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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Einigungsstelle
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamburg
Akten­zeichen: 1 TaBV 1/09
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 16.04.2009
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Hamburg, Beschluss vom 24.09.2008, 13 BV 10/07
   

 

Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg

Be­schluss
In der Be­triebs­ver­fas­sungs­sa­che

Geschäfts­zei­chen:
1 TaBV 1/09
(13 BV 10/07 ArbG Ham­burg)

 

be­tref­fend:


Verkündet am:
16. April 2009


Da­merau
An­ge­stell­te
als Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le
 

be­sch­ließt das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg, 1. Kam­mer,
auf­grund der münd­li­chen Anhörung vom 16. April 2009
durch den Präsi­den­ten des Lan­des­ar­beits­ge­richts Dr. Nau­se als Vor­sit­zen­der
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn Ull­ner
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn Prut­ky


Die Be­schwer­de des Be­tei­lig­ten zu 1. ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 24. Sep­tem­ber 2008 (13 BV 10/08) wird zurück­ge­wie­sen.

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Die Rechts­be­schwer­de wird zu­ge­las­sen.

 

 

 

 

 

 

R e c h t s m i t t e l b e l e h r u n g


Ge­gen die­sen Be­schluss kann Rechts­be­schwer­de bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt wer­den. Die Rechts­be­schwer­de kann nur dar­auf gestützt wer­den, dass der Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts auf der Nicht­an­wen­dung oder der un­rich­ti­gen An­wen­dung ei­ner Rechts­norm be­ruht.

Die Rechts­be­schwer­de­schrift muss ent­hal­ten:
- die Be­zeich­nung des Be­schlus­ses, ge­gen den die Rechts­be­schwer­de ge­rich­tet wird;
- die Erklärung, dass ge­gen die­sen Be­schluss Rechts­be­schwer­de ein­ge­legt wird.
Mit der Rechts­be­schwer­de­schrift soll ei­ne Aus­fer­ti­gung oder be­glau­big­te Ab­schrift des an­ge­foch­te­nen Be­schlus­ses vor­ge­legt wer­den.

Die Rechts­be­schwer­de ist zu be­gründen. Die Rechts­be­schwer­de­be­gründung muss ent­hal­ten:

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- die Erklärung, in­wie­weit der Be­schluss an­ge­foch­ten und des­sen Auf­he­bung be­an­tragt wird (Rechts­be­schwer­de­anträge),
- die An­ga­be der Gründe der Rechts­be­schwer­de, und zwar,
a) die be­stimm­te Be­zeich­nung der Umstände, aus de­nen sich die Rechts­ver­let­zung er­gibt,
b) so­weit die Rechts­be­schwer­de dar­auf gestützt wird, dass das Ge­setz in Be­zug auf das Ver­fah­ren ver­letzt sei, die Be­zeich­nung der Tat­sa­chen, die den Man­gel er­ge­ben.

Die Rechts­be­schwer­de kann nur ein Rechts­an­walt oder ei­ne Rechts­anwältin, der bzw. die bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­sen ist, ei­ne Ge­werk­schaft oder Ver­ei­ni­gung von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der oder ei­ne ju­ris­ti­sche Per­son, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der vor­ste­hend be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet, ein­le­gen und be­gründen.

Die Frist für die Ein­le­gung der Rechts­be­schwer­de (Not­frist) beträgt ei­nen Mo­nat, die Frist für die Be­gründung der Rechts­be­schwer­de zwei Mo­na­te. Die Frist zur Be­gründung der Rechts­be­schwer­de kann auf An­trag ein­mal bis zu ei­nem wei­te­ren Mo­nat verlängert wer­den.

Die Rechts­be­schwer­de­frist und die Frist zur Be­gründung der Rechts­be­schwer­de be­gin­nen mit dem Ta­ge der von Amts we­gen er­folg­ten Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Be­schlus­ses des Lan­des­ar­beits­ge­richts, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.


Hin­weis:

1. Die An­schrift des Bun­des­ar­beits­ge­richts lau­tet:

Hu­go-Preuß-Platz 1 – 99084 Er­furt

2. Aus tech­ni­schen Gründen sind die Rechts­be­schwer­de­schrift, die Schrift zur Be­gründung der Rechts­be­schwer­de und die sons­ti­gen wech­sel­sei­ti­gen Schriftsätze im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren in sie­ben­fa­cher Aus­fer­ti­gung (und für je­den wei­te­ren Be­tei­lig­ten ei­ne Aus­fer­ti­gung mehr) bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­zu­rei­chen.
3. Zur Möglich­keit der Ein­rei­chung von Schriftsätzen beim Bun­des­ar­beits­ge­richt mit­tels elek­tro­ni­schen Do­ku­ments wird auf die Ver­ord­nung vom 9. März 2006 (BGBl I, 519 ff) ver­wie­sen.

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G R Ü N D E

I.

Der Be­tei­lig­te zu 1 ver­langt die Ab­be­ru­fung des Vor­sit­zen­den ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le we­gen Be­sorg­nis der Be­fan­gen­heit.

Der Be­tei­lig­te zu 1 ist der im Be­trieb Wands­bek der Be­tei­lig­ten zu 2 ge­bil­de­te Be­triebs­rat. Er ver­lang­te von der Be­tei­lig­ten zu 2 ver­geb­lich die Durchführung ei­ner Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung in den Be­rei­chen Da­men­ober­be­klei­dung und Her­ren­kon­fek­ti­on so­wie die Be­stel­lung ei­ner in­ner­be­trieb­li­chen Fach­kraft für Ge­sund­heits­schutz. Nach­dem hierüber ei­ne Ei­ni­gung zwi­schen den Be­tei­lig­ten nicht möglich war, lei­te­te der Be­triebs­rat ein ge­richt­li­ches Ver­fah­ren zur Ein­set­zung ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le ein. In die­sem Ver­fah­ren wur­de am 7. Ju­li 2006 ein Ver­gleich über ei­nen Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den und den Re­ge­lungs­ge­gen­stand „Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung gemäß § 5 Ar­bSchG in den Ab­tei­lun­gen 019/030 und 040 so­wie Re­ge­lun­gen zu ei­ner in­ner­be­trieb­li­chen Fach­kraft für Ge­sund­heits­schutz gemäß § 13 Abs. 2 Ar­bSchG“ ge­schlos­sen. Die Ei­ni­gungs­stel­le trat am 9. Fe­bru­ar 2007 erst­mals zu­sam­men. Die Be­tei­lig­te zu 2 wies dar­auf hin, dass die Ei­ni­gungs­stel­le ih­rer An­sicht nach für Re­ge­lun­gen zu ei­ner in­ner­be­trieb­li­chen Fach­kraft für Ge­sund­heits­schutz nicht zuständig sei. Dem­ge­genüber mein­te der Be­triebs­rat, dass es im Rah­men ei­ner Re­ge­lung nach § 13 Abs. 2 Ar­bSchG zur Über­tra­gung von Auf­ga­ben an Per­so­nen kom­men wer­de, die der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats un­ter­lie­ge. In ei­ner Sit­zung der Ei­ni­gungs­stel­le am 17. Ok­to­ber 2007 kündig­te die Be­tei­lig­te zu 2 an, ei­nen Zwi­schen­be­schluss über die Zuständig­keit der Ei­ni­gungs­stel­le her­beiführen zu wol­len. Den ent­spre­chen­den An­trag fass­te sie nach ei­ner Email vom 2. No­vem­ber 2007 wie folgt:

„Die Ei­ni­gungs­stel­le möge im We­ge des Zwi­schen­be­schlus­ses fest­stel­len, dass sie für Re­ge­lun­gen zu ei­ner in­ner­be­trieb­li­chen Fach­kraft für Ge­sund­heits­schutz gem. § 13 Abs. 2 Ar­bSchG nicht zuständig ist.“

Dem ge­genüber ver­trat die Be­triebs­rats­sei­te mit Schrift­satz im Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­ren vom 7. No­vem­ber 2007 noch­mals die Auf­fas­sung, dass erst nach ei­ner Re­ge­lung zur Durchführung

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von Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen der Um­fang der an die Fach­kraft zu über­tra­gen­den Auf­ga­ben fest­ste­he.

Die Be­tei­lig­te zu 2 stell­te in der Sit­zung der Ei­ni­gungs­stel­le vom 9. No­vem­ber 2007 den an­gekündig­ten An­trag. Die Be­triebs­rats­sei­te be­an­trag­te, fest­zu­stel­len, dass die Ei­ni­gungs­stel­le zuständig ist für Auf­ga­ben gemäß § 13 Abs. 2 Ar­bSchG, bei de­nen ei­ne Über­tra­gung auf an­de­re Per­so­nen er­for­der­lich ist, ein­sch­ließlich der An­for­de­run­gen an die hier­zu not­wen­di­ge Fach­kun­de. Der Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­te des Be­triebs­rats wies den Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le bei ei­ner Un­ter­bre­chung der Sit­zung dar­auf hin, dass die Ent­schei­dung über die Fra­ge ei­nen Ein­sat­zes ei­ner Fach­kraft sich erst stel­len könne, wenn die Ei­ni­gungs­stel­le zunächst kläre, wel­che Auf­ga­ben auf ei­ne sol­che Per­son über­tra­gen wer­den soll­ten. Nach­dem der Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­de deut­lich ge­macht hat­te, dass er die Ab­stim­mung über den An­trag der Be­tei­lig­ten zu 2 gleich­wohl durchführen las­sen würde, frag­te ihn der Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­te des Be­triebs­rats, wel­che Aus­wir­kun­gen ei­ne statt­ge­ben­de Ent­schei­dung auf das Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­ren ha­be. Der Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­de erklärte, dass sich dar­aus kei­ne Aus­wir­kun­gen auf die Ei­ni­gungs­stel­le ergäben. Der Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­te bat später dar­um, die­se die Äußerung in das Pro­to­koll der Ver­hand­lung auf­zu­neh­men und stell­te die Fra­ge, wel­chen Sinn die Ab­stim­mung ha­ben sol­le, wenn sie kei­ne Aus­wir­kun­gen auf das Ver­fah­ren ha­be. Der Vor­sit­zen­de erklärte dar­auf­hin, dass er ge­sagt, je­den­falls aber ge­meint ha­be, dass es kei­ne Aus­wir­kun­gen auf den Re­ge­lungs­ge­gen­stand „Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung“ gäbe. Die Be­triebs­rats­sei­te stell­te den von ihr an­gekündig­ten An­trag so­dann als Ge­gen­an­trag zu dem An­trag der Be­tei­lig­ten zu 2. Dar­auf­hin erklärte der Vor­sit­zen­de, dass er ei­nen An­trag nur über den von der Ar­beit­ge­ber­sei­te an­gekündig­ten An­trag zu­las­se, nicht über den am sel­ben Tag an­gekündig­ten An­trag des Be­triebs­rats, weil zu die­sem der Ar­beit­ge­ber­sei­te zunächst recht­li­ches Gehör zu gewähren sei. Bei der dann fol­gen­den Ab­stim­mung wur­de der An­trag der Ar­beit­ge­ber­sei­te mit der Stim­me des Vor­sit­zen­den an­ge­nom­men. We­gen der Ein­zel­hei­ten des Pro­to­kolls der Sit­zung der Ei­ni­gungs­stel­le vom 9. No­vem­ber 2007 wird auf die An­la­ge A 3 zur An­trags­schrift (Bl. 20 ff d.A.) ver­wie­sen.

Der Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­te des Be­triebs­rats stell­te mit Schrift­satz an den Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den vom 21. No­vem­ber 2007 an die Ei­ni­gungs­stel­le den An­trag, den Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den we­gen Be­sorg­nis der Be­fan­gen­heit ab­zu­leh­nen. Der Schrift­satz ging dem Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le am sel­ben Ta­ge zu. In der Sit­zung der

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Ei­ni­gungs­stel­le am 6. De­zem­ber 2007 wur­de über den An­trag ab­ge­stimmt. Nach­dem kei­ne Mehr­heit der Stim­men für den An­trag ab­ge­ge­ben wur­de, be­an­trag­te der Be­triebs­rat die Aus­set­zung der Ei­ni­gungs­stel­le bis zur ar­beits­ge­richt­li­chen Klärung der Be­fan­gen­heit des ab­ge­lehn­ten Vor­sit­zen­den. Die­ser An­trag wur­de mehr­heit­lich an­ge­nom­men. Fer­ner erklärte der Vor­sit­zen­de der Ei­ni­gungs­stel­le den Bei­sit­zern der Be­triebs­rats­sei­te bei der Sit­zung am 6. De­zem­ber 2007, dass die­se ih­ren Ge­gen­an­trag nicht stel­len soll­ten, weil er die­sen zurück­wei­sen wer­de. Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Be­auf­tra­gung nach § 13 Abs. 2 Ar­bSchG sei­en in der Ei­ni­gungs­stel­le noch nicht geklärt. Eben­falls am 6. De­zem­ber 2007 ging dem Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­ten des Be­triebs­rats die Ent­schei­dung der Ei­ni­gungs­stel­le nebst Be­gründung vom 9. No­vem­ber 2007 zu, we­gen de­ren Ein­zel­hei­ten auf die An­la­ge A 5 zur An­trags­schrift (Bl. 32 f d.A.) ver­wie­sen wird.

Der Be­triebs­rat hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass ein Grund vor­lie­ge, der ge­eig­net sei, Miss­trau­en ge­gen den Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den zu recht­fer­ti­gen. Die­se Zwei­fel bezögen sich auf die Ver­fah­rensführung. Der Vor­sit­zen­de der Ei­ni­gungs­stel­le ha­be zunächst die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass der von der Be­triebs­rats­sei­te an­gekündig­te An­trag wei­ter­ge­hend sei. Auf den Hin­weis des Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­ten des Be­triebs­rats, dass dann über die­sen An­trag zu­erst ab­ge­stimmt wer­den müsse, ha­be er dann erklärt, dass es sich um ei­nen „an­de­ren“ An­trag han­de­le. Der Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­de ha­be die Po­si­ti­on des Be­triebs­rats ge­schwächt, weil aus der Ent­schei­dung der Ei­ni­gungs­stel­le fol­ge, dass dem Wunsch der Ar­beit­ge­ber­sei­te ent­spre­chend ei­ne in­ner­be­trieb­li­che Fach­kraft nicht in Fra­ge kom­me. Die Ar­beit­ge­be­rin ha­be die Auf­ga­ben der Fach­kraft für Ar­beits­si­cher­heit über­be­trieb­lich or­ga­ni­siert und be­ab­sich­tig­te, auch die zusätz­li­chen Auf­ga­ben, die bei der Durchführung von Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen an­fie­len, über­be­trieb­lich wahr­neh­men zu las­sen. Der Ge­gen­stand des An­trags der Be­triebs­rats­sei­te vom 9. No­vem­ber 2007 sei nicht neu ge­we­sen, weil er be­reits mit Schrift­satz des Be­triebs­rats un­ter­brei­tet wor­den sei.

Der Be­triebs­rat hat be­an­tragt,

Herrn Mi­cha­el Arndt als Vor­sit­zen­den der bei den Be­tei­lig­ten ge­bil­de­ten Ei­ni­gungs­stel­le mit dem Re­ge­lungs­ge­gen­stand „Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung gem. § 5 Ar­bSchG in den Ab­tei­lun­gen 019/030 und 040 so­wie Re­ge­lun­gen zu ei­ner in­ner­be­trieb­li­chen Fach­kraft für Ge­sund­heits­schutz gemäß § 13 Abs. 3 Ar­bSchG ab­zu­be­ru­fen.

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Die Be­tei­lig­te zu 2 hat be­an­tragt,
den An­trag zurück­zu­wei­sen.

Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass der Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­de sich kor­rekt ver­hal­ten ha­be.

Der Be­triebs­rat hat sei­nen An­trag zunächst an das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg ge­rich­tet, das er in ent­spre­chen­der An­wen­dung des § 1062 Abs. 1 Zif­fer 1 ZPO für zuständig hielt. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat den Rechts­streit durch Be­schluss vom 1. April 2008 an das Ar­beits­ge­richt Ham­burg ver­wie­sen.

Das Ar­beits­ge­richt Ham­burg hat mit Be­schluss vom 14. No­vem­ber 2008 (Bl. 115 ff d.A.) durch Al­lei­n­ent­schei­dung des Vor­sit­zen­den den An­trag des Be­triebs­rats zurück­ge­wie­sen. Ge­gen die­sen Be­schluss, der dem Be­triebs­rat am 14. Ja­nu­ar 2009 zu­ge­stellt wor­den ist, hat die­ser mit Schrift­satz vom 27. Ja­nu­ar 2009, beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen am sel­ben Tag, Be­schwer­de ein­ge­legt und die­se zu­gleich be­gründet.

Der Be­triebs­rat ist der An­sicht, dass die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts un­zu­tref­fend sei. Sie hätte im Ver­fah­ren nach § 80 Be­trVG her­bei­geführt wer­den müssen. Außer­dem sei der Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­de bei zu­tref­fen­der recht­li­cher Würdi­gung als be­fan­gen an­zu­se­hen.

Der Be­triebs­rat be­an­tragt,

un­ter Abände­rung des Be­schlus­ses des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 14. No­vem­ber 2008, Geschäfts­zei­chen 13 BV 10/08,

1) das Ver­fah­ren im Be­schluss­ver­fah­ren gemäß § 80 ArbGG durch­zuführen,
2) Herrn Ma. als Vor­sit­zen­den der bei der Be­tei­lig­ten zu 2 ge­bil­de­ten Ei­ni­gungs­stel­le mit dem Re­ge­lungs­ge­gen­stand Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung gem. § 5 Ar­bSchG in den Ab­tei­lun­gen 019/030 und 040 so­wie Re­ge­lun­gen zu ei­ner in­ner­be­trieb­li­chen Fach­kraft für Ge­sund­heits­schutz gemäß § 13 Abs. 2 Ar­bSchG ab­zu­be­ru­fen.

Die Be­tei­lig­te zu 2 be­an­tragt,

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die Be­schwer­de des Be­triebs­rats zurück­zu­wei­sen.

Die Be­tei­lig­te zu 2 hält die Be­schwer­de für un­be­gründet.

 

II.

Die Be­schwer­de des Be­triebs­rats ist zulässig, aber un­be­gründet und des­halb zurück­zu­wei­sen.

1) Über die Be­schwer­de ist nicht nach den Re­ge­lun­gen des § 98 Abs. 2 ArbGG zu ent­schei­den, son­dern nach den §§ 87 bis 91 ArbGG. Das in § 98 ArbGG vor­ge­se­he­ne Ver­fah­ren ist bei der Ab­leh­nung von Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den nicht an­zu­wen­den. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist an die­ses Ver­fah­ren nicht des­halb ge­bun­den, weil das Ar­beits­ge­richt im Ver­fah­ren nach § 98 ArbGG ent­schie­den hat.

a) Für die Ab­leh­nung von Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den ist nicht das für de­ren Be­stel­lung gel­ten­de Ver­fah­ren des § 98 ArbGG an­zu­wen­den. Es ist viel­mehr nach den Re­geln für das all­ge­mei­ne Be­schluss­ver­fah­ren zu ent­schei­den.

So­weit ver­tre­ten wird, dass über die Ab­leh­nung ei­nes Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den im Ver­fah­ren nach § 98 Be­trVG zu ent­schei­den ist (u.a. LAG Köln, Be­schluss vom 11. Ju­li 2001, 8 TaBV 4/01; HWK/Kliemt, § 76 Be­trVG, Rd­nr. 67; GK-Kreutz, § 76, Rd­nr. 55; ErfK/Ka­nia, § 76 Be­trVG, Rd­nr. 16; Fit­ting, Be­trVG, § 76, Rd­nr. 28) wird die­ses nicht oder da­mit be­gründet, dass das Ver­fah­ren nach § 98 ArbGG den Vor­teil böte, dass bei ei­ner Be­gründet­heit der Ab­leh­nung zu­gleich ein neu­er Vor­sit­zen­der ein­ge­setzt wer­den könne. Ein wei­te­rer Vor­teil des Ver­fah­rens nach § 98 ArbGG ist, dass es sich um be­schleu­nigt durch­zuführen­des Ver­fah­ren han­delt, bei dem nach der­zei­ti­gem Recht erst­in­stanz­lich und in der Be­schwer­de­instanz der oder die Vor­sit­zen­de der Kam­mer al­lein ent­schei­det und ei­ne Rechts­be­schwer­de an das Bun­des­ar­beits­ge­richt aus­ge­schlos­sen ist. Die­ses wird dem Bedürf­nis nach ei­ner Klärung der Be­fan­gen­heit des Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den in ei­nem über­schau­ba­ren Zeit­raum ge­recht und ver­hin­dert – bei der mögli­chen Aus­set­zung des Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­rens bis zur Ent­schei­dung über die Be­fan­gen­heit – ei­ne un­an­ge­mes­se­ne

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Verzöge­rung ei­ner Ent­schei­dung der Ei­ni­gungs­stel­le. Trotz die­ser Vor­tei­le kann über die Be­fan­gen­heit ei­nes Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den nicht im Ver­fah­ren nach § 98 ArbGG ent­schie­den wer­den. Die­ses folgt vor al­len Din­gen dar­aus, dass es sich bei die­ser Re­ge­lung um ei­ne Aus­nah­me­re­ge­lung für die Be­stim­mung ei­nes oder ei­ner Vor­sit­zen­den und die An­zahl der Bei­sit­ze­rin­nen und Bei­sit­zer für ei­ne Ei­ni­gungs­stel­le han­delt. Ei­ne sol­che Spe­zi­al­vor­schrift ist in der Re­gel eng aus­zu­le­gen und auf die dafür aus­drück­lich vor­ge­se­he­ne Kon­stel­la­ti­on be­schränkt. Fer­ner passt der in § 98 ArbGG vor­ge­se­he­ne Prüfungs­maßstab der Of­fen­sicht­lich­keit wohl für die Zuständig­keit der Ei­ni­gungs­stel­le, weil die ein­ge­setz­te Ei­ni­gungs­stel­le an­sch­ließend selbst über ih­re Zuständig­keit be­fin­den muss, nicht aber für die Be­fan­gen­heit, die ein­deu­tig geklärt wer­den muss. Es reicht nicht aus, dass ein Vor­sit­zen­der of­fen­sicht­lich be­fan­gen oder un­be­fan­gen ist, die­ses ist viel­mehr im Ein­zel­nen zu klären. Da ge­ra­de die Be­schränkung des Prüfungs­maßstabs auf die Of­fen­sicht­lich­keit Grund für die be­son­de­re Be­schleu­ni­gung des Ver­fah­rens und die Al­lei­n­ent­schei­dung des Vor­sit­zen­den ist, passt das Ver­fah­ren nicht für die Prüfung der Be­fan­gen­heit ei­nes oder ei­ner Vor­sit­zen­den. Sch­ließlich führ­te die An­wen­dung des § 98 ArbGG da­zu, dass die Be­fan­gen­heit des oder der Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den nach un­ter­schied­li­chen Ver­fah­rens­re­ge­lun­gen und mit un­ter­schied­li­chen Rechts­mit­teln durch­zuführen wäre, wenn die Ei­ni­gungs­stel­le zulässi­ger­wei­se ih­re Ver­hand­lun­gen trotz des Ab­leh­nung fort­set­ze und zu ei­ner Ent­schei­dung käme, be­vor ge­richt­lich über den Ab­leh­nungs­an­trag ent­schie­den wor­den wäre. In die­sem Fall könn­te die Be­fan­gen­heit des Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den nämlich im nor­ma­len Be­schluss­ver­fah­ren über die Wirk­sam­keit des Spruchs der Ei­ni­gungs­stel­le ent­schie­den wer­den (BAG, Be­schluss vom 11. Sep­tem­ber 2001, 1 ABR 5/01, AP Nr. 15 zu § 76 Be­trVG 1972 Ei­ni­gungs­stel­le = EzA § 76 Be­trVG 1972 Nr. 68), al­so vor vollständig be­setz­ten Kam­mern des Ar­beits- und Lan­des­ar­beits­ge­richts, mit der re­gelmäßigen Frist zur Be­schwer­de und Be­schwer­de­be­gründung und mit der Möglich­keit ei­ner Rechts­be­schwer­de zum Bun­des­ar­beits­ge­richt. Je nach Zeit­punkt der Prüfung und abhängig von der Ent­schei­dung, ob die Ei­ni­gungs­stel­le ihr Ver­fah­ren aus­setzt oder nicht, ergäben sich da­mit ganz un­ter­schied­li­che Ver­fah­ren mit ver­schie­de­ner Prüfungs­dich­te und un­ter­schied­li­chen Kam­mer­be­set­zun­gen für die Be­fan­gen­heit des Vor­sit­zen­den. Gründe dafür sind nicht er­sicht­lich. Ins­be­son­de­re ist nicht aus­rei­chend, dass bei ei­ner Prüfung der Be­fan­gen­heit vor ei­ner Ent­schei­dung der Ei­ni­gungs­stel­le die­se noch kei­ne Re­ge­lung ge­trof­fen hat, die Be­fan­gen­heit ei­nes Vor­sit­zen­den und des­sen even­tu­el­les Aus­schei­den al­so nicht so be­deu­tend sind. Die­ses ver­kennt zum ei­nen, dass der oder die Vor­sit­zen­de der Ei­ni­gungs­stel­le re­gelmäßig auf die Ent­schei­dung der Ei­ni­gungs­stel­le er­heb­li­chen Ein­fluss hat, weil er oder sie

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im zwei­ten Ab­stim­mungs­durch­gang die ent­schei­den­de Stim­me hat und so sei­ne oder ih­re Auf­fas­sung von der An­ge­mes­sen­heit und Rechtmäßig­keit der zu tref­fen­den Re­ge­lung durch­set­zen kann. Zum an­de­ren kann al­lein der Stand des Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­rens zum Zeit­punkt der Ent­schei­dung über die Be­fan­gen­heit kein un­ter­schied­li­ches Prüfungs­ver­fah­ren für die Be­fan­gen­heit be­gründen, weil die­ses zu ei­nem Un­gleich­ge­wicht ein und des­sel­ben Um­stan­des führ­te, für den ein sach­li­cher Grund nicht er­kenn­bar ist.

b) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist nicht an das Ver­fah­ren nach § 98 Abs. 2 ArbGG ge­bun­den, weil das Ar­beits­ge­richt sei­ne Ent­schei­dung nach § 98 Abs. 1 ArbGG ge­trof­fen hat. Nach § 48 Abs. 1 ArbGG in Ver­bin­dung mit § 17 a GVG ist die Ent­schei­dung über ei­ne Ver­fah­rens­art ver­bind­lich, wenn darüber ei­ne rechts­kräfti­ge Ent­schei­dung vor­liegt. Es kann da­hin­ge­stellt blei­ben, ob es sich bei dem Ver­fah­ren nach § 98 ArbGG um ei­ne ei­ge­ne Ver­fah­rens­art im Verhält­nis zum nor­ma­len Be­schluss­ver­fah­ren han­delt. Selbst wenn die­ses der Fall wäre, wäre vor­lie­gend kei­ne Bin­dung an die vom Ar­beits­ge­richt gewähl­te Ver­fah­rens­art des § 98 ArbGG ein­ge­tre­ten, weil es an ei­ner rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts hier­zu fehlt. Das Ar­beits­ge­richt hat nicht gemäß § 17 a GVG vor­ab über die Ver­fah­rens­art ent­schie­den.

2) Die Be­schwer­de ist zulässig. Sie ist gemäß § 87 Abs. 1 ArbGG statt­haft und im Sin­ne der §§ 87 Abs. 1 Satz 1, 64 Abs. 6, 66 Abs. 1 ArbGG, 519, 520 ZPO form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den.

3) Die Be­schwer­de ist un­be­gründet, weil ein Grund für die Ab­leh­nung des Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den nicht ge­ge­ben ist. Ein Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­der kann ent­spre­chend §§ 1036 ff ZPO dann we­gen Be­sorg­nis der Be­fan­gen­heit ab­ge­lehnt wer­den, wenn Umstände vor­lie­gen, die be­rech­tig­te Zwei­fel an sei­ner Un­par­tei­lich­keit und Un­abhängig­keit auf­kom­men las­sen (Fit­ting, Be­trVG, § 76, Rd­nr. 28). Die Zwei­fel müssen ob­jek­tiv be­rech­tigt sein und nicht nur sub­jek­tiv emp­fun­den wer­den. An der­ar­ti­gen Zwei­fel be­gründen­den Umständen fehlt es vor­lie­gend.

Sie fol­gen nicht dar­aus, dass der Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­de erklärt ha­ben soll, dass die Ent­schei­dung über den An­trag der Ar­beit­ge­ber­sei­te auf Fest­stel­lung, dass die Ei­ni­gungs­stel­le für Re­ge­lun­gen zu ei­ner in­ner­be­trieb­li­chen Fach­kraft für Ge­sund­heits­schutz nicht zuständig sei, kei­ne Aus­wir­kung auf die Ei­ni­gungs­stel­le bzw. den Re­ge­lungs­ge­gen­stand „Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung“ ha­be. Es ist nicht er­sicht­lich, war­um die­se Mei­nungsäußerung

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Zwei­fel an der Un­par­tei­lich­keit und Un­abhängig­keit des Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den be­gründen können soll. Er muss­te gleich­wohl über den An­trag der Ar­beit­ge­ber­sei­te ab­stim­men las­sen, weil der Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­de nicht be­fugt ist, von Be­tei­lig­ten ge­stell­te Anträge zu über­ge­hen. Die Auf­fas­sung des Be­triebs­rats, dass der Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­de den An­trag ei­ner Sei­te über­ge­hen könne, bis er die Zeit dafür reif hält, trifft nicht zu. Die vom Vor­sit­zen­den geäußer­te Mei­nung ent­spricht im Übri­gen der des Be­triebs­rats: Mögli­cher­wei­se wird bei der Aus­ge­stal­tung des Ver­fah­rens der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung ei­ne in­ner­be­trieb­li­che Fach­kraft be­stimmt wer­den müssen und mögli­cher­wei­se hat der Be­triebs­rat in­so­weit ein Mit­be­stim­mungs­recht. Da­mit hat die Ent­schei­dung auf die vom Be­triebs­rat an­ge­nom­me­nen Re­ge­lungsmöglich­kei­ten kei­nen Ein­fluss, sie stellt viel­mehr klar, was der Be­triebs­rat auch meint.

Es ist nicht er­sicht­lich, war­um es Zwei­fel an der Un­par­tei­lich­keit und Un­abhängig­keit des Vor­sit­zen­den be­gründen soll, dass er den Ge­gen­an­trag des Be­triebs­rats zunächst als wei­ter­ge­hend und dann als an­ders be­zeich­net hat. Rich­ter, Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­de, Rechts­anwälte und je­der tun gut dar­an, die ei­ge­ne Mei­nung zu hin­ter­fra­gen und ggf. auch zu ändern. Auch wenn ei­ne sol­che Mei­nungsände­rung für den Be­triebs­rat nach­tei­lig zu sein schien, bie­tet sie kei­ner­lei An­halts­punk­te für ei­ne Be­fan­gen­heit des Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den, zu­mal sei­ne zu­letzt ver­tre­te­ne Auf­fas­sung zu­tref­fend ist: Der An­trag des Be­triebs­rats geht nicht über den An­trag der Be­tei­lig­ten zu 2 hin­aus, son­dern hat ei­nen völlig an­de­ren In­halt, weil er sich nicht zur Zuständig­keit der Ei­ni­gungs­stel­le für Re­ge­lun­gen zu ei­ner in­ner­be­trieb­li­chen Fach­kraft für Ge­sund­heits­schutz verhält, um die es im An­trag der Be­tei­lig­ten zu 2 geht.

Es lie­gen kei­ne ei­ne Be­fan­gen­heit be­gründen­den Umstände vor, weil der Vor­sit­zen­de in der Ver­hand­lung vom 9. No­vem­ber 2007 nicht über den An­trag des Be­triebs­rats ab­stim­men ließ. Die­ser An­trag war erst in der Sit­zung vom Be­triebs­rat ge­stellt wor­den, so dass es ein be­rech­tig­tes An­lie­gen der Ar­beit­ge­ber­sei­te war, den An­trag bis zu ei­ner wei­te­ren Sit­zung zu prüfen. Hätte der Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­de sich die­sem Wunsch der Be­tei­lig­ten zu 2 ver­schlos­sen, wäre er sei­ner Auf­ga­be, für ein fai­res Ver­fah­ren zu sor­gen, mögli­cher­wei­se nicht ge­recht ge­wor­den.

Ei­ne Be­sorg­nis der Be­fan­gen­heit ist nicht be­gründet, so­weit der Vor­sit­zen­de für den An­trag der Ar­beit­ge­ber­sei­te stimm­te. Es gehört zum We­sen von Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­ren, dass in

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Ih­nen – auch ab­ge­schich­tet – ab­ge­stimmt wird. Ein Vor­sit­zen­der, der bei ei­ner sol­chen Ab­stim­mung teil­nimmt, tut die­ses in Ausübung sei­nes Am­tes. Al­lein der Um­stand, dass der Be­triebs­rat meint, die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Über­tra­gung von Auf­ga­ben nach § 13 Abs. 2 Ar­bSchG sei­en zum Zeit­punkt der Ab­stim­mung noch nicht geklärt, führt in­so­weit nicht wei­ter. Dass es un­ter­schied­li­che Einschätzun­gen darüber ge­ben kann, was in ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le zu klären ist, be­deu­tet nicht, dass ein Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­der be­fan­gen ist, der ei­ne in­halt­lich vom Be­triebs­rat ab­wei­chen­de Einschätzung hat. Im Übri­gen ist es na­he­lie­gend und ent­spricht der Auf­fas­sung des Be­triebs­rats, dass die Ei­ni­gungs­stel­le nicht für iso­liert für Re­ge­lun­gen zu ei­ner in­ner­be­trieb­li­chen Fach­kraft für Ge­sund­heits­schutz zuständig ist. Ein der­ar­ti­ger Mit­be­stim­mungs­tat­be­stand ist der Kam­mer un­be­kannt. Es kann sein, dass sich im Rah­men der Re­ge­lun­gen zur Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung Be­dar­fe da­nach er­ge­ben, Auf­ga­ben an Per­so­nen zu über­tra­gen, sei­en es in­ner­be­trieb­li­che oder ex­ter­ne Beschäftig­te, sei es die gebündel­te Über­tra­gung an ei­ne Fach­kraft für Ge­sund­heits­schutz, sei es die Streu­ung der Auf­ga­ben an ei­ne Mehr­zahl von in­ter­nen und/oder ex­ter­nen Per­so­nen. Die Über­tra­gung an ei­ne in­ner­be­trieb­li­che Fach­kraft für Ge­sund­heits­schutz ist des­halb ei­ne von vie­len Möglich­kei­ten, die kein ei­genständi­ger Mit­be­stim­mungs­tat­be­stand ist, son­dern al­len­falls im Rah­men der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung Be­deu­tung er­lan­gen kann. Da in dem von den Be­tei­lig­ten for­mu­lier­ten Re­ge­lungs­ge­gen­stand der Ei­ni­gungs­stel­le die­ses nicht zum Aus­druck kam, son­dern Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung und die Re­ge­lun­gen zur Fach­kraft für Ge­sund­heits­schutz gleich­ran­gig ne­ben­ein­an­der stan­den, war es sach­lich zu­tref­fend und ge­bo­ten zu ent­schei­den, dass es ei­ne selbständi­ge Zuständig­keit der Ei­ni­gungs­stel­le zu dem Ge­gen­stand “Re­ge­lun­gen zu ei­ner in­ner­be­trieb­li­chen Fach­kraft für Ge­sund­heits­schutz“ nicht gibt.

In­so­weit han­delt es sich nicht um die Ent­schei­dung über ei­nen Ar­beits­ti­tel, son­dern um ei­ne Klar­stel­lung des Zuständig­keits­be­reichs der Ei­ni­gungs­stel­le, die ei­ne mit­be­stim­mungs­recht­li­che Klärung ge­bracht. Die in­so­weit vom Be­triebs­rat vor­ge­brach­ten Umstände be­gründen kei­ne Be­sorg­nis der Be­fan­gen­heit.

 

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3. Ei­ne Kos­ten­ent­schei­dung ist nach § 2 Abs. 2 GKG in Ver­bin­dung mit § 2 a Abs. 1 Zif­fer 1 ArbGG nicht ver­an­lasst.

Die Rechts­be­schwer­de wird nach § 72 Abs. 2 Zif­fer 1 ArbGG zu­ge­las­sen.


Ull­ner 

Dr. Nau­se 

Prut­ky

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