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Mehr auf dem Ge­halts­zet­tel: Ta­rif­ver­diens­te ge­stie­gen

Mehr im Geld­beu­tel dank nied­ri­ger In­fla­ti­on: Die Ta­rif­ge­häl­ter sind stär­ker ge­stie­gen als die Ver­brau­cher­prei­se. Die Aus­sich­ten sind gut, dass auch von den ak­tu­el­len Lohn­ab­schlüs­sen mehr bleibt

30.05.2015. (dpa) - Vie­le Be­schäf­tig­te in Deutsch­land kön­nen sich über ein deut­li­ches Plus auf dem Ge­halts­zet­tel freu­en.

Im ers­ten Quar­tal stie­gen die Ta­rif­ge­häl­ter durch­schnitt­lich um 2,7 Pro­zent ge­gen­über dem Vor­jahr.

Da die Ver­brau­cher­prei­se na­he­zu un­ver­än­dert wa­ren, dürf­te auch un­ter dem Strich mehr blei­ben.

Zwar gibt es noch kei­ne Da­ten, wie sich die Löh­ne und Ge­häl­ter ab­züg­lich Steu­ern und So­zi­al­ab­ga­ben zu Jah­res­an­fang ent­wi­ckelt ha­ben.

"Aber man wird da­von aus­ge­hen kön­nen, dass bei den ver­füg­ba­ren Ein­kom­men ein rea­les Plus bleibt", sagt Rein­hard Bispinck, Lei­ter des WSI-Ta­rif­ar­chivs der ge­werk­schafts­na­hen Hans-Böck­ler-Stif­tung.

Auch in den kom­men­den Mo­na­ten dürf­ten Be­schäf­tig­te von Lohn­ab­schlüs­sen pro­fi­tie­ren, die über der In­fla­ti­ons­ra­te lie­gen. So er­hal­ten die mehr als 3,7 Mil­lio­nen Mit­ar­bei­ter in der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie seit April 3,4 Pro­zent mehr Geld. In der che­mi­schen In­dus­trie gibt es 2,8 Pro­zent mehr und im St­ein­koh­len­berg­bau 3,6 Pro­zent. In knapp zwei Drit­teln der grö­ße­ren Bran­chen und Ta­rif­be­rei­che, in de­nen in die­sem Jahr ver­han­delt wird, gibt es in­zwi­schen Ab­schlüs­se, wie aus ei­ner Über­sicht des WSI-Ta­rif­ar­chivs her­vor­geht. Die Mehr­zahl sieht dem­nach für 2015 Er­hö­hun­gen um 3 Pro­zent vor.

Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tu­te ge­hen da­von aus, dass die In­fla­ti­on in Deutsch­land im Lau­fe des Jah­res leicht an­steigt, im Schnitt aber un­ter ei­nem Pro­zent bleibt. Im April lag die jähr­li­che Preis­stei­ge­rungs­ra­te bei 0,5 Pro­zent, im März wa­ren es nur 0,3 Pro­zent.

Al­ler­dings pro­fi­tie­ren nicht al­le Be­schäf­tig­ten in Deutsch­land von den Ab­schlüs­sen zwi­schen Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­ge­bern. Bispinck zu­fol­ge sind 58 Pro­zent der Be­schäf­tig­ten ta­rif­ge­bun­den. Zwar ori­en­tier­ten sich vie­le Be­trie­be an den Ver­ein­ba­run­gen. "Wie stark, hängt al­ler­dings vor al­lem da­von ab, wie stark ta­rif­ge­bun­den die Bran­che ist."

Hin­zu kommt: Die Un­ter­schie­de zwi­schen ein­zel­nen Wirt­schafts­zwei­gen sind enorm. So stie­gen die Ta­rif­ge­häl­ter bei­spiels­wei­se in der Luft­fahrt im ers­ten Quar­tal le­dig­lich um 0,4 Pro­zent. Im Gast­ge­wer­be gab es hin­ge­gen ein über­durch­schnitt­li­ches Plus von 3,4 Pro­zent. Da­bei wirkt sich nach An­ga­ben des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes vor al­lem in den un­te­ren Ver­dienst­grup­pen die Ein­füh­rung des Min­dest­lohns von 8,50 Eu­ro zu Jah­res­an­fang aus. "Wir ge­hen da­von aus, dass die Ein­füh­rung des Min­dest­lohns die pri­va­te Nach­fra­ge stützt und da­mit auch die Kon­junk­tur", sagt Bispinck.

Die Kauf­lau­ne der Ver­brau­cher ist dank des Booms auf dem Ar­beits­markt und ge­rin­ger In­fla­ti­on der­zeit so gut wie schon lan­ge nicht mehr. Laut der mo­nat­li­chen Be­fra­gung der GfK-Kon­sum­for­scher pla­nen ak­tu­ell noch mehr Bun­des­bür­ger als im April grö­ße­re An­schaf­fun­gen. Wachs­tums­trei­ber dürf­ten al­so auch in die­sem Jahr die pri­va­ten Ver­brau­cher sein, die ih­re Geld an­ge­sichts der Mi­ni-Zin­sen lie­ber aus­ge­ben, statt es aufs Spar­buch zu le­gen. Schon 2014 hat­te vor al­lem die Kon­sum­lust der Bun­des­bür­ger die deut­sche Kon­junk­tur an­ge­trie­ben.

Öko­no­men war­nen al­ler­dings vor stei­gen­den Ar­beits­kos­ten, die lang­fris­tig die Wett­be­werbs­fä­hig­keit deut­scher Un­ter­neh­men auf dem Welt­markt min­dern könn­ten. Laut ei­ner Stu­die der DZ Bank leg­ten die Ar­beits­kos­ten in der Pri­vat­wirt­schaft - Brut­to­ver­diens­te ein­schließ­lich Lohn­ne­ben­kos­ten wie So­zi­al­bei­trä­ge der Ar­beit­ge­ber - in Deutsch­land seit 2010 um durch­schnitt­lich 2,1 Pro­zent im Jahr zu. Ähn­lich sah es in Frank­reich und Ita­li­en aus.

Un­ter­durch­schnitt­lich war hin­ge­gen die Ent­wick­lung in Län­dern, die be­son­ders stark un­ter der Eu­ro-Schul­den­kri­se lit­ten wie Por­tu­gal, Spa­ni­en und Ir­land. "Da­durch kön­nen die­se Län­der we­nigs­tens ei­nen Teil des Rück­stands in der Wett­be­werbs­fä­hig­keit wie­der auf­ho­len", heißt es in der Stu­die. Das hel­fe die Un­gleich­ge­wich­te im Eu­ro­raum ab­zu­bau­en.

Al­ler­dings kon­kur­rie­ren die deut­schen Fir­men auch mit ame­ri­ka­ni­schen, chi­ne­si­schen und oder ja­pa­ni­schen Un­ter­neh­men. "Auch für die­sen Wett­be­werb müs­sen sie sich fit hal­ten", mah­nen die Ex­per­ten. Der Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Deut­schen In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer­ta­ges (DIHK), Mar­tin Wans­le­ben, warnt: Weil die Ar­beits­kos­ten stie­gen, wür­den wie­der mehr Fir­men im Aus­land in­ves­tie­ren: "Der hei­mi­sche Stand­ort ver­liert an At­trak­ti­vi­tät."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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