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Frist­lo­se Ei­gen­kün­di­gung oh­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung?

Vor ei­ner frist­lo­sen Ei­gen­kün­di­gung muss der Ar­beit­ge­ber „die gel­be Kar­te” se­hen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 04.10.2010, 9 Sa 246/10
09.05.2011. Ein Ar­beits­ver­hält­nis kann frist­los ge­kün­digt wer­den, wenn dem Kün­di­gen­den das Ab­war­ten der Kün­di­gungs­frist aus "wich­ti­gem Grun­de" un­zu­mut­bar ist (§ 626 Abs. 1 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch - BGB). Ist ein Pflicht­ver­stoß An­lass für die Kün­di­gung, ist sie im Re­gel­fall nur nach ei­ner vor­he­ri­gen er­folg­lo­sen Ab­mah­nung wirk­sam. Das gilt für Ar­beit­ge­ber wie für Ar­beit­neh­mer. Auch für sie ist ei­ne au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung manch­mal sinn­voll, z.B. bei dau­ern­dem Lohn­ver­zug, da der Ar­beit­ge­ber dann Scha­dens­er­satz nach § 628 Abs. 2 BGB we­gen der von ihm ver­schul­de­ten vor­zei­ti­gen Ver­trags­auf­lö­sung schul­det.

Ei­ne sol­che Ei­gen­kün­di­gung ist ris­kant, da der Ar­beit­neh­mer im Fal­le ih­rer Un­wirk­sam­keit al­les ver­spielt. Ins­be­son­de­re ei­ne au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung oh­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung kann wirk­sam sein, ist es aber oft nicht, wie ein vom Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Nie­der­sach­sen ent­schie­de­ner Fall zeigt, in dem es um ei­nen ag­gres­si­ven Ar­beit­ge­be­r­aus­hang ging (Ur­teil vom 04.10.2010, 9 Sa 246/10).

Nach­dem ein Ar­beit­ge­ber auf ei­nem gro­ßen Pla­kat al­len auch nur mög­li­cher­wei­se ver­ant­wort­li­chen Mit­ar­bei­tern de­tail­liert schwers­te Kon­se­quen­zen für den Fall ei­ner Fehl­pro­duk­ti­on an­ge­droht hat­te, kün­dig­te ei­ne Bä­cke­rin frist­los und klag­te auf Scha­dens­er­satz nach § 628 Abs. 2 BGB. Vor dem Ar­beits­ge­richt Han­no­ver (Ur­teil vom 02.12.2009, 5 Ca 210/09) hat­te sie Er­folg, vor dem LAG je­doch nicht. Statt zu kün­di­gen hät­te sie zu­nächst ab­mah­nen oder um Klar­stel­lung bit­ten müs­sen, so das Ge­richt.

Fa­zit: Mit dem Ur­teil ruft das LAG Nie­der­sach­sen in Er­in­ne­rung, dass sich Ar­beit­neh­mer nicht nur we­gen so­zi­al­recht­li­cher Kon­se­quen­zen wie z.B. ei­ner Sperr­zeit ei­ne Ei­gen­kün­di­gung gut über­le­gen soll­ten. Sie kann näm­lich, un­ab­hän­gig von ih­rer Wirk­sam­keit, kaum aus der Welt ge­schafft wer­den. Vor al­lem schließt ei­ne un­wirk­sa­me Kün­di­gung Scha­dens­er­satz­an­sprü­che des Ar­beit­neh­mers nach § 628 Abs.2 BGB aus, kann aber um­ge­kehrt zu Scha­dens­er­satz- oder Ver­trags­stra­fen­an­sprü­chen des Ar­beit­ge­bers füh­ren.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 24. August 2016

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