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Frist­lo­se Kün­di­gung we­gen Ar­beits­zeit­be­trugs

Ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung we­gen fort­ge­setz­ten Ar­beits­zeit­be­trugs ist auch nach lan­ger Be­schäf­ti­gungs­dau­er mög­lich: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 09.06.2011, 2 AZR 381/10
09.09.2011. Ein Ar­beits­zeit­be­trug recht­fer­tigt die frist­lo­se Kün­di­gung bzw. ei­ne au­ßer­or­dent­li­chen Kün­di­gung, wenn er ei­nen "wich­ti­gen Grund" im Sin­ne von § 626 Abs. 1 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) dar­stellt. Das ist bei Ar­beits­zeit­schum­me­lei­en nicht im­mer der Fall, so dass die Wirk­sam­keit ei­ner frist­lo­sen Kün­di­gung dann von den (er­schwe­ren­den oder er­leich­tern­den) Um­stän­den des Ein­zel­falls ab­hängt und von der Ab­wä­gung der bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen.

Da im Prin­zip je­de klei­ne­re Un­pünkt­lich­keit schon als "Ar­beits­zeit­be­trug" be­wer­tet wer­den kann, falls der Ar­beit­neh­mer sie ver­schlei­ert, kommt der Vor­wurf des Ar­beits­zeit­be­trugs für Ar­beit­neh­mer oft un­er­war­tet - und erst recht die dann fol­gen­de frist­lo­se Kün­di­gung. Sie ist auch oh­ne Ab­mah­nung und trotz lan­ger Be­schäf­ti­gungs­dau­er zu­läs­sig, wenn der Ar­beit­neh­mer "mit Sys­tem" vor­geht. Das zeigt ein ak­tu­el­les Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes (BAG) (Ur­teil vom 09.06.2011, 2 AZR 381/10).

Ei­ne Ver­wal­tungs­fach­an­ge­stell­te war ver­pflich­tet, ih­re Ar­beits­zeit zu do­ku­men­tie­ren. Sie hat­te in sie­ben Ta­gen ins­ge­samt zwei St­un­den zu viel an­ge­ge­ben, da sie die Park­platz­su­che auf dem Be­triebs­ge­län­de als Ar­beits­zeit be­trach­te­te. Das Ar­beits­ge­richt Os­na­brück hielt die frist­lo­se Kün­di­gung für un­ver­hält­nis­mä­ßig. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen (Ur­teil vom 18.01.2010, 9 Sa 1913/08) und das BAG mein­ten da­ge­gen, dass ein sol­cher Ver­trau­ens­bruch die frist­lo­se Kün­di­gung recht­fer­tigt.

Fa­zit: Trotz ei­ner Be­schäf­ti­gungs­zeit von 17 Jah­ren recht­fer­tig­te der Ar­beits­zeit­be­trug hier ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung. Die vor­he­ri­ge Ab­mah­nung ei­nes frü­he­ren ähn­li­chen Fehl­ver­hal­tens war nicht er­for­der­lich. Letzt­lich wur­de die Ar­beit­neh­me­rin hier nicht we­gen ih­rer Un­pünkt­lich­keit ge­kün­digt, son­dern we­gen der Ver­schleie­rung ih­res Fehl­ver­hal­tens. Ar­beit­neh­mer, die bei der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung gro­ße Frei­räu­me ha­ben, sind bei Fehl­do­ku­men­ta­tio­nen rasch dem Vor­wurf des Be­trugs aus­ge­setzt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 24. August 2016

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