Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Diskriminierung: Lohn, Diskriminierung: Geschlecht, Diskriminierung: Entschädigung, Lohndiskriminierung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz
Akten­zeichen: 5 Sa 509/13
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 14.08.2014
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Koblenz, Urteil vom 25.09.2013, 12 Ca 372/13
   

Ak­ten­zei­chen:
5 Sa 509/13
12 Ca 372/13
ArbG Ko­blenz
Ent­schei­dung vom 14.08.2014


Te­nor:

Auf die Be­ru­fun­gen der Kläge­rin und der Be­klag­ten wird un­ter Zurück­wei­sung der wei­ter­ge­hen­den Rechts­mit­tel das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ko­blenz vom 25. Sep­tem­ber 2013, Az. 12 Ca 372/13, un­ter Auf­recht­er­hal­tung von Ziff. 1, in Ziff. 2 teil­wei­se ab­geändert und die Be­klag­te ver­ur­teilt, an die Kläge­rin ei­ne Entschädi­gung iHv. € 6.000,00 zu zah­len.

Im Übri­gen wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

Von den Kos­ten des Rechts­streits ers­ter In­stanz ha­ben die Kläge­rin 61 % und die Be­klag­te 39 % zu tra­gen. Von den Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens ha­ben die Kläge­rin 10 % und die Be­klag­te 90 % zu tra­gen.

Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten zweit­in­stanz­lich noch über die Zah­lung von Dif­fe­renz­lohn für die Zeit vom 01.01.2009 bis 31.12.2012 und ei­ner Entschädi­gung we­gen Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts so­wie um Aus­kunfts­ansprüche. 

Die Kläge­rin (geb. 1965) ist seit 01.07.1996 bei der Be­klag­ten als ein­fa­che Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­te­rin an­ge­stellt. Die Be­klag­te, ei­ne Schuh­her­stel­le­rin, beschäftigt 176 Ar­beit­neh­mer und et­wa 50 Leih­ar­beit­neh­mer. Sie zahl­te bis 31.12.2012 an die in der Pro­duk­ti­on beschäftig­ten Frau­en bei glei­cher Tätig­keit ei­nen ge­rin­ge­ren St­un­den­lohn als den Männern. Ab 01.01.2013 zahlt sie Frau­en und Männern ei­nen St­un­den­lohn von € 9,86 brut­to.

Die Be­klag­te
zahl­te 

der Kläge­rin

ver­gleich­ba­ren
Männern

Dif­fe­renz
pro St­un­de

2009 € 8,54 € 9,76 € 1,22

2010, 2011,
2012 

€ 8,72 € 9,86 € 1,14

Die An­we­sen­heits­prämie (5 % des Brut­to­lohns), das Weih­nachts­geld (40 % des Brut­to­lohns) und das Ur­laubs­geld (46,5 % des Brut­to­lohns) be­rech­ne­te die Be­klag­te für Frau­en bis 31.12.2012 eben­falls auf der Grund­la­ge des nied­ri­ge­ren St­un­den­lohns. Die Lohn­dif­fe­renz im Zeit­raum vom 01.01.2009 bis 31.12.2012 be­trug - was zweit­in­stanz­lich rech­ne­risch un­strei­tig ist - € 7.543,57 brut­to.

Die Un­gleich­be­hand­lung bei der Ent­loh­nung von Frau­en und Männern ist der Kläge­rin spätes­tens seit ei­ner Be­triebs­ver­samm­lung, die am 18.09.2012 statt­fand, be­kannt. Ob sie be­reits seit ei­nem frühe­ren Zeit­punkt, frühes­tens seit ih­rer Ein­stel­lung, Kennt­nis von der ge­schlechts­be­zo­ge­nen Un­gleich­be­hand­lung beim Ent­gelt hat­te, ist zwi­schen den Par­tei­en strei­tig.

Mit Schrei­ben ih­res jet­zi­gen Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 09.11.2012 mach­te die Kläge­rin Ansprüche we­gen ge­schlechts­be­zo­ge­ner Be­nach­tei­li­gung gel­tend. Am 18.12.2012 ver­zich­te­te die Be­klag­te in ei­ner Ver­ein­ba­rung mit der Kläge­rin auf die Ein­re­de der Verjährung für Ansprüche, die nicht be­reits an die­sem Stich­tag verjährt wa­ren. An­sons­ten er­hob sie in dem von der Kläge­rin am 29.01.2013 anhängig ge­mach­ten vor­lie­gen­den Kla­ge­ver­fah­ren die Ein­re­de der Verjährung.

Von ei­ner wei­ter­ge­hen­den Dar­stel­lung des un­strei­ti­gen Tat­be­stan­des und des erst­in­stanz­li­chen Par­tei­vor­brin­gens wird gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG ab­ge­se­hen und auf den Tat­be­stand des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ko­blenz vom 25.09.2013 Be­zug ge­nom­men.

Die Kläge­rin hat erst­in­stanz­lich be­an­tragt,

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len,

ihr we­gen Ver­s­toßes ge­gen das AGG rückständi­gen Lohn iHv. € 12.156,88 brut­to nebst Zin­sen iHv. 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der EZB seit 12.12.2012 zu zah­len,

ihr we­gen Ver­s­toßes ge­gen das AGG ei­ne an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung, die sich je­doch auf min­des­tens € 9.194,50 be­lau­fen soll, zu zah­len,

die nach­zu­zah­len­den Löhne für die Zeit vom 01.01.2009 bis 31.12.2012 ord­nungs­gemäß ab­zu­rech­nen und ihr ent­spre­chen­de Ge­halts­ab­rech­nun­gen zu er­tei­len,

ihr um­fas­send Aus­kunft darüber zu er­tei­len, ob sie auch be­reits vor dem 01.01.2009 auf­grund ih­res Ge­schlechts hin­sicht­lich des Lohns und der übri­gen Vergütungs­be­stand­tei­le, insb. des Weih­nachts­gelds, des Ur­laubs­gelds und der An­we­sen­heits­prämie un­gleich be­han­delt wor­den ist und wenn ja, in wel­cher Höhe ei­ne ge­rin­ge­re Be­zah­lung als bei den männ­li­chen Kol­le­gen statt­fand,

sie zukünf­tig auf der Grund­la­ge ei­nes St­un­den­lohns von € 9,94 zu vergüten und da­bei insb. auch das Weih­nachts­geld, das Ur­laubs­geld, die An­we­sen­heits­prämie so­wie den Ur­laubs­lohn und die Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall auf der Grund­la­ge die­ses St­un­den­lohns ab­zu­rech­nen und aus­zu­zah­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Das Ar­beits­ge­richt Ko­blenz hat mit Ur­teil vom 25.09.2013 dem Kla­ge­an­trag zu 1) teil­wei­se iHv. € 7.543,57 brut­to und dem Kla­ge­an­trag zu 2) teil­wei­se iHv. € 3.537,18 statt­ge­ge­ben. Dem Kla­ge­an­trag zu 4) hat das Ar­beits­ge­richt voll statt­ge­ge­ben, die Kla­ge­anträge zu 3) und 5) voll ab­ge­wie­sen. 

Zur Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt - zu­sam­men­ge­fasst - aus­geführt, die Kläge­rin ha­be gem. § 15 Abs. 1 AGG ei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch ge­gen die Be­klag­te auf Zah­lung der Lohn­dif­fe­ren­zen für die Zeit vom 01.01.2009 bis 31.12.2012. Die Be­klag­te ha­be die Kläge­rin un­mit­tel­bar we­gen ih­res Ge­schlechts be­nach­tei­ligt, weil sie den weib­li­chen Pro­duk­ti­ons­beschäftig­ten bis zum Jah­res­en­de 2012 bei glei­cher Tätig­keit ei­nen nied­ri­ge­ren Lohn ge­zahlt ha­be als den männ­li­chen. Die Kläge­rin ha­be die zwei­mo­na­ti­ge Aus­schluss­frist des § 15 Abs. 4 AGG ge­wahrt, denn sie ha­be erst in der Be­triebs­ver­samm­lung im Sep­tem­ber 2012 von der Be­nach­tei­li­gung auf­grund ih­res Ge­schlechts Kennt­nis er­langt. Die Be­klag­te ha­be ei­ne frühe­re Kennt­nis­er­lan­gung nicht sub­stan­ti­iert dar­ge­legt. Der Scha­dens­er­satz­an­spruch sei nicht verjährt. Die Verjährungshöchst­frist von zehn Jah­ren gem. § 199 Abs. 4 BGB sei bei Kla­ge­er­he­bung für die Ansprüche ab 01.01.2009 nicht ab­ge­lau­fen ge­we­sen. Die Kläge­rin ha­be An­spruch auf Entschädi­gung nach § 15 Abs. 2 AGG, weil sie von der Be­klag­ten we­gen ih­res Ge­schlechts be­nach­tei­ligt wor­den sei. Für die er­lit­te­ne jah­re­lan­ge Dis­kri­mi­nie­rung sei ei­ne Entschädi­gung iHv. drei durch­schnitt­li­chen Mo­natslöhnen an­ge­mes­sen, aber auch aus­rei­chend. Da die Kläge­rin durch­schnitt­lich 119,58 St­un­den im Mo­nat ge­ar­bei­tet ha­be, be­lau­fe sich ihr Brut­to­mo­nats­lohn bei ei­nem an­zu­set­zen­den St­un­den­lohn von € 9,86 auf durch­schnitt­lich € 1.179,06, so dass sich ei­ne Entschädi­gung von € 3.537,18 er­rech­ne. Der Aus­kunfts­an­spruch der Kläge­rin we­gen Be­nach­tei­li­gung auf­grund ih­res Ge­schlechts für die Zeit vor dem 01.01.2009 sei be­gründet, denn sie sei in ent­schuld­ba­rer Wei­se über das Be­ste­hen und den Um­fang ih­res Rechts im Un­ge­wis­sen. Die Kläge­rin ha­be kei­ne Zu­griffsmöglich­keit auf die je­wei­li­gen Lohn­da­ten der ver­gleich­bar beschäftig­ten Männer, während die Be­klag­te in der La­ge sei, die be­gehr­te Aus­kunft un­schwer zu er­tei­len. Der Aus­kunfts­an­spruch sei nicht verjährt, denn er sei erst im Sep­tem­ber 2012 mit Kennt­nis der Kläge­rin von ih­rer Lohn­dis­kri­mi­nie­rung ent­stan­den. We­gen wei­te­rer Ein­zel­hei­ten der Ent­schei­dungs­gründe des Ar­beits­ge­richts wird gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG auf Sei­te 9 bis 17 des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils vom 25.09.2013 Be­zug ge­nom­men.

Ge­gen das am 14.10.2013 zu­ge­stell­te Ur­teil ha­ben bei­de Par­tei­en teil­wei­se Be­ru­fung ein­ge­legt, wo­bei die Kläge­rin ih­ren An­trag auf Zah­lung von Lohn­dif­fe­ren­zen (Ziff. 1) teil­wei­se - in erst­in­stanz­lich aus­ge­ur­teil­ter Höhe von € 7.543,57 brut­to - so­wie den Kla­ge­an­trag auf Entschädi­gung (Ziff. 2) - mit ei­nem re­du­zier­ten Min­dest­be­trag von € 5.520,48 - und den An­trag auf Aus­kunfts­er­tei­lung (Ziff. 4) wei­ter­ver­folgt, während die Be­klag­te die vollständi­ge Ab­wei­sung der Kla­ge be­gehrt.

Mit Schrei­ben vom 06.11.2013 er­teil­te die Be­klag­te der Kläge­rin die Aus­kunft, dass sie auch vor dem 01.01.2009 hin­sicht­lich des St­un­den­lohns und der übri­gen Vergütungs­be­stand­tei­le (Weih­nachts­geld, Ur­laubs­geld, An­we­sen­heits­prämie) weib­li­che Pro­duk­ti­ons­beschäftig­te ge­rin­ger ent­lohnt ha­be als männ­li­che. Der St­un­den­lohn ei­nes ty­pi­schen männ­li­chen Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­ters ha­be im Jahr 1995 € 7,76, ab 01.01.2002 € 9,56 und ab 01.01.2004 € 9,66 brut­to be­tra­gen.

Die Kläge­rin hat zwi­schen­zeit­lich vor dem Ar­beits­ge­richt Ko­blenz ei­ne neue Zah­lungs­kla­ge ge­gen die Be­klag­te er­ho­ben und Vergütungs­dif­fe­ren­zen für die Zeit bis zum 31.12.2008 gel­tend ge­macht. Ih­ren Aus­kunfts­an­spruch (Ziff. 4) hat sie gleich­wohl nicht für er­le­digt erklärt, weil sie die mit Schrei­ben vom 06.11.2013 er­teil­ten Auskünf­te nicht für aus­rei­chend hält.

Die Be­klag­te macht zur Be­gründung ih­rer Be­ru­fung im We­sent­li­chen gel­tend, der An­trag auf Zah­lung von Dif­fe­renz­lohn ab 01.01.2009 (Ziff. 1) sei weit­ge­hend un­be­gründet, weil die Kläge­rin die zwei­mo­na­ti­ge Aus­schluss­frist des § 15 Abs. 4 AGG für die Zeit vor Sep­tem­ber 2012 mit ih­rem Gel­tend­ma­chungs­schrei­ben vom 09.11.2012 nicht ge­wahrt ha­be. Der Kläge­rin sei be­reits seit ih­rer Ein­stel­lung und während der ge­sam­ten Dau­er ih­rer Beschäfti­gung die Tat­sa­che po­si­tiv be­kannt ge­we­sen, dass die männ­li­chen Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­ter ei­nen höhe­ren Lohn er­hiel­ten als die weib­li­chen. Die Kläge­rin ha­be auch ge­wusst, dass die Un­gleich­be­hand­lung beim Lohn un­mit­tel­bar an das Ge­schlecht an­knüpfte. In ih­rem Be­trieb sei­en die ge­schlechts­spe­zi­fi­schen Lohn­un­ter­schie­de je­der­zeit of­fen kom­mu­ni­ziert wor­den. Das Ar­beits­ge­richt ha­be den An­spruch auf Entschädi­gung (Ziff. 2) nach § 15 Abs. 2 AGG mit drei durch­schnitt­li­chen Brut­to­mo­natslöhnen zu hoch be­mes­sen. Das Ar­beits­ge­richt ha­be nicht berück­sich­tigt, dass die un­ter­schied­li­che Ent­loh­nung von weib­li­chen und männ­li­chen Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­tern stets of­fen kom­mu­ni­ziert wor­den sei. Die Kläge­rin ha­be wahr­heits­wid­rig be­haup­tet, sie sei heim­lich und oh­ne ihr Wis­sen dis­kri­mi­niert wor­den. Ei­ne of­fe­ne Un­gleich­be­hand­lung wie­ge aber weit­aus we­ni­ger schwer als ei­ne heim­li­che Lohn­dis­kri­mi­nie­rung. Der Aus­kunfts­an­spruch (Ziff. 4) sei be­reits un­zulässig, weil er nicht iSd. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO hin­rei­chend be­stimmt sei. Der An­spruch sei je­den­falls un­be­gründet. Ansprüche auf Aus­kunft we­gen ge­schlechts­be­zo­ge­ner Un­gleich­be­hand­lung für die Zeit vor dem 01.01.2009 sei­en aus­ge­schlos­sen, weil die ent­spre­chen­den Zah­lungs­ansprüche gem. § 15 Abs. 4 AGG vollständig ver­fris­tet sei­en. Außer­dem sei­en et­wai­ge Haupt­ansprüche auf Scha­dens­er­satz für die Zeit vor dem 01.01.2009 verjährt. Im Übri­gen ha­be sie der Kläge­rin mit Schrei­ben vom 06.11.2013 be­reits Auskünf­te über Lohn­un­ter­schie­de für die Zeit vor dem 01.01.2009 er­teilt. We­gen wei­te­rer Ein­zel­hei­ten der Be­ru­fungs­be­gründung wird auf den In­halt des Schrift­sat­zes der Be­klag­ten vom 16.01.2014 Be­zug ge­nom­men.

Die Be­klag­te be­an­tragt zweit­in­stanz­lich,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ko­blenz vom 25.09.2013, Az. 12 Ca 372/13, teil­wei­se ab­zuändern und die Kla­ge ins­ge­samt ab­zu­wei­sen,

die Be­ru­fung der Kläge­rin zurück­zu­wei­sen.

Die Kläge­rin be­an­tragt zweit­in­stanz­lich,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ko­blenz vom 25.09.2013, Az. 12 Ca 372/13, teil­wei­se ab­zuändern und

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihr ei­ne an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung in Geld zu zah­len, de­ren Höhe in das Er­mes­sen des Ge­richts ge­stellt wird, die je­doch den Be­trag von € 5.520,48 nicht un­ter­schrei­ten soll,

die Be­ru­fung der Be­klag­ten zurück­zu­wei­sen.

Die Kläge­rin macht zur Be­gründung ih­rer Be­ru­fung im We­sent­li­chen gel­tend, das Ar­beits­ge­richt ha­be den Entschädi­gungs­an­spruch (Ziff. 2) zu nied­rig be­mes­sen. Das Ar­beits­ge­richt ha­be drei durch­schnitt­li­che Brut­to­mo­natslöhne für an­ge­mes­sen er­ach­tet, der Be­rech­nung der Entschädi­gung je­doch nur den Grund­lohn zu­grun­de ge­legt. Sie hal­te ei­ne Entschädi­gung iHv. min­des­tens vier Brut­to­mo­natslöhnen für an­ge­mes­sen, wo­bei in die Durch­schnitts­be­rech­nung auch das Weih­nachts- und Ur­laubs­geld so­wie die An­we­sen­heits­prämie ein­fließen müsse. Die Be­klag­te ha­be den Aus­kunfts­an­spruch (Ziff. 4) mit Schrei­ben vom 06.11.2013 nicht erfüllt, so dass kei­ne Er­le­di­gung ein­ge­tre­ten sei. We­gen wei­te­rer Ein­zel­hei­ten der Be­ru­fungs­be­gründung wird auf den In­halt des Schrift­sat­zes der Kläge­rin vom 14.01.2014 Be­zug ge­nom­men.

Ergänzend wird auf die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen und den In­halt der Sit­zungs­nie­der­schrif­ten Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe:

Die zulässi­gen Be­ru­fun­gen der Kläge­rin und der Be­klag­ten sind teil­wei­se be­gründet. Die Kläge­rin hat ge­gen die Be­klag­te An­spruch auf Zah­lung von Vergütungs­dif­fe­ren­zen für die Zeit vom 01.01.2009 bis 31.12.2012 iHv. € 7.543,57 brut­to nebst Zin­sen. Darüber hin­aus kann sie von der Be­klag­ten ei­ne Entschädi­gung iHv. € 6.000,00 we­gen Ge­schlechts­dis­kri­mi­nie­rung be­an­spru­chen. Der Aus­kunfts­an­trag ist un­zulässig.

1. Das Ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend er­kannt, dass die Kläge­rin ge­gen die Be­klag­te we­gen ge­schlechts­be­zo­ge­ner Ent­gelt­dis­kri­mi­nie­rung für die Zeit vom 01.01.2009 bis 31.12.2012 ei­nen An­spruch auf Zah­lung der Vergütungs­dif­fe­ren­zen zwi­schen dem tatsächlich ge­zahl­ten Lohn so­wie sons­ti­ger Vergütungs­be­stand­tei­le (Weih­nachts- und Ur­laubs­geld, An­we­sen­heits­prämie) und der Vergütung hat, die die Be­klag­te in die­sem Zeit­raum an die männ­li­chen Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­ter ge­zahlt hat. Der Ge­samt­be­trag beläuft sich - was zweit­in­stanz­lich rech­ne­risch un­strei­tig ist - auf € 7.543,57 brut­to. Der Zins­an­spruch be­ruht auf §§ 286 Abs. 1 S. 1, 288 Abs. 1 BGB. Die Be­klag­te be­fand sich auf­grund der Zah­lungs­auf­for­de­rung der Kläge­rin vom 09.11.2012 ab 12.12.2012 mit der Leis­tung in Ver­zug.

a) Die Be­klag­te hat den weib­li­chen Pro­duk­ti­ons­beschäftig­ten im strei­ti­gen Zeit­raum ei­nen nied­ri­ge­ren St­un­den­lohn, ein nied­ri­ge­res Weih­nachts- und Ur­laubs­geld so­wie ei­ne nied­ri­ge­re An­we­sen­heits­prämie ge­zahlt als den männ­li­chen. Die nied­ri­ge­re Ent­loh­nung be­ruh­te - un­strei­tig - al­lein auf dem Ge­schlecht. Die­se un­mit­tel­ba­re ge­schlechts­be­zo­ge­ne Un­gleich­be­hand­lung beim Ent­gelt war nicht ge­recht­fer­tigt. Die Dif­fe­renz zwi­schen dem Lohn für Frau­en und Männer be­trug im Jahr 2009 bei glei­cher Tätig­keit € 1,22 pro St­un­de, in den Jah­ren 2010, 2011 und 2012 € 1,14 pro St­un­de. Die Be­nach­tei­li­gung beim St­un­den­lohn wirk­te sich auf die Höhe des Weih­nachts- und Ur­laubs­gel­des so­wie der An­we­sen­heits­prämie aus, weil sich die­se Leis­tun­gen nach ei­nem Pro­zent­satz des St­un­den­lohns be­rech­nen.

Auf­grund der ge­schlechts­be­zo­ge­nen Un­gleich­be­hand­lung kann die Kläge­rin die gel­tend ge­mach­ten Dif­fe­renz­beträge iHv. € 7.543,57 brut­to ver­lan­gen. Al­le in Be­tracht kom­men­den Rechts­grund­la­gen ge­ben der un­er­laubt be­nach­tei­lig­ten Ar­beit­neh­me­rin ei­nen An­spruch auf die vor­ent­hal­te­ne Leis­tung. Das gilt zunächst nach dem AGG. Die bei der Ent­gelt­zah­lung un­er­laubt be­nach­tei­lig­te Ar­beit­neh­me­rin hat ent­spre­chend der zu­grun­de lie­gen­den Re­ge­lung - hier der in­di­vi­du­al­recht­li­chen Ver­ein­ba­rung - ei­nen An­spruch auf die vor­ent­hal­te­ne Leis­tung. Aus der Wer­tung in § 2 Abs. 1 Nr. 2 und § 8 Abs. 2 AGG er­gibt sich, dass bei ei­ner die­sem Ge­setz wi­der­spre­chen­den Dis­kri­mi­nie­rung ei­ne Grund­la­ge für Ansprüche auf glei­ches Ent­gelt für glei­che oder gleich­wer­ti­ge Ar­bei­ten ge­ge­ben ist. Auch § 612 Abs. 3 BGB stell­te, trotz sei­ner For­mu­lie­rung als Ver­bots­norm, ei­ne An­spruchs­grund­la­ge für die vor­ent­hal­te­nen Ent­gelt­be­stand­tei­le dar (vgl. BAG 20.08.2002 - 9 AZR 710/00 - Rn. 21 mwN, AP BGB § 611 Teil­zeit Nr. 39). Eben­so gibt der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz den be­nach­tei­lig­ten Ar­beit­neh­me­rin­nen ei­nen An­spruch auf die Leis­tun­gen, die ih­nen auf­grund ih­res Ge­schlechts vor­ent­hal­ten wur­den (vgl. BAG 11.12.2007 - 3 AZR 249/06 - Rn. 45 mwN, AP AGG § 2 Nr. 1). Die Be­sei­ti­gung der Dis­kri­mi­nie­rung für die Jah­re 2009 bis 2012 kann vor­lie­gend nur durch ei­ne "An­pas­sung nach oben" er­fol­gen.

b) Ent­ge­gen der An­sicht der Be­klag­ten sind die Ansprüche der Kläge­rin nicht nach § 15 Abs. 4 AGG ver­fal­len. Nach die­ser Vor­schrift muss ein Scha­dens­er­satz­an­spruch nach § 15 Abs. 1 AGG in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den. Die Kläge­rin macht je­doch kei­nen Scha­dens­er­satz nach § 15 Abs. 1 AGG, son­dern ei­nen Erfüllungs­an­spruch auf die den Frau­en vor­ent­hal­te­nen Leis­tun­gen gel­tend. Sie ver­langt ei­ne Gleich­be­hand­lung mit den männ­li­chen Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­tern, de­nen die Be­klag­te bei glei­cher Tätig­keit auf­grund ih­res Ge­schlechts bis zum 31.12.2012 ei­ne höhe­re Vergütung ge­zahlt hat als den Frau­en. Die­ser Leis­tungs­an­spruch ist ein Erfüllungs­an­spruch und kein Scha­dens­er­satz­an­spruch. Für Ansprüche aus § 7 Abs. 1 AGG (vgl. BAG 25.02.2010 - 6 AZR 911/08 - Rn. 16 mwN, AP AGG § 3 Nr. 3) auf Erfüllung der­je­ni­gen Ansprüche, die der begüns­tig­ten Grup­pe gewährt wur­den, gilt § 15 Abs. 4 AGG nicht (vgl. BAG 30.11.2010 - 3 AZR 754/08 - Rn. 23, AP Be­trAVG § 16 Nr. 72; BAG 24.09.2009 - 8 AZR 636/08 - Rn. 37, NZA 2010, 159; MüKoBGB/ Thüsing 6. Aufl. AGG § 15 Rn. 32; Be­ckOK ArbR/Ro­loff Stand 01.06.2014 AGG § 15 Rn. 12).

c) Die Erfüllungs­ansprüche der Kläge­rin für die Jah­re von 2010 bis 2012 sind nicht verjährt, §§ 195, 199 Abs. 1, 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB. Die Kla­ge­schrift vom 29.01.2013 wur­de der Be­klag­ten am 06.02.2013 zu­ge­stellt. Für den auf 2009 ent­fal­len­den Teil des An­spruchs auf glei­ches Ar­beits­ent­gelt hat die Be­klag­te am 18.12.2012 wirk­sam auf die Ein­re­de der Verjährung ver­zich­tet. Für Ansprüche aus 2009 wäre die re­gelmäßige Verjährungs­frist frühes­tens am 31.12.2012 ab­ge­lau­fen. Im Streit­fall kann des­halb da­hin­ste­hen, ob der Kläge­rin ih­re ge­schlechts­spe­zi­fi­sche Dis­kri­mi­nie­rung beim Ent­gelt schon seit vie­len Jah­ren iSd. § 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB po­si­tiv be­kannt bzw. grob fahrlässig nicht be­kannt ge­we­sen ist, wie die Be­klag­te be­haup­tet.

2. Das Ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend er­kannt, dass der Kläge­rin ein Entschädi­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 AGG zu­steht, weil sie von der Be­klag­ten we­gen ih­res Ge­schlechts beim Ent­gelt be­nach­tei­ligt wor­den ist. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin ist der vom Ar­beits­ge­richt fest­ge­setz­te Entschädi­gungs­be­trag auf € 6.000,00 her­auf­zu­set­zen.

a) Die Be­klag­te hat die Kläge­rin we­gen ih­res Ge­schlechts jah­re­lang un­mit­tel­bar beim Ent­gelt be­nach­tei­ligt und da­mit ge­gen das Ver­bot des § 7 Abs. 1 AGG iVm. § 1 AGG ver­s­toßen. Die ge­rin­ge­re Vergütung der Kläge­rin und ei­ner Viel­zahl wei­te­rer weib­li­cher Pro­duk­ti­ons­beschäftig­ten für glei­che oder gleich­wer­ti­ge Ar­beit bis zum 31.12.2012 war nicht ge­recht­fer­tigt. Hierüber herrscht zwi­schen den Par­tei­en kein Streit.

b) § 15 Abs. 2 Satz 1 AGG räumt dem Ge­richt ei­nen Be­ur­tei­lungs­spiel­raum hin­sicht­lich der Höhe der Entschädi­gung ein. Bei der Höhe ei­ner fest­zu­set­zen­den Entschädi­gung ist zu berück­sich­ti­gen, dass sie nach § 15 Abs. 2 AGG an­ge­mes­sen sein muss. Sie muss ei­nen tatsächli­chen und wirk­sa­men recht­li­chen Schutz der aus dem Uni­ons­recht her­ge­lei­te­ten Rech­te gewähr­leis­ten. Die Härte der Sank­tio­nen muss der Schwe­re des Ver­s­toßes ent­spre­chen, in­dem sie insb. ei­ne wirk­lich ab­schre­cken­de Wir­kung gewähr­leis­tet, zu­gleich aber den all­ge­mei­nen Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit wah­ren. Da­bei sind al­le Umstände des Ein­zel­falls - wie et­wa die Art und Schwe­re der Be­nach­tei­li­gung, ih­re Dau­er und Fol­gen, der An­lass und der Be­weg­grund des Han­delns - und der Sank­ti­ons­zweck der Entschädi­gungs­norm zu berück­sich­ti­gen (vgl. ua. BAG 22.05.2014 - 8 AZR 662/13 - Rn. 44 mwN, Ju­ris).

Bei An­wen­dung die­ser Grundsätze hält die Be­ru­fungs­kam­mer un­ter Würdi­gung al­ler Umstände des vor­lie­gen­den Fal­les ei­ne Entschädi­gung iHv. € 6.000,00 für an­ge­mes­sen. Die Be­klag­te hat die Kläge­rin und ei­ne Viel­zahl wei­te­rer Frau­en bis 31.12.2012 jah­re­lang bei glei­cher Tätig­keit we­gen ih­res Ge­schlechts ge­rin­ger vergütet als Männer. Art, Schwe­re und Dau­er der vor­lie­gen­den Be­nach­tei­li­gung ge­bie­ten es ei­nen fühl­ba­ren Entschädi­gungs­be­trag fest­zu­set­zen, denn es han­del­te sich um ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung, die schwe­rer wiegt als ei­ne bloß mit­tel­ba­re (vgl. BAG 18.3.2010 - 8 AZR 1044/08 - Rn. 43, NZA 2010, 1129). Fer­ner ist von ei­nem vorsätz­li­chen und nicht nur fahrlässi­gen Ver­hal­ten der Be­klag­ten bei der Be­nach­tei­li­gung der Frau­en auf­grund ih­res Ge­schlechts aus­zu­ge­hen. Ent­ge­gen ih­rer An­sicht ver­mag es die Be­klag­te nicht zu ent­las­ten, dass die un­ter­schied­li­che Ent­loh­nung von Frau­en und Männern in ih­rem Pro­duk­ti­ons­be­trieb nicht ver­deckt er­folgt, son­dern je­der­zeit "of­fen kom­mu­ni­ziert" wor­den sei. Die ge­schlechts­be­zo­ge­ne Un­gleich­be­hand­lung beim Ent­gelt, die die Be­klag­te bis 31.12.2012 fort­ge­setzt hat, war ekla­tant rechts­wid­rig. Dass die Un­gleich­be­hand­lung der Frau­en nach dem Vor­brin­gen der Be­klag­ten in ih­rem Be­trieb of­fen zu Ta­ge ge­tre­ten sein soll, schmälert den Un­wert­ge­halt der Dis­kri­mi­nie­rung nicht.

Die Höhe des Brut­to­mo­nats­ent­gelts der Kläge­rin ist für die Höhe der Entschädi­gung im Streit­fall un­er­heb­lich. Das Brut­to­mo­nats­ent­gelt kann ein ge­eig­ne­ter Maßstab bei der Fest­le­gung der Entschädi­gungshöhe im Zu­sam­men­hang mit Nicht­ein­stel­lun­gen (vgl. § 15 Abs. 2 Satz 2 AGG) oder Ent­las­sun­gen (vgl. § 10 KSchG) sein. Die vor­lie­gen­de Dis­kri­mi­nie­rung er­folg­te je­doch im be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis, so dass die Vergütungshöhe nicht zwin­gend Ein­fluss auf die Höhe der Entschädi­gung nach § 15 Abs. 2 AGG ha­ben muss (vgl. BAG 22.01.2009 - 8 AZR 906/07 - Rn. 84, AP AGG § 15 Nr. 1).

Nach der Wer­tung des Ge­setz­ge­bers stel­len Be­nach­tei­li­gun­gen we­gen des Ge­schlechts re­gelmäßig ei­ne Ver­let­zung des all­ge­mei­nen Persönlich­keits­rechts dar (BAG 19.12.2013 - 6 AZR 190/12 - Rn. 38 mwN, NZA 2014, 372; KR/Tre­ber 10. Aufl. § 15 AGG Rn. 27 mwN). Die Sank­ti­on des § 15 Abs. 2 AGG soll im Kern ge­ra­de vor sol­chen Persönlich­keits­rechts­ver­let­zun­gen schützen. Die im dis­kri­mi­nie­ren­den Ver­hal­ten lie­gen­de Persönlich­keits­rechts­ver­let­zung soll als sol­che un­abhängig von den ma­te­ri­el­len Ansprüchen sank­tio­niert wer­den. Im vor­lie­gen­den Fall ist es sach­ge­recht, die Höhe der Entschädi­gung vom durch­schnitt­li­chen Brut­to­mo­nats­ent­gelt der Kläge­rin ab­zu­kop­peln. Die Be­klag­te hat in ih­rem Be­trieb al­le weib­li­chen Pro­duk­ti­ons­beschäftig­ten mit ein­fa­cher Tätig­keit jah­re­lang we­gen ih­res Ge­schlechts ge­rin­ger vergütet als die männ­li­chen. Wenn auch die Vergütungs­dif­fe­ren­zen, ua. we­gen der Ar­beits­zei­ten, für je­de Frau un­ter­schied­lich hoch aus­fal­len, ist doch die mit der ge­schlechts­be­zo­ge­nen Un­gleich­be­hand­lung ver­bun­de­ne Persönlich­keits­ver­let­zung für je­de im Pro­duk­ti­ons­be­trieb der Be­klag­ten be­trof­fe­ne Frau gleich schlimm. Des­halb hält die Be­ru­fungs­kam­mer die Fest­set­zung ei­nes ein­heit­li­chen Entschädi­gungs­be­trags von € 6.000,00 für an­ge­mes­sen.

c) Die Kläge­rin hat den Entschädi­gungs­an­spruch mit Schrei­ben vom 09.11.2012 recht­zei­tig in­ner­halb der zwei­mo­na­ti­gen Aus­schluss­frist des § 15 Abs. 4 AGG gel­tend ge­macht. Die Frist be­ginnt mit dem Zeit­punkt, in dem der Beschäftig­te von der Be­nach­tei­li­gung Kennt­nis er­langt. Vor­lie­gend hat die Be­klag­te der Kläge­rin auf­grund ih­res Ge­schlechts bis zum 31.12.2012 für glei­che Ar­beit ei­ne ge­rin­ge­re Vergütung ge­zahlt als den männ­li­chen Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­tern. Da­mit lag ein Dau­er­tat­be­stand vor, so dass die Aus­schluss­frist erst mit des­sen Be­sei­ti­gung ab Jah­res­an­fang 2013 be­gann. Wenn ein noch nicht ab­ge­schlos­se­ner, länger währen­der Zu­stand vor­liegt, be­ginnt die Aus­schluss­frist nicht vor des­sen Be­en­di­gung zu lau­fen (vgl. BAG 24.09.2009 - 8 AZR 705/08 - Rn. 60 mwN, AP AGG § 3 AGG Nr. 2).

Die Kläge­rin hat die Kla­ge­frist nach § 61b Abs. 1 ArbGG ge­wahrt, weil die Kla­ge auf Entschädi­gung in­ner­halb von drei Mo­na­ten nach der schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung des An­spruchs am 29.01.2013 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen und der Be­klag­ten am 06.02.2013 zu­ge­stellt wor­den ist.

3. Die Aus­kunfts­kla­ge (Ziff. 4) ist un­zulässig. Der Kläge­rin fehlt das Rechts­schutz­bedürf­nis für den pro­zes­su­al selbständi­gen Aus­kunfts­an­spruch, weil sie in­zwi­schen Leis­tungs­kla­ge auf Zah­lung der Vergütungs­dif­fe­ren­zen für die Zeit bis zum 31.12.2008 er­ho­ben hat. Die Kläge­rin hat den Aus­kunfts­an­trag im Be­ru­fungs­ver­fah­ren nicht für er­le­digt erklärt, ob­wohl sie der Aus­kunft - aus wel­chen Gründen auch im­mer - zur Be­zif­fe­rung ih­res Zah­lungs­an­trags für die Zeit vor dem 01.01.2009 nicht mehr be­darf. Die Kläge­rin hat sich in der La­ge ge­se­hen, ih­ren An­spruch zu be­zif­fern, ob­wohl sie die Aus­kunft der Be­klag­ten mit Schrei­ben vom 06.11.2013 nicht für aus­rei­chend er­ach­tet. Dies spricht dafür, dass sie zur Durch­set­zung des gel­tend ge­mach­ten Zah­lungs­an­spruchs auf die be­gehr­te Aus­kunft nicht zwin­gend an­ge­wie­sen ist, so dass ein Rechts­schutz­bedürf­nis für die Aus­kunfts­kla­ge fehlt. Der von der Kläge­rin gel­tend ge­mach­te Aus­kunfts­an­spruch dient nicht (mehr) der nähe­ren Be­stim­mung ei­nes noch nicht hin­rei­chend be­stimm­ten Leis­tungs­be­geh­rens (vgl. BGH 29.03.2011 - VI ZR 117/10 - Rn. 8, NJW 2011, 1815).

Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt für das Be­ru­fungs­ver­fah­ren - bei ei­nem Streit­wert von € 15.064,05 - aus §§ 97 Abs. 1, 92 Abs. 1 ZPO und für das erst­in­stanz­li­che Ver­fah­ren - bei ei­nem Streit­wert von € 33.069,38 - aus § 92 Abs. 1 ZPO. Hin­sicht­lich der Kos­ten der ers­ten In­stanz ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Kläge­rin dort mit wei­te­ren Anträgen (Ziff. 3, Ziff. 5) rechts­kräftig un­ter­le­gen ist, was sich auf die Kos­ten­quo­te aus­wirkt. Da­bei hat die Be­rufs­kam­mer den Streit­wert der Ab­rech­nungs­kla­ge (Ziff. 3) mit 5 % des Dif­fe­renz­lohns (laut Ziff. 1), den Streit­wert der Aus­kunfts­kla­ge mit € 2.000,00 und den Streit­wert der Kla­ge auf zukünf­ti­ge Leis­tung (Ziff. 5) gem. § 42 Abs. 2 Satz 1 GKG auf der Grund­la­ge der 36-fa­chen Dif­fe­renz be­wer­tet.

Ein Grund, der nach den hierfür maßgeb­li­chen ge­setz­li­chen Kri­te­ri­en des § 72 Abs. 2 ArbGG die Zu­las­sung der Re­vi­si­on recht­fer­ti­gen könn­te, be­steht nicht.

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 5 Sa 509/13  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880