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Ge­ne­ra­ti­on Vo­lon­ta­ri­at - um­ge­hen Mu­se­en rei­hen­wei­se den Min­dest­lohn?

Es sind oft präch­ti­ge Häu­ser - und sie war­ten nicht nur mit tol­len Samm­lun­gen, son­dern auch mit span­nen­den Auf­ga­ben für Mit­ar­bei­ter auf: Doch nun ge­ra­ten Mu­se­en we­gen de­ren Be­zah­lung ins Zwie­licht

09.02.2015. (dpa) - In­ter­es­sant hört es sich al­le­mal an, was deut­sche Mu­se­en der­zeit an Auf­ga­ben für ih­ren Nach­wuchs bie­ten.

Aber ist es recht­lich auch wirk­lich im­mer ein­wand­frei?

An­geb­lich nut­zen man­che Häu­ser jun­ge Leu­te aus - und könn­ten we­gen des seit Jah­res­be­ginn gel­ten­den Min­dest­lohns da­mit nun auch in recht­li­che Schwie­rig­kei­ten kom­men.

Ak­tu­el­le Stel­len­aus­schrei­bun­gen le­gen den Ver­dacht na­he, dass es Mu­se­en mit der Aus­bil­dung nicht so ge­nau neh­men. Ein Tra­di­ti­ons­mu­se­um in Trä­ger­schaft ei­nes Lan­des sucht gleich drei Vo­lon­tä­re. Sie sol­len ne­ben der re­stau­ra­to­ri­schen Mit­be­treu­ung der Samm­lung auch an der Neu­ein­rich­tung des Hau­ses mit­wir­ken - und da­bei zu ei­nem gro­ßen An­teil Trans­por­te be­treu­en. Ein an­de­res Haus sucht ei­nen wis­sen­schaft­li­chen Vo­lon­tär aus­drück­lich für "Ar­beits­auf­ga­ben" wie der Mit­ar­beit und Um­set­zung von mu­se­ums­päd­ago­gi­schen Pro­gram­men zu Kunst-, Lan­des- und Erd­ge­schich­te.

Be­zahlt wer­den soll laut den Aus­schrei­bun­gen in An­leh­nung an die Be­zü­ge von An­wär­tern im öf­fent­li­chen Dienst. Der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) hat er­rech­net, dass des­halb un­term Strich in die­sen Fäl­len St­un­den­löh­ne von 6,17 und 7,37 Eu­ro her­aus­kom­men. "Laut ak­tu­el­len Stel­len­an­zei­gen wird of­fen­bar ver­sucht, un­ter dem Deck­man­tel "Aus­bil­dung" Lohn­dum­ping zu be­trei­ben", sagt der Lei­ter der DGB-Ab­tei­lung Be­am­te und Öf­fent­li­cher Dienst, Kars­ten Schnei­der. "Die in die­sen Ge­su­chen be­schrie­be­nen Tä­tig­kei­ten deu­ten auf re­gu­lä­re Ar­beit hin und nicht auf ei­ne Aus­bil­dung im ei­gent­li­chen Sinn."

In ei­nem an­de­ren Fall wird ne­ben ei­nem ab­ge­schlos­se­nen Stu­di­um ei­ne Zu­satz­aus­bil­dung oder prak­ti­sche Er­fah­rung ge­wünscht. Wie­der ein an­de­res Haus - "ein mo­der­nes Stadt- und Re­gio­nal­mu­se­um" - macht gleich gar kei­ne An­ga­ben, was die Be­wer­ber er­war­tet.

Klar ist: Der Min­dest­lohn von 8,50 Eu­ro gilt nicht für Aus­zu­bil­den­de. Doch wenn der Aus­bil­dungs­zweck nicht die Ar­beits­leis­tung über­wiegt und es kei­nen ge­ord­ne­ten Aus­bil­dungs­ab­lauf gibt, sind die Zwei­fel groß, ob man noch von Aus­bil­dung spre­chen kann. Der DGB-Mann meint: "Wer voll­wer­ti­ge aka­de­mi­sche Ar­beit leis­tet, muss im öf­fent­li­chen Dienst nach Ent­gelt­grup­pe 13 des je­wei­li­gen Ta­rif­ver­tra­ges be­zahlt wer­den." Das Ge­halt sei dann min­des­tens dop­pelt so hoch wie bei den Vo­lon­tä­ren. Re­gu­lä­re Mu­se­ums­auf­ga­ben dürf­ten nicht auf Vo­lon­tä­re ab­ge­wälzt wer­den.

Nun ist die La­ge der Vo­lon­tä­re in den Mu­se­en schon län­ger in der Dis­kus­si­on. Denn die Stel­lung der der­zeit ge­schätzt bis zu 700 Be­trof­fe­nen ist nicht klar ge­re­gelt. "Es gibt kei­ne ge­setz­lich oder ta­rif­ver­trag­lich aus­ge­stal­te­ten Nor­men, die das Vo­lon­ta­ri­at ab­schlie­ßend und für al­le Be­tei­lig­ten ver­ständ­lich be­stim­men", heißt es in ei­nem Fach­auf­satz.

Der Prä­si­dent des Deut­schen Mu­se­ums­bun­des und Di­rek­tor des Ba­di­schen Lan­des­mu­se­ums in Karl­ru­he, Eck­art Köh­ne, wer­tet die Vo­lon­tä­re als wis­sen­schaft­lich qua­li­fi­zier­te Kräf­te - das Vo­lon­ta­ri­at stel­le ei­ne wei­te­re Qua­li­fi­zie­rung dar. "Der Deut­sche Mu­se­ums­bund setzt sich be­reits seit vie­len Jah­ren für ei­ne an­ge­mes­se­ne Be­zah­lung von Vo­lon­tä­ren ein", be­tont Köh­ne. Die in ei­nem ei­ge­nen Leit­fa­den ge­for­der­te Ein­grup­pie­rung in den Ta­rif­ver­trag für den öf­fent­li­chen Dienst lie­ge über dem Min­dest­lohn.

"Gleich­wohl wis­sen wir, dass es nicht al­len Mu­se­en mög­lich ist, die­ser Emp­feh­lung zu fol­gen", räumt Köh­ne ein. Der Hin­ter­grund: Län­der und Kom­mu­nen spa­ren - und in Zei­ten der Schul­den­brem­se noch mehr. Im­mer­hin wer­den laut ei­ner Um­fra­ge un­ter den Be­trof­fe­nen aber mehr als die Hälf­te ge­mäß der For­de­rung in dem Leit­fa­den be­zahlt. "Das ist na­tür­lich kein zu­frie­den­stel­len­des Er­geb­nis, aber ein An­fang", meint Köh­ne. "Das Min­dest­l­ohn­ge­setz wird hier si­cher ei­ne Ver­än­de­rung brin­gen."

Das Bun­des­so­zi­al­mi­nis­te­ri­um je­den­falls zeigt sich hart. "Min­dest­lohn­ver­stö­ße", wird dort all­ge­mein be­tont, "kön­nen mit ei­ner Geld­bu­ße bis zu 500 000 Eu­ro sank­tio­niert wer­den."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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