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Ei­ne Fra­ge der For­mu­lie­rung: Beim Ar­beits­zeug­nis auf Nu­an­cen ach­ten

Je­der Ar­beit­neh­mer hat das Recht auf ein wohl­wol­lend ge­schrie­be­nes Ar­beits­zeug­nis: Gut klin­gen­de For­mu­lie­run­gen müs­sen aber noch lan­ge nichts Gu­tes hei­ßen. Nicht nur der Ton macht die Mu­sik. Selbst die Rei­hen­fol­ge der ein­zel­nen Be­wer­tungs­kri­te­ri­en ist ent­schei­dend

05.03.2013. (dpa) - Zeug­nis­se ken­nen die meis­ten aus der Schu­le. Doch auch im Ar­beits­le­ben gibt es No­ten.

Zum Bei­spiel beim Job­wech­sel: Ver­lässt ein Mit­ar­bei­ter sein Un­ter­neh­men, hat er ei­nen ge­setz­li­chen An­spruch auf ein Ar­beits­zeug­nis (Pa­ra­graf 109 Ge­wer­be­ord­nung).

An­ders als in der Schu­le hat der Ar­beit­neh­mer da­bei aber die Qual der Wahl: Er kann sich ein ein­fa­ches Ar­beits­zeug­nis aus­stel­len las­sen.

Dar­in ste­hen nur die per­sön­li­chen Da­ten so­wie Art und Dau­er der Be­schäf­ti­gung. Oder er nimmt ein qua­li­fi­zier­tes - mit Leis­tungs- und Ver­hal­tens­be­ur­tei­lung.

Be­fürch­ten Ar­beit­neh­mer kein schlech­tes Ar­beits­zeug­nis, soll­ten sie ein qua­li­fi­zier­tes an­for­dern. Denn sind die No­ten gut, kön­nen sie da­mit beim künf­ti­gen Ar­beit­ge­ber ei­nen gu­ten Ein­druck ma­chen. Aber kommt es zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer we­gen ei­nes Zeug­nis­ses zum Streit, geht es in der Re­gel im­mer um ein qua­li­fi­zier­tes.

Da­bei ist für Mit­ar­bei­ter oft gar nicht leicht zu durch­schau­en, was in ih­rem Ar­beits­zeug­nis ei­gent­lich steht. Denn statt Schul­no­ten gibt es dort meist nur wohl­klin­gen­de For­mu­lie­run­gen. Ar­beit­neh­mer soll­ten bei den Nu­an­cen des­halb ganz ge­nau hin­se­hen. Ein Bei­spiel: Die For­mu­lie­rung "stets zu un­se­rer volls­ten Zu­frie­den­heit" ist gleich­be­deu­tend mit der Schul­no­te "sehr gut". Da­ge­gen be­deu­tet "stets zu un­se­rer vol­len Zu­frie­den­heit" nur ein "gut". Fehlt zu­dem die Be­to­nung "stets", han­delt es sich le­dig­lich um ein be­frie­di­gen­des Ar­beits­zeug­nis.

Ein wei­te­rer Stol­per­stein ist die Schluss­for­mel. Dort steht dann zum Bei­spiel: "Wir dan­ken Herrn Mül­ler und wün­schen ihm für die Zu­kunft al­les Gu­te." Vie­le le­sen über den Satz am En­de hin­weg. Doch das ist ein Feh­ler. Denn feh­le ei­ne Dan­kes­for­mel am En­de, kann das so­gar ein ei­gent­lich po­si­ti­ves Zeug­nis ab­wer­ten. Ar­beit­neh­mer soll­ten des­halb schau­en, ob ei­ne ent­spre­chen­de For­mel am En­de steht. Ein Recht auf dan­ken­de Wor­te gibt es je­doch nicht. Das hat im De­zem­ber 2012 das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ent­schie­den (BAG, Ur­teil vom 11.12.2012, 9 AZR 227/11, wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 12/380 Kein An­spruch auf Zeug­nis mit Dan­kes­for­mel).

Un­ter­schrei­ben soll­te das Ar­beits­zeug­nis der Ge­schäfts­füh­rer, Per­so­nal­chef oder Ab­tei­lungs­lei­ter. An­sons­ten gilt: Von der Ten­denz her muss der Text wahr­heits­ge­treu, aber wohl­wol­lend sein. Ar­beit­neh­mer kön­nen ver­lan­gen, dass das Ar­beits­zeug­nis ihr Fort­kom­men nicht un­nö­tig er­schwert. Krank­hei­ten oder Straf­ta­ten, die nichts mit der Ar­beit zu tun ha­ben, dür­fen nicht er­wähnt wer­den.

Manch­mal ist die Ten­denz aber nicht so wohl­wol­lend wie er­war­tet. In so ei­nem Fall soll­ten Ar­beit­neh­mer so­fort um Nach­bes­se­rung bit­ten. Denn der An­spruch auf Ver­bes­se­rung kann rasch Aus­schluss­fris­ten zum Op­fer fal­len oder ver­wir­ken. Bei der Kor­rek­tur des Zeug­nis­ses ist der Ar­beit­ge­ber an den bis­he­ri­gen Zeug­nis­text ge­bun­den, d.h. er darf an der Be­ur­tei­lung nichts mehr än­dern, wenn nur die Auf­ga­ben­be­schrei­bung kor­ri­giert wer­den soll.

Heut­zu­ta­ge schrei­ben vie­le Ar­beit­neh­mer ih­re Ar­beits­zeug­nis­se selbst, d.h. sie rei­chen Ent­wür­fe beim Ar­beit­ge­ber ein, die die­ser dann ein­fach ab­zeich­net, um Zeit zu spa­ren und Är­ger zu ver­mei­den. Das bringt Vor­tei­le für Ar­beit­neh­mer, birgt aber auch Ge­fah­ren. Ar­beit­neh­mer müs­sen dar­auf ach­ten, die Fak­ten in den Vor­der­grund zu stel­len, ei­ne kor­rek­te Glie­de­rung ein­zu­hal­ten und es mit Lob­hu­de­lei­en nicht zu über­trei­ben.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 16. September 2016

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