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Knapp je­der Fünf­te von Ar­mut be­trof­fen - "Kei­ne Teil­ha­be"

Auch wer Geld ver­dient, kann arm sein: Sta­tis­ti­ker ha­ben er­neut er­rech­net, für wie vie­le Men­schen in Deutsch­land ein Fern­se­her oder ei­ne war­me Mahl­zeit schon Lu­xus sein kann

18.12.2013. (dpa) - Kein Geld für Te­le­fon, Hei­zen oder den Ki­no­be­such: Fast je­der fünf­te Ein­woh­ner in Deutsch­land war 2012 von Ar­mut oder so­zia­ler Aus­gren­zung be­trof­fen.

Et­wa 16 Mil­lio­nen Men­schen oder 19,6 Pro­zent der Be­völ­ke­rung zähl­ten da­zu - 2011 wa­ren es mit 19,9 Pro­zent noch et­was mehr.

Das ist das Er­geb­nis der Un­ter­su­chung "Le­ben in Eu­ro­pa 2012", die das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt (De­sta­tis) in Wies­ba­den am Diens­tag vor­stell­te.

Frau­en wa­ren mit 21,1 Pro­zent häu­fi­ger be­trof­fen als Män­ner (18,1).

"Ar­mut ist mehr als nur Ein­kom­mens­ar­mut", be­ton­te De­sta­tis-Ex­per­tin Sil­via Deckl. Auch wer ein Ge­halt ver­die­ne, das über der Schwel­le lie­ge, kön­ne von so­zia­ler Teil­ha­be aus­ge­schlos­sen sein. Des­we­gen er­rech­nen die Sta­tis­ti­ker die Quo­te aus drei Kri­te­ri­en: Sie schau­en nach der Ar­muts­ge­fähr­dungs­quo­te, nach ma­te­ri­el­len Ein­schrän­kun­gen und dem Grad der Er­werbs­tä­tig­keit. "Als arm oder so­zi­al aus­ge­grenzt gilt ei­ne Per­son dann, wenn ei­nes oder mehr der drei (...) Kri­te­ri­en auf sie zu­tref­fen."

Ar­mut in Deutsch­land dür­fe nicht mehr weg­dis­ku­tiert wer­den, er­klär­te die Prä­si­den­tin des So­zi­al­ver­ban­des VdK, Ul­ri­ke Ma­scher. De­ren Be­kämp­fung müs­se "ganz nach oben auf die po­li­ti­sche Ta­ges­ord­nung der neu­en Bun­des­re­gie­rung". Der ge­setz­li­che Min­dest­lohn müs­se schnells­tens ver­ab­schie­det wer­den.

Von Ar­mut be­droht wa­ren zu­letzt 16,1 Pro­zent oder rund 13 Mil­lio­nen Men­schen. Die be­trof­fe­nen Singles ha­ben we­ni­ger als 980 Eu­ro im Mo­nat zur Ver­fü­gung, Fa­mi­li­en mit zwei Kin­dern we­ni­ger als 2058 Eu­ro.

Für 4,9 Pro­zent ge­hör­ten "er­heb­li­che ma­te­ri­el­le Ent­beh­run­gen" zum All­tag. Das be­deu­tet: Die Men­schen ha­ben bei­spiels­wei­se Pro­ble­me, ih­re Mie­te oder die Heiz­kos­ten zu zah­len. Oder bei ih­nen kommt nicht al­le zwei Ta­ge ei­ne vol­le Mahl­zeit auf den Tisch, auch ein Te­le­fon, Fern­se­her oder ei­ne Rei­se sind nicht drin.

Schließ­lich er­mit­tel­ten die Sta­tis­ti­ker den An­teil der Be­völ­ke­rung, die in Haus­hal­ten mit sehr ge­rin­ger Er­werbs­be­tei­li­gung le­ben - es wa­ren 9,8 Pro­zent. Für die Un­ter­su­chung er­fass­ten die Sta­tis­ti­ker rund 13 100 Haus­hal­te mit 27 900 Per­so­nen.

Nach ei­ner Stu­die der Uni­ver­si­tät von Edin­burgh (Groß­bri­tan­ni­en) sind deut­sche Ar­beits­lo­se we­sent­lich un­zu­frie­de­ner mit ih­rer Si­tua­ti­on als Schick­sals­ge­nos­sen in an­de­ren eu­ro­päi­schen Län­dern. Ar­beits­lo­sig­keit in Spa­ni­en, Po­len oder Ru­mä­ni­en ha­be die ver­gleichs­wei­se ge­rings­ten Fol­gen auf das per­sön­li­che Wohl­be­fin­den, be­rich­te­ten die Wis­sen­schaft­ler. Die Hö­he der So­zi­al­leis­tun­gen ha­be zu­dem kei­nen Ef­fekt auf den Grad der Zu­frie­den­heit. Ei­ni­ge Län­der mit den höchs­ten Leis­tun­gen hät­ten teils auch die un­glück­lichs­ten Er­werbs­lo­sen. Die Stu­die auf Ba­sis ver­schie­de­ner Sta­tis­ti­ken um­fass­te al­le EU-Län­der und Nor­we­gen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 20. Februar 2015

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