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Ein­kom­mensun­gleich­heit wird über­schätzt

Der Chef des Mün­che­ner Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tuts hält die De­bat­te um so­zia­le Un­gleich­heit in Deutsch­land für über­trie­ben. Die Ein­kom­mens­sche­re ge­he nicht wei­ter aus­ein­an­der.

02.06.2017. (dpa/wie) - Die so­zia­le Un­ge­rech­tig­keit, die die­ser Ta­ge im Bun­des­tags­wahl­kampf oft the­ma­ti­siert wird, ist laut Cle­mens Fu­est, Chef des Mün­che­ner Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tuts (ifo), nicht so fa­tal, wie sie in der Öf­fent­lich­keit dar­ge­stellt wird.

Die De­bat­te sei "teil­wei­se alar­mis­tisch" und ru­fe ei­ne "kras­se Über­schät­zung" der Un­gleich­heit her­vor. "Das liegt dar­an, dass die öf­fent­li­che De­bat­te fürch­ter­lich auf­ge­regt ist", sag­te Fu­est am Mitt­woch in Dres­den. Die un­te­ren Ein­kom­mens­grup­pen wür­den nicht von den Bes­ser­ver­die­nern ab­ge­hängt. Der An­teil der am bes­ten Ver­die­nen­den (10 Pro­zent) und je­ner, der Ge­ring­ver­die­ner (40 Pro­zent) ha­be sich seit 2005 nicht groß ge­än­dert. Das wür­den die Zah­len be­le­gen, so der ifo-Chef. "Deutsch­land ist durch die Mit­tel­schicht ge­prägt."

Auch den Man­gel an so­zia­ler Markt­wirt­schaft wies er als rea­li­täts­fremd zu­rück. Fu­est räum­te je­doch ein, dass es schwe­rer ge­wor­den sei, aus un­te­ren Ein­kom­mens­schich­ten auf­zu­stei­gen. Auf der an­de­ren Sei­te wür­de sich aber die Mit­tel­schicht sta­bi­li­sie­ren.

Joa­chim Ragnitz von der Dres­de­ner ifo-Nie­der­las­sung äu­ßer­te sich zum Ost-West-Ver­gleich. Im Os­ten gä­be es zwar we­ni­ger Men­schen mit sehr ho­hen Ver­diens­ten, da­für sei aber die Ein­kom­mens­ver­tei­lung gleich­mä­ßi­ger als im Wes­ten der Re­pu­blik. Au­ßer­dem gä­be es kein "ver­fes­tig­tes Bür­ger­tum" in den neu­en Bun­des­län­dern, was zu bes­se­rer Chan­cen­gleich­heit füh­re, er­gänz­te Fu­est.

Tat­säch­lich be­stün­den die Un­ter­schie­de vor Al­lem in der Qua­li­fi­ka­ti­on der Ar­beit und da­mit in der Aus­bil­dung der Men­schen. Letz­te­re sei stark von der so­zia­len Her­kunft ab­hän­gig. "Bei glei­chen Kom­pe­ten­zen ent­schei­det der Hin­ter­grund, das El­tern­haus, über den wei­te­ren Wer­de­gang", sag­te der ifo-Chef.

Des­halb müs­se in­ten­si­ver in früh­kind­li­che Bil­dung in­ves­tiert wer­den. Da­für sol­le es bei­spiels­wei­se ein­kom­mens­ab­hän­gi­ge Stu­di­en­ge­büh­ren und ei­ne Be­steue­rung von Grund und Bo­den ge­ben, er­klär­te Fu­est.


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Letzte Überarbeitung: 13. Juni 2017

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