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Ex­per­tin: Au­to­ma­ti­sches Lö­schen von E-Mails im Ur­laub bringt we­nig

Stän­di­ge Er­reich­bar­keit dank E-Mail und Smart­pho­ne: Die Ar­beits­welt än­dert sich, und der Druck für vie­le Be­schäf­tig­te steigt. Wie kön­nen Ar­beit­ge­ber und Be­schäf­tig­te sinn­voll ge­gen­steu­ern? Ei­ne Ex­per­tin vom ar­beit­ge­ber­na­hen In­sti­tut der deut­schen Wirt­schaft gibt Ant­wor­ten

09.07.2015. (dpa) - Am Wo­chen­en­de dienst­li­che E-Mails che­cken oder im Ur­laub ei­nen Blick auf das Dienst-Han­dy wer­fen: Nicht we­ni­ge ma­chen das.

In­zwi­schen ver­su­chen Fir­men ge­gen­zu­steu­ern, in­dem sie zum Bei­spiel ver­fü­gen, dass im Ur­laub ein­ge­hen­de E-Mails au­to­ma­tisch ge­löscht wer­den.

In an­de­ren ist in Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen ein An­ruf­ver­bot nach Fei­er­abend fest­ge­legt.

Bei­des ist nach An­sicht des ar­beit­ge­ber­na­hen In­sti­tuts der deut­schen Wirt­schaft (IW) Köln je­doch we­nig ziel­füh­rend.

"Mit die­sen ge­ne­rel­len Ver­bo­ten wird man nie al­len ge­recht wer­den. Je­der hat ei­ne in­ne­re Uhr. Es gibt Leu­te, die mor­gens pro­duk­ti­ver sind, an­de­re sind es eher abends", sag­te An­drea Ham­mer­mann vom IW Köln im Ge­spräch mit dem dpa-The­men­dienst.

Zu­sam­men mit ih­rem Kol­le­gen Oli­ver Stet­tes hat sie ei­ne Stu­die zur Be­wäl­ti­gung von Stress in der ver­netz­ten Ar­beits­welt ge­macht. Ba­sis für die Ana­ly­se ist die ak­tu­el­le Er­werbs­tä­ti­gen­be­fra­gung von 2012 des Bun­des­in­sti­tuts für Be­rufs­bil­dung (BIBB) in Ko­ope­ra­ti­on mit der Bun­des­an­stalt für Ar­beits­schutz und Ar­beits­me­di­zin (BAuA). Da­nach muss stei­gen­der Ter­min- und Leis­tungs­druck nicht zwin­gend da­zu füh­ren, dass sich die Be­schäf­tig­ten auch stär­ker be­las­tet füh­len. Dies hän­ge stark von der je­wei­li­gen Per­son und dem Ar­beits­um­feld ab.

Zu­frie­den sind dem­nach 89,9 Pro­zent der Be­schäf­tig­ten, die sich selbst star­ken Ter­min- und Leis­tungs­druck at­tes­tie­ren. "Wenn das Be­triebs­kli­ma stimmt, wenn sich je­mand als Teil des Teams fühlt, von Kol­le­gen und vom Chef un­ter­stützt wird, ist die Be­las­tung we­sent­lich ge­rin­ger", er­klär­te die IW-Ar­beits­markt­ex­per­tin.

Wich­tig sei des­halb, dass die Ar­beit­ge­ber in­di­vi­du­ell auf die Be­dürf­nis­se ih­rer Be­schäf­tig­ten ein­ge­hen. "Die Stres­sprä­ven­ti­on muss am Ver­hal­ten des Ein­zel­nen an­set­zen", sag­te die Ar­beits­markt­ex­per­tin. "Man kann ein Be­wusst­sein da­für schaf­fen, dass je­der sei­ne ei­ge­nen Gren­zen ken­nen­lernt und für sich auch Gren­zen setzt, was Ar­beits­zeit und Mehr­ar­beit be­trifft." Aber auch die Un­ter­neh­men könn­ten et­was tun, hier sei­en vor al­lem die Füh­rungs­kräf­te ge­fragt.

"Es soll­te nicht der be­lohnt wer­den, der am längs­ten im Bü­ro sitzt, denn der ist nicht un­be­dingt der Pro­duk­tivs­te", sag­te Ham­mer­mann. Ein wich­ti­ger Punkt sei das Mit­ar­bei­ter­ge­spräch. "Als Füh­rungs­kraft muss ich her­aus­fin­den, wel­cher Typ Mit­ar­bei­ter sitzt mir da ge­gen­über." Ist das je­mand, mit dem ich abends noch kom­mu­ni­zie­ren kann, oder je­mand, der sei­ne fes­ten Ar­beits­zei­ten von 9.00 bis 17.00 Uhr braucht? "Das ist ei­ne sehr in­di­vi­du­el­le Ebe­ne, aber nur so kann es funk­tio­nie­ren, dass der Be­schäf­tig­te sich nicht über­for­dert fühlt."

Die Er­werbs­tä­ti­gen-Be­fra­gung wird in re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den durch­ge­führt. Für die IW Stu­die wur­de die Stich­pro­be der ab­hän­gig Be­schäf­tig­ten mit 3143 Ar­bei­tern, 13 090 An­ge­stell­ten und 1501 Be­am­ten be­trach­tet.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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