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EU-Stu­die: Deutsch­land mit meis­ten Über­stun­den im Eu­ro-Raum

Ta­rif­re­ge­lun­gen sol­len die Ar­beits­zeit ein­gren­zen: Doch ge­ra­de in Deutsch­land ar­bei­ten vie­le län­ger als ver­ein­bart. Nicht im­mer gibt es da­für Geld oder Frei­zeit

09.09.2014. (dpa) - Ar­beit­neh­mer in Deutsch­land ma­chen nach ei­ner EU-Stu­die im Schnitt mehr Über­stun­den als ih­re Kol­le­gen in den an­de­ren Eu­ro-Län­dern.

Der zu­stän­di­ge EU-So­zi­al­kom­mis­sar Lasz­lo An­dor sag­te der Zei­tung "Die Welt" (Mon­tag): "In kei­nem Land der Eu­ro­zo­ne gibt es ei­nen so gro­ßen Un­ter­schied zwi­schen der ta­rif­ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Wo­chen­ar­beits­zeit und der tat­säch­li­chen Wo­chen­ar­beits­zeit wie in Deutsch­land."

Ver­gü­tet wird ei­ner ak­tu­el­len Un­ter­su­chung zu­fol­ge nicht ein­mal die Hälf­te der Über­stun­den.

Laut ei­ner Stu­die der in Ir­land an­säs­si­gen EU-Agen­tur Eu­ro­found mit Da­ten aus dem Jahr 2013 liegt die ver­ein­bar­te Wo­chen­ar­beits­zeit in Deutsch­land bei durch­schnitt­lich 37,7 St­un­den - tat­säch­lich ar­bei­ten die Be­schäf­tig­ten aber im Mit­tel 40,4 St­un­den, al­so 2,7 St­un­den die Wo­che mehr.

Da­mit lie­gen die Ar­beit­neh­mer in Deutsch­land vorn, aber auch in an­de­ren Län­dern fal­len er­heb­li­che Über­stun­den an. In den Nie­der­lan­den ar­bei­ten die Men­schen im Schnitt je­de Wo­che 2,3 St­un­den mehr, in Zy­pern 2,0 St­un­den und in Frank­reich 1,8 St­un­den.

Fin­nen und Ita­lie­ner hal­ten ih­re Ar­beits­zeit von 37,5 be­zie­hungs­wei­se 38 St­un­den ge­nau ein. Ein leich­tes Mi­nus ge­gen­über der ver­ein­bar­ten Wo­chen­ar­beits­zeit ver­zeich­ne­ten hin­ge­gen die An­ge­stell­ten in Ir­land und Mal­ta (bei­de mi­nus 0,5 St­un­den). Al­ler­dings weist Eu­ro­found dar­auf hin, dass die Me­tho­den der na­tio­na­len Sta­tis­ti­ker sich un­ter­schei­den kön­nen.

Je­des Land ha­be bei der Ar­beits­zeit sei­ne Ei­gen­hei­ten, so An­dor. "Wich­tig ist am En­de, dass das Land wett­be­werbs­fä­hig ist und dass die Vor­ga­ben der EU-Ar­beits­zeit­richt­li­nie ein­ge­hal­ten wer­den - das ist in Deutsch­land im all­ge­mei­nen der Fall", sag­te er.

Grü­ne und Lin­ke kri­ti­sier­ten die Mehr­ar­beit. "Ei­ne gro­ße Zahl von Über­stun­den führt un­ver­meid­lich zu Stress und zur Über­for­de­rung der Be­schäf­tig­ten", er­klär­te die Grü­nen-Spre­che­rin für Ar­beit­neh­mer­rech­te, Bea­te Mül­ler-Gem­me­ke. "Das ist nicht ak­zep­ta­bel, denn das macht die Men­schen krank. Die ta­rif­li­che Ar­beits­zeit muss ein­ge­hal­ten wer­den."

Ähn­lich äu­ßer­te sich Lin­ken-Vor­sit­zen­de Kat­ja Kip­ping: "Über­stun­den, selbst wenn sie be­zahlt wer­den, ma­chen krank und blo­ckie­ren den Kampf ge­gen die Er­werbs­lo­sig­keit - sie sind nicht Aus­weis un­se­rer Leis­tungs­fä­hig­keit, son­dern der Be­weis zu nied­ri­ger Löh­ne und ei­nes fal­schen Leis­tungs­drucks. Über­stun­den sind ein gro­ßes ge­sell­schaft­li­ches Pro­blem und nicht se­xy."

Im Schnitt wird Be­schäf­tig­ten in Deutsch­land we­ni­ger als die Hälf­te ih­rer Über­stun­den be­zahlt. Nach ei­ner Stu­die, die das Nürn­ber­ger In­sti­tut für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung (IAB) ver­gan­ge­ne Wo­che vor­ge­stellt hat, er­hielt je­der der gut 38 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­ten im zwei­ten Quar­tal durch­schnitt­lich fünf Über­stun­den mit Geld oder Frei­zeit ver­gü­tet. 6,9 St­un­den hin­ge­gen blie­ben un­be­zahlt. Da­zu ka­men die zahl­rei­chen Über­stun­den, die auf Ar­beits­zeit­kon­ten flos­sen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 13. Juli 2016

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