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Eu­ro­päi­scher Be­triebs­rat (EBR) kann Be­triebs­schlie­ßung nicht ver­hin­dern

Kein Un­ter­las­sungs­an­spruch des Eu­ro­päi­schen Be­triebs­rats (EBR) bei ge­plan­ter Be­triebs­schlie­ßung: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Be­schluss vom 08.09.2011, 13 Ta 267/11
Europafahne

06.11.2011. Das Ge­setz über eu­ro­päi­sche Be­triebs­rä­te (Eu­ro­päi­sche Be­triebs­rä­te-Ge­setz - EBRG) schreibt für Groß­un­ter­neh­men, die in meh­re­ren EU-Staa­ten tä­tig sind, ei­ne zu­sätz­li­che Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung vor - den Eu­ro­päi­schen Be­triebs­rat (EBR).

Der EBR soll da­für sor­gen, dass die Ar­beit­neh­mer über wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen der EU-zen­tra­len Un­ter­neh­mens- bzw. Kon­zern­lei­tung wie z.B. Be­triebs­stil­le­gun­gen früh­zei­tig un­ter­rich­tet wer­den und da­zu ih­re Mei­nung vor­tra­gen kön­nen. Was aber kann der EBR tun, wenn die Ar­beit­ge­ber­sei­te sei­ne In­for­ma­ti­ons- und An­hö­rungs­rech­te nach dem EBRG miss­ach­tet und ei­ne Be­triebs­schlie­ßung um­setzt, oh­ne den EBR vor­ab in­for­miert und sei­ne Mei­nung an­ge­hört zu ha­ben. Steht dem EBR dann ein An­spruch auf Un­ter­las­sung der Be­triebs­schlie­ßung zu, d.h. kann er die Be­triebs­schlie­ßung durch ein ge­richt­li­ches Eil­ver­fah­ren einst­wei­len ver­hin­dern?

Nein, kann er nicht, so das Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Köln in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dun(Be­schluss vom 08.09.2011, 13 Ta 267/11).

Kann der Europäische Betriebsrat eine Betriebsschließung so lange verhindern, bis er korrekt informiert und konsultiert wurde?

Der EBR ist gemäß § 30 Abs.1 EBRG über außer­gewöhn­li­che Ent­schei­dun­gen, die er­heb­li­che Aus­wir­kun­gen auf die In­ter­es­sen der Ar­beit­neh­mer ha­ben, recht­zei­tig un­ter Vor­la­ge der er­for­der­li­chen Un­ter­la­gen zu un­ter­rich­ten und auf Ver­lan­gen an­zuhören.

Was pas­siert, wenn die Ar­beit­ge­ber­sei­te die­se Vor­schrift miss­ach­tet, ist im EBRG nicht klar ge­re­gelt - oder viel­leicht doch? Denn im­mer­hin enthält das EBRG ei­ne Bußgeld­vor­schrift, wo­nach die Miss­ach­tung der In­for­ma­ti­ons- und Anhörungs­pflicht mit ei­ner Geld­buße bis zu fünf­zehn­tau­send EUR ge­ahn­det wer­den kann (§ 45 EBRG). Aber ist die­se für Großun­ter­neh­men lächer­lich ge­rin­ge fi­nan­zi­el­le "Sank­ti­on" al­les, was die Ar­beit­ge­ber­sei­te nach dem EBRG ris­kiert, wenn sie ge­gen bei ge­plan­ten Be­triebs­sch­ließun­gen ge­gen § 30 Abs.1 EBRG verstößt und den EBR links lie­gen lässt?

Da­ge­gen spricht, dass der Be­triebs­rat auf der Grund­la­ge sei­ner Mit­be­stim­mungs­rech­te nach dem Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) vom Ar­beit­ge­ber ver­lan­gen kann, mit­be­stim­mungs­pflich­ti­ge Vor­ha­ben einst­wei­len zu un­ter­las­sen, bis der Be­triebs­rat sei­ne Mit­be­stim­mungs­rech­te aus­geübt hat. In ei­ner so star­ken Wei­se ab­ge­si­chert sind zu­min­det die Mit­be­stim­mungs­rech­te in so­zia­len An­ge­le­gen­hei­ten gemäß § 87 Abs. 1 Be­trVG. An­de­rer­seits ist ein sol­cher Un­ter­las­sungs­an­spruch nur bei ei­ni­gen Mit­be­stim­mungs­rech­ten des Be­triebs­rats an­er­kannt, d.h. ge­ra­de nicht bei al­len.

LAG Köln: Der Europäische Betriebsrat kann eine Betriebsstilllegung auch bei Verstoß gegen § 30 EBRG nicht verhindern.

Im Streit­fall plan­te ein in Deutsch­land und Spa­ni­en täti­ger Au­to­mo­bil­kon­zern, ei­nes sei­ner spa­ni­schen Wer­ke zu schließen. Der im Kon­zern be­ste­hen­de EBR er­fuhr da­von erst­mals aus der Pres­se. Ei­lig or­ga­ni­sier­te er ei­ne Son­der­sit­zung. Erst dort leg­te die zen­tra­le Un­ter­neh­mens­lei­tung Un­ter­la­gen zu ih­ren Pla­nun­gen vor.

Der EBR woll­te dem Un­ter­neh­men dar­auf­hin im ar­beits­ge­richt­li­chen Eil­ver­fah­ren die Durchführung der Be­triebs­sch­ließung vorläufig un­ter­sa­gen las­sen, nämlich bis zur In­for­ma­ti­on und Kon­sul­ta­ti­on des EBR. Da­mit hat­te der EBR we­der vor dem Ar­beits­ge­richt Köln (Be­schluss vom 04.08.2011, 8 BV­Ga 17/11) noch in der Be­schwer­de vor dem LAG Köln Er­folg. Der EBR hat kei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch, mit dem er ei­ne ge­plan­te Be­triebs­still­le­gung ver­hin­dern könn­te, so das LAG. Denn selbst wenn man die Grundsätze des Be­trVG auf das EBRG über­tra­gen könn­te, hätte der EBR nur dann ei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch, wenn mit ihm ein ech­tes Mit­wir­kungs­recht und nicht nur ein In­for­ma­ti­ons­recht ge­si­chert wer­den würde.

Fa­zit: Die Ent­schei­dung ist rechts­kräftig und bestätigt, was die dürf­ti­gen ge­setz­li­chen Rech­te des EBR ver­mu­ten las­sen: Der EBR ist ein zahn­lo­ser Ti­ger. EU-weit täti­ge Großun­ter­neh­men können ihn letzt­lich links lie­gen las­sen und sich bei Ver­hand­lun­gen auf die ört­li­chen Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tun­gen kon­zen­trie­ren.

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Letzte Überarbeitung: 22. Juli 2016

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