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Kein En­de der Grün­der­flau­te in Sicht

Der Pio­nier­geist in der deut­schen Wirt­schaft schwä­chelt wie lan­ge nicht: Nach ei­nem Ne­ga­tiv­re­kord bei den Exis­tenz­grün­dun­gen im ver­gan­ge­nen Jahr ist kein En­de der Flau­te in Sicht. Das schürt auch Sor­gen um den deut­schen Mit­tel­stand

05.04.2013. (dpa) - Der deut­schen Wirt­schaft ge­hen die Grün­der aus.

Kon­junk­tur­sor­gen und Eu­ro-Schul­den­kri­se ma­chen das Kli­ma für Un­ter­neh­mens­grün­dun­gen auch zum Start ins Früh­jahr fros­tig.

Weil zu­dem die Chan­cen auf dem Ar­beits­markt noch im­mer gut sind, ver­las­sen im­mer we­ni­ger Men­schen aus­ge­tre­te­ne Pfa­de und wa­gen den Schritt in die Selbst­stän­dig­keit.

Ex­per­ten be­rei­tet die Ent­wick­lung zu­neh­mend Sor­gen: "Wenn wir in Zu­kunft ei­nen star­ken Mit­tel­stand ha­ben wol­len, dann brau­chen wir Exis­tenz­grün­dun­gen, die nicht nur aus der Not ge­bo­ren sind, son­dern auch aus Pio­nier­geist", sagt Marc Evers vom Deut­schen In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer­tag (DIHK).

Nur noch 346 400 ge­werb­li­che Exis­tenz­grün­dun­gen zähl­te das In­sti­tut für Mit­tel­stands­for­schung in Bonn im ver­gan­ge­nen Jahr, das wa­ren fast 14 Pro­zent we­ni­ger als 2011 und zu­gleich der tiefs­te Stand seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung.

Da­bei be­schleu­nig­te sich der Ab­wärts­trend noch in der zwei­ten Jah­res­hälf­te. Auch un­ter dem Strich führ­te das zu ei­nem kräf­ti­gen Mi­nus: 2012 wur­den rund 24 100 Fir­men mehr auf­ge­löst, als neu an den Start gin­gen. Seit Mit­te der 1970er Jah­re war das erst der zwei­te Ne­ga­tiv­sal­do, heißt es bei dem In­sti­tut.

Pro­ble­ma­ti­scher noch als die nack­ten Zah­len se­hen die Ex­per­ten aber die man­geln­den Per­spek­ti­ven vie­ler Exis­tenz­grün­dun­gen. Vor al­lem vie­le So­lo-Grün­der aus dem Dienst­leis­tungs­sek­tor kom­men oh­ne kla­re Ge­schäfts­idee und Ziel­grup­pe zu den Be­ra­tungs­stel­len der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mern, sagt Ex­per­te Evers.

Das Schei­tern ist dann häu­fig vor­pro­gram­miert. Zwar gel­te: "Auch ein Na­gel­stu­dio ist in­no­va­tiv, wenn es am Ort noch kein Na­gel­stu­dio gibt. Aber das drit­te Na­gel­stu­dio in der Stra­ße ist dann eben nur noch be­grenzt in­no­va­tiv."

Viel­ver­spre­chen­de Ide­en aus Zu­kunfts­bran­chen wie Bio­tech­no­lo­gie, Me­di­zin­tech­nik oder IT sei­en da­ge­gen rar ge­sät: "Ge­ra­de ein­mal sechs Pro­zent al­ler Exis­tenz­grün­dun­gen sind dem High­tech-Be­reich zu­zu­ord­nen. Das ist sehr we­nig."

Ein Grund für die Flau­te dürf­te auch sein, dass Ar­beits­lo­se seit An­fang 2012 kei­nen Rechts­an­spruch mehr auf ei­nen Grün­der­zu­schuss von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit ha­ben. Zu spü­ren be­kam das bei­spiels­wei­se auch Exis­tenz­grün­der-Coach Ha­rald Dill aus Mün­chen, der in der Ver­gan­gen­heit vie­le Ar­beit­su­chen­de auf dem Weg in die Selbst­stän­dig­keit be­ra­ten hat.

"Das ist bei Null ge­ra­de", sagt Dill, der sich nach ei­ner Tä­tig­keit in ei­ner Un­ter­neh­mens­be­ra­tung selbst vor zwölf Jah­ren mit der ei­ge­nen Fir­ma an den Markt ge­wagt hat­te. Nun ist er froh, dass er sich mit Coa­ching für Füh­rungs­kräf­te ein zwei­tes Stand­bein ge­schaf­fen und kürz­lich ei­nen grö­ße­ren Auf­trag an Land ge­zo­gen hat.

Ge­ne­rell braucht Mut, wer mit ei­nem ei­ge­nen Un­ter­neh­men an den Start geht - auch den Mut zum Schei­tern, und da­mit ist es im si­cher­heits­ver­lieb­ten Deutsch­land nicht un­be­dingt weit her. Laut Glo­bal En­tre­pre­neurship Mo­ni­tor be­legt die deut­sche Wirt­schaft in punc­to Grün­dungs­nei­gung im Ver­gleich der In­dus­trie­na­tio­nen ei­nen der hin­te­ren Rän­ge.

Im Zu­sam­men­spiel mit dem Al­tern der Be­völ­ke­rung könn­te das der deut­schen Wett­be­werbs­fä­hig­keit mit­tel­fris­tig emp­find­li­chen Scha­den zu­fü­gen, mahnt DIHK-Ex­per­te Evers. Des­halb müs­se der Un­ter­neh­mer­geist auch jun­gen Leu­ten stär­ker na­he­ge­bracht wer­den. "Wir müs­sen wirk­lich in ganz Deutsch­land flä­chen­de­ckend öko­no­mi­sche Bil­dung in den Schu­len be­kom­men." Nur dann kön­ne Deutsch­land zu ei­nem ech­ten Grün­der­land wer­den.

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Letzte Überarbeitung: 1. Februar 2016

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