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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Kündigungsschutzprozess, Gehaltsrückzahlung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Köln
Akten­zeichen: 11 Sa 908/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 18.10.2011
   
Leit­sätze:

1. Wird der Ar­beit­ge­ber ver­ur­teilt, den Ar­beit­neh­mer bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Kündi­gungs­rechts­streits wei­ter zu beschäfti­gen und zahlt in ei­nem sol­chen Fall den Ar­beits­lohn, oh­ne dass es zu ei­ner tatsächli­chen Wei­ter­beschäfti­gung kommt, so erfüllt er da­durch im Zwei­fel sei­ne bei Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung be­ste­hen­de Ver­pflich­tung aus § 615 Satz 1 BGB. Ei­ne ab­wei­chen­de Ver­ein­ba­rung kraft de­rer der Ar­beit­neh­mer nach wirk­sa­mer Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses den ge­zahl­ten Ar­beits­lohn be­hal­ten darf, hat der Ar­beit­neh­mer dar­zu­le­gen und zu be­wei­sen (BAG, Ur­teil vom 17.01.1991 8 AZR 483/89 -).

2. Die für den Weg­fall der Be­rei­che­rung auf­ge­stell­ten Grundsätze des An­scheins­be­wei­ses sind nicht an­zu­wen­den, wenn Zah­lun­gen nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses er­fol­gen. Die­se sind nicht mit un­be­merkt blei­ben­den Über­zah­lun­gen des lau­fen­den Ar­beits­ent­gelts, das ty­pi­scher­wei­se so­fort für kon­sum­ti­ve Aus­ga­ben ver­braucht wird, gleich­zu­set­zen (BAG, Ur­teil vom 19.01.1999 9 AZR 405/97 m. w. N.).

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Bonn, Urteil vom 6.10.2010, 3 Ca 1539/09
   

11 Sa 908/10

3 Ca 1539/09

Ar­beits­ge­richt Bonn

Verkündet am 18. Ok­to­ber 2011

Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

 

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT KÖLN

 

IM NA­MEN DES VOL­KES

 

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

 

- Be­klag­ter und Be­ru­fungskläger -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:

g e g e n

- Kläge­rin und Be­ru­fungs­be­klag­te -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:

hat die 11. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 18.10.2011 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt W als Vor­sit­zen­den so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter K und H

für R e c h t er­kannt:

Die Be­ru­fung des Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bonn vom 06.10.2010 – 3 Ca 1539/09 – wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.

Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

T a t b e s t a n d

Die Par­tei­en strei­ten um die Rück­zah­lung von Vergütung.


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Nach­dem das Ar­beits­ge­richt in ei­nem Kündi­gungs­schutz­pro­zess zwi­schen den Par­tei­en zu­guns­ten des Be­klag­ten die Un­wirk­sam­keit ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung fest­ge­stellt und die Kläge­rin zur Wei­ter­beschäfti­gung ver­ur­teilt hat­te, er­folg­te zwar ei­ne tatsächli­che Wei­ter­beschäfti­gung des Be­klag­ten nicht, je­doch ver­an­lass­te die Kläge­rin die Fort­zah­lung der Vergütung bis zur Verkündung der lan­des­ar­beits­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung vom 27.10.2008, mit der das Ur­teil des Ar­beits­ge­richt ab­geändert und die Kla­ge ab­ge­wie­sen wur­de.

Das Ar­beits­ge­richt hat mit Ur­teil vom 06.05.2010 (Bl 136 ff. d. A.) den Be­klag­ten ver­ur­teilt, die Vergütung für den Zeit­raum 10.08.2007 bis zum 27.10.2008 zurück­zu­zah­len, da sie oh­ne Rechts­grund er­folgt sei. Der Ein­wand der Ent­rei­che­rung sei un­be­gründet, da nicht fest­ge­stellt wer­den könne, dass die aus­ge­zahl­te Vergütung rest­los für den lau­fen­den Le­bens­un­ter­halt ver­wen­det wor­den sei. Der Rück­zah­lungs­an­spruch sei auch nicht ver­fal­len, da er frühes­tens mit der Ent­schei­dung des Lan­de­ar­beits­ge­richts Köln im Kündi­gungs­schutz­pro­zess fällig ge­we­sen sei. Das Rück­zah­lungs­be­geh­ren sei auch nicht treu­wid­rig, denn trotz feh­len­den Vor­be­halts ha­be dem Be­klag­ten klar sein müssen, dass die Zah­lun­gen vom Aus­gang des Kündi­gungs­rechts­streits abhängig ge­we­sen sei­en. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des strei­ti­gen und un­strei­ti­gen Vor­brin­gens und der An­trag­stel­lung ers­ter In­stanz wird auf den Tat­be­stand der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung Be­zug ge­nom­men.

Ge­gen das ihm am 16.06.2010 zu­ge­stell­te Ur­teil hat der Be­klag­te am 15.07.2010 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se in­ner­halb der verlänger­ten Be­ru­fungs­be­gründungs­frist am 14.09.2010 be­gründet.

Mit sei­ner Be­ru­fung wen­det sich der Be­klag­te ge­gen die An­nah­me des Ar­beits­ge­richts, die Kläge­rin ha­be die Vergütung le­dig­lich auf­grund der An­nah­me ge­leis­tet, sie be­fin­de sich im An­nah­me­ver­zug. Wie im Schrei­ben vom 23.04.2008 do­ku­men­tiert ha­be die Kläge­rin das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts für un­zu­tref­fend er­ach­tet und die Ab­sicht kund­ge­tan, Be­ru­fung ein­zu­le­gen. Der Kläger sei auch zur Wei­ter­beschäfti­gung auf ei­nem Ar­beits­platz in der Werk­statt be­reit ge­we­sen, un­ge­ach­tet der Wirk­sam­keit der Ver­set­zung. Das


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Ar­beits­ge­richt ha­be auch ver­kannt, dass der Be­klag­te ab dem 16.11.2005 wie­der ar­beitsfähig ge­we­sen sei und nach er­folg­ter Teil­nah­me an ei­ner Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­maßnah­me in der Zeit vom 26.01.2006 bis 06.06.2006 tatsächlich in der Werk­statt ge­ar­bei­tet ha­be. Erst mit der Ent­schei­dung über die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ha­be fest­ge­stan­den, dass die Kläge­rin sich nicht mehr in An­nah­me­ver­zug be­fun­den ha­be. Bis da­hin ha­be die Pflicht zur Wei­ter­beschäfti­gung be­stan­den, die von der Kläge­rin nicht rea­li­siert wor­den sei. Der Be­klag­te rech­ne da­her mit ei­nem Scha­den­er­satz­an­spruch we­gen der Ver­let­zung der Beschäfti­gungs­pflicht auf. Je­den­falls ha­be die Kläge­rin die Vergütung für den vor­be­halt­lich gewähr­ten Ur­laub in der Zeit vom 21.02.2008 bis 11.04.2008 zu zah­len. Die aus­ge­zahl­te Vergütung könne die Kläge­rin auch des­halb nicht zurück ver­lan­gen, weil der Be­klag­te sie für den lau­fen­den Un­ter­halt für sich und sei­ne Fa­mi­lie ver­wen­det ha­be. Der Be­klag­te be­ruft sich wei­ter­hin auf den Ver­fall des Rück­zah­lungs­an­spruchs und auf ei­nen Ver­s­toß ge­gen den Grund­satz von Treu und Glau­ben man­gels Vor­be­halts der Zah­lun­gen.

Der Be­klag­te be­an­tragt,

un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Bonn vom 16.05.2010 - Az.: 3 Ca 1539/09 - nach dem Schluss­an­trag des Be­klag­ten in ers­ter In­stanz zu ent­schei­den.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Sie ver­tei­digt die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung des erst­in­stanz­li­chen Vor­trags. Die Ge­halts­zah­lun­gen sei­en auf­grund wirk­sa­mer Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses oh­ne Rechts­grund er­folgt. Man­gels Beschäfti­gungs­pflicht be­ste­he auch kein Scha­den­er­satz­an­spruch we­gen tatsächlich un­ter­blie­be­ner Beschäfti­gung. Die Ur­laubs­gewährung sei un­ter Vor­be­halt der rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung über


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die Wirk­sam­keit der Kündi­gung ge­stellt ge­we­sen. Die ta­rif­ver­trag­li­che Aus­schluss­frist sei ge­wahrt, da sie erst mit der Verkündung des Ur­teils des Lan­des­ar­beits­ge­richts im Vor­pro­zess zu lau­fen be­gon­nen ha­be. Ei­ne Ent­rei­che­rung ha­be der Be­klag­te we­der hin­rei­chend dar­ge­tan noch um­fas­send nach­ge­wie­sen.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird ergänzend auf die im Be­ru­fungs­ver­fah­ren ge­wech­sel­ten Schriftsätze der Par­tei­en vom 09.09.2010 und 22.11.2010 Be­zug ge­nom­men.

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

I. Die Be­ru­fung des Be­klag­ten ist zulässig, denn sie ist statt­haft gemäß § 64 Abs. 2 a) ArbGG und wur­de in­ner­halb der Fris­ten des § 66 Abs. 1 ArbGG ein­ge­legt und be­gründet.

II. Die Be­ru­fung ist er­folg­los, denn das Ar­beits­ge­richt hat im Er­geb­nis zu­tref­fend er­kannt, dass der Be­klag­te zur Rück­zah­lung der Vergütung für den Zeit­raum 10.08.2007 bis 27.10.2008 ver­pflich­tet ist, § 812 Abs. 1 Satz 1 BGB. Die er­ken­nen­de Kam­mer folgt den in je­der Hin­sicht über­zeu­gen­den Ausführun­gen der Be­ru­fungs­er­wi­de­rung.

1. Wird der Ar­beit­ge­ber ver­ur­teilt, den Ar­beit­neh­mer bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Kündi­gungs­rechts­streits wei­ter zu beschäfti­gen und zahlt in ei­nem sol­chen Fall den Ar­beits­lohn, oh­ne dass es zu ei­ner tatsächli­chen Wei­ter­beschäfti­gung kommt, so erfüllt er da­durch im Zwei­fel sei­ne bei Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung be­ste­hen­de Ver­pflich­tung aus § 615 Satz 1 BGB. Ei­ne ab­wei­chen­de Ver­ein­ba­rung kraft de­rer nach wirk­sa­mer Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses den ge­zahl­ten Ar­beits­lohn hat der Ar­beit­neh­mer dar­zu­le­gen und zu be­wei­sen (BAG, Ur­teil vom 17.01.1991 - 8 AZR 483/89 -).

Ei­ne sol­che ab­wei­chen­de Ab­re­de zwi­schen den Par­tei­en hat der Be­klag­te nicht an­satz­wei­se dar­ge­tan. Sie lässt sich ins­be­son­de­re nicht aus dem Um­stand her­lei­ten, dass die Kläge­rin mit Schrei­ben vom 23.04.2008 das


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LBV NRW ge­be­ten hat, die Zah­lung der Vergütung wie­der auf­zu­neh­men. Hier­mit hat die Kläge­rin auf der Ba­sis des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils le­dig­lich ei­ner ver­meint­li­chen Ver­pflich­tung aus § 615 Satz 1 BGB Rech­nung tra­gen wol­len. Die Zah­lung und die An­nah­me der Vergütung be­gründet noch kei­ne Ab­re­de ei­nes selbständi­gen Rechts­grun­des, wo­nach das Ge­halt un­abhängig vom Aus­gang des Kündi­gungs­schutz­pro­zess ge­schul­det sein soll. Auch die in dem ge­nann­ten Schrei­ben mit­ge­teil­te Ab­sicht, Be­ru­fung ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts ein­zu­le­gen, sagt nichts darüber aus, dass die Kläge­rin dem Be­klag­ten Ar­beits­lohn trotz Nicht­beschäfti­gung endgültig zu­wen­den will. Da­her ist es auch nicht treu­wid­rig (§ 242 BGB), wenn die Kläge­rin nun­mehr die Rück­zah­lung der nicht ge­schul­de­ten Vergütung be­gehrt. Man­gels ab­wei­chen­der Ver­ein­ba­rung konn­te bei dem Be­klag­ten kein schutzwürdi­ges Ver­trau­en ent­ste­hen, er könne das Ge­halt auch im Fal­le der Wirk­sam­keit der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung be­hal­ten.

2. So­weit der Be­klag­te mit ei­nem An­spruch auf Scha­den­er­satz aus den §§ 280 Abs. 1, 287 BGB we­gen un­ter­blie­be­ner Beschäfti­gung trotz erst­in­stanz­li­chem Wei­ter­beschäfti­gungs­ti­tel nach §§ 387 ff. BGB auf­rech­net, ist dies oh­ne Er­folg, denn die Kläge­rin hat kei­ne Pflicht­ver­let­zung be­gan­gen. Die Kläge­rin war auf­grund der Wirk­sam­keit der Kündi­gung nicht zur An­nah­me der Diens­te des Be­klag­ten ver­pflich­tet. Das erst­in­stanz­li­che Wei­ter­beschäfti­gungs­ur­teil be­gründet kein Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en. Das nicht in Rechts­kraft er­wach­se­ne Ur­teil des Ar­beits­ge­richts war nur vorläufig voll­streck­bar gemäß § 62 Abs. 1 Satz 1 ArbGG und oh­ne rechts­ge­stal­ten­de Wir­kung (BAG, Ur­teil vom 10.03.1987 - 8 AZR 146/84 -). Man­gels tatsäch­li­cher Beschäfti­gung entfällt auch ein An­spruch auf Wert­er­satz nach § 818 Abs. 2 BGB.

3. Wenn der Be­klag­te meint, je­den­falls für die Zeit des gewähr­ten Ur­laub vom 21.02.2008 bis 11.04.2008 be­ste­he ei­ne Vergütungs­pflicht der Kläge­rin, so ver­kennt er, dass die Kläge­rin den Ur­laub vor­be­halt­lich des Aus­gangs des Kündi­gungs­rechts­streits gewährt hat. Der Ar­beit­ge­ber kann den Ur­laub vor­sorg­lich für den Fall gewähren, dass ei­ne von ihm erklärte or­dent­li­che oder außer­or­dent­li­che Kündi­gung das Ar­beits­verhält­nis nicht auf­gelöst hat. Die

 

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vor­sorg­li­che Ur­laubs­gewährung liegt im an­ge­mes­se­nen Ei­gen­in­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers, um die Ku­mu­la­ti­on von An­nah­me­ver­zugs- und Ur­laubs­ab­gel­tungs­ansprüchen zu ver­mei­den (BAG, Ur­teil vom 14.08.2007 - 9 AZR 934/06 - m. w. N.). Zwar hat die Kläge­rin in dem Schrei­ben vom 19.02.2008 for­mu­liert, dass der Ur­laub gewährt wird "vor­be­halt­lich für den Fall, dass das Ar­beits­verhält­nis vom Ar­beits­ge­richt als nicht be­en­det erklärt wird". Die­se Erklärung ist je­doch nach § 133 BGB da­hin ge­hend aus­zu­le­gen, dass mit der For­mu­lie­rung "Ar­beits­ge­richt" für den Kläger oh­ne wei­te­res er­kenn­bar die Ar­beits­ge­richts­bar­keit ge­meint war. Zu­tref­fend ver­weist die Kläge­rin dar­auf hin, dass auch der Ge­setz­ge­ber, wie sich am Bei­spiel des § 103 Abs. 2 Be­trVG zeigt, den Be­griff Ar­beits­ge­richt im Sin­ne von Ar­beits­ge­richts­bar­keit ver­wen­det. Darüber hin­aus hat ein an­de­res Aus­le­gungs­er­geb­nis auch kei­nen plau­si­blen Sinn, wenn man die wohl­ver­stan­de­nen In­ter­es­sen der Par­tei­en berück­sich­tigt. Es gibt kei­nen nach­voll­zieh­ba­ren Grund dafür, war­um die Kläge­rin die Ur­laubs­gewährung nur un­ter den Vor­be­halt der erst­in­stanz­li­chen, nicht aber der rechts­kräfti­gen zweit­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung ha­be un­ter­stel­len wol­len.

Im Übri­gen war auch kein An­spruch des Be­klag­ten ab­zu­gel­ten, denn auf­grund der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 10.08.2007 ent­stand kein Ur­laubs­an­spruch für das Jahr 2008 und über den Ab­gel­tungs­an­spruch der Jah­re 2006 und 2007 hat das Ar­beits­ge­richt Bonn (1 Ca 2250/07) be­reits rechts­kräftig er­kannt.

4. Der Rück­zah­lungs­an­spruch ist auch nicht ver­fal­len. Die für das Be­ste­hen von Ansprüchen auf Rück­gewähr not­wen­di­ge Be­ur­tei­lungs­grund­la­ge ent­steht erst mit der rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung des Kündi­gungs­schutz­streits. Aus die­sem Grund be­ginnt erst mit der Rechts­kraft des Ur­teils der Lauf der Aus­schluss­frist (vgl.: BAG, Ur­teil vom 19.01.1999 - 9 AZR 405/97 -). Die sechs­mo­na­ti­ge Ver­falls­frist des § 37 TV-L ist mit­hin durch das Schrei­ben der Kläge­rin vom 28.11.2008 ge­wahrt.

5. Sch­ließlich ist auch der vom Be­klag­ten an­geführ­te Ent­rei­che­rungs­ein­wand gemäß § 818 Abs. 3 BGB nicht er­folg­reich.


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Hat der Be­rei­che­rungs­schuld­ner den rechts­grund­los er­lang­ten Ge­gen­stand ver­braucht, be­steht die Be­rei­che­rung trotz­dem fort, wenn er sich ei­nen noch vor­han­de­nen Vermögens­vor­teil ver­schafft hat. Das ist re­gelmäßig an­zu­neh­men, wenn er durch die Ver­wen­dung des Er­lang­ten Aus­ga­ben er­spart hat, die er not­wen­dig auch sonst ge­habt hätte. Für vom Ar­beit­ge­ber nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses er­brach­te Leis­tun­gen gilt nichts an­de­res. Es genügt da­her nicht die An­ga­be des Be­rei­che­rungs­schuld­ners über die mit sei­ner Le­bensführung re­gelmäßig ver­bun­de­nen Auf­wen­dun­gen. Die­se Aus­ga­ben hätte er auch oh­ne die Leis­tun­gen des Be­rei­che­rungsgläubi­gers getätigt. Die für den Weg­fall der Be­rei­che­rung auf­ge­stell­ten Grundsätze des An­scheins­be­wei­ses sind nicht an­zu­wen­den, denn Zah­lun­gen nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses sind nicht mit un­be­merkt blei­ben­den Über­zah­lun­gen des lau­fen­den Ar­beits­ent­gelts, das ty­pi­scher­wei­se so­fort für kon­sum­ti­ve Aus­ga­ben ver­braucht wird, gleich­zu­set­zen (BAG; Ur­teil vom 19.01.1999 - 9 AZR 405/97 - m. w. N.).

Nach die­sen Rechts­grundsätzen hat der Be­klag­te ei­ne Ent­rei­che­rung nicht hin­rei­chend dar­ge­tan. Er lis­tet zum ei­nen in sei­ner Be­ru­fungs­schrift sei­ne all­ge­mei­nen Le­bens­hal­tungs­kos­ten auf, die von den Zah­lun­gen der Kläge­rin un­abhängig an­fal­len. Er hätte sich die für die Le­bensführung er­for­der­li­chen Gel­der an­der­wei­tig be­schafft, wenn die Kläge­rin kei­ne Ge­halts­zah­lun­gen vor­ge­nom­men hätte. Zum an­de­ren ist er im Hin­blick auf die mo­nat­li­chen Til­gungs­ra­ten der Hy­po­thek wei­ter­hin be­rei­chert, weil er sich in­so­weit von ei­ner Ver­bind­lich­keit be­freit hat. Ergänzend ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der Be­klag­te die Le­bens­hal­tungs­kos­ten für "Klei­dung, Le­bens­mit­tel usw." von 1.050,-- € we­der hin­rei­chend dar­ge­legt noch nach­ge­wie­sen hat. Auch die mo­nat­li­che Un­terstützung der Ehe­frau von 250,-- € lässt nicht er­ken­nen, wofür die­ser Geld­be­trag be­zweckt war. Darüber hin­aus sind die­se Zah­lun­gen auch nicht be­legt.

III. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.

IV. Die Re­vi­si­on wur­de nicht zu­ge­las­sen, da die Zu­las­sungs­vor­aus­set­zun­gen des § 72 Abs. 2 ArbGG nicht ge­ge­ben sind. Die


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Ent­schei­dung be­ruht auf den Umständen des Ein­zel­falls, die ent­schei­dungs­re­le­van­ten Rechts­fra­gen sind höchst­rich­ter­lich geklärt.

RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG

Ge­gen die­ses Ur­teil ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben.

We­gen der Möglich­keit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de wird auf § 72a ArbGG ver­wie­sen.

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