Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Frist­lo­se Kün­di­gung ei­nes Ge­schäfts­füh­rers we­gen Un­treue

GmbH-Ge­schäfts­füh­rer sie­ben Jah­re vor Ver­trags­en­de frist­los ent­las­sen: Ober­lan­des­ge­richt Ko­blenz, Ur­teil vom 11.07.2013, 6 U 1359/12

26.03.2014. Als Ge­schäfts­füh­rer ei­ner GmbH ist man vor kurz­fris­ti­gen Kün­di­gun­gen meist si­cher, denn Ge­schäfts­füh­rer­ver­trä­ge ha­ben in der Re­gel ei­ne lan­ge Lauf­zeit oder lan­ge Kün­di­gungs­fris­ten.

Ver­letzt ein Ge­schäfts­füh­rer al­ler­dings sei­ne Pflich­ten ge­gen­über der GmbH in er­heb­li­chem Um­fang, kann das die au­ßer­or­dent­li­che und frist­lo­se Kün­di­gung des Ge­schäfts­füh­rer­ver­trags zur Fol­ge ha­ben.

Da­bei sind es oft gar nicht gro­ße Fehl­ent­schei­dun­gen mit er­heb­li­chen Scha­dens­fol­gen für die Ge­sell­schaft, son­dern klei­ne, da­für aber "schmut­zi­ge" fi­nan­zi­el­le Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten, über die Ge­schäfts­füh­rer stol­pern kön­nen.

So war es auch in ei­nem ak­tu­el­len, vom Ober­lan­des­ge­richt (OLG) Ko­blenz ent­schie­de­nen Fall: OLG Ko­blenz, Ur­teil vom 11.07.2013, 6 U 1359/12.

Wann berechtigen finanzielle Unregelmäßigkeiten eines Geschäftsführers die GmbH zur fristlosen Kündigung?

Ein GmbH-Geschäftsführer hat die Pflicht, die fi­nan­zi­el­len In­ter­es­sen der Ge­sell­schaft zu wah­ren. Ge­gen die­se Pflicht verstößt er, wenn er Zah­lun­gen zu­las­ten der GmbH ver­an­lasst, von de­nen er weiß, dass sie kei­ner­lei Nut­zen für die Ge­sell­schaft ha­ben.

Ei­nen ähn­li­chen Pflicht­ver­s­toß stellt es dar, wenn Sach­mit­tel der GmbH "frei­gie­big" be­triebs­frem­den Per­so­nen zur un­ent­gelt­li­chen Nut­zung über­las­sen wer­den.

Al­ler­dings gibt es bei al­le­dem auch ei­nen Er­mes­sens­be­reich: Be­stimm­te klei­ne­re Zah­lun­gen ge­sche­hen "an­stand­shal­ber", und auch die Nut­zung be­trieb­li­cher Mit­tel durch Drit­te kann als "Klein-klein" zu be­wer­ten sein, so dass die ent­spre­chen­de Mit­tel­frei­ga­be durch den Geschäftsführer kein aus­rei­chen­der Grund für ei­ne frist­lo­se Kündi­gung ist.

In sol­chen Fällen kommt es auf die Be­gleit­umstände an: Ist die "Frei­gie­big­keit" des Geschäftsführers noch sach­lich nach­voll­zieh­bar und liegt da­mit letzt­lich im In­ter­es­se der GmbH oder steht die Per­son des Geschäftsführers im Vor­der­grund, so dass man von Vet­tern­wirt­schaft spre­chen muss?

Der Streitfall: Geschäftsführer der Stadtwerke Neuwied wird im Dezember 2011 wegen Vetternwirtschaft fristlos gekündigt

Im Streit­fall ging es um den ehe­ma­li­gen Geschäftsführer der Stadt­werks-GmbH Neu­wied, der auf der Grund­la­ge ei­nes Zehn­jah­res­ver­trags mit fes­ter Lauf­zeit von An­fang 2009 bis En­de 2018 zu ei­nem Ge­halt von mo­nat­lich 13.139,59 EUR tätig war.

Im De­zem­ber 2011 kam es zum Streit, weil be­kannt wur­de, dass der Geschäftsführer es sei­ner Le­bens­gefähr­tin, ei­ner Gast­wir­tin, er­laubt hat­te, in der Küche des städti­schen Schwimm­bads Gänse­keu­len für ih­re Gast­wirt­schaft zu­zu­be­rei­ten, und zwar oh­ne Be­zah­lung auf Kos­ten der GmbH.

Im Zu­ge die­ser "Gänse­keu­len­affäre" kam dann wei­ter ans Ta­ges­licht, dass der Geschäftsführer ei­ner ihm persönlich gut be­kann­ten Ser­vice­kraft des Schwimm­bads ei­nen Nach­hil­fe­un­ter­richt für knapp 400,00 EUR spen­diert hat­te, wie­der­um zu Las­ten der GmbH. Die jun­ge Frau soll­te durch die Nach­hil­fe bes­se­re Chan­cen für ei­nen kaufmänni­schen Be­rufs­ab­schluss ha­ben, doch be­stand aus Sicht der Ge­sell­schaft kei­ner­lei be­trieb­li­ches In­ter­es­se an ei­ner sol­chen Un­terstützung.

Die Stadt­werks-GmbH erklärte dar­auf­hin im De­zem­ber 2011 und so­dann noch­mals im Ja­nu­ar 2012 die außer­or­dent­li­che und frist­lo­se Kündi­gung des Geschäftsführer­ver­trags, d.h. der Ver­trag en­de­te nicht wie vor­ge­se­hen En­de 2018, son­dern be­reits sie­ben Jah­re früher. Das woll­te der ge­feu­er­te Geschäftsführer nicht auf sich sit­zen las­sen und zog vor das Land­ge­richt Ko­blenz, um dort die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gun­gen fest­stel­len zu las­sen. Das Land­ge­richt wies sei­ne Kla­ge ab (Ur­teil vom 13.11.2012, 4 HKO 9/12).

OLG Koblenz: Begünstigt ein GmbH-Geschäftsführer "nach Gutsherrenart" seine Bekannten auf Kosten der GmbH, ist eine außerordentliche Kündigung gerechtfertigt

Auch das OLG hielt die Kündi­gung für wirk­sam und wies die Be­ru­fung des Geschäftsführers da­her zurück.

Da­bei stütz­te es sich in ers­ter Li­nie auf den vom Geschäftsführer be­wil­lig­ten Nach­hil­fe­un­ter­richt. Auf­grund der Aus­sa­ge von Zeu­gen, die das Ge­richt hörte, stand für das OGL fest, dass es kei­ne Per­spek­ti­ve ei­nes wei­te­ren Ein­sat­zes der (be­fris­tet beschäftig­ten) Ser­vice­kraft bei der GmbH und da­her auch kein be­trieb­li­ches In­ter­es­se an ei­ner be­ruf­li­chen Förde­rung gab. Da­her sah das Ge­richt in der Über­nah­me von Nach­hil­fe­kos­ten ei­nen gro­ben Ver­s­toß ge­gen die den Geschäftsführe tref­fen­de Pflicht, die fi­nan­zi­el­len In­ter­es­sen der Ge­sell­schaft zu wah­ren.

Er­schwe­rend kam an die­ser Stel­le die na­he persönli­che Be­zie­hung zwi­schen dem Geschäftsführer und der jun­gen Frau hin­zu: Sie war mit der Toch­ter der Le­bens­gefähr­tin des Geschäftsführers be­freun­det, und auch er kann­te die jun­ge Frau gut; man duz­te sich. Die Be­zah­lung der Nach­hil­fe hat­te da­her das "Ge­präge der >Vet­tern­wirt­schaft<", so die Rich­ter. Und wei­ter:

"Es wäre Auf­ga­be des Klägers als Führungs­kraft mit Vor­bild­funk­ti­on für al­le ihm un­ter­stell­ten Mit­ar­bei­ter ge­we­sen, dafür zu sor­gen, dass Pri­va­tes und Be­ruf­li­ches strikt von­ein­an­der ge­trennt wer­den, um je­den An­schein ei­ner Vor­teils­gewährung aus sach­frem­den Erwägun­gen zu ver­mei­den. Dies wäre dem Kläger oh­ne wei­te­res da­durch möglich ge­we­sen, dass er an­de­re Per­so­nen in die Ent­schei­dung über die Gewährung ei­nes geld­wer­ten Vor­teils für ...[D] ein­ge­bun­den hätte."

Darüber hin­aus war es auch pflicht­wid­rig, dass der Geschäftsführer sei­ner Le­bens­gefähr­tin er­laubt hat­te, die Schwimm­badküche zu nut­zen. Denn in der Einführung zum Or­ga­ni­sa­ti­ons­hand­buch der Stadt­wer­ke-GmbH, die der Geschäftsführer selbst mit­ver­fasst (!) hat­te, war fest­ge­hal­ten, dass die Re­ge­lun­gen des Or­ga­ni­sa­ti­ons­hand­buchs als Dienst­an­wei­sun­gen zu ver­ste­hen sind. Und in Punkt 8.2 des Or­ga­ni­sa­ti­ons­hand­buchs hieß es:

"Die pri­va­te Nut­zung des Fir­men­geländes und der dienst­li­chen Ein­rich­tun­gen ist ver­bo­ten! Ab­wei­chun­gen hier­von sind kaum denk­bar, müss­ten aber auf je­den Fall von der Geschäfts­lei­tung im Ein­zel­fall ge­neh­migt wer­den. Ei­ne Zu­wi­der­hand­lung stellt ei­ne schwe­re Ver­let­zung der dienst­li­chen Pflich­ten dar und hat ent­spre­chen­de dienst­li­che Fol­gen".

Im Er­geb­nis hielt das Ge­richt dem Geschäftsführer vor, durch die Über­nah­me der Nach­hil­fe­kos­ten "nach Guts­her­ren­art" ei­ne ihm na­he­ste­hen­de Per­son zu­las­ten des GmbH-Vermögens begüns­tigt zu ha­ben. Dem Kläger feh­le hier nach wie vor "jeg­li­ches Un­rechts­be­wusst­sein", wie denn auch in der Fol­ge­zeit der durch die Nach­hil­fe ent­stan­de­ne Scha­den der GmbH nicht aus­ge­gli­chen wor­den ist. Das sei Vet­tern­wirt­schaft und mit der Vor­bild­funk­ti­on nicht zu ver­ein­ba­ren, die ein Geschäftsführer in der Po­si­ti­on des Klägers nun ein­mal ha­be.

Fa­zit: Wer ei­nen gut be­zahl­ten Geschäftsführer­ver­trag mit lan­ger fes­ter Lauf­zeit und ge­rin­gen Haf­tungs­ri­si­ken in der Ta­sche hat, soll­te sich im­mer wie­der ein­mal klar­ma­chen, wel­chen Wert ein sol­ches Ver­trags­verhält­nis hat. Hier im Streit­fall hat der Geschäftsführer of­fen­bar die Bo­den­haf­tung ver­lo­ren und nicht mehr klar zwi­schen sei­nem pri­va­ten Vermögen und sei­nen pri­va­ten Be­kannt­schaf­ten und den In­ter­es­sen der Ge­sell­schaft un­ter­schie­den. Das kos­te­te ihn letzt­lich sie­ben Jah­res­gehälter, d.h. et­wa 1,1 Mil­lio­nen Eu­ro.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 24. August 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Autorenprofil

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880