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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Feiertagszuschlag
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 10 AZR 347/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 17.08.2011
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Dessau-Roßlau, Urteil vom 26.03.2009, 10 Ca 338/08
Landesarbeitsgericht Sachsen-Anhalt, Urteil vom 18.02.2010, 3 Sa 186/09
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

10 AZR 347/10

3 Sa 186/09

Lan­des­ar­beits­ge­richt Sach­sen-An­halt

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am 17. Au­gust 2011

UR­TEIL

Brüne, Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläger, Be­ru­fungskläger und Re­vi­si­onskläger,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Zehn­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 17. Au­gust 2011 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Mi­kosch, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Ey­lert und Mest­werdt so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Si­mon und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Alex für Recht er­kannt:


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1. Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Sach­sen-An­halt vom 18. Fe­bru­ar 2010 - 3 Sa 186/09 - wird zurück­ge­wie­sen.

2. Der Kläger hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen. Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Höhe des Zeit­zu­schlags für die Ar­beit am

Os­ter­sonn­tag und am Pfingst­sonn­tag.

Der Kläger ist für die Be­klag­te im Schicht­dienst tätig und hat in der Ver-

gan­gen­heit be­reits an bei­den Ta­gen Ar­beits­leis­tun­gen er­bracht.

Auf das Ar­beits­verhält­nis fin­det kraft ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung der Ta-

rif­ver­trag Ver­sor­gungs­be­trie­be (TV-V) in der je­weils gülti­gen Fas­sung An­wen­dung. § 10 TV-V re­gelt den Aus­gleich für Son­der­for­men der Ar­beit wie folgt:

„1. Der Ar­beit­neh­mer erhält ne­ben dem Ent­gelt für die tatsächli­che Ar­beits­leis­tung Zeit­zu­schläge. Sie be­tra­gen je St­un­de

a) für Über­stun­den 30 v.H.,

b) für Nacht­ar­beit 25 v.H.,

c) für Sonn­tags­ar­beit 25 v.H.,

d) für Fei­er­tags­ar­beit 135 v.H.,

e) für Ar­beit am 24. De­zem­ber und am 31. De-zem­ber 40 v.H.,

f) für Ar­beit an Sams­ta­gen ab 13.00 Uhr, so­weit die­se nicht im Rah­men von Wech­sel­schicht-oder Schicht­ar­beit anfällt, 20 v.H.

des auf ei­ne St­un­de ent­fal­len­den An­teils des mo­nat­li­chen Ent­gelts der Stu­fe 1 der je­wei­li­gen Ent­gelt-grup­pe nach Maßga­be der An­la­gen 3a und 3b.


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Beim Zu­sam­men­tref­fen von Zeit­zu­schlägen nach Satz 2 Buchst. c bis f wird nur der höchs­te Zeit­zu­schlag ge­zahlt.

...“

Der TV-V ist zum 1. April 2002 in Kraft ge­tre­ten. Bis zum 31. März 2002

kam bei der Be­klag­ten der BMT-G-O zur An­wen­dung. Die­ser re­gel­te in § 22 die Zah­lung von Zeit­zu­schlägen wie folgt:

„1. Für die in Satz 2 ge­nann­ten Ar­bei­ten erhält der Ar­bei­ter Zeit­zu­schläge. Sie be­tra­gen je St­un­de

a) für die Ar­beit an Sonn­ta­gen 30 v.H.

b) für nicht dienst­planmäßige Sonn­tags­ar­beit, die kei­ne Über­stun­den­ar­beit ist, 50 v.H.

c) für Ar­beit an

aa) ge­setz­li­chen Wo­chen­fei­er­ta­gen so­wie am

Os­ter­sonn­tag und Pfingst­sonn­tag

- oh­ne Frei­zeit­aus­gleich 135 v.H.

- bei Frei­zeit­aus­gleich 35 v.H.

...

des auf die Ar­beits­stun­de um­ge­rech­ne­ten Mo­nats­grund­loh­nes der Stu­fe 1 der je­wei­li­gen Lohn­grup­pe.“

Os­ter­sonn­tag und Pfingst­sonn­tag sind in Sach­sen-An­halt nicht als ge-

setz­li­che Fei­er­ta­ge be­stimmt. Bis ein­sch­ließlich 2007 zahl­te die Be­klag­te für die Ar­beit an die­sen Ta­gen ei­nen Zu­schlag von 135 %, seit 2008 ei­nen sol­chen von 25 %.

Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, Ar­beit am Os­ter­sonn­tag und

am Pfingst­sonn­tag sei Fei­er­tags­ar­beit iSv. § 10 Abs. 1 Buchst. d TV-V, und be­an­tragt

fest­zu­stel­len, dass der Kläger für tatsächli­che Ar­beits­leis­tun­gen am Os­ter­sonn­tag und Pfingst­sonn­tag ne­ben dem Ent­gelt Zeit­zu­schläge iHv. 135 % gemäß dem TV-V erhält.


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Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Fei­er­ta­ge iSv. § 10 7

Abs. 1 Buchst. d TV-V sei­en nur die ge­setz­li­chen Fei­er­ta­ge am Be­schäfti­gungs­ort. Sie ha­be bis 2007 irrtümlich höhe­re Zu­schläge ge­zahlt.

Die Vor­in­stan­zen ha­ben die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ 8

ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sein Kla­ge­be­geh­ren wei­ter.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on ist un­be­gründet. Die Vor­in­stan­zen ha­ben die Kla­ge zu

Recht ab­ge­wie­sen.

I. Die Kla­ge ist zulässig. Das er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se nach
§ 256 Abs. 1 ZPO liegt vor. Der Kläger ar­bei­tet im Schicht­dienst und hat be­reits an bei­den Ta­gen Ar­beits­leis­tun­gen er­bracht. Er hat ein recht­li­ches In­ter­es­se dar­an, die Höhe des Zu­schlags vor ei­ner er­neu­ten Ein­tei­lung zur Ar­beit an bei­den Ta­gen durch rich­ter­li­che Ent­schei­dung fest­stel­len zu las­sen. Die Fest­stel­lungs­kla­ge kann sich auch auf ein­zel­ne Be­zie­hun­gen oder Fol­gen aus ei­nem Rechts­verhält­nis, auf be­stimm­te Ansprüche oder Ver­pflich­tun­gen oder auf den Um­fang ei­ner Leis­tungs­pflicht be­schränken. Das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se ist dann ge­ge­ben, wenn durch die Ent­schei­dung über den Fest­stel­lungs­an­trag der Streit ins­ge­samt be­sei­tigt wird und das Rechts­verhält­nis der Par­tei­en ab­schließend geklärt wer­den kann (BAG 21. April 2010 - 4 AZR 755/08 - Rn. 19 ff., AP ZPO 1977 § 256 Nr. 101 = EzA ZPO 2002 § 256 Nr. 9). Dies ist vor­lie­gend der Fall.

II. Der Kläger hat kei­nen An­spruch aus § 10 Abs. 1 Buchst. d TV-V. Sein
Beschäfti­gungs­ort liegt in Sach­sen-An­halt. Os­ter­sonn­tag und Pfingst­sonn­tag sind in die­sem Bun­des­land kei­ne ge­setz­li­chen Fei­er­ta­ge (vgl. die Aufzählung in


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§ 2 des Ge­set­zes über die Sonn- und Fei­er­ta­ge idF vom 25. Au­gust 2004 - GVBl. LSA S. 538). Der Fei­er­tags­zu­schlag nach § 10 Abs. 1 Buchst. d TV-V wird nur für die Ar­beit an ge­setz­lich be­stimm­ten Fei­er­ta­gen am Beschäfti­gungs­ort ge­schul­det.

1. Der Wort­laut der Norm, von dem bei der Ta­rif­aus­le­gung vor­ran­gig
aus­zu­ge­hen ist (BAG 23. Fe­bru­ar 2011 - 10 AZR 299/10 - Rn. 14, ZTR 2011, 491; 24. Fe­bru­ar 2010 - 10 AZR 1035/08 - Rn. 15, AP TVG § 1 Aus­le­gung Nr. 220), ist nicht ganz ein­deu­tig. Der Zu­schlag wird für „Fei­er­tags­ar­beit“ ge­zahlt, oh­ne dass aus­drück­lich klar­ge­stellt wird, dass nur staat­lich an­er­kann­te oder ge­setz­lich ge­re­gel­te Fei­er­ta­ge den Zu­schlag auslösen. Ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen über die Zah­lung ei­nes Zu­schlags für Fei­er­tags­ar­beit knüpfen aber re­gelmäßig an die ge­setz­li­chen Fei­er­ta­ge am Beschäfti­gungs­ort an, ab­wei­chen­de Re­ge­lun­gen müssen deut­lich er­kenn­bar sein (BAG 13. April 2005 - 5 AZR 475/04 - Rn. 17, AP TVG § 1 Aus­le­gung Nr. 192).

An­halts­punk­te für ein ab­wei­chen­des ta­rif­li­ches Verständ­nis des „Fei­er-

tags“ im TV-V be­ste­hen nicht. § 9 TV-V de­fi­niert die in an­de­ren Be­stim­mun­gen des TV-V ver­wen­de­ten Rechts­be­grif­fe der „Son­der­for­men der Ar­beit“. Ei­ne ei­genständi­ge vom ge­setz­li­chen Fei­er­tags­recht ab­wei­chen­de De­fi­ni­ti­on des Be­griffs der „Fei­er­tags­ar­beit“ fehlt.

2. Der ta­rif­li­che Ge­samt­zu­sam­men­hang bestätigt die­se Ta­rif­aus­le­gung.

Nach § 8 Abs. 3 TV-V ver­min­dert sich die re­gelmäßige Ar­beits­zeit für je­den

„ge­setz­li­chen Fei­er­tag“. Es gibt kei­nen An­halt dafür, dass Fei­er­tags­ar­beit im

Sin­ne die­ser Norm an­ders zu ver­ste­hen ist als im Re­ge­lungs­zu­sam­men­hang

von § 10 Abs. 1 Buchst. d TV-V. Dies spricht dafür, dass der TV-V Re­ge­lun­gen

(nur) für ge­setz­lich be­stimm­te oder staat­lich an­er­kann­te Fei­er­ta­ge enthält.

3. Ein sol­ches Ta­rif­verständ­nis führt zu ei­ner sach­ge­rech­ten, zweck-
ori­en­tier­ten und prak­tisch brauch­ba­ren Re­ge­lung. Der bun­des­weit gel­ten­de TV-V re­gelt kei­ne länder­spe­zi­fi­schen und kon­fes­sio­nel­len Be­son­der­hei­ten im


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Fei­er­tags­recht. Bei ei­nem an­de­ren, nicht an das ge­setz­li­che Fei­er­tags­recht an­knüpfen­den Ta­rif­verständ­nis müss­te im Ein­zel­fall ge­prüft wer­den, wel­cher sons­ti­ge, ge­setz­lich nicht be­stimm­te re­li­giöse oder sons­ti­ge Fei­er­tag in wel­cher Re­gi­on für wel­che Beschäftig­ten­grup­pe den ta­rif­lich be­stimm­ten Zu­schlag auslöst. Ein sol­ches Ta­rif­verständ­nis ist nicht prak­ti­ka­bel. Ta­rif­verträge knüpfen des­halb re­gelmäßig an die ge­setz­lich be­stimm­ten Fei­er­ta­ge am Beschäfti­gungs­ort an (BAG 13. April 2005 - 5 AZR 475/04 - Rn. 17, AP TVG § 1 Aus­le­gung Nr. 192).

4. Sch­ließlich führt auch die Ta­rif­ge­schich­te zu kei­ner an­de­ren Aus­le­gung.

Die Vorgänger­be­stim­mung des § 22 BMT-G-O be­zog den Os­ter­sonn­tag und den Pfingst­sonn­tag aus­drück­lich in die Zu­schlags­re­ge­lung mit ein. Der ta­rif­li­che Re­ge­lungs­be­darf war den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en so­mit be­wusst. Ei­ne ver­gleich­ba­re Re­ge­lung enthält der TV-V je­doch nicht. Für die Ar­beit am Os­ter­sonn­tag und Pfingst­sonn­tag ist des­halb nur der Sonn­tags­zu­schlag nach § 10 Abs. 1 Buchst. c TV-V zu zah­len.

III. Der Kläger hat nicht des­halb ei­nen An­spruch aus be­trieb­li­cher Übung,

weil die Be­klag­te seit dem Wech­sel zum TV-V in den Jah­ren 2002 bis 2007 wei­ter­hin ei­nen Zu­schlag von 135 % ge­zahlt hat. Nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts hat die Be­klag­te erst im Jahr 2008 er­kannt, dass sie nach der Ablösung des BMT-G-O durch den TV-V den Fei­er­tags­ka­len­der in ih­rem Ab­rech­nungs­sys­tem nicht kor­ri­giert hat. Aus Sicht des Klägers, nach des­sen Auf­fas­sung ein ta­rif­li­cher An­spruch be­steht, stell­te sich die Gewährung des Fei­er­tags­zu­schlags für Os­ter- und Pfingst­sonn­ta­ge als Erfüllung ei­nes ta­rif­li­chen An­spruchs dar. In ei­nem sol­chen Fall wird die Leis­tungs­gewährung nicht als still­schwei­gen­des An­ge­bot zur Be­gründung ei­nes dau­er­haf­ten An­spruchs mit dem In­halt ei­ner über­ta­rif­li­chen Vergütung wahr­ge­nom­men, son­dern als Norm­voll­zug (BAG 17. März 2010 - 5 AZR 317/09 - Rn. 21, AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Brotin­dus­trie Nr. 9 = EzA TVG § 4 Brot- und Back­wa­ren-in­dus­trie Nr. 2).


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IV. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO.

Mi­kosch Ey­lert Mest­werdt

Si­mon Alex

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