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Ge­werk­schaft kri­ti­siert zu­neh­men­den Miss­brauch von Werk­ver­trä­gen

Seit Jahr­zehn­ten glie­dern Un­ter­neh­men Auf­ga­ben über Werk­ver­trä­ge aus: Seit für Leih­ar­beit Min­dest­löh­ne gel­ten, se­hen Ge­werk­schaf­ter mehr Werk­ver­trä­ge. Die Ar­beit­ge­ber wei­sen den Vor­wurf des Miss­brauchs zu­rück

08.03.2013. (dpa) - Un­ter­neh­men in der Er­näh­rungs­in­dus­trie nut­zen nach Ge­werk­schafts­an­ga­ben zu­neh­mend Werk­ver­trä­ge, um dau­er­haft Be­schäf­tig­te zu Nied­rig­löh­nen ein­zu­set­zen.

"Das Sys­tem der Aus­beu­tung ist fest in­stal­liert", sag­te Claus-Ha­rald Güs­ter, der Vi­ze-Chef der Ge­werk­schaft Nah­rung-Ge­nuss-Gast­stät­ten (NGG), am Don­ners­tag in Ber­lin.

Nach ei­ner Um­fra­ge un­ter Be­triebs­rä­ten ge­be es in der Bran­che in­zwi­schen mit acht Pro­zent der Be­schäf­tig­ten mehr Werk­ver­trags­ar­beit­neh­mer als Leih­ar­bei­ter (fünf Pro­zent).

Die Ar­beit­ge­ber­sei­te wies die Vor­wür­fe zu­rück. "Es ist falsch, wenn ver­ein­zelt be­haup­tet wird, es ge­be ver­mehrt Werk­ver­trä­ge zur Um­ge­hung von Ta­rif­ver­trä­gen", teil­te die Bun­des­ver­ei­ni­gung der Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de mit.

Es ge­be mehr Werk­ver­trä­ge, weil Ar­beits­tei­lung und Spe­zia­li­sie­rung zu­näh­men, et­wa durch Aus­la­ge­rung von Tech­nik-Auf­ga­ben. Es ge­be kei­nen Grund, das seit Jahr­zehn­ten üb­li­che In­stru­ment Werk­ver­trag zu dis­kre­di­tie­ren.

Die NGG wirft den Be­trie­ben vor, mit Werk­ver­trä­gen den Min­dest­löh­nen für Leih­ar­bei­ter aus­wei­chen zu wol­len. Die Be­trof­fe­nen ver­dien­ten pro St­un­de durch­schnitt­lich knapp sechs Eu­ro we­ni­ger als die Stamm­be­leg­schaft, bei Leih­ar­bei­tern sei­en es fünf Eu­ro we­ni­ger.

Vor­wür­fe we­gen Werk­ver­trä­gen hat­te es auch schon für an­de­re Bran­chen ge­ge­ben. Kon­kre­te Zah­len ha­ben bis­her aber we­der Ge­werk­schaf­ten noch Ar­beit­ge­ber vor­ge­legt.

Die Ar­beit­ge­ber­ver­ei­ni­gung Nah­rung und Ge­nuss hob her­vor, die Zahl der Werk­ver­trä­ge sei in der Bran­che nicht ge­stie­gen. In Schlacht- und Zer­le­ge­be­trie­ben sei der An­teil schon im­mer hoch ge­we­sen. "Bei der Ta­rif­bin­dung ha­ben wir in die­sem Be­reich noch zu tun", sag­te Haupt­ge­schäfts­füh­re­rin Va­le­rie Hols­bo­er.

Die Ge­werk­schaft hob her­vor, nicht ge­gen den Werk­ver­trag an sich zu sein, wohl aber ge­gen Miss­brauch. "Da­ge­gen ha­ben wir in der Fleisch­in­dus­trie schon seit vie­len Jah­ren zu kämp­fen." Man­che Be­trie­be lie­ßen 90 Pro­zent der Ar­beit über Werk­ver­trä­ge er­le­di­gen. Auch Groß­bä­cke­rei­en, Ge­trän­ke­her­stel­ler und Mol­ke­rei­en miss­brauch­ten das In­stru­ment. Güs­ter for­der­te ei­nen ge­setz­li­chen Min­dest­lohn, ei­ne stär­ke­re Kon­trol­le und ei­ne Mel­de­pflicht für Werk­ver­trä­ge.

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Letzte Überarbeitung: 13. Oktober 2014

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