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Ge­werk­schaf­ten un­zu­frie­den mit Plä­nen zum Schul­fach Wirt­schaft

Was ist der Un­ter­schied zwi­schen Um­satz und Ge­winn? Da­mit Schü­ler bei sol­chen Fra­gen punk­ten kön­nen, kommt in Ba­den-Würt­tem­berg bald das Schul­fach Wirt­schaft: Al­so al­les bes­tens?

17.09.2015. (dpa) - Mit der Ein­füh­rung des Schul­fachs Wirt­schaft will Ba­den-Würt­tem­berg bun­des­weit bei­spiel­ge­bend sein - Ge­werk­schaf­ten sind mit bis­he­ri­gen Plä­nen aber nicht zu­frie­den.

Das Vor­ha­ben lau­fe Ge­fahr, Schü­ler nur als "funk­tio­nie­ren­de" und so­mit un­kri­ti­sche künf­ti­ge Ar­beit­neh­mer zu for­men, sag­te DGB-Lan­des­chef Ni­ko­laus Land­graf am Mitt­woch in Stutt­gart.

Dies wä­re aus Ge­werk­schafts­sicht ein gra­vie­ren­der Feh­ler, weil doch selbst­stän­dig den­ken­de Ar­beit­neh­mer und Ver­brau­cher ge­fragt sei­en in ei­ner zu­kunfts­fä­hi­gen Ge­sell­schaft mit in­no­va­ti­ven Fir­men.

Die Ge­werk­schaft Ver­di warn­te zu­dem vor Ein­fluss der Ar­beit­ge­ber auf das Fach.

Ar­beit­ge­ber und Re­gie­rung wie­sen die Kri­tik zu­rück.

Wirt­schaft soll 2016 im Süd­wes­ten als ei­gen­stän­di­ges Pflicht­fach star­ten. Da es an al­len wei­ter­füh­ren­den Schu­len ein­ge­führt wür­de, wird Ba­den-Würt­tem­berg da­mit ei­ne Vor­rei­ter­rol­le für ganz Deutsch­land zu­ge­schrie­ben. Die Ein­füh­rung selbst ist letzt­lich schon be­schlos­se­ne Sa­che, in der ak­tu­el­len An­höh­rungs­pha­se geht es um ei­ne Art Fein­schliff. "Wir ha­ben schon die Hoff­nung, da noch et­was zu be­we­gen", sag­te DGB-Lan­des­vi­ze Ga­brie­le Fren­zer-Wolf.

In den von der Re­gie­rung vor­ge­leg­ten Plä­nen sei kri­ti­sches Ur­teils­ver­mö­gen der Schü­ler kaum ge­for­dert, mo­nier­te Ge­werk­schaf­ter Land­graf. Die Rol­le von Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern wer­de zwar ge­nannt, ihr wer­de aber nicht der glei­che Stel­len­wert wie der Un­ter­neh­mens­sei­te ein­ge­räumt. Auch As­pek­te der So­li­da­ri­tät kä­men zu kurz. Zu­gleich leg­te der DGB ei­ne Stel­lung­nah­me der Köl­ner Wis­sen­schaft­le­rin Bir­git We­ber vor, die dem Schul­fach-Vor­ha­ben ins­ge­samt eben­falls ein eher schlech­tes Zeug­nis aus­stell­te.

Kri­tik kam zu­dem von Ver­di. De­ren Lan­des­che­fin Le­ni Brey­mai­er wies dar­auf hin, dass ar­beit­ge­ber­na­he In­sti­tu­tio­nen Ma­te­ria­li­en für Fort­bil­dun­gen im Be­reich Wirt­schaft be­reit­stell­ten. Es sei prin­zi­pi­ell falsch, dass Ver­bän­de wie Süd­west­me­tall hier­durch ein­sei­tig ih­re In­ter­es­sen ver­mit­teln könn­ten. "Wir wol­len nicht, dass aus den ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Schu­len künf­tig lau­ter klei­ne Neo­li­be­ra­le her­aus­kom­men."

Der Bran­chen­ver­band Süd­west­me­tall re­gis­trier­te die Brey­mai­er-Kri­tik mit Kopf­schüt­teln. Die Ar­beit­ge­ber-Sei­te mi­sche sich nicht in den Lehr­plan an Schu­len ein, sag­te der Ge­schäfts­füh­rer von Süd­west­me­tall, Ste­fan Küp­per. Man stel­le nur Leit­fä­den für Leh­rer be­reit, et­wa zur Be­rufs­ori­en­tie­rung. Es wür­den zu­dem Gra­tis-Fort­bil­dun­gen für Leh­rer an­ge­bo­ten. Hier­bei ge­he es aber kei­nes­wegs um ein "In­dok­tri­nie­ren", son­dern um ei­ne Hil­fe­stel­lung, da­mit die Leh­rer ih­re Schü­ler sehr gut aus­bil­den könn­ten.

Küp­per be­ton­te, wie wich­tig die Ver­mitt­lung wirt­schaft­li­cher Grund­kennt­nis­se in der Schul­zeit sei - so­wohl für die nach Fach­kräf­ten su­chen­de Wirt­schaft als auch für die Ge­sell­schaft ins­ge­samt. "Es geht nicht dar­um, die ers­ten zwei Se­mes­ter BWL in die Schu­le vor­zu­ver­la­gern, son­dern es geht dar­um, dass öko­no­mi­sche Grund­kennt­nis­se als All­ge­mein­bil­dung ver­an­kert wer­den." Und wei­ter: "Die Ge­werk­schaf­ten wol­len auf Bie­gen und Bre­chen ver­hin­dern, dass an­de­re Bun­des­län­der dem Bei­spiel Ba­den-Würt­tem­bergs fol­gen und das Pflicht­fach Wirt­schaft eben­falls ein­füh­ren", so Küp­per.

Ba­den-Würt­tem­bergs Kul­tus­mi­nis­te­ri­um wies die Ge­werk­schafts­kri­tik zu­rück. Res­sort­lei­ter An­dre­as Stoch (SPD) sag­te, jun­ge Men­schen soll­ten mit dem Fach wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­hän­ge bes­ser ver­ste­hen und eben auch kri­tisch hin­ter­fra­gen kön­nen. Die In­hal­te des Fachs sei­en aus­ge­wo­gen ge­stal­tet.

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Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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