Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Drit­tes Jahr El­tern­zeit im drit­ten Le­bens­jahr des Kin­des auch oh­ne Zu­stim­mung des Ar­beit­ge­bers

El­tern­zeit: Das ver­flix­te drit­te Jahr: Ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 29.09.2010, 4 Ca 4023/10
28.01.2011. Ar­beit­neh­mer, die El­tern wer­den, ha­ben nach der Ge­burt ih­res Kin­des das Recht auf ei­ne El­tern­zeit (frü­her: "Er­zie­hungs­ur­laub"). Die Vor­aus­set­zun­gen sind im Bun­des­el­tern­geld- und El­tern­zeit­ge­setz (BEEG) ge­re­gelt. Im Re­gel­fall be­steht der An­spruch bis zur Voll­endung des drit­ten Le­bens­jah­res des Kin­des (§ 15 Abs. 2 Satz 1 BEEG). Die­ser An­spruch wird in Ab­gren­zung zu Ver­län­ge­run­gen der El­tern­zeit als "Stamm­recht" be­zeich­net. Ein An­teil der El­tern­zeit von bis zu zwölf Mo­na­ten ist mit Zu­stim­mung des Ar­beit­ge­bers auf die Zeit bis zur Voll­endung des ach­ten Le­bens­jah­res über­trag­bar (§ 15 Abs. 2 Satz 4 BEEG).

Da­mit ver­bun­den ist frei­lich in je­dem Fall ein lang­fris­ti­ger Ar­beits­aus­fall, den der Ar­beit­ge­ber durch ei­ne ent­spre­chen­de Per­so­nal­pla­nung aus­glei­chen muss. Wer die El­tern­zeit in An­spruch neh­men möch­te, muss dies des­halb spä­tes­tens sie­ben Wo­chen vor Be­ginn schrift­lich vom Ar­beit­ge­ber "ver­lan­gen", d.h. ihm mit­tei­len, und gleich­zei­tig er­klä­ren, für wel­che Zei­ten in­ner­halb von zwei Jah­ren El­tern­zeit ge­nom­men wer­den soll (§ 16 Abs. 1 Satz 1 BEEG). Der Ar­beit­neh­mer ist dann an sei­ne ent­spre­chen­de Er­klä­rung ge­bun­den. Die El­tern­zeit kann auf zwei Zeit­ab­schnit­te ver­teilt wer­den; ei­ne Ver­tei­lung auf wei­te­re Zeit­ab­schnit­te ist nur mit der Zu­stim­mung des Ar­beit­ge­bers mög­lich (§ 16 Abs.1 Satz 4 BEEG).Ge­mäß § 16 Abs. 3 Satz 1 BEEG kann die El­tern­zeit zu­dem vor­zei­tig nur be­en­det oder im Rah­men des § 15 Abs. 2 BEEG ver­län­gert wer­den, wenn der Ar­beit­ge­ber zu­stimmt.

Im De­tail ist um­strit­ten, wann ein sol­ches zu­stim­mungs­be­dürf­ti­ges "Ver­län­ge­rungs­ver­lan­gen" bzw. "Ver­tei­lungs­ver­lan­gen" vor­liegt, und wann das nicht zu­stim­mungs­be­dürf­ti­ge "Stamm­recht" aus­ge­übt wird. Bei­spiels­wei­se be­rich­te­ten wir in Ar­beits­recht ak­tu­ell 10/231 ("Ar­beit­ge­ber muss El­tern­zeit Ver­län­ge­rung nicht im­mer zu­stim­men") über die Si­tua­ti­on, dass ein Ar­beit­neh­mer in­ner­halb des zwei­jäh­ri­gen Bin­dungs­zeit­raums ei­ne Ver­län­ge­rung woll­te.

Eben­falls nicht völ­lig ge­klärt ist die Fra­ge, ob der Ar­beit­ge­ber zu­stim­men muss, wenn ein El­tern­teil zu­nächst zwei Jah­re El­tern­zeit ge­nom­men hat und nun­mehr das drit­te Jahr bis zur Voll­endung des drit­ten Le­bens­jah­res in An­spruch neh­men will. Über­wie­gend wird hier ver­tre­ten, dass es sich da­bei nicht um ei­ne (zu­stim­mungs­be­dürf­ti­ge) Ver­län­ge­rung nach § 16 Abs. 3 Satz 1 BEEG, son­dern um die (zu­stim­mungs­freie) Aus­übung des ur­sprüng­li­chen Stamm­rechts aus § 15 Abs.2 BEEG han­delt.

Das Ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf hat sich die­ser "herr­schen­den" Auf­fas­sung An­fang Herbst 2010 aus­drück­lich an­ge­schlos­sen. An­ge­nehm kurz und bün­dig lei­tet es aus dem Re­ge­lungs­zu­sam­men­hang der §§ 15, 16 BEEG her, dass nach der ge­setz­li­chen Grund­kon­zep­ti­on des § 15 Abs. 2 BEEG die El­tern­zeit an sich auf die ers­ten drei Le­bens­jah­re des Kin­des be­schränkt ist und für ei­ne Über­tra­gung über die­sen Zeit­raum hin­aus ein Zu­stim­mungs­er­for­der­nis be­steht. Hier­aus er­gibt sich un­ter Be­rück­sich­ti­gung des zwei­jäh­ri­gen Bin­dungs­zeit­raums nach der Ge­burt des Kin­des, dass El­tern die Mög­lich­keit ge­ge­ben wer­den soll, frei­er über das drit­te Jahr der El­tern­zeit zu dis­po­nie­ren.

Die Ent­schei­dung ist rechts­kräf­tig.

Fa­zit: Die Ar­gu­men­ta­ti­on des Ar­beits­ge­rich­tes Düs­sel­dorf über­zeugt. Das drit­te Jahr der El­tern­zeit kann je­den­falls dann oh­ne Wei­te­res im drit­ten Le­bens­jahr des Kin­des ge­nom­men wer­den, wenn zu­vor be­reits ge­schlos­sen zwei Jah­re El­tern­zeit ge­nutzt wur­den. Le­dig­lich ei­ne rech­zei­ti­ge An­kün­di­gung ist hier­für nö­tig.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d. h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf eben­falls in dem hier be­spro­che­nen Fall ent­schie­den. Die Ent­schei­dungs­grün­de im Voll­text fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 21. Oktober 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Autorenprofil

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880