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We­ni­ger Frau­en in Fir­men­vor­stän­den

Für Vor­stän­de bör­sen­no­tier­ter deut­scher Un­ter­neh­men gilt im­mer noch: Män­ner ha­ben bes­se­re Chan­cen. Doch im­mer mehr Kon­zer­ne ar­bei­ten dar­an, über­hol­te Denk­mus­ter zu über­win­den - nicht zu­letzt bei Aus­wahl­ver­fah­ren

07.01.2015. (dpa) - Die To­pe­ta­ge der deut­schen Wirt­schaft ist im­mer noch ei­ne Män­ner­do­mä­ne: Zwar sa­ßen in den Vor­stän­den der 30 Dax-Kon­zer­ne ei­ner Stu­die zu­fol­ge En­de 2014 mehr Frau­en als im Vor­jahr.

Doch ins­ge­samt fiel die Bi­lanz von 160 bör­sen­no­tier­ten Un­ter­neh­men ne­ga­tiv aus, wie aus der am Diens­tag ver­öf­fent­lich­ten Stu­die der Un­ter­neh­mens­be­ra­tung EY (Ernst & Young) her­vor­geht.

Da­nach gab es nur 37 Frau­en im Top­ma­nage­ment der Fir­men im Dax, MDax, SDax und TecDax, En­de des Vor­jah­res wa­ren es noch 41.

Dem ste­hen ak­tu­ell 626 männ­li­che Vor­stands­mit­glie­der ge­gen­über.

In den Ebe­nen dar­un­ter hat sich al­ler­dings ei­ni­ges ge­tan: Im­mer mehr Kon­zer­ne ge­hen bei der Su­che nach Frau­en für Füh­rungs­po­si­tio­nen neue We­ge. "Un­ser Ziel ist es, bis zum Jah­res­en­de 2015 30 Pro­zent der Füh­rungs­po­si­tio­nen mit Frau­en zu be­set­zen", sag­te der Per­so­nal­vor­stand der Al­li­anz Deutsch­land, Wolf­gang Bre­zi­na, der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. Der­zeit sind es rund 28 Pro­zent. Um mehr weib­li­che Ta­len­te zu ent­de­cken, hat der größ­te deut­sche Ver­si­che­rer Aus­wahl­pro­zes­se ver­än­dert. Das Ziel war es, al­te Denk­mus­ter zu über­win­den, die zu sehr auf männ­li­che Füh­rungs­kräf­te aus­ge­rich­tet wa­ren.

Un­ter dem Be­griff "Un­con­scious Bi­as" (Un­be­wuss­te Vor­ur­tei­le) wird das Phä­no­men seit ei­ni­ger Zeit dis­ku­tiert. Wis­sen­schaft­ler se­hen in dem ste­reo­ty­pen Den­ken ei­nen Grund da­für, dass bei der Su­che nach Füh­rungs­kräf­ten oft Män­nern der Vor­zug ge­ge­ben wird. Der Psy­cho­lo­ge Mat­thi­as Spörr­le, der die Al­li­anz bei dem Pro­jekt be­rät, nennt un­ter an­de­rem ei­ne tie­fe Stim­me oder die Kör­per­grö­ße als Ein­fluss­fak­to­ren, die un­be­wusst in Per­so­nal-Ent­schei­dun­gen ein­flie­ßen.

In­zwi­schen hat die Al­li­anz ei­nen weit­ge­hend stan­dar­di­sier­ten Fra­gen­ka­ta­log ent­wi­ckelt, der als Leit­fa­den bei Ein­stel­lungs­ge­sprä­chen hel­fen soll, ste­reo­ty­pes Den­ken zu ver­mei­den.

Auch der Kon­sum­gü­ter­her­stel­ler Hen­kel hat nach ei­ge­nen An­ga­ben ver­schie­de­ne In­stru­men­te ent­wi­ckelt, um «Un­con­scious Bi­as» bei Per­so­nal­ent­schei­dun­gen ent­ge­gen­zu­wir­ken. So wür­den in der Re­gel bei Stel­len­be­set­zun­gen meh­re­re In­ter­views ge­führt und da­bei ge­zielt un­ter­schied­li­che Ge­sprächs­part­ner ein­ge­setzt. Hen­kel hat den An­teil von Frau­en in den Füh­rungs­po­si­tio­nen seit 2008 von gut 26 Pro­zent auf heu­te rund 32 Pro­zent ge­stei­gert und strebt ei­ne wei­te­re Er­hö­hung an.

Thys­sen­Krupp will den An­teil ver­ant­wort­li­cher Ma­na­ge­rin­nen von 8,8 Pro­zent im ver­gan­ge­nen Jahr auf 15 Pro­zent bis 2020 stei­gern. Da­zu gibt es un­ter an­de­rem ein Men­to­ring-Pro­gramm für Frau­en und Schu­lun­gen, bei de­nen Füh­rungs­kräf­te auf un­ter­be­wuss­te Vor­be­hal­te auf­merk­sam ge­macht wer­den.

Die Com­merz­bank setzt bei Aus­wahl­ver­fah­ren für Füh­rungs­po­si­tio­nen un­ter an­de­rem auf ge­mischt-ge­schlecht­li­che Be­ob­ach­ter­grup­pen. Wei­te­re Maß­nah­men zur För­de­rung von Frau­en: Aus­bau der Kin­der­be­treu­ung, zu­dem kön­nen sich Füh­rungs­kräf­te ei­ne Stel­le tei­len. Die Bank will den An­teil von Frau­en in ver­ant­wort­li­chen Po­si­tio­nen auf 30 Pro­zent stei­gern. Im Som­mer 2014 lag er bei 27,8 Pro­zent kon­zern­weit.

Die Deut­sche Te­le­kom hat­te als ers­ter Dax-Kon­zern 2010 ei­ne Frau­en­quo­te ein­ge­führt und sich das Ziel ge­setzt, bis En­de 2015 30 Pro­zent al­ler mitt­le­ren und obe­ren Füh­rungs­po­si­tio­nen mit Frau­en zu be­set­zen (April 2014: 25 Pro­zent).

Bis in die obers­te Eta­ge schaf­fen es al­ler­dings bis­her nur we­ni­ge Ma­na­ge­rin­nen. Der EY-Stu­die zu­fol­ge stieg in den 30 Dax-Fir­men die Zahl der Frau­en im Vor­stand bis En­de 2014 von 11 auf 14, das ent­spricht ei­nem An­teil von sie­ben Pro­zent. Zu­gleich er­höh­te sich der An­teil von Dax-Un­ter­neh­men mit min­des­tens ei­ner Frau im Vor­stand von 30 auf 40 Pro­zent.

EY-Ex­per­tin Ana-Chris­ti­na Groh­nert räum­te ein, dass der Pro­zess, Frau­en bes­se­re Auf­stiegs­chan­cen zu er­mög­li­chen, nicht von heu­te auf mor­gen ge­lin­ge. Not­wen­dig sei un­ter an­de­rem ei­ne nach­hal­ti­ge För­de­rung weib­li­cher Nach­wuchs­kräf­te.

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Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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