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Um­strit­te­nes Ge­setz zur Ta­rif­ein­heit pas­siert den Bun­des­tag

Streit bis zu­letzt - doch dann ist das Er­geb­nis ziem­lich ein­deu­tig: Die Ta­rif­ein­heit ist be­schlos­sen. Auch Wi­der­stand in der Uni­on än­dert dar­an nichts. Nun dürf­te Karls­ru­he das letz­te Wort ha­ben

23.05.2015. (dpa) - Das um­strit­te­ne Ge­setz zur Ta­rif­ein­heit hat im Bun­des­tag die letz­te Hür­de ge­nom­men.

Uni­on und SPD stimm­ten am Frei­tag mit gro­ßer Mehr­heit und ge­gen den Wi­der­stand der Op­po­si­ti­on da­für.

Da­bei gab es aber auch 16 Ge­gen­stim­men aus der CDU/CSU und ei­ne aus der SPD.

Das Ge­setz dürf­te im Ju­li in Kraft tre­ten.

Mit dem Ge­setz soll die Macht klei­ner Spar­ten­ge­werk­schaf­ten ein­ge­dämmt wer­den. Wenn zwei Ge­werk­schaf­ten in ei­nem Be­trieb die­sel­ben Ar­beit­neh­mer­grup­pen ver­tre­ten, gilt künf­tig nur der Ta­rif­ver­trag der Ge­werk­schaft mit den meis­ten Mit­glie­dern in dem Be­trieb. Vor dem Hin­ter­grund des Ta­rif­kon­flikts bei der Bahn hat­ten Geg­ner das Ge­setz als "Lex GDL" kri­ti­siert, al­so als Pro­jekt, das vor al­lem ge­gen die klei­ne Lok­füh­rer­ge­werk­schaft GDL ge­rich­tet sei.

Der Be­am­ten­bund dbb, die Ärz­te­ge­werk­schaft Mar­bur­ger Bund, der Deut­sche Jour­na­lis­ten-Ver­band und die Pi­lo­ten­ver­ei­ni­gung Cock­pit hat­ten vor der Ab­stim­mung an die Ab­ge­ord­ne­ten ap­pel­liert, die Ver­ant­wor­tung nicht auf die Ver­fas­sungs­rich­ter zu ver­la­gern. Denn meh­re­re klei­ne Ge­werk­schaf­ten wol­len in Karls­ru­he kla­gen.

In der tur­bu­len­ten De­bat­te ver­tei­dig­te Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) das Ge­setz als Mit­tel zur Stär­kung der Ta­rif­au­to­no­mie. "Das Ko­ali­ti­ons­recht und das Streik­recht tas­ten wir nicht an." Kol­lek­ti­ves Han­deln wer­de aber ad ab­sur­dum ge­führt, wenn nur für ein­zel­ne Grup­pen ge­kämpft wer­de.

Lin­ke-Frak­ti­ons­vi­ze Klaus Ernst kri­ti­sier­te: "Das Ge­setz ist ei­ne Ein­schrän­kung des Streik­rechts klei­ner Ge­werk­schaf­ten." Grü­nen-Frak­ti­ons­chef An­ton Hof­rei­ter sag­te, klei­ne Ge­werk­schaf­ten hät­ten das Ta­rif­ni­veau im­mer wie­der an­ge­ho­ben. "Die SPD steht an vor­ders­ter Front, dass das Ta­rif­ni­veau nicht nach oben ge­zo­gen wird."

Nah­les lob­te die ge­plan­te Sch­lich­tung zwi­schen Lok­füh­rer­ge­werk­schaft GDL und Bahn. "Das ist der Sinn des Ge­set­zes: Wir set­zen auf Ko­ope­ra­ti­on und Ei­ni­gung." Der Bahn-Streik war ab­ge­bro­chen wor­den, nach­dem sich Bahn und GDL auf ei­ne Sch­lich­tung ge­ei­nigt hat­ten.

"60 Jah­re lang hat un­ser Land von der Ta­rif­ein­heit pro­fi­tiert", sag­te Nah­les. Die GDL ha­be stets für die Lok­füh­rer ein­tre­ten kön­nen, auch be­vor das Bun­des­ar­beits­ge­richt die Ta­rif­ein­heit 2010 kipp­te. "Die Ta­rif­ein­heit läuft nicht auf das En­de klei­ner Ge­werk­schaf­ten hin­aus." Ernst hin­ge­gen be­ton­te: "Streiks wer­den un­zu­läs­sig." Das Ge­setz spal­te zu­dem den Deut­schen Ge­werk­schafts­bund (DGB).

Auch die DGB-Ge­werk­schaf­ten Ver­di, GEW und NGG se­hen in dem Ge­setz ei­nen in­di­rek­ten Ein­griff ins Streik­recht. "Wenn in je­dem Be­trieb er­mit­telt wer­den muss, wel­che Ge­werk­schaft dort die Mehr­heit der Be­schäf­tig­ten or­ga­ni­siert, wird die Kon­kur­renz der Ge­werk­schaf­ten un­ter­ein­an­der deut­lich zu­neh­men", sag­te Ver­di-Chef Frank Bsirs­ke der Deut­schen Pres­se-Agen­tur zu­dem.

Der CDU-So­zi­al­po­li­ti­ker Karl Schie­wer­ling sag­te in der De­bat­te: "Mit die­sem Ge­setz­ent­wurf spal­ten wir nicht, mit die­sem Ge­setz­ent­wurf ei­nen wir." Nach An­sicht des CDU-Ab­ge­ord­ne­ten und Mar­bur­ger-Bund-Chefs Ru­dolf Hen­ke stellt das Ge­setz das Grund­recht der Ko­ali­ti­ons­frei­heit da­ge­gen in­fra­ge. "Grund­rech­te ste­hen al­len Men­schen in glei­cher Wei­se zu - des­halb kann man sie nicht un­ter Mehr­heits­vor­be­halt stel­len."

In na­ment­li­cher Schluss­ab­stim­mung gab es 448 Ja-Stim­men. 126 Par­la­men­ta­ri­er stimm­ten da­ge­gen, 16 ent­hiel­ten sich.

Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent In­go Kra­mer be­grüß­te das Ge­setz. Es brin­ge Rechts­si­cher­heit. Der Prä­si­dent des Ar­beit­ge­ber­ver­bands Ge­samt­me­tall, Rai­ner Dul­ger, sag­te den Spar­ten­ge­werk­schaf­ten in Karls­ru­he ei­nen Miss­er­folg vor­aus: Sie hät­ten sich in der Ver­gan­gen­heit trotz Ta­rif­ein­heit ge­grün­det, eta­bliert und Ar­beits­kämp­fe ge­führt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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