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Ex­per­ten: Nicht nur auf for­ma­le Be­rufs­ab­schlüs­se schau­en

Bil­dungs­ab­schlüs­se, die sich schwarz auf weiß nach­wei­sen las­sen, sind wich­tig: Doch Be­rufs­bil­dungs­ex­per­ten for­dern, auch qua­si bei­läu­fig er­wor­be­ne Job-Kom­pe­ten­zen stär­ker an­zu­er­ken­nen. Dies kön­ne dem­nächst Flücht­lin­gen auf dem deut­schen Ar­beits­markt hel­fen

05.04.2016. (dpa) - In Deutsch­land sind Job-Chan­cen und Ein­kom­men nach Ex­per­ten­an­sicht noch zu sehr von for­ma­len Bil­dungs- und Be­rufs­ab­schlüs­sen ab­hän­gig.

Da­bei bö­ten auch im All­tag oder bei der Ar­beit er­wor­be­ne Fä­hig­kei­ten, die bis­her al­ler­dings nicht durch Bil­dungs­zer­ti­fi­ka­te be­schei­nigt wer­den kön­nen, "enor­me Po­ten­zia­le für die Ge­sell­schaft".

Dies ist ein Er­geb­nis des "Ex­per­ten­mo­ni­tors Be­ruf­li­che Bil­dung", ei­ner Stu­die des Bun­des­in­sti­tuts für Be­rufs­bil­dung (BIBB) und der Ber­tels­mann-Stif­tung.

Dem­nach wün­schen sich drei von vier Be­rufs­bil­dungs­fach­leu­ten ei­ne stär­ke­re Wür­di­gung in­di­vi­du­el­ler Lern­er­geb­nis­se, die au­ßer­halb von Schu­le, Aus­bil­dung oder Hoch­schu­le er­wor­ben wer­den. 70 Pro­zent der gut 300 be­frag­ten Ex­per­ten aus Be­trie­ben und Kam­mern, Ar­beit­neh­mer­or­ga­ni­sa­tio­nen, For­schung und Wei­ter­bil­dung spre­chen sich für ein deutsch­land­weit ein­heit­li­ches An­er­ken­nungs­sys­tem aus.

BIBB-Prä­si­dent Fried­rich Hu­bert Es­ser sag­te am Diens­tag: "Um bis­lang un­ge­nutz­te Po­ten­zia­le zu er­schlie­ßen, be­nö­ti­gen wir für Men­schen, die auf in­for­mel­lem Weg Kom­pe­ten­zen er­wor­ben ha­ben, ver­bes­ser­te Mög­lich­kei­ten der for­ma­len An­er­ken­nung." Er plä­dier­te für "ein ab­ge­stimm­tes Han­deln al­ler am Bil­dungs­pro­zess be­tei­lig­ten Ak­teu­re".

Durch ei­ne "Kul­tur der An­er­ken­nung" in­for­mel­len oder non-for­ma­len Ler­nens lie­ßen sich Be­rufs­chan­cen ver­bes­sern. Dies trä­fe ins­be­son­de­re auf An- und Un­ge­lern­te zu - und ge­ra­de auch auf Flücht­lin­ge, die oft kei­ne for­mal an­er­kann­ten Kom­pe­ten­zen mit­brin­gen. "Ein ein­heit­li­ches An­er­ken­nungs­sys­tem für in­for­mel­le Kom­pe­ten­zen hilft vor al­lem den Men­schen, die ih­re Fä­hig­kei­ten bis­her nicht auf dem Pa­pier nach­wei­sen kön­nen", sag­te Jörg Drä­ger von der Ber­tels­mann-Stif­tung.

Nicht nur Ar­beit­neh­mer, son­dern auch Be­trie­be könn­ten nach Auf­fas­sung der Ex­per­ten von ei­ner bes­se­ren An­er­ken­nung pro­fi­tie­ren. Zur Kom­pe­tenz­er­fas­sung und -be­wer­tung sei­en Ar­beits­pro­ben und Tests zu emp­feh­len - Re­fe­ren­zen und Zeug­nis­se da­ge­gen we­ni­ger.

Der Rat der Eu­ro­päi­schen Uni­on hat­te im De­zem­ber 2012 die Mit­glied­staa­ten auf­ge­for­dert, bis 2018 na­tio­na­le Re­ge­lun­gen für ei­ne An­er­ken­nung in­for­mel­len und non-for­ma­len Ler­nens zu ent­wi­ckeln. Dass dies in Deutsch­land pünkt­lich rea­li­siert wird, be­zwei­feln al­ler­dings über 70 Pro­zent der vom BIBB be­frag­ten Fach­leu­te.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 18. November 2016

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