Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Ge­schäfts­füh­rer-Kün­di­gungs­schutz­kla­ge vor dem Ar­beits­ge­richt?

Ge­richt baut Kla­ge­mög­lich­keit von Ge­schäfts­füh­rern vor den Ar­beits­ge­rich­ten wei­ter aus: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Be­schluss vom 08.12.2011, 11 Ta 230/11

20.01.2012. Wird man als GmbH-Ge­schäfts­füh­rer ab­be­ru­fen und/oder kün­digt die Ge­sell­schaft den Ge­schäfts­füh­rer­ver­trag, ist dem Ge­schäfts­füh­rer der Zu­gang zu ei­nem kos­ten­güns­ti­gen Ar­beits­ge­richts­pro­zess im All­ge­mei­nen ver­baut. Das liegt an § 5 Abs.1 Satz 2 Ar­beits­ge­richts­ge­setz (ArbGG). Da­nach „gel­ten“ Ge­schäfts­füh­rer nicht als Ar­beit­neh­mer im Sin­ne des ArbGG. Das ist so­gar dann zu be­ach­ten, wenn ein Ge­schäfts­füh­rer auf Grund­la­ge ei­nes Ar­beits­ver­trags sei­ne Ge­schäfts­füh­rer­tä­tig­keit aus­übt.

An­ders ist es aber dann, wenn ne­ben dem Ge­schäfts­füh­rer­ver­trag ein - vor­über­ge­hend ru­hen­der - Ar­beits­ver­trag be­steht, der mit der Ab­be­ru­fung als Ge­schäfts­füh­rer wie­der auf­lebt. Ein sol­cher Ar­beits­ver­trag be­rech­tigt den Ex-Ge­schäfts­füh­rer zum Ar­beits­ge­richts­ver­fah­ren. Die­ses Ne­ben­ein­an­der von Ver­trä­gen kommt manch­mal vor, wenn ein An­ge­stell­ter zum Ge­schäfts­füh­rer be­för­dert wird. Zwar hebt ein schrift­li­cher Ge­schäfts­füh­rer­ver­trag nach An­sicht des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) den al­ten Ar­beits­ver­trag auf (auch wenn im Ge­schäfts­füh­rer­ver­trag die Auf­he­bung des al­ten Ar­beits­ver­trags nicht er­wähnt wird), doch gibt es hin und wie­der ei­ne Be­för­de­rung zum Ge­schäfts­füh­rer per Hand­schlag, d.h. oh­ne schrift­li­chen Ge­schäfts­füh­rer­ver­trag. Und münd­lich kann ein Ar­beits­ver­trag nicht auf­ge­bo­ben wer­den (§ 623 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch - BGB).

Für der­ar­ti­ge Fäl­le hat das BAG im letz­ten Jahr mehr­fach ent­schie­den, dass der Ex-Ge­schäfts­füh­rer vor das Ar­beits­ge­richt zie­hen kann (BAG, Be­schluss vom 15.03.2011, 10 AZB 32/10, und BAG, Be­schluss vom 23.08.2011, 10 AZB 51/10). Da­mit hat das BAG die frü­her fest ver­schlos­se­nen Tü­ren zur Ar­beits­ge­richts­bar­keit ei­nen Spalt­breit ge­öff­net. Ge­schäfts­füh­rer ha­ben da­her der­zeit zu­neh­mend bes­se­re Chan­cen für ei­nen Gang zum Ar­beits­ge­richt. Das be­stä­tigt das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Rhein­land-Pfalz in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung (LAG Rhein­land-Pfalz, Be­schluss vom 08.12.2011, 11 Ta 230/11).

In dem Fall hat­te ei­ne lei­ten­de An­ge­stell­te im März 2010 ei­nen Ver­trag ab­ge­schlos­sen, der als "Ge­schäfts­füh­rer­ver­trag" be­zeich­net wur­de, aber zu­nächst die Tä­tig­keit als lei­ten­de An­ge­stell­te vor­sah. Die­se Tä­tig­keit soll­te "vor­saus­sicht­lich" nur vor­über­ge­hend, näm­lich bis En­de Ju­ni 2010 aus­ge­übt wer­den, denn vor­aus­sicht­lich zum 01.07.2010 sah der Ver­trag die Be­ru­fung zur Ge­schäfts­füh­re­rin vor. Wie ge­plant wur­de die An­ge­stell­te auch zum 01.07.2010 zur Ge­schäfts­füh­re­rin be­ru­fen. Am 31.03.2011 er­hielt sie ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung so­wie ei­ne hilfs­wei­se or­dent­li­che Kün­di­gung zum 30.09.2011.

Da­ge­gen er­hob sie Kün­di­gungs­schutz­kla­ge, um so­wohl ihr Ge­schäfts­füh­rer­ver­trags­ver­hält­nis als auch ihr An­ge­stell­ten­ver­hält­nis zu ret­ten, so­wie Kla­ge auf Wei­ter­be­schäf­ti­gung als Ge­schäfts­füh­re­rin so­wie hilfs­wei­se als lei­ten­de An­ge­stell­te und Kla­ge auf Zah­lung lau­fen­der Ge­häl­ter, und zwar vor dem Ar­beits­ge­richt Mainz. Das er­klär­te sich mit Be­schluss vom 21.07.2011 (5 Ca 347/11) für teil­wei­se un­zu­stän­dig, näm­lich so­weit es um den Streit um die Kün­di­gung des Ge­schäfts­füh­rer­ver­trags­ver­hält­nis­ses und um Wei­ter­be­schäf­ti­gung als Ge­schäfts­füh­re­rin ging. Ge­gen die­se Teil­ver­wei­sung zum Land­ge­richt wehr­te sich die Klä­ge­rin durch ei­ne Be­schwer­de, die das LAG zu­guns­ten der Klä­ge­rin ent­schied. So­mit war nach An­sicht des LAG für al­le Strei­tig­kei­ten das Ar­beits­ge­richt zu­stän­dig.

Zur Be­grün­dung stützt sich das LAG im we­sent­li­chen auf drei Über­le­gun­gen:

Ers­tens be­stan­den sei­ner Mei­nung nach zwei Ver­trags­ver­hält­nis­se, näm­lich ein Ar­beits- und ein Ge­schäfts­füh­rer­dienst­ver­hält­nis (ob­wohl die Par­tei­en nur ei­nen ein­heit­li­chen schrift­li­chen Ver­trag un­ter­zeich­net hat­ten).

Zwei­tens war das Ar­beits­ver­hält­nis nie wirk­sam be­en­det wor­den, denn es war zwar auf­lö­send be­dingt oder zweck­be­fris­tet bis zur Ge­schäfts­füh­rer­be­stel­lung, doch gab im Zu­sam­men­hang mit der dann er­folg­ten Ge­schäfts­füh­rer­be­stel­lung kei­ne Be­en­di­gungs­mit­tei­lung sei­tens der Ge­sell­schaft im Sin­ne von § 15 Abs.2 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG). Da­nach en­det ein zweck­be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag "frü­hes­tens je­doch zwei Wo­chen nach Zu­gang der schrift­li­chen Un­ter­rich­tung des Ar­beit­neh­mers durch den Ar­beit­ge­ber über den Zeit­punkt der Zweck­er­rei­chung".

Drit­tens schließ­lich meint das LAG, dass das Ar­beits­ge­richt auch für den Streit über die Be­en­di­gung des Ge­schäfts­füh­rer­dienst­ver­hält­nis­ses und über die wei­te­re Be­schäf­ti­gung als Ge­schäfts­füh­re­rin zu­stän­dig sei, denn hier kommt sei­ner An­sicht nach § 2 Abs.3 ArbGG zur An­wen­dung. Da­nach kön­nen auch Strei­tig­kei­ten vor das Ar­beits­ge­richt ge­bracht wer­den, die dort ei­gent­lich nicht hin­ge­hö­ren, aber mit ei­ner vor dem Ar­beits­ge­richt an­hän­gi­gen Kla­ge in recht­li­chem oder un­mit­tel­bar wirt­schaft­li­chem Zu­sam­men­hang ste­hen.

Fa­zit: Ob die­se Ent­schei­dung rich­tig ist, kann man be­zwei­feln. Das LAG hat die Rechts­be­schwer­de zum BAG zu­ge­las­sen, das die Ent­schei­dung des LAG da­her mög­li­cher­wei­se auf­he­ben wird. In je­dem Fall zeigt sich, dass die ak­tu­el­le Recht­spre­chung der Ar­beits­ge­rich­te Ge­schäfts­füh­rer­kla­gen "sehr auf­ge­schlos­sen" ge­gen­über­steht. Auf­grund des ge­rin­ge­ren Kos­ten­ri­si­kos bei Kla­gen vor dem Ar­beits­ge­richt soll­ten ge­kün­dig­te Ge­schäfts­füh­rer da­her im­mer erst vor dem Ar­beits­ge­richt kla­gen. Wird der Pro­zess dann an das Land­ge­richt ver­wie­sen, hat man nur Zeit ver­lo­ren, aber die ar­bei­tet bei ei­ner Kün­di­gungs­schutz­kla­ge oh­ne­hin eher für den Klä­ger.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 26. März 2014

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880