dar­ge­stell­ten Fußball­spie­ler ein­zu­stel­len. Die von Herrn Be­ca­li auf­ge­grif­fe­nen Ver­mu­tun­gen von Jour­na­lis­ten, X sei ho­mo­se­xu­ell, hätten den Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­trags mit die­sem Spie­ler ver­ei­telt.
26 Nach An­sicht von Ac­cept hat Herr Be­ca­li ei­ne auf die se­xu­el­le Aus­rich­tung ge­gründe­te un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung be­gan­gen und da­mit ge­gen den Gleich­heits­grund­satz bei der Ein­stel­lung ver­s­toßen und die Würde ho­mo­se­xu­el­ler Per­so­nen ver­letzt. 
27

In Be­zug auf den an­de­ren Be­schwer­de­geg­ner vor dem CN­CD, den FC Steaua, mach­te Ac­cept gel­tend, die­ser Fußball­ver­ein ha­be sich trotz des Um­stands, dass die Äußerun­gen von Herrn Be­ca­li in den Me­di­en ver­brei­tet wor­den sei­en, zu kei­ner Zeit von die­sen Äußerun­gen dis­tan­ziert. Viel­mehr ha­be der An­walt des FC Steaua bestätigt, dass es sich da­bei um die Ein­stel­lungs­po­li­tik des Ver­eins han­de­le, da „die Mann­schaft ei­ne Fa­mi­lie [sei]“ und die An­we­sen­heit ei­nes Ho­mo­se­xu­el­len in der Mann­schaft „zu Span­nun­gen bei der Mann­schaft und in den Rei­hen der Zu­schau­er führen würde“. Ac­cept ver­trat außer­dem die An­sicht, Herr Be­ca­li sei zu dem Zeit­punkt, als er die frag­li­chen Äußerun­gen ab­ge­ge­ben ha­be, noch Ak­ti­onär des FC Steaua ge­we­sen.

28 Mit Be­schluss vom 13. Ok­to­ber 2010 stell­te der CN­CD u. a. fest, dass der Sach­ver­halt des Aus­gangs­ver­fah­rens außer­halb des Gel­tungs­be­reichs ei­nes mögli­chen Ar­beits­verhält­nis­ses lie­ge. Die Äußerun­gen von Herrn Be­ca­li könn­ten nicht als von ei­nem Ar­beit­ge­ber oder dem ge­setz­li­chen Ver­tre­ter ei­nes Ar­beit­ge­bers oder ei­ner für die Ein­stel­lung ver­ant­wort­li­chen Per­son stam­mend an­ge­se­hen wer­den, auch wenn Herr Be­ca­li zum Zeit­punkt der Äußerun­gen die Ei­gen­schaft ei­nes Ak­ti­onärs des FC Steaua in­ne­ge­habt ha­be.
29 Nach An­sicht des CN­CD stel­len die Äußerun­gen von Herrn Be­ca­li je­doch ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung in Form ei­ner Belästi­gung dar. Er be­leg­te Herrn Be­ca­li des­halb mit der Sank­ti­on ei­ner Ver­war­nung, der gemäß Art. 13 Abs. 1 der OG Nr. 2/2001 zu die­sem Zeit­punkt ein­zig mögli­chen Sank­ti­on, da der Be­schluss des CN­CD später als sechs Mo­na­te nach dem Zeit­punkt er­ging, zu dem sich der Sach­ver­halt zu­ge­tra­gen hat­te.
30 Ge­gen die­sen Be­schluss hat Ac­cept beim vor­le­gen­den Ge­richt Kla­ge er­ho­ben und in ers­ter Li­nie be­an­tragt, die­sen Be­schluss auf­zu­he­ben, wei­ter, ins­be­son­de­re fest­zu­stel­len, dass der strei­ti­ge Sach­ver­halt in den Be­reich der Ar­beit fal­le und dass Tat­sa­chen er­wie­sen sei­en, die den Schluss auf ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung zu­ließen, und schließlich, an­stel­le ei­ner Ver­war­nung ei­ne Geld­buße als Sank­ti­on zu verhängen.
31 Das vor­le­gen­de Ge­richt ist der An­sicht, dass ihm das Ur­teil des Ge­richts­hofs vom 10. Ju­li 2008, Fe­ryn (C-54/07, Slg. 2008, I-5187), kei­ne hin­rei­chen­de Hil­fe bie­te, wenn die dis­kri­mi­nie­ren­den Äußerun­gen von ei­ner Per­son stamm­ten, die die ein­stel­len­de Ge­sell­schaft recht­lich zwar nicht ver­pflich­ten, aber de­ren Ent­schei­dun­gen we­gen ih­rer en­gen Be­zie­hun­gen zu ihr maßgeb­lich be­ein­flus­sen könne oder die zu­min­dest als ei­ne Per­son an­ge­se­hen wer­den könne, die die­se Ent­schei­dun­gen maßgeb­lich be­ein­flus­se.
32 Nach An­sicht des vor­le­gen­den Ge­richts ist das Verhält­nis zwi­schen dem FC Steaua und Herrn Be­ca­li je­den­falls aty­pisch. In recht­li­cher Hin­sicht ha­be die­ser nämlich die Ak­ti­en, die er am FC Steaua ge­hal­ten ha­be, am 8. Fe­bru­ar 2010 veräußert, was am 23. Fe­bru­ar 2010 in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wor­den sei, während die dis­kri­mi­nie­ren­den Äußerun­gen am 13. Fe­bru­ar 2010 ab­ge­ge­ben wor­den sei­en. Aus den dem Ge­richts­hof vor­lie­gen­den Ak­ten geht her­vor, dass die Veräußerung von Ak­ti­en Drit­ten erst von dem Zeit­punkt an ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den kann, zu dem sie durch Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter öffent­lich ge­macht wird. Dem vor­le­gen­den Ge­richt zu­fol­ge hat Herr Be­ca­li sein Auf­tre­ten in der Öffent­lich­keit nach der Veräußerung der Ak­ti­en nicht geändert und sich wei­ter­hin als „Fi­nan­zier“ des FC Steaua be­zeich­net. Un­ter die­sen Umständen ha­be zwi­schen ihm und dem FC Steaua zu­min­dest nach der in der Öffent­lich­keit herr­schen­den „Vor­stel­lung“ das­sel­be Verhält­nis wie vor der Veräußerung der Ak­ti­en be­stan­den.
33 Des Wei­te­ren fragt sich das vor­le­gen­de Ge­richt, ob es sich für ei­nen Pro­fi­fußball­ver­ein in der Pra­xis als unmöglich er­wei­sen könn­te, sei­ner Pflicht im Rah­men der Be­weis­last­re­ge­lung des Art. 10 der Richt­li­nie 2000/78, das Nicht­vor­lie­gen ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund der se­xu­el­len Aus­rich­tung zu be­wei­sen, nach­zu­kom­men, da der Be­weis des Um­stands, dass ein sol­cher Ver­ein Spie­ler oh­ne Berück­sich­ti­gung ih­rer se­xu­el­len Aus­rich­tung ein­ge­stellt ha­be, das Recht auf Ach­tung des Pri­vat­le­bens ver­let­zen könn­te.
34 Das vor­le­gen­de Ge­richt weist außer­dem dar­auf hin, dass der CN­CD, wenn er nach Ab­lauf der Frist von sechs Mo­na­ten seit dem Zeit­punkt, zu dem sich der Sach­ver­halt zu­ge­tra­gen ha­be, ei­nen Be­schluss er­las­se, nach Art. 13 Abs. 1 der OG Nr. 2/2001 un­abhängig von der Schwe­re ei­ner von ihm mögli­cher­wei­se fest­ge­stell­ten Dis­kri­mi­nie­rung kei­ne Geld­buße verhängen, son­dern als Sank­ti­on le­dig­lich ei­ne „Ver­war­nung“ im Sin­ne von Art. 7 Abs. 1 der ge­nann­ten Re­gie­rungs­ver­ord­nung aus­spre­chen könne, für die kei­ne Verjährung gel­te.
35 Vor die­sem Hin­ter­grund hat die Cur­te de Apel Bu­cu­reşti be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:

1. Ist Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78 an­wend­bar, wenn sich ein Ak­ti­onär ei­nes Fußball­ver­eins, der sich selbst als Haupt­geschäftsführer („Pa­tron“) die­ses Ver­eins dar­stellt und in den Me­di­en und in der Ge­sell­schaft als sol­cher wahr­ge­nom­men wird, in den Me­di­en wie folgt äußert:

„Nicht ein­mal, wenn sich der FC Steaua auflöste, würde ich ei­nen Ho­mo­se­xu­el­len in die Mann­schaft neh­men. Gerüch­te sind Gerüch­te, aber so et­was zu schrei­ben, wenn es nicht wahr ist, und es auf die ers­te Sei­te zu set­zen … Viel­leicht stimmt es nicht, dass [der Fußball­spie­ler X] ho­mo­se­xu­ell ist. Aber wenn es stimmt? Ich ha­be ein­mal mit ei­nem On­kel von mir ge­spro­chen, der we­der an den Sa­tan noch an Chris­tus glaub­te. Ich ha­be ge­sagt: ‚Neh­men wir an, Gott gibt es nicht. Aber wenn es ihn gibt? Was ver­lierst Du, wenn du zur Kom­mu­ni­on gehst? Wäre es nicht gut, wenn Du ins Pa­ra­dies kämst?‘ Und er hat mir Recht ge­ge­ben. Ei­nen Mo­nat vor sei­nem Tod hat er die Kom­mu­ni­on emp­fan­gen. Möge Gott ihm ver­ge­ben. In mei­ner Fa­mi­lie hat ein Schwu­ler nichts ver­lo­ren, und der FC Steaua ist mei­ne Fa­mi­lie. Bes­ser als mit ei­nem Schwu­len spie­len wir mit ei­nem Nach­wuchs­spie­ler; das ist kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung. Nie­mand kann mich zwin­gen, mit je­man­dem zu­sam­men­zu­ar­bei­ten. Auch ich ha­be das Recht, zu ar­bei­ten, mit wem ich möch­te, wie die an­de­ren auch.“

„Nicht ein­mal, wenn sich der Steaua auflöste, würde ich ei­nen Ho­mo­se­xu­el­len in die Mann­schaft neh­men! Viel­leicht stimmt es nicht, dass er ho­mo­se­xu­ell ist, aber wenn es stimmt? In mei­ner Fa­mi­lie hat ein Schwu­ler nichts ver­lo­ren, und der FC Steaua ist mei­ne Fa­mi­lie. Bes­ser als mit ei­nem Schwu­len sind wir mit ei­nem Nach­wuchs­spie­ler dran. Das ist kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung. Nie­mand kann mich zwin­gen, mit je­man­dem zu­sam­men­zu­ar­bei­ten. Auch ich ha­be das Recht, zu ar­bei­ten, mit wem ich möch­te, wie die an­de­ren auch. Selbst wenn mir Gott nachts sa­gen würde, dass [X] zu 100 % nicht ho­mo­se­xu­ell ist, würde ich ihn nicht neh­men! Es wur­de zu viel in der Zei­tung darüber ge­schrie­ben, dass er ho­mo­se­xu­ell ist. Nicht ein­mal wenn ihn mir der [der­zei­ti­ge Ver­ein des Spie­lers X] um­sonst ge­ben würde, würde ich ihn neh­men! Er könn­te der größte Ty­rann und der größte Säufer sein … aber wenn er ho­mo­se­xu­ell ist, möch­te ich nichts mehr von ihm hören.“?

2. In­wie­weit können die vor­ste­hen­den Äußerun­gen in Be­zug auf den Be­schwer­de­geg­ner FC Steaua als „Tat­sa­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen“, nach Art. 10 Abs. l der Richt­li­nie 2000/78 ge­wer­tet wer­den?

3. In­wie­weit liegt ei­ne pro­ba­tio dia­bo­li­ca vor, wenn im vor­lie­gen­den Fall nach Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ei­ne Um­kehr der Be­weis­last er­folgt und vom Be­schwer­de­geg­ner FC Steaua der Be­weis ver­langt wird, dass kein Ver­s­toß ge­gen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz er­folgt ist, und er ins­be­son­de­re nach­wei­sen muss, dass die se­xu­el­le Aus­rich­tung kei­nen Ein­fluss auf die Ein­stel­lung hat?

4. Verstößt die Unmöglich­keit der Sank­tio­nie­rung ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung mit ei­nem Bußgeld nach Ab­lauf der Verjährungs­frist von sechs Mo­na­ten seit dem Zeit­punkt, zu dem sich der Sach­ver­halt zu­ge­tra­gen hat, gemäß Art. 13 Abs. l der OG Nr. 2/2001 un­ter dem Ge­sichts­punkt, dass Sank­tio­nen in Dis­kri­mi­nie­rungsfällen wirk­sam, verhält­nismäßig und ab­schre­ckend sein müssen, ge­gen Art. 17 der Richt­li­nie 2000/78?

Zu den Vor­la­ge­fra­gen

Vor­be­mer­kun­gen

36 Nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs setzt ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne von Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78 nicht vor­aus, dass ei­ne be­schwer­te Per­son, die be­haup­tet, Op­fer ei­ner der­ar­ti­gen Dis­kri­mi­nie­rung ge­wor­den zu sein, iden­ti­fi­zier­bar ist (vgl. in Be­zug auf die Richt­li­nie 2000/43/EG des Ra­tes vom 29. Ju­ni 2000 zur An­wen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes oh­ne Un­ter­schied der Ras­se oder der eth­ni­schen Her­kunft [ABl. L 180, S. 22] Ur­teil Fe­ryn, Rand­nrn. 23 bis 25).
37 Außer­dem ver­wehrt es Art. 9 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78, ins­be­son­de­re un­ter Berück­sich­ti­gung von de­ren Art. 8 Abs. 1, ei­nem Mit­glied­staat nicht, in sei­nen na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten Verbänden, die ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­an ha­ben, für die Ein­hal­tung die­ser Richt­li­nie zu sor­gen, das Recht ein­zuräum­en, Ge­richts- oder Ver­wal­tungs­ver­fah­ren zur Durch­set­zung der Ver­pflich­tun­gen aus die­ser Richt­li­nie ein­zu­lei­ten, auch wenn sie nicht im Na­men ei­ner be­stimm­ten be­schwer­ten Per­son han­deln oder sich kei­ne be­schwer­te Per­son fest­stel­len lässt (vgl. auch Ur­teil Fe­ryn, Rand­nr. 27).
38 Sieht ein Mit­glied­staat ein sol­ches Recht vor, er­gibt sich aus Art. 8 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 9 Abs. 2 und Art. 10 Abs. 1, 2 und 4 der Richt­li­nie 2000/78, dass die­se es eben­so we­nig ver­bie­tet, die Be­weis­last­re­ge­lung des Art. 10 Abs. 1 auch in den Fällen an­zu­wen­den, in de­nen ein sol­cher Ver­band ein Ver­fah­ren ein­lei­tet, oh­ne im Na­men ei­ner be­stimm­ten be­schwer­ten Per­son, zu de­ren Un­terstützung oder mit de­ren Ein­wil­li­gung zu han­deln. Im vor­lie­gen­den Fall geht be­reits aus dem Wort­laut der zwei­ten und der drit­ten Vor­la­ge­fra­ge her­vor, dass das vor­le­gen­de Ge­richt die Be­weis­last­re­ge­lung des Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie vor­be­halt­lich der Ant­wor­ten, die der Ge­richts­hof auf die­se Fra­gen gibt, im Aus­gangs­ver­fah­ren ge­ge­be­nen­falls für an­wend­bar hält.
39 Vor dem Ge­richts­hof ist un­strei­tig, dass Ac­cept ein Ver­band der in Art. 9 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 ge­nann­ten Art ist, dass Art. 28 Abs. 1 der OG Nr. 137/2000 ihr die Möglich­keit eröff­net, Ge­richts- oder Ver­wal­tungs­ver­fah­ren, die auf die Ein­hal­tung der sich aus die­ser Richt­li­nie er­ge­ben­den Pflich­ten ab­zie­len, ein­zu­lei­ten, oh­ne im Na­men ei­ner be­stimm­ten be­schwer­ten Per­son zu han­deln, und dass sie als „be­trof­fe­ne Per­son“ im Sin­ne von Art. 20 Abs. 6 die­ser Re­gie­rungs­ver­ord­nung an­ge­se­hen wer­den kann.

Zur ers­ten und zur zwei­ten Fra­ge

40 Mit den ers­ten bei­den Fra­gen soll geklärt wer­den, ob Art. 2 Abs. 2 und Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen sind, dass Tat­sa­chen, wie sie dem Aus­gangs­ver­fah­ren zu­grun­de lie­gen, in Be­zug auf ei­nen Pro­fi­fußball­ver­ein auch dann als „Tat­sa­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen“, ge­wer­tet wer­den können, wenn die be­tref­fen­den Äußerun­gen von ei­ner Per­son stam­men, die sich als Haupt­geschäftsführer die­ses Ver­eins dar­stellt und in den Me­di­en und in der Ge­sell­schaft als sol­cher wahr­ge­nom­men wird, oh­ne je­doch not­wen­di­ger­wei­se recht­lich be­fugt zu sein, den Ver­ein zu bin­den oder bei Ein­stel­lun­gen zu ver­tre­ten.
41 Zunächst ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der Ge­richts­hof in Ver­fah­ren nach Art. 267 AEUV nicht be­fugt ist, über den Sach­ver­halt des Aus­gangs­ver­fah­rens zu ent­schei­den oder die von ihm aus­ge­leg­ten Rechts­vor­schrif­ten auf na­tio­na­le Maßnah­men oder Ge­ge­ben­hei­ten an­zu­wen­den, da die­se Fra­gen in die aus­sch­ließli­che Zuständig­keit des na­tio­na­len Ge­richts fal­len (vgl. u. a. Ur­teil vom 30. März 2006, Ser­vi­zi Aus­i­li­a­ri Dot­to­ri Com­mer­cia­lis­ti, C-451/03, Slg. 2006, I-2941, Rand­nr. 69 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung). Es ist so­mit nicht Sa­che des Ge­richts­hofs, zu der Fra­ge Stel­lung zu neh­men, ob der dem Aus­gangs­ver­fah­ren zu­grun­de lie­gen­de Sach­ver­halt, wie er in der Vor­la­ge­ent­schei­dung dar­ge­legt ist, auf ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund der se­xu­el­len Aus­rich­tung schließen lässt.
42 Ins­be­son­de­re aus dem 15. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2000/78 er­gibt sich, dass es dem ein­zel­staat­li­chen Ge­richt oder ei­ner an­de­ren zuständi­gen Stel­le ob­liegt, Tat­bestände, die auf ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung schließen las­sen, im Ein­klang mit den in­ner­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten oder Ge­pflo­gen­hei­ten zu be­wer­ten (vgl. Ur­teil vom 19. April 2012, Meis­ter, C-415/10, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 37). Sind sol­che Tat­sa­chen nach­ge­wie­sen, ob­liegt es gemäß dem in Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Me­cha­nis­mus in ei­nem zwei­ten Schritt dem Be­klag­ten, vor die­sem Ge­richt zu be­wei­sen, dass ent­ge­gen dem An­schein ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung nicht ge­gen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz im Sin­ne von Art. 2 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie ver­s­toßen wur­de.
43 Der Ge­richts­hof kann dem na­tio­na­len Ge­richt je­doch al­le Hin­wei­se zur Aus­le­gung des Uni­ons­rechts ge­ben, die die­sem für sei­ne Ent­schei­dung dien­lich sein könn­ten (vgl. u. a. Ur­tei­le Fe­ryn, Rand­nr. 19 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung, so­wie vom 6. Sep­tem­ber 2011, Pa­tri­ci­el­lo, C-163/10, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 21).
44 In­so­weit er­gibt sich aus den Art. 1 und 3 Abs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78, dass die­se auf ei­nen Fall wie den dem Aus­gangs­rechts­streit zu­grun­de lie­gen­den, der Äußerun­gen über „die Be­din­gun­gen - ein­sch­ließlich … Ein­stel­lungs­be­din­gun­gen - für den Zu­gang zu [ei­ner] Er­werbstätig­keit“ in Beschäfti­gung und Be­ruf be­trifft, An­wen­dung fin­det.
45 Dar­an ändert auch der im Aus­gangs­ver­fah­ren gel­tend ge­mach­te Um­stand nichts, dass das Sys­tem der Ein­stel­lung von Fußball­pro­fis nicht auf ei­nem öffent­li­chen An­ge­bot oder di­rek­ten Ver­hand­lun­gen nach ei­nem Aus­wahl­ver­fah­ren be­ruht, das die Ein­rei­chung von Be­wer­bun­gen und ei­ne ent­spre­chen­de Vor­aus­wahl im Hin­blick auf das In­ter­es­se, das sie für den Ar­beit­ge­ber ha­ben, vor­aus­setzt. Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs fällt nämlich nach den Zie­len der Uni­on die Ausübung des Sports in­so­weit un­ter das Uni­ons­recht, als sie zum Wirt­schafts­le­ben gehört (vgl. u. a. Ur­tei­le vom 14. Ju­li 1976, Donà, 13/76, Slg. 1976, 1333, Rand­nr. 12, und vom 16. März 2010, Olym­pi­que Ly­on­nais, C-325/08, Slg. 2010, I-2177, Rand­nr. 27). Dies trifft auf die Tätig­keit von Fußball­pro­fis oder -halb­pro­fis zu, da die­se ei­ne un­selbständi­ge Tätig­keit ausüben oder ent­gelt­li­che Dienst­leis­tun­gen er­brin­gen (Ur­teil vom 15. De­zem­ber 1995, Bos­man, C-415/93, Slg. 1995, I-4921, Rand­nr. 73).
46 Wie das vor­le­gen­de Ge­richt ausführt, ging es in der Rechts­sa­che, in der das Ur­teil Fe­ryn er­gan­gen ist, um Äußerun­gen ei­nes der Di­rek­to­ren der Fir­ma Fe­ryn NV, der, wie sich u. a. aus den in je­ner Rechts­sa­che zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­leg­ten Fra­gen er­gibt, die recht­li­che Be­fug­nis be­saß, die Ein­stel­lungs­po­li­tik die­ser Ge­sell­schaft zu be­stim­men (vgl. Ur­teil Fe­ryn, Rand­nrn. 2, 16, 18 und 20).
47 Dem Ur­teil Fe­ryn ist je­doch nicht zu ent­neh­men, dass es zur Glaub­haft­ma­chung von „Tat­sa­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen“ nach Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 er­for­der­lich wäre, dass der Ur­he­ber von Äußerun­gen über die Ein­stel­lungs­po­li­tik ei­ner be­stimm­ten Ein­rich­tung zwin­gend die recht­li­che Be­fug­nis ha­ben müss­te, die­se Po­li­tik un­mit­tel­bar zu be­ein­flus­sen oder die­se Ein­rich­tung bei Ein­stel­lun­gen zu bin­den oder zu ver­tre­ten.
48 Der Um­stand al­lein, dass Äußerun­gen wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den nicht un­mit­tel­bar von ei­nem be­stimm­ten Be­klag­ten ab­ge­ge­ben wur­den, schließt nämlich nicht zwangsläufig aus, dass in Be­zug auf die­se Par­tei „Tat­sa­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen“ im Sin­ne von Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie glaub­haft ge­macht wer­den können.
49 Folg­lich kann ein be­klag­ter Ar­beit­ge­ber Tat­sa­chen, die ver­mu­ten las­sen, dass er ei­ne dis­kri­mi­nie­ren­de Ein­stel­lungs­po­li­tik be­treibt, nicht al­lein da­durch wi­der­le­gen, dass er gel­tend macht, die Äußerun­gen, die ei­ne ho­mo­pho­be Ein­stel­lungs­po­li­tik sug­ge­rier­ten, stamm­ten von ei­ner Per­son, die, ob­wohl sie be­haup­te und der An­schein be­ste­he, dass sie im Ma­nage­ment die­ses Ar­beit­ge­bers ei­ne wich­ti­ge Rol­le spie­le, nicht recht­lich be­fugt sei, ihn bei Ein­stel­lun­gen zu bin­den.
50 In ei­nem Fall wie dem des Aus­gangs­ver­fah­rens stellt der Um­stand, dass ein sol­cher Ar­beit­ge­ber sich nicht deut­lich von den streit­ge­genständ­li­chen Äußerun­gen dis­tan­ziert hat, ei­nen Fak­tor dar, den das an­ge­ru­fe­ne Ge­richt im Rah­men ei­ner Ge­samtwürdi­gung des Sach­ver­halts berück­sich­ti­gen kann.
51 In­so­weit ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Wahr­neh­mung der Öffent­lich­keit oder der be­trof­fe­nen Krei­se ein stich­hal­ti­ges In­diz für die Ge­samtwürdi­gung der im Aus­gangs­ver­fah­ren strei­ti­gen Äußerun­gen dar­stel­len kann (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 17. April 2007, AGM-COS.MET, C-470/03, Slg. 2007, I-2749, Rand­nrn. 55 bis 58).
52 Im Übri­gen schließt der Um­stand, dass ein Pro­fi­fußball­ver­ein wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de kei­ne Ver­hand­lun­gen über die Ein­stel­lung ei­nes als ho­mo­se­xu­ell dar­ge­stell­ten Spie­lers ein­ge­lei­tet hat, an­ders als der CN­CD so­wohl in sei­nen schrift­li­chen als auch in sei­nen münd­li­chen vor dem Ge­richts­hof ab­ge­ge­be­nen Erklärun­gen zu ver­ste­hen ge­ge­ben hat, nicht aus, dass Tat­sa­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung durch die­sen Ver­ein ver­mu­ten las­sen, als glaub­haft ge­macht an­ge­se­hen wer­den können.
53 Nach al­le­dem ist auf die ers­te und die zwei­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 2 Abs. 2 und Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen sind, dass Tat­sa­chen, wie sie dem Aus­gangs­ver­fah­ren zu­grun­de lie­gen, in Be­zug auf ei­nen Pro­fi­fußball­ver­ein auch dann als „Tat­sa­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen“, ge­wer­tet wer­den können, wenn die be­tref­fen­den Äußerun­gen von ei­ner Per­son stam­men, die sich als Haupt­geschäftsführer die­ses Ver­eins dar­stellt und in den Me­di­en und in der Ge­sell­schaft als sol­cher wahr­ge­nom­men wird, oh­ne je­doch not­wen­di­ger­wei­se recht­lich be­fugt zu sein, den Ver­ein zu bin­den oder bei Ein­stel­lun­gen zu ver­tre­ten.

Zur drit­ten Fra­ge

54 Mit sei­ner drit­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob in dem Fall, dass Tat­sa­chen, wie sie dem Aus­gangs­ver­fah­ren zu­grun­de lie­gen, als „Tat­sa­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung“ auf­grund der se­xu­el­len Aus­rich­tung bei der Ein­stel­lung von Spie­lern durch ei­nen Pro­fi­fußball­ver­ein „ver­mu­ten las­sen“, ge­wer­tet wer­den können, die Be­weis­last, wie sie in Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ge­re­gelt ist, nicht da­zu führt, dass ein Be­weis ver­langt wird, der unmöglich zu er­brin­gen ist, oh­ne das Recht auf Ach­tung des Pri­vat­le­bens zu ver­let­zen.
55 In­so­weit er­gibt sich aus der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs, dass, wenn Tat­sa­chen glaub­haft ge­macht wur­den, die ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne die­ser Richt­li­nie ver­mu­ten las­sen, die tatsächli­che Um­set­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes ver­langt, dass die Be­weis­last beim be­tref­fen­den Be­klag­ten liegt, der be­wei­sen muss, dass die­ser Grund­satz nicht ver­letzt wor­den ist (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 17. Ju­li 2008, Cole­man, C-303/06, Slg. 2008, I-5603, Rand­nr. 54).
56 In die­sem Zu­sam­men­hang können die Be­klag­ten vor den zuständi­gen na­tio­na­len Stel­len das Vor­lie­gen ei­nes sol­chen Ver­s­toßes be­strei­ten, in­dem sie mit al­len recht­lich vor­ge­se­he­nen Mit­teln ins­be­son­de­re nach­wei­sen, dass ih­re Ein­stel­lungs­po­li­tik auf Fak­to­ren be­ruht, die mit ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund der se­xu­el­len Aus­rich­tung nichts zu tun ha­ben.
57 Um die ein­fa­che Ver­mu­tung, die sich aus Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 er­ge­ben kann, zu wi­der­le­gen, ist es nicht er­for­der­lich, dass der Be­klag­te be­weist, dass in der Ver­gan­gen­heit Per­so­nen mit ei­ner be­stimm­ten se­xu­el­len Aus­rich­tung ein­ge­stellt wur­den; ein sol­ches Er­for­der­nis könn­te un­ter be­stimm­ten Umständen tatsächlich das Recht auf Ach­tung des Pri­vat­le­bens ver­let­zen.
58 Im Rah­men der Ge­samtwürdi­gung, die das an­ge­ru­fe­ne na­tio­na­le Ge­richt dann vor­zu­neh­men hätte, könn­te der An­schein ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund der se­xu­el­len Aus­rich­tung mit ei­nem Bündel übe­rein­stim­men­der In­di­zi­en wi­der­legt wer­den. Wie Ac­cept gel­tend ge­macht hat, könn­ten zu die­sen In­di­zi­en ins­be­son­de­re ei­ne Re­ak­ti­on des be­tref­fen­den Be­klag­ten im Sin­ne ei­ner kla­ren Dis­tan­zie­rung von den öffent­li­chen Äußerun­gen zählen, die den An­schein ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung be­gründen, so­wie die Exis­tenz aus­drück­li­cher Be­stim­mun­gen im Be­reich der Ein­stel­lungs­po­li­tik die­ser Par­tei, um die Be­ach­tung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes im Sin­ne der Richt­li­nie 2000/78 zu gewähr­leis­ten.
59 Nach al­le­dem ist auf die drit­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass in dem Fall, dass Tat­sa­chen, wie sie dem Aus­gangs­ver­fah­ren zu­grun­de lie­gen, als „Tat­sa­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung“ auf­grund der se­xu­el­len Aus­rich­tung bei der Ein­stel­lung von Spie­lern durch ei­nen Pro­fi­fußball­ver­ein „ver­mu­ten las­sen“, ge­wer­tet wer­den können, die Be­weis­last, wie sie in Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ge­re­gelt ist, nicht da­zu führt, dass ein Be­weis ver­langt wird, der unmöglich zu er­brin­gen ist, oh­ne das Recht auf Ach­tung des Pri­vat­le­bens zu ver­let­zen.

Zur vier­ten Fra­ge

60 Mit sei­ner vier­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 17 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­steht, nach der bei Fest­stel­lung ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund der se­xu­el­len Aus­rich­tung als Sank­ti­on nur ei­ne Ver­war­nung wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de aus­ge­spro­chen wer­den kann, wenn die­se Fest­stel­lung nach Ab­lauf der Verjährungs­frist von sechs Mo­na­ten ab dem Zeit­punkt ge­trof­fen wird, zu dem sich der Sach­ver­halt zu­ge­tra­gen hat.
61 Art. 17 der Richt­li­nie 2000/78 überträgt den Mit­glied­staa­ten die Auf­ga­be, die Sank­tio­nen fest­zu­le­gen, die bei ei­nem Ver­s­toß ge­gen die ein­zel­staat­li­chen Vor­schrif­ten zur An­wen­dung die­ser Richt­li­nie zu verhängen sind, und al­le er­for­der­li­chen Maßnah­men zu tref­fen, um de­ren Durchführung zu gewähr­leis­ten. Ob­gleich die­se Vor­schrift kei­ne be­stimm­ten Sank­tio­nen vor­schreibt, stellt sie klar, dass die bei Verstößen ge­gen die in An­wen­dung die­ser Richt­li­nie er­las­se­nen na­tio­na­len Vor­schrif­ten an­wend­ba­ren Sank­tio­nen wirk­sam, verhält­nismäßig und ab­schre­ckend sei müssen.
62 In ei­nem Ver­fah­ren, in dem ein Ver­band, der da­zu kraft Ge­set­zes ermäch­tigt ist, die Fest­stel­lung und Ahn­dung ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne von Art. 2 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 be­an­tragt, müssen die Sank­tio­nen, die nach Art. 17 die­ser Richt­li­nie im na­tio­na­len Recht vor­zu­se­hen sind, auch dann wirk­sam, verhält­nismäßig und ab­schre­ckend sein, wenn es kein iden­ti­fi­zier­ba­res Op­fer gibt (vgl. ent­spre­chend Ur­teil Fe­ryn, Rand­nrn. 38 und 40).
63 Folg­lich muss die zur Um­set­zung von Art. 17 der Richt­li­nie 2000/78 in die na­tio­na­le Rechts­ord­nung ei­nes Mit­glied­staats ge­schaf­fe­ne Sank­ti­ons­re­ge­lung ne­ben den zur Um­set­zung von Art. 9 der Richt­li­nie er­grif­fe­nen Maßnah­men ins­be­son­de­re ei­nen tatsächli­chen und wirk­sa­men recht­li­chen Schutz der aus der Richt­li­nie her­ge­lei­te­ten Rech­te gewähr­leis­ten (vgl. ent­spre­chend u. a. Ur­teil vom 22. April 1997, Draehm­pa­ehl, C-180/95, Slg. 1997, I-2195, Rand­nrn. 24, 39 und 40). Die Härte der Sank­tio­nen muss der Schwe­re der mit ih­nen ge­ahn­de­ten Verstöße ent­spre­chen, in­dem sie ins­be­son­de­re ei­ne wirk­lich ab­schre­cken­de Wir­kung gewähr­leis­tet (vgl. in die­sem Sin­ne u. a. Ur­tei­le vom 8. Ju­ni 1994, Kom­mis­si­on/Ver­ei­nig­tes König­reich, C-383/92, Slg. 1994, I-2479, Rand­nr. 42, und Draehm­pa­ehl, Rand­nr. 40), zu­gleich aber den all­ge­mei­nen Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit wah­ren (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 6. No­vem­ber 2003, Lind­qvist, C-101/01, Slg. 2003, I-12971, Rand­nrn. 87 und 88, so­wie vom 5. Ju­li 2007, Ntio­nik und Pik­ou­las, C-430/05, Slg. 2007, I-5835, Rand­nr. 53).
64 Je­den­falls ent­spricht ei­ne rein sym­bo­li­sche Sank­ti­on nicht ei­ner ord­nungs­gemäßen und wirk­sa­men Um­set­zung der Richt­li­nie 2000/78.
65 Im vor­lie­gen­den Fall geht aus den dem Ge­richts­hof vor­lie­gen­den Ak­ten her­vor, dass die in Art. 13 Abs. 1 der OG Nr. 2/2001 vor­ge­se­he­ne sechs­mo­na­ti­ge Verjährungs­frist zu dem Zeit­punkt zu lau­fen be­ginnt, zu dem sich der Sach­ver­halt zu­ge­tra­gen hat, während der Lauf der Be­schwer­de­frist nach Art. 20 der OG Nr. 137/2000, die ein Jahr beträgt, zum sel­ben Zeit­punkt be­ginnt. Dem­nach ist es möglich, dass ei­ne be­schwer­te Per­son im Zeit­raum von sechs bis zwölf Mo­na­ten nach dem Zeit­punkt, zu dem sich der der Be­schwer­de zu­grun­de lie­gen­de Sach­ver­halt zu­ge­tra­gen hat, beim CN­CD wirk­sam ei­ne Be­schwer­de we­gen Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne der Richt­li­nie 2000/78 anhängig macht, die in Art. 26 Abs. 1 der OG Nr. 137/2000 vor­ge­se­he­ne Sank­ti­on der vom CN­CD ver­tre­te­nen Aus­le­gung des na­tio­na­len Rechts zu­fol­ge aber nicht mehr an­ge­wandt wer­den kann. Je­den­falls geht aus den beim Ge­richts­hof ein­ge­reich­ten Erklärun­gen her­vor, dass selbst dann, wenn ei­ne Be­schwer­de vor Ab­lauf die­ser sechs­mo­na­ti­gen Frist ein­ge­reicht wird, und un­ge­ach­tet der Be­stim­mun­gen des Art. 20 Abs. 7 der OG Nr. 137/2000 die Möglich­keit be­steht, dass ei­ne Ent­schei­dung des CN­CD über ei­ne be­haup­te­te Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund der se­xu­el­len Aus­rich­tung erst nach Ab­lauf der ge­nann­ten sechs­mo­na­ti­gen Verjährungs­frist er­geht.
66 In die­sen Fällen wird in der Pra­xis des CN­CD, wie sich aus den Rand­nrn. 17, 21 und 34 des vor­lie­gen­den Ur­teils er­gibt, un­abhängig von der Schwe­re ei­ner von ihm fest­ge­stell­ten Dis­kri­mi­nie­rung als Sank­ti­on nicht die Geld­buße verhängt, die in der der Um­set­zung der Richt­li­nie 2000/78 die­nen­den OG Nr. 137/2000 vor­ge­se­hen ist, son­dern ei­ne in den all­ge­mei­nen na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten vor­ge­se­he­ne, nicht auf Geld ge­rich­te­te Sank­ti­on, die im We­sent­li­chen in ei­ner münd­li­chen oder schrift­li­chen Be­leh­rung mit ei­ner „Er­mah­nung, die ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten zu be­ach­ten“, be­steht.
67 Es ist Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, ins­be­son­de­re zu prüfen, ob die Be­trof­fe­nen, die ein Rechts­schutz­in­ter­es­se ha­ben, un­ter den in der vor­ste­hen­den Rand­num­mer an­geführ­ten Umständen so große Be­den­ken ha­ben könn­ten, ih­re Rech­te aus den die Richt­li­nie 2000/78 um­set­zen­den na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten gel­tend zu ma­chen, dass das zur Um­set­zung die­ser Richt­li­nie ge­schaf­fe­ne Sank­ti­ons­sys­tem kei­nen wirk­lich ab­schre­cken­den Cha­rak­ter hat (vgl. ent­spre­chend Ur­teil Draehm­pa­ehl, Rand­nr. 40). Was die ab­schre­cken­de Wir­kung der Sank­ti­on be­trifft, könn­te das vor­le­gen­de Ge­richt ge­ge­be­nen­falls auch ein et­wai­ges Wie­der­ho­lungs­ver­hal­ten des be­tref­fen­den Be­klag­ten berück­sich­ti­gen.
68 Zwar be­deu­tet der Um­stand al­lein, dass ei­ne be­stimm­te Sank­ti­on ih­rer Na­tur nach nicht auf Geld ge­rich­tet ist, nicht zwangsläufig, dass sie le­dig­lich sym­bo­li­schen Cha­rak­ter hat (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Fe­ryn, Rand­nr. 39), ins­be­son­de­re, wenn sie mit ei­nem an­ge­mes­se­nen Grad an Öffent­lich­keit ver­bun­den ist und wenn sie im Rah­men et­wai­ger zi­vil­recht­li­cher Haf­tungs­kla­gen den Be­weis ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne der Richt­li­nie er­leich­tern würde.
69 Je­doch ist es im vor­lie­gen­den Fall Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, zu prüfen, ob ei­ne Sank­ti­on wie ei­ne ein­fa­che Ver­war­nung ei­nem Sach­ver­halt wie dem im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den an­ge­mes­sen ist (vgl. ent­spre­chend Ur­teil vom 2. Au­gust 1993, Mar­shall, C-271/91, Slg. 1993, I-4367, Rand­nr. 25). In­so­weit kann die bloße Exis­tenz ei­ner zi­vil­recht­li­chen Haf­tungs­kla­ge nach Art. 27 der OG Nr. 137/2000 mit ei­ner dreijähri­gen Kla­ge­frist al­lein et­wai­gen Un­zuläng­lich­kei­ten in Be­zug auf die Wirk­sam­keit, die An­ge­mes­sen­heit oder den ab­schre­cken­den Cha­rak­ter der Sank­ti­on, die das vor­le­gen­de Ge­richt hin­sicht­lich der in Rand­nr. 66 des vor­lie­gen­den Ur­teils dar­ge­stell­ten Si­tua­ti­on fest­ge­stellt hat, nicht ab­hel­fen. Wie Ac­cept in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Ge­richts­hof gel­tend ge­macht hat, könn­te es sich nämlich, wenn ein Ver­band der in Art. 9 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 ge­nann­ten Art nicht für be­stimm­te Dis­kri­mi­nie­rungs­op­fer han­delt, als schwie­rig er­wei­sen, nach den ein­schlägi­gen Vor­schrif­ten des na­tio­na­len Rechts ei­nen Scha­den auf Sei­ten des Ver­bands nach­zu­wei­sen.
70 Soll­te sich im Übri­gen er­wei­sen, dass, wie Ac­cept gel­tend ge­macht hat, die in ei­ner Ver­war­nung be­ste­hen­de Sank­ti­on im rumäni­schen Recht grundsätz­lich nur bei ganz ge­ringfügi­gen Zu­wi­der­hand­lun­gen verhängt wird, würde dies dar­auf hin­deu­ten, dass die­se Sank­ti­on der Schwe­re ei­ner Ver­let­zung des Gleich­heits­grund­sat­zes im Sin­ne der Richt­li­nie nicht an­ge­mes­sen ist.
71 Je­den­falls hat das na­tio­na­le Ge­richt nach ständi­ger Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs, wenn ein Sach­ver­halt in den An­wen­dungs­be­reich ei­ner Richt­li­nie fällt, bei der An­wen­dung sei­nes na­tio­na­len Rechts die­ses so weit wie möglich an­hand des Wort­lauts und der Ziel­set­zung die­ser Richt­li­nie aus­zu­le­gen, um das mit der Richt­li­nie an­ge­streb­te Er­geb­nis zu er­rei­chen (vgl. in die­sem Sin­ne u. a. Ur­tei­le vom 10. April 1984, von Col­son und Ka­mann, 14/83, Slg. 1984, 1891, Rand­nrn. 26 und 28, vom 13. No­vem­ber 1990, Mar­lea­sing, C-106/89, Slg. 1990, I-4135, Rand­nr. 8, vom 10. März 2005, Ni­ko­lou­di, C-196/02, Slg. 2005, I-1789, Rand­nr. 73, und vom 28. Ja­nu­ar 2010, Uni­plex [UK], C-406/08, Slg. 2010, I-817, Rand­nrn. 45 und 46).
72 Da­her ist es ge­ge­be­nen­falls Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, im Aus­gangs­rechts­streit ins­be­son­de­re zu be­ur­tei­len, ob, wie Ac­cept na­he­legt, Art. 26 Abs. 1 der OG Nr. 137/2000 da­hin aus­ge­legt wer­den kann, dass die sechs­mo­na­ti­ge Verjährungs­frist nach Art. 13 Abs. 1 der OG Nr. 2/2001 auf die in Art. 26 Abs. 1 fest­ge­leg­ten Sank­tio­nen un­an­wend­bar ist.
73 Nach al­le­dem ist auf die vier­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 17 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung, nach der bei Fest­stel­lung ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund der se­xu­el­len Aus­rich­tung im Sin­ne die­ser Richt­li­nie als Sank­ti­on nur ei­ne Ver­war­nung wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de aus­ge­spro­chen wer­den kann, wenn die­se Fest­stel­lung nach Ab­lauf der Verjährungs­frist von sechs Mo­na­ten ab dem Zeit­punkt ge­trof­fen wird, zu dem sich der Sach­ver­halt zu­ge­tra­gen hat, dann ent­ge­gen­steht, wenn ei­ne sol­che Dis­kri­mi­nie­rung bei An­wen­dung die­ser Re­ge­lung nicht un­ter ma­te­ri­ell- und ver­fah­rens­recht­li­chen Be­din­gun­gen sank­tio­niert wird, un­ter de­nen die Sank­ti­on wirk­sam, verhält­nismäßig und ab­schre­ckend wäre. Es ist Auf­ga­be des vor­le­gen­den Ge­richts, zu be­ur­tei­len, ob dies bei der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Re­ge­lung der Fall ist, und ge­ge­be­nen­falls das na­tio­na­le Recht so weit wie möglich an­hand des Wort­lauts und des Zwecks der Richt­li­nie aus­zu­le­gen.

Kos­ten

74 Für die Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens ist das Ver­fah­ren ein Zwi­schen­streit in dem bei dem vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­streit; die Kos­ten­ent­schei­dung ist da­her Sa­che die­ses Ge­richts. Die Aus­la­gen an­de­rer Be­tei­lig­ter für die Ab­ga­be von Erklärun­gen vor dem Ge­richts­hof sind nicht er­stat­tungsfähig.

Aus die­sen Gründen hat der Ge­richts­hof (Drit­te Kam­mer) für Recht er­kannt:

1. Art. 2 Abs. 2 und Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf sind da­hin aus­zu­le­gen, dass Tat­sa­chen, wie sie dem Aus­gangs­ver­fah­ren zu­grun­de lie­gen, in Be­zug auf ei­nen Pro­fi­fußball­ver­ein auch dann als „Tat­sa­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen“, ge­wer­tet wer­den können, wenn die be­tref­fen­den Äußerun­gen von ei­ner Per­son stam­men, die sich als Haupt­geschäftsführer die­ses Ver­eins dar­stellt und in den Me­di­en und in der Ge­sell­schaft als sol­cher wahr­ge­nom­men wird, oh­ne not­wen­di­ger­wei­se recht­lich be­fugt zu sein, den Ver­ein zu bin­den oder bei Ein­stel­lun­gen zu ver­tre­ten.

2. Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass in dem Fall, dass Tat­sa­chen, wie sie dem Aus­gangs­ver­fah­ren zu­grun­de lie­gen, als „Tat­sa­chen, die das Vor­lie­gen ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung“ auf­grund der se­xu­el­len Aus­rich­tung bei der Ein­stel­lung von Spie­lern durch ei­nen Pro­fi­fußball­ver­ein „ver­mu­ten las­sen“, ge­wer­tet wer­den können, die Be­weis­last, wie sie in Art. 10 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ge­re­gelt ist, nicht da­zu führt, dass ein Be­weis ver­langt wird, der unmöglich zu er­brin­gen ist, oh­ne das Recht auf Ach­tung des Pri­vat­le­bens zu ver­let­zen.

3. Art. 17 der Richt­li­nie 2000/78 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung, nach der bei Fest­stel­lung ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund der se­xu­el­len Aus­rich­tung im Sin­ne die­ser Richt­li­nie als Sank­ti­on nur ei­ne Ver­war­nung wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de aus­ge­spro­chen wer­den kann, wenn die­se Fest­stel­lung nach Ab­lauf der Verjährungs­frist von sechs Mo­na­ten ab dem Zeit­punkt ge­trof­fen wird, zu dem sich der Sach­ver­halt zu­ge­tra­gen hat, dann ent­ge­gen­steht, wenn ei­ne sol­che Dis­kri­mi­nie­rung bei An­wen­dung die­ser Re­ge­lung nicht un­ter ma­te­ri­ell- und ver­fah­rens­recht­li­chen Be­din­gun­gen sank­tio­niert wird, un­ter de­nen die Sank­ti­on wirk­sam, verhält­nismäßig und ab­schre­ckend wäre. Es ist Auf­ga­be des vor­le­gen­den Ge­richts, zu be­ur­tei­len, ob dies bei der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Re­ge­lung der Fall ist, und ge­ge­be­nen­falls das na­tio­na­le Recht so weit wie möglich an­hand des Wort­lauts und des Zwecks der Richt­li­nie aus­zu­le­gen.

Un­ter­schrif­ten

* Ver­fah­rens­spra­che: Rumänisch. 

Quel­le: Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on (EuGH), http://cu­ria.eu­ro­pa.eu


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