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Kein flä­chen­de­cken­der Min­dest­lohn 2011

Ab­sa­ge für ei­nen flä­chen­de­cken­den Min­dest­lohn: Mer­kel setzt auf die Ta­rif­par­tei­en: Die CDU sagt Ja zum Min­dest­lohn, aber Nein zu po­li­ti­schen Vor­ga­ben. Der Ar­beit­neh­mer­flü­gel trägt den Kom­pro­miss mit. Kri­tik kommt von Ge­werk­schaf­ten und SPD.

15.11.2011 - dpa. Die CDU be­kennt sich zu Min­dest­löh­nen, lehnt aber po­li­ti­sche Vor­ga­ben zur Hö­he ab. Das Ni­veau müs­se von Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­ge­bern aus­ge­han­delt wer­den und kön­ne re­gio­nal un­ter­schied­lich sein, be­schloss die CDU am Mon­tag­abend auf ih­rem Par­tei­tag in Leip­zig mit deut­li­cher Mehr­heit. Kri­tik kam von Ge­werk­schaf­ten und SPD. Ver­di-Chef Frank Bsirs­ke hält die Plä­ne für un­zu­rei­chend, nann­te sie aber ein «Schritt­chen nach vorn».

Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) hat­te ein­dring­lich für den Kom­pro­miss als rich­ti­gen Mit­tel­weg ge­wor­ben. "Nie­mand von uns will ei­nen flä­chen­de­cken­den, ein­heit­lich po­li­tisch fest­ge­leg­ten ge­setz­li­chen Min­dest­lohn." Zur Rea­li­tät ge­hö­re, dass es längst nicht für al­le Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se Ta­rif­ver­trä­ge ge­be. "Wir wol­len dort ei­ne Lohn­un­ter­gren­ze, wo es kei­ne Ta­rif­ver­trä­ge gibt."

Ge­ne­ral­se­kre­tär Her­mann Grö­he sag­te, die CDU til­ge mit den Min­dest­löh­nen "wei­ße Fle­cken auf der Ta­rif­ver­trags­land­kar­te". Aus­ge­han­delt wer­den sol­len die Min­dest­löh­ne von den Ta­rif­part­nern. Die Hö­he soll sich nicht an der Zeit­ar­beit ori­en­tie­ren, son­dern an den Ni­veaus der gel­ten­den et­wa zehn Min­dest­löh­ne. Mer­kel sag­te: "Wir sind über­zeugt, dass die Ta­rif­au­to­no­mie als Be­stand­teil der So­zia­len Markt­wirt­schaft ein we­sent­li­cher Be­stand­teil ist."

Der Vor­sit­zen­de der Christ­lich-De­mo­kra­ti­schen Ar­beit­neh­mer­schaft CDA, Karl-Jo­sef Lau­mann, sag­te: Der Min­dest­lohn­kom­pro­miss wer­de da­zu füh­ren, "dass Löh­ne, für die man sich schä­men muss, wirk­lich nicht mehr statt­fin­den in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land". Er sag­te: "Es han­delt sich um ei­nen all­ge­mei­nen und ver­bind­li­chen Min­dest­lohn." Dass sich die­ser nicht mehr an der Zeit­ar­beit ori­en­tie­re, "da­mit kann ich gut le­ben, weil die all­ge­mein ver­bind­lich er­klär­ten Bran­chen bis auf ei­ne al­le hö­he­re Löh­ne ha­ben als die Zeit­ar­beit". Nach sei­ner Re­de er­hielt Lau­mann lang an­hal­ten­den Ap­plaus. Er war ei­ne trei­ben­de Kraft auf dem Weg zur Uni­on zum Min­dest­lohn.

Ei­ne po­li­tisch vor­ge­ge­be­ne Hö­he des Min­dest­lohns lehn­te die CDU ab. Die et­wa zehn Min­dest­löh­ne sei­en ei­ne Ori­en­tie­rung für die durch ei­ne Kom­mis­si­on aus Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­ge­bern fest­zu­le­gen­den Un­ter­gren­ze, sag­te Grö­he. "Die kann in be­grün­de­ten Aus­nah­me­fäl­len viel­leicht un­ter­schrit­ten wer­den müs­sen. Viel­leicht wird sie deut­lich drü­ber lie­gen."

Ver­di-Chef Bsirs­ke sag­te der dpa: "Wenn es Aus­nah­men ge­ben soll, hat man es nicht mit ei­nem ein­heit­li­chen Min­dest­lohn zu tun." Er for­der­te er­neut ei­nen ge­setz­li­chen Min­dest­lohn und nann­te die Hö­he von 8,50 Eu­ro pro St­un­de - so wie es be­nach­bar­te Staa­ten an­geb­lich auch zahl­ten. Der Chef der Ge­werk­schaft Nah­rung-Ge­nuss-Gast­stät­ten (NGG), Franz-Jo­sef Möl­len­berg, er­klär­te, der CDU-Kom­pro­miss zum Min­dest­lohn rie­che nach ei­ner "Mo­gel­pa­ckung". "Un­ter­halb von 8,50 Eu­ro die St­un­de wä­re es kein ech­ter, son­dern nur ein vor­ge­täusch­ter >Min­dest­lohn light<, von dem nie­mand le­ben kann."

SPD-Chef Sig­mar Ga­bri­el kri­ti­sier­te: "Nach dem Wil­len der CDU soll sich nichts än­dern für Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land, die Voll­zeit ar­bei­ten, aber an­schlie­ßend aufs So­zi­al­amt ge­hen müs­sen, weil sie zu we­nig ver­die­nen." SPD-Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin An­drea Nah­les sprach von ei­nem "bü­ro­kra­ti­schen Schwin­del". Die Grü­nen bo­ten der CDU an, im Bun­des­tag ge­mein­sam ei­nen Min­dest­lohn durch­zu­set­zen. Zu­vor müs­se sich die CDU al­ler­dings in der Rea­li­tät da­zu be­ken­nen, dass al­le Ar­beit­neh­mer ei­nen an­stän­di­gen Lohn be­kä­men, sag­te Par­tei­chef Cem Öz­de­mir. "Da hel­fen wir ger­ne, ei­ne ver­nünf­ti­ge Po­li­tik durch­zu­set­zen."

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Letzte Überarbeitung: 21. September 2016

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