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Ent­gelt­p­lus für Che­mie setzt ers­te Mess­lat­te für Ta­rif­jahr 2014

Am En­de ging es schnel­ler als er­war­tet: Ar­beit­ge­ber und Ge­werk­schaft in der Che­mie-In­dus­trie ha­ben schon in zwei­ter Ver­hand­lungs­run­de ei­ne Ta­rif­ei­ni­gung er­zielt. Es gibt 3,7 Pro­zent - mit Ein­schrän­kun­gen. Der Kom­pro­miss setzt ein ers­tes Maß der Din­ge für das Ta­rif­jahr 2014

06.02.2014. (dpa) - Der ers­te gro­ße Ta­rif­ab­schluss des Jah­res ist un­ter Dach und Fach: Die rund 550 000 Be­schäf­tig­ten in der Che­mie-In­dus­trie er­hal­ten 3,7 Pro­zent mehr Geld.

Die Lauf­zeit des Kom­pro­mis­ses be­trägt ins­ge­samt 14 Mo­na­te und be­inhal­tet am An­fang ei­nen so­ge­nann­ten Leer­mo­nat, al­so ei­ne War­te­zeit oh­ne Er­hö­hung.

Erst da­nach grei­fen die 3,7 Pro­zent Ein­kom­mens­ver­bes­se­rung.

Das teil­ten die Ge­werk­schaft IG BCE und der Ar­beit­ge­ber­ver­band BA­VC am Mitt­woch nach dem En­de ih­rer bun­des­wei­ten Ver­hand­lun­gen in Han­no­ver mit.

Für Be­trie­be in wirt­schaft­li­chen Schwie­rig­kei­ten gibt es bei der Lohn­zahl ein Hin­ter­tür­chen: Sie kön­nen laut BA­VC die Ta­rif­er­hö­hung um bis zu zwei Mo­na­te nach hin­ten ver­schie­ben, "wenn die wirt­schaft­li­che La­ge dies er­for­dert". Die IG BCE sprach von "gra­vie­ren­den wirt­schaft­li­chen Schwie­rig­kei­ten", die vor­lie­gen müss­ten, da­mit ein Un­ter­neh­men aus­sche­ren dür­fe.

Die mög­li­che Ver­schie­bung der Ta­rif­er­hö­hung um zwei Mo­na­te ist den Ar­beit­ge­bern zu­fol­ge klar an das Kri­te­ri­um ge­bun­den, dass sich das Un­ter­neh­men in der Ver­lust­zo­ne be­fin­den müs­se. Das sei bei ei­ner Um­fra­ge kurz vor der Ta­rif­run­de bei et­wa je­dem zehn­ten der bun­des­weit rund 1900 Mit­glieds­un­ter­neh­men der Fall ge­we­sen.

Be­rei­nigt um die Lauf­zeit dürf­te der Ab­schluss in et­wa auf dem Ni­veau der vor­her­ge­hen­den Ei­ni­gung lie­gen. Im Som­mer 2012 hat­ten die Ta­rif­par­tei­en zwar Er­hö­hun­gen um 4,5 Pro­zent ver­ein­bart - al­ler­dings mit ei­ner deut­lich län­ge­ren Lauf­zeit von 19 Mo­na­ten. Die mit­tel­fris­ti­ge rea­le Be­las­tung der Un­ter­neh­men liegt oh­ne Be­rück­sich­ti­gung der fle­xi­blen Ele­men­te bei et­wa 3,2 Pro­zent pro Jahr.

"Wir ha­ben ei­nen Ab­schluss mit ei­ner kur­zen Lauf­zeit mit deut­lich über drei Pro­zent", er­klär­te Rein­hard Bispinck vom WSI-Ta­rif­ar­chiv der ge­werk­schaft­li­chen Boeck­ler-Stif­tung. "Das ist ei­ne er­kenn­bar kräf­ti­ge Ta­rif­stei­ge­rung." Da die Er­hö­hung re­la­tiv früh im Jahr kommt, sei für 2014 mit ei­nem jah­res­be­zo­ge­nen Zu­wachs in ähn­li­cher Hö­he zu rech­nen. "Das be­deu­tet für die Be­schäf­tig­ten bei ei­ner In­fla­ti­on von um die 1,4 Pro­zent deut­li­che rea­le Stei­ge­run­gen ih­rer Ta­rif­ge­häl­ter."

Der Che­mie-Ab­schluss setzt ei­ne zen­tra­le Mar­ke für das Ta­rif­jahr 2014, zu­mal die wich­tigs­te In­dus­trie­bran­che Me­tall und Elek­tro mit 3,7 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­ten erst zum Jah­res­wech­sel 2014/2015 wie­der in ih­re Ver­hand­lun­gen ein­steigt. Es fol­gen im Lau­fe des Jah­res nur schwer ver­gleich­ba­re Bran­chen wie der Öf­fent­li­che Dienst von Bund und Ge­mein­den, das Bau­haupt­ge­wer­be so­wie die Ei­sen- und Stahl­in­dus­trie. Auch bei gro­ßen Un­ter­neh­men wie der Deut­schen Bahn AG und der Deut­schen Te­le­kom AG wer­den die Ta­ri­fe in die­sem Jahr neu ver­han­delt.

Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent In­go Kra­mer nann­te den Ab­schluss ver­tret­bar. "Der Ta­rif­ab­schluss be­tei­ligt die Be­schäf­tig­ten fair am wirt­schaft­li­chen Er­folg der Bran­che." Die fle­xi­blen Ele­men­te er­mög­lich­ten "auch schwä­che­ren Un­ter­neh­men, den Ab­schluss leich­ter zu ver­kraf­ten."

BA­VC-Prä­si­den­tin Mar­g­ret Sucka­le ließ er­klä­ren: "Mit dem Ab­schluss be­tei­li­gen wir die Be­schäf­tig­ten an­ge­mes­sen am Er­folg un­se­rer Bran­che." Die Er­hö­hung um 3,7 Pro­zent auf 14 Mo­na­te liegt we­gen des Null­mo­nats und der über ein Jahr hin­aus­rei­chen­den Zeit­span­ne rech­ne­risch klar un­ter ei­nem Plus von 3,7 Pro­zent für 12 Mo­na­te. Die IG BCE war ur­sprüng­lich mit der For­de­rung nach 5,5 Pro­zent mehr Geld für ge­nau ein Jahr in die Ver­hand­lun­gen ge­gan­gen.

IG-BCE-Ver­hand­lungs­füh­rer Pe­ter Haus­mann sprach den­noch von ei­nem an­ge­mes­se­nen und trag­fä­hi­gen Kom­pro­miss. "Wir ha­ben ei­ne spür­ba­re Er­hö­hung der Ent­gel­te er­reicht. Zu­dem ist es ge­lun­gen, die Aus­bil­dungs- und Über­nah­me­per­spek­ti­ven der jun­gen Leu­te zu ver­bes­sern." Wie bei­de Sei­ten er­klär­ten, wer­den in den Jah­ren 2014 bis 2016 je­weils 9200 neue Aus­bil­dungs­plät­ze ge­währ­leis­tet. In den Vor­jah­ren sei­en es je­weils 9000 ge­we­sen, es folgt al­so mehr Schub.

Die bei­den Ta­rif­par­tei­en hat­ten auch um das The­ma Azu­bi-Über­nah­me ge­strit­ten. Fest steht nun, dass für über­nom­me­nen Lehr­lin­ge die un­be­fris­te­te Ein­stel­lung zum Nor­mal­fall wer­den soll. Pa­ri­tä­ti­sche Kom­mis­sio­nen sol­len dies über­prü­fen. Haus­mann sag­te da­zu: "Die Ära der Be­fris­tun­gen geht zu En­de, wir ha­ben ei­ne Trend­wen­de ein­ge­lei­tet." Auch die Ar­beit­ge­ber wer­te­ten den Über­nah­me­kom­pro­miss als Er­folg. "Die Ent­schei­dung zur Über­nah­me bleibt wei­ter­hin in der Ver­ant­wor­tung der Un­ter­neh­men", schrieb der BA­VC. Man ha­ben ei­nen "Über­nah­me­zwang" ver­hin­dert, der die ei­gen­stän­di­ge Ver­ant­wor­tung der Un­ter­neh­men laut BA­VC-Les­art über Ge­bühr be­schnit­ten hät­te.

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Letzte Überarbeitung: 20. März 2014

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