Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Frist­lo­se Kün­di­gung we­gen Lö­schung von Da­ten

Da­ten ge­löscht - Ver­trau­en zer­stört: Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 05.08.2013, 7 Sa 1060/10

15.03.2014. Ar­beit­neh­mer, die durch ei­nen schwe­ren Pflicht­ver­stoß das Ver­trau­en ih­res Ar­beit­ge­bers in ih­re Red­lich­keit und Zu­ver­läs­sig­keit zer­stört ha­ben, kön­nen au­ßer­or­dent­lich und frist­los ge­kün­digt wer­den. Ob es frü­her ein­mal ei­nen ähn­li­chen Pflicht­ver­stoß gab und ob die­ser ab­ge­mahnt wor­den war, ist dann un­er­heb­lich.

Seit dem Em­me­ly-Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom Ju­ni 2010 (BAG, Ur­teil vom 10.06.2010, 2 AZR 541/09) sind die Ge­rich­te bei ge­ring­fü­gi­gen Ver­mö­gen­de­lik­ten nicht mehr so schnell wie frü­her da­zu be­reit, ei­nen to­ta­len Ver­trau­ens­ver­lust des Ar­beit­ge­bers zu un­ter­schrei­ben. Fäl­le die­ser Art ge­hen heu­te oft zu Guns­ten des ge­kün­dig­ten Ar­beit­neh­mers aus.

Im Er­geb­nis nä­hert die­se neue Recht­spre­chung klei­ne­re Un­red­lich­kei­ten in fi­nan­zi­el­le Din­gen Ar­beits­zeit­ver­stö­ßen und an­de­ren Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten im Ar­beits­ver­hal­ten an.

Nach wie vor sehr ernst neh­men die Ar­beits­ge­rich­te da­ge­gen die Ent­wen­dung von Fir­men­un­ter­la­gen, von Kun­den­da­ten oder auch die nicht an­ge­ord­ne­te Ver­nich­tung von dienst­li­chen E-Mails.

So hat­te die Sieb­te Kam­mer des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) im Som­mer 2011 die Ent­wen­dung ei­ner grö­ße­ren Zahl von Kun­den­da­ten durch ei­nen Bank­an­ge­stell­ten als aus­rei­chen­den Grund für ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung be­wer­tet (Ur­teil vom 29.08.2011, 7 Sa 248/11 - wir be­rich­te­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell: 12/060 Frist­lo­se Kün­di­gung trotz un­wi­der­ruf­li­cher Frei­stel­lung).

Zwei Jah­re dar­auf hat­te die­sel­be Kam­mer er­neut über ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung we­gen ei­ner un­be­fug­ten Da­ten­ma­ni­pu­la­ti­on zu ent­schei­den. Dies­mal hat­te der ge­kün­dig­te Ar­beit­neh­mer die Da­ten nicht ge­stoh­len, son­dern "nur" ver­nich­tet: Hes­si­sches LAG, Ur­teil vom 05.08.2013, 7 Sa 1060/10.

Kon­kret hat­te der Ar­beit­neh­mer in dem ak­tu­el­len Fall ge­gen En­de sei­ner sechs­mo­na­ti­gen Pro­be­zeit im Ju­ni 2009 mit sei­nem Ar­beit­ge­ber über ei­ne Pro­be­zeit­ver­län­ge­rung ver­han­delt. Die Ver­hand­lun­gen schei­ter­ten und der Ar­beit­ge­ber woll­te ei­ne kurz­fris­ti­ge Ver­trags­auf­he­bung, die der Ar­beit­neh­mer ab­lehn­te. Statt des­sen lösch­te er am 29. und am 30. Ju­ni 2009 von sei­nem be­trieb­li­chen Ac­count aus et­wa 80 ei­ge­ne Da­tei­en, 144 Kon­tak­te, 51 E-Mails, 167 Auf­ga­ben und 12 Ter­mi­ne.

Der Ar­beit­ge­ber ent­deck­te die Lö­schun­gen am 01. Ju­li 2009 und kün­dig­te dem Ar­beit­neh­mer frist­los, hilfs­wei­se or­dent­lich per En­de Au­gust 2009.

Das Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main hielt die frist­lo­se Kün­di­gung für un­wirk­sam, da der Ar­beit­ge­ber sie nur we­gen der aus sei­ner Sicht er­wie­se­nen Tat aus­ge­spro­chen hat­te (Tat­kün­di­gung), nicht da­ge­gen auch als Ver­dachts­kün­di­gung. Und da nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kön­ne, dass die Da­ten auch noch spä­ter ge­löscht wor­den sei­en, kam der Ar­beit­ge­ber mit sei­ner frist­lo­sen Kün­di­gung nicht durch (Ur­teil vom 14.04.2010, 22 Ca 7129/09). Das war aber letzt­lich für den Ar­beit­ge­ber zu ver­schmer­zen, weil er nur ei­nen Klein­be­trieb un­ter­hielt und die or­dent­li­che Kün­di­gung per En­de Au­gust da­her in je­dem Fall wirk­sam war.

Das LAG da­ge­gen kam auf der Grund­la­ge ei­nes Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens zu dem Er­geb­nis, dass der Ar­beit­neh­mer am 29. und 30. Ju­ni 2009 tat­säch­li­che ei­ne um­fang­rei­che Da­ten­lö­schung vor­ge­nom­men und da­mit das Ver­trau­en des Ar­beit­ge­bers in sei­ne In­te­gri­tät voll­stän­dig zer­stört hat­te.

Die Da­ten ste­hen, so das LAG, in der Ver­fü­gungs­macht des Ar­beit­ge­bers. Ei­ne ei­gen­mäch­ti­ge Lö­schung durch ei­nen Ar­beit­neh­mer mit den sich dar­aus er­ge­ben­den in­ter­nen Pro­ble­men und Schwie­rig­kei­ten ge­gen­über Kun­den ist ein so er­heb­li­cher Ver­stoß ge­gen ar­beits­ver­trag­li­che Pflich­ten, dass die so­for­ti­ge Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­hält­nis­ses aus Sicht der Rich­ter ge­recht­fer­tigt war.

Ei­ne Ab­mah­nung, die in der Re­gel ei­ner Kün­di­gung aus ver­hal­tens­be­ding­ten Grün­den vor­an­ge­hen muss, war hier nach An­sicht des LAG nicht not­wen­dig. Denn der Ar­beit­neh­mer wuss­te auch oh­ne Ab­mah­nung, dass die Lö­schung der Da­ten von sei­nem Ar­beit­ge­ber auf kei­nen Fall hin­ge­nom­men wer­den wür­de.

Fa­zit: Wer Da­ten­sät­ze, E-Mail-Ver­kehr, Kun­den­da­ten oder in Pa­pier do­ku­men­tier­te Un­ter­la­gen sei­nes Ar­beit­ge­bers un­be­fugt ver­nich­tet, stiehlt oder trotz Auf­for­de­rung zur Her­aus­ga­be bei sich be­hält, ris­kiert ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung aus ver­hal­tens­be­ding­ten Grün­den. Die Ar­beits­ge­rich­te prak­ti­zier­ten ge­gen­über Pflicht­ver­stö­ßen in die­sem Be­reich ei­ne ziem­lich har­te Null-To­le­ranz-Recht­spre­chung.

Das geht so weit, dass Ar­beit­neh­mer so­gar in Kün­di­gungs­schutz- oder Lohn­pro­zes­sen bes­ser nicht mit ih­nen vor­lie­gen­den fir­men­in­ter­nen Da­ten oder Un­ter­la­gen ar­gu­men­tie­ren soll­ten, sie je­den­falls bes­ser nicht zum Be­weis vor­le­gen soll­ten, da ih­nen dar­aus leicht ein Strick ge­dreht wer­den könn­te.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 16. September 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Autorenprofil

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880