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Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Ge­set­zes­än­de­run­gen zum Ja­nu­ar 2013

Ge­set­ze zur Ar­beits­markt- und So­zi­al­po­li­tik: Was än­dert sich im neu­en Jahr?

02.01.2013. Im fol­gen­den fin­den Sie ei­nen kur­zen Über­blick über die Ge­set­zes­än­de­run­gen zur Ar­beits­markt- und So­zi­al­po­li­tik, die im neu­en Jahr 2013 in Kraft tre­ten.

Für die meis­ten Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer sind vor al­lem das po­li­tisch um­strit­te­ne Be­treu­ungs­geld, die Sen­kung des Ren­ten­bei­trags auf 18,9 Pro­zent und die An­he­bung der Mi­ni­job-Gren­ze auf 450,00 EUR wich­tig.

Im üb­ri­gen wur­den zum 01.01.2013 die Re­gel­sät­ze bei der Grund­si­che­rung für Ar­beit­su­chen­de („Hartz IV“) er­höht, die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­zen und Ver­si­che­rungs­pflicht­gren­zen her­auf­ge­setzt und die Be­zugs­dau­er des Kurz­ar­bei­ter­gel­des ver­län­gert.

Betreuungsgeld

Ab Au­gust 2013 er­hal­ten El­tern, die ih­re Kin­der bis zum drit­ten Le­bens­jahr zu Hau­se er­zie­hen und von staat­li­chen Be­treu­ungs­an­ge­bo­ten kei­nen oder nur we­nig Ge­brauch ma­chen, ein Be­treu­ungs­geld als neue staat­li­che Geld­leis­tung.

Das Be­treu­ungs­geld kann für al­le Kin­der be­an­sprucht wer­den, die ab dem 01.08.2012 ge­bo­ren wur­den. Bis zum Ju­li 2014 beträgt das Be­treu­ungs­geld 100 EUR pro Mo­nat, da­nach 150 EUR.

Das Be­treu­ungs­geld schließt sich naht­los an das El­tern­geld an und wird für 22 Mo­na­te ge­zahlt. Da­durch soll ei­ne ste­ti­ge fi­nan­zi­el­le Förde­rung der Kin­der­er­zie­hung während der ers­ten drei Le­bens­jah­re er­reicht wer­den. Nach­dem bis zu 14 Mo­na­te lang El­tern­geld be­zo­gen wer­den kann, kann dar­an an­sch­ließend für bis zu 22 Mo­na­te Be­treu­ungs­geld be­an­tragt wer­den:

Beitragsbemessungsgrenzen, Versicherungspflichtgrenze

Zum neu­en Jahr steigt die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der Ren­ten­ver­si­che­rung (West) von 5.600 EUR (Mo­nats­ge­halt) auf 5.800 EUR. Die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze (Ost) steigt von 4.800 EUR auf 4.900 EUR. Wer mehr ver­dient, ist zwar im­mer noch ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­tig, doch sind Ein­kom­mens­be­stand­tei­le, die die­se Grenz­wer­te über­stei­gen, bei­trags­frei in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung und in der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung.

Die Ver­si­che­rungs­pflicht­gren­ze in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung erhöht sich von der­zeit 50.850 EUR (Jah­res­ge­halt) auf 52.200 EUR. Das ent­spricht ei­nem Mo­nats­ge­halt von 4.350 EUR brut­to. Wer mehr ver­dient, un­ter­liegt nicht der Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung und kann ei­ne pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung ab­sch­ließen:

  • Bun­des­re­gie­rung: So­zi­al­ver­si­che­rung. Neue Bei­trags­be­mes­sungs­gren­zen, Pres­se­mit­tei­lung vom 23.11.2012

Beitragssätze zur Sozialversicherung

Die Bei­tragssätze zur So­zi­al­ver­si­che­rung ändern sich im neu­en Jahr.

Der­zeit beträgt der Bei­trags­satz zur ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung 19,6 Pro­zent. Ab 2013 wird er um 0,7 Pro­zent­punk­te auf 18,9 Pro­zent ge­senkt. Grund­la­ge der Bei­trags­sen­kung ist ein Ge­setz, das am 25.10.2012 im Bun­des­tag mit den Stim­men der Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on an­ge­nom­men wur­de.

Gleich­zei­tig wer­den die Beiträge zur Pfle­ge­ver­si­che­rung und die In­sol­venz­geld­um­la­ge an­ge­ho­ben, al­ler­dings in deut­lich ge­rin­ge­rem Um­fang. Der Bei­trags­satz zur Pfle­ge­ver­si­che­rung steigt zum neu­en Jahr von der­zeit 1,95 Pro­zent auf 2,05 Pro­zent, was auf­grund des Kin­der­lo­sen­zu­schlags von 0,25 Pro­zent für Kin­der­lo­se 2,3 Pro­zent aus­macht. Außer­dem wird die In­sol­venz­geld­um­la­ge von der­zeit 0,04 Pro­zent auf 0,15 Pro­zent an­ge­ho­ben.

Elterngeld

Das El­tern­geld für Kin­der, die ab 2013 ge­bo­ren wer­den, wird in ei­ner ver­ein­fach­ten Wei­se be­rech­net. Maßgeb­lich ist zwar im­mer noch der vor der El­tern­zeit be­zo­ge­ne Net­to­lohn des Be­rech­tig­ten, aber die Abzüge wer­den künf­tig nicht mehr kon­kret in je­dem Ein­zel­fall be­rech­net, son­dern mit ei­ner Pau­scha­le von 21 Pro­zent an­ge­setzt. Da­durch soll die Be­rech­nung des El­ter­gel­des ver­ein­facht und die Dau­er der Be­ar­bei­tung von El­tern­geld­anträgen verkürzt wer­den:

Hartz IV

Ab Ja­nu­ar 2013 gel­ten neue Re­gel­be­dar­fe in der Grund­si­che­rung für Ar­beit­su­chen­de („Hartz IV“).

Für al­lein­ste­hen­de und al­lein­er­zie­hen­de Leis­tungs­be­rech­tig­te erhöht sich der Re­gel­be­darf auf mo­nat­lich 382 EUR (Re­gel­be­darfs­stu­fe 1). Wer mit ei­nem Part­ner in ei­nem ge­mein­sa­men Haus­halt zu­sam­men­lebt, erhält 345 EUR (Re­gel­be­darfs­stu­fe 2).

Er­wach­se­ne Leis­tungs­be­rech­tig­te, die kei­nen ei­ge­nen und kei­nen ge­mein­sa­men Haus­halt mit ei­nem Part­ner führen, be­kom­men 306 EUR (Re­gel­be­darfs­stu­fe 3).

Sch­ließlich gibt es für Ju­gend­li­che von 14 bis un­ter 18 Jah­re 289 EUR (Re­gel­be­darfs­stu­fe 4), für Kin­der von sechs bis 13 Jah­ren 255 EUR (Re­gel­be­darfs­stu­fe 5) und für Kin­der bis fünf Jah­ren 224 EUR (Re­gel­be­darfs­stu­fe 6):

  • Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les: Das ändert sich im neu­en Jahr, Pres­se­mit­tei­lung vom 18.12.2012

Künstlersozialkasse

Die Künst­ler­so­zi­al­ab­ga­be steigt ab 2013 von der­zeit 3,9 Pro­zent auf 4,1 Pro­zent an. Be­rech­nungs­grund­la­ge für die Künst­ler­so­zi­al­ab­ga­be sind die Ho­no­ra­re, die frei­be­ruf­lich täti­ge Künst­ler und Pu­bli­zis­ten er­hal­ten. Bei­trags­pflich­tig sind Un­ter­neh­men, die mit frei­be­ruf­lich er­brach­ten künst­le­ri­schen Leis­tun­gen Geld ver­die­nen. Die Ab­ga­be ist an die Künst­ler­so­zi­al­kas­se zu ent­rich­ten, die dafür sorgt, dass selbständig ar­bei­ten­de Krea­ti­ve zu güns­ti­gen Kon­di­tio­nen in die ge­setz­li­che Kran­ken-, Pfle­ge- und Ren­ten­ver­si­che­rung ein­be­zo­gen wer­den:

Kurzarbeitergeld

Nach dem Ge­setz ist die Be­zugs­dau­er für das Kurz­ar­bei­ter­geld an sich auf sechs Mo­na­te be­grenzt. Die­se Be­gren­zung wur­de im Zu­ge der 2008 ein­set­zen­den Re­zes­si­on im­mer wie­der auf­ge­ho­ben, d.h. die Dau­er des Kurz­ar­bei­ter­geld­be­zugs verlängert. Mit Blick auf ei­nen mögli­cher­wei­se er­neut be­vor­ste­hen­den wirt­schaft­li­chen Ab­schwung hat die Ver­ord­nung über die Be­zugs­dau­er für das Kurz­ar­bei­ter­geld, vom 07.12.2012 (BGBl I, S.2570) die Be­rech­ti­gung zum Be­zug von Kurz­ar­bei­ter­geld er­neut mit Wir­kung zum 14.12.2012 verlängert, und zwar auf zwölf Mo­na­te. Vor­aus­set­zung für die verlänger­te Be­zugsmöglich­keit ist, dass der An­spruch auf Kurz­ar­bei­ter­geld bis zum 31.12.2013 ent­steht:

Minijobs

Zum Ja­nu­ar 2013 wird die mo­nat­li­che Ver­dienst­gren­ze bei ei­ner ge­ringfügi­gen Beschäfti­gung von bis­lang 400,00 EUR auf 450,00 EUR an­ge­ho­ben. Mit die­ser Re­ge­lung wird die Ein­kom­mens­gren­ze für ge­ringfügig beschäftig­te Ar­beit­neh­mer erst­mals seit 2003 erhöht.

Die Neu­re­ge­lung schafft mehr Freiräume bei der Ge­stal­tung von Mi­ni­jobs, hat aber auch Nach­tei­le für die Mi­di-Job­ber: Wer bis­lang mit ei­nem 401,00-Eu­ro-Ver­trag in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ver­si­chert war, braucht da­zu künf­tig ei­nen 451,00-Eur-Ver­trag. Hier gilt aber ei­ne auf zwei Jah­re be­fris­te­te Aus­nah­me­re­ge­lung für be­ste­hen­de Gleit­zo­nen­jobs im Be­reich von 400,01 bis 450 EUR, die durch die An­he­bung der Ent­gelt­gren­ze zu Mi­ni­jobs würden, so dass der Schutz in der Kran­ken- und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung weg­fal­len würde. Die­se Ar­beit­neh­mer blei­ben bis En­de 2014 Gleit­zo­nen­beschäftig­te nach bis­he­ri­gem Recht

Praxisgebühr

Ge­setz­lich Kran­ken­ver­si­cher­te muss­ten seit 2004 pro Quar­tal ei­ne sog. Pra­xis­gebühr be­zah­len, wenn sie ei­nen nie­der­ge­las­se­nen Arzt oder Zahn­arzt auf­such­ten. Die Pra­xis­gebühr wird zum neu­en Jahr er­satz­los ab­ge­schafft.

Der Bun­des­tag hat die Ab­schaf­fung der Pra­xis­gebühr am 09.11.2012 ein­stim­mig ge­bil­ligt. Der Bun­des­rat stimm­te am 14.12.2012 zu.

  • Bun­des­re­gie­rung: Pra­xis­gebühr wird ab­ge­schafft, Pres­se­mit­tei­lung vom 14.12.2012

 

Letzte Überarbeitung: 5. Oktober 2016

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