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Flücht­lin­ge wei­ter vor ho­hen Hür­den auf dem Ar­beits­markt

Vie­le Asyl­be­wer­ber träu­men von Job und Wohl­stand in Deutsch­land. Doch für sie blieb der deut­sche Ar­beits­markt bis­her weit­ge­hend ver­schlos­sen. Das be­ginnt sich zu än­dern

18.08.2014. (dpa) - Für man­che er­füllt sich der Traum von ei­nem gut be­zahl­ten Job in Deutsch­land nie. An­de­re Flücht­lin­ge war­ten jah­re­lang dar­auf, end­lich ih­ren Le­bens­un­ter­halt oh­ne staat­li­che Hil­fe be­strei­ten zu kön­nen.

Zu hoch wa­ren bis­her die ge­setz­li­chen und bü­ro­kra­ti­schen Hür­den, die Asyl­be­wer­ber bei der Job­su­che zu über­win­den hat­ten - in den Au­gen von Fach­leu­ten ei­ne Fol­ge der jahr­zehn­te­lang eher auf Ab­schot­tung als auf In­te­gra­ti­on aus­ge­rich­te­ten deut­schen Flücht­lings­po­li­tik.

Doch das be­ginnt sich un­ter dem Ein­druck des dro­hen­den Fach­kräf­te­man­gels zu än­dern. Im Ju­li 2013 hat­te die da­mals noch schwarz-gel­be Bun­des­re­gie­rung die bis­he­ri­gen Re­ge­lun­gen ge­lo­ckert und Asyl­be­wer­bern be­reits nach ei­ner War­te­zeit von neun Mo­na­ten die Job­su­che er­laubt. Geht es nach dem Wil­len der schwarz-ro­ten Ko­ali­ti­on, sol­len Flücht­lin­ge künf­tig so­gar schon nach drei­mo­na­ti­gem Auf­ent­halt in Deutsch­land ar­bei­ten dür­fen.

Die Flücht­lings­hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Pro Asyl be­grüßt die­sen Schritt zwar, den gro­ßen Durch­bruch sieht sie dar­in aber noch nicht, wie der stell­ver­tre­ten­de Ge­schäfts­füh­rer Bernd Me­so­vic be­tont. Mit der so­ge­nann­ten Vor­ran­g­re­ge­lung blei­be Asyl­be­wer­bern wei­ter­hin der Zu­gang zum Ar­beits­markt er­schwert.

Die­se sieht vor, dass Asyl­be­wer­ber nur dann ei­ne Be­schäf­ti­gung auf­neh­men dür­fen, wenn für ei­ne Stel­le kein Job­su­cher mit deut­schem oder EU-Pass zur Ver­fü­gung steht. "In struk­tur­schwa­chen Re­gio­nen mit ho­her Ar­beits­lo­sig­keit kommt die­se Re­ge­lung ei­nem Ar­beits­ver­bot gleich", sagt Me­so­vic.

Tat­säch­lich er­hiel­ten im Jahr 2013 nach Zah­len der Bun­des­agen­tur le­dig­lich 6.700 Asyl­be­wer­ber oder ge­dul­de­te Aus­län­der ei­ne Ar­beits­ge­neh­mi­gung. In 2.900 Fäl­len wur­de sie Asyl­be­wer­bern und Ge­dul­de­ten ver­sagt. Nach Zah­len des Bun­des­am­tes für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge er­hielt da­mit im Vor­jahr nur et­wa je­der sieb­te län­ger als neun Mo­na­te in Deutsch­land le­ben­de Asyl­be­wer­ber ei­ne Ar­beits­er­laub­nis.

Tat­säch­lich schei­nen Asyl­be­wer­ber im All­tag deut­scher Ar­beits­agen­tu­ren kei­ne gro­ße Be­deu­tung zu ha­ben. Denn selbst in ei­ner deut­schen Groß­stadt-Agen­tur wie Frank­furt am Main mit re­la­tiv vie­len Flücht­lin­gen spielt die Job-Ver­mitt­lung von Asyl­be­wer­bern kaum ei­ne Rol­le, wie Spre­che­rin An­na Mo­ra­les be­rich­tet. "Das sind so we­ni­ge, dass es über sie bei uns kei­ne Auf­zeich­nun­gen gibt. Das ten­diert ge­gen Null."

Das vom Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um und dem Eu­ro­päi­schen So­zi­al­fonds ge­för­der­te Pro­jekt "Xe­nos" zeigt hin­ge­gen, dass Flücht­lin­ge kei­nes­wegs oh­ne Chan­cen auf dem deut­schen Ar­beits­markt sind - ei­ne ent­spre­chen­de För­de­rung vor­aus­ge­setzt.

Al­lein zwi­schen 2008 und 2009 hat­ten 28 im Rah­men des Pro­jekts ein­ge­rich­te­te Be­ra­tungs­stel­len 12.300 Blei­be­be­rech­tig­te und Flücht­lin­ge be­treut. "Da­von wur­den 22 Pro­zent in Ar­beit oder ei­ne dua­le Aus­bil­dung ver­mit­telt", heißt es in ei­ner Zwi­schen­bi­lanz des bis 2014 an­ge­leg­ten Pro­jekts. Zu den Hil­fen ge­hö­ren Deutsch­kur­se, Be­rufs­be­ra­tung, Fort­bil­dung, Be­wer­bungs­trai­ning und psy­cho­so­zia­le Hil­fe.

As­trid Bla­s­cke, die im Zu­ge des "Xe­nos"-Pro­jekts seit 2008 blei­be­be­rech­tig­te Aus­län­der und Asyl­be­wer­ber in Süd­ost­bay­ern bei der Su­che nach Ar­beit oder Aus­bil­dung un­ter­stützt, stell­te ei­ne ho­he Mo­ti­va­ti­on bei den Flücht­lin­gen fest: "Sehr häu­fig fal­len Asyl­su­chen­de, aber auch Per­so­nen mit Dul­dung durch ho­he Leis­tungs­be­reit­schaft und Durch­hal­te­ver­mö­gen auf", be­rich­te­te sie. In­zwi­schen ent­deck­ten auch Ar­beit­ge­ber "die Leis­tungs­be­reit­schaft und Mo­ti­va­ti­on als in­ter­es­san­te Res­sour­ce die­ser Ziel­grup­pe".

Als Hür­de bei der Ver­mitt­lung von Flücht­lin­gen sieht Blasch­ke, dass Asyl­be­wer­ber nor­ma­ler­wei­se kei­nen Zu­gang zu Deutsch­kur­sen hät­ten. Ne­ben man­geln­den Deutsch­kennt­nis­sen schre­cke man­che Ar­beit­ge­ber auch die un­ge­wis­se auf­ent­halts­recht­li­che Per­spek­ti­ve der Aus­län­der ab, be­rich­tet die Be­ra­te­rin im Münch­ner So­zi­al­re­fe­rat.

Ein Pro­blem sei auch die Vor­rang­prü­fung durch die Ar­beits­agen­tu­ren und die Re­si­denz­pflicht. Wenn aber Asyl­be­wer­ber die Re­gi­on nicht ver­las­sen dürf­ten, in der sie un­ter­ge­bracht sind, be­hin­de­re das ih­re be­ruf­li­che Fort­bil­dung und die Job-Ver­mitt­lung, gibt Blasch­ke zu be­den­ken.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 20. Oktober 2015

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