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Jun­ge Eu­ro­pä­er wol­len Azu­bis im Süd­wes­ten wer­den

Sie su­chen Ar­beit und Glück: Tau­sen­de jun­ge Men­schen vor al­lem aus Süd- und Ost­eu­ro­pa wol­len ei­ne Aus­bil­dung in Deutsch­land star­ten - die meis­ten da­von im Süd­wes­ten
Europafahne

04.07.2015. (dpa) - Hun­der­te Süd- und Ost­eu­ro­pä­er wol­len ei­ne Aus­bil­dung im Süd­wes­ten star­ten.

Rund 500 jun­ge Män­ner und Frau­en neh­men im Herbst ei­ne Aus­bil­dung auf, wie der Chef der Re­gio­nal­di­rek­ti­on Ba­den-Würt­tem­berg in der Agen­tur für Ar­beit, Chris­ti­an Rauch, am Frei­tag be­ton­te.

Mit dem Bun­des­pro­gramm Mo­bi­Pro-EU sol­len die Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit in Eu­ro­pa und der Fach­kräf­te­man­gel in Deutsch­land ein­ge­dämmt wer­den.

Nach An­ga­ben des Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­ums star­ten in Deutsch­land im Rah­men von Mo­bi­Pro-EU knapp 3300 Eu­ro­pä­er von 18 bis 27 Jah­ren aus ganz Eu­ro­pa im ak­tu­el­len Aus­bil­dungs­jahr, mit 522 da­von der größ­te An­teil im Süd­wes­ten. Sie wer­den mit Sprach­kur­sen, bei der Woh­nungs­su­che und or­ga­ni­sa­to­ri­schen Fra­gen un­ter­stützt.

Vie­le Un­ter­neh­men su­chen hän­de­rin­gend Nach­wuchs, wäh­rend sich jun­ge Leu­te in an­de­ren eu­ro­päi­schen Län­dern oft ver­geb­lich um ei­ne Aus­bil­dung be­mü­hen. "In be­stimm­ten Be­ru­fen wie in der Pfle­ge ha­ben wir Eng­päs­se", sag­te Rauch. "Das wird sich in den nächs­ten Jah­ren durch die de­mo­gra­fi­sche Ent­wick­lung noch ver­stär­ken." Ba­den-Würt­tem­berg hat laut Re­gie­rung als in­dus­trie­star­ker Stand­ort seit je­her ei­nen gro­ßen Fach­kräf­te­be­darf im tech­ni­schen Be­reich.

In der Re­gi­on Ulm be­gin­nen nun 13 jun­ge Män­ner und Frau­en aus Un­garn, Spa­ni­en, Kroa­ti­en und Bul­ga­ri­en mit dem Aus­bil­dungs­pro­jekt - auf dem Weg zum Au­to­ver­käu­fer, zur Ho­tel­fach­kraft oder zum Fach­in­for­ma­ti­ker. "Uns feh­len in den nächs­ten 15 Jah­ren 10 000 jun­ge Men­schen", warn­te Ot­to Sälz­le, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) Ulm am Frei­tag. Ei­ne Aus­bil­dung sei kei­ne Sack­gas­se, gab Sälz­le den An­kömm­lin­gen mit auf den Weg. "Sie kön­nen sich wei­ter­qua­li­fi­zie­ren."

Die Lan­des­re­gie­rung un­ter­nimmt schon län­ger An­stren­gun­gen, um Fach­kräf­te aus dem eu­ro­päi­schen Aus­land zu ge­win­nen. Der Süd­wes­ten hat bei­spiels­wei­se im Mai 2014 ei­ne Ko­ope­ra­ti­on mit Ka­ta­lo­ni­en ver­ein­bart, um die Ar­beits­mo­bi­li­tät zu för­dern. Im April fand in Bar­ce­lo­na zu­dem ein Ba­den-Würt­tem­berg-Tag mit Be­rufs­schü­lern, Stu­den­ten und ar­beits­lo­sen Fach­kräf­ten statt.

Mar­co Vr­ho­cav aus Kroa­ti­en will in Ulm Spe­di­ti­ons­kauf­mann wer­den. Der 26-Jäh­ri­ge hat Deutsch schon an der Schu­le ge­lernt, leb­te in sei­ner Kind­heit als Flücht­ling aus Bos­ni­en meh­re­re Jah­re in Ham­burg. "Deutsch­land ist su­per", fin­det er. In Kroa­ti­en fuhr er Ga­bel­stap­ler in ei­nem La­ger. In sei­ner Hei­mat ge­be es we­nig Ar­beit, und die sei schlecht be­zahlt. "Mei­ne Mut­ter hat ge­weint, aber sie weiß, dass die Zu­kunft hier für mich bes­ser ist."

Po­li­tik und Wirt­schaft müs­sen sich ins Zeug le­gen: Denn nicht je­der fin­det in Deutsch­land sein Glück, und nicht je­der bleibt. Die Hand­werks­kam­mer Ulm ver­mit­tel­te bei­spiels­wei­se 2013 neun Spa­nier an Be­trie­be in der Re­gi­on - ein Jahr spä­ter hat­ten sechs den Süd­wes­ten wie­der ver­las­sen. "Es wird ei­nen Teil ge­ben, der die Aus­bil­dung ab­bricht oder da­nach zu­rück­geht", sag­te Rauch. "Die ein­zi­ge Chan­ce ist, dass sie sich am Ar­beits­platz wohl­füh­len, man ih­nen ent­spre­chen­de Über­nah­me­an­ge­bo­te macht und dass die In­te­gra­ti­on ge­lingt."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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