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Ge­werk­schaf­ten wol­len über 3,5 Pro­zent mehr für öf­fent­li­chen Dienst

Pau­ken­schlag zum Auf­takt der Ta­rif­run­de für die An­ge­stell­ten von Kom­mu­nen und Bund: Die Ge­werk­schaf­ten wol­len 100 Eu­ro mehr für al­le - und dann noch 3,5 Pro­zent oben drauf. Die Kom­mu­nen fürch­ten Mehr­kos­ten von meh­re­ren Mil­li­ar­den Eu­ro jähr­lich.

12.02.2014. (dpa) - Bei der an­ste­hen­den Ta­rif­run­de für den öf­fent­li­chen Dienst wol­len die Ge­werk­schaft Ver­di und der Be­am­ten­bund (dbb) ei­ne "deut­li­che Re­al­lohn­stei­ge­rung" von mehr als 3,5 Pro­zent er­rei­chen.

So sol­len zu­nächst al­le Ge­häl­ter der über zwei Mil­lio­nen An­ge­stell­ten der Kom­mu­nen und des Bun­des pau­schal um 100 Eu­ro mo­nat­lich an­ge­ho­ben wer­den.

Dar­auf soll ein wei­te­rer Lohn­zu­wachs von 3,5 Pro­zent kom­men.

Auf die­se For­de­rung ver­stän­dig­ten sich die bei­den Or­ga­ni­sa­tio­nen am Diens­tag in Ber­lin.

Die Kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber wie­sen em­pört die For­de­rung zu­rück. Sie ent­spre­che im Schnitt ei­ner Lohn­for­de­rung von über 7,1 Pro­zent. Be­son­ders den So­ckel­be­trag von 100 Eu­ro, mit dem die Ge­werk­schaf­ten vor al­lem Be­schäf­tig­te mit nied­ri­gem Ein­kom­men bes­ser­stel­len wol­len, be­zeich­ne­ten die Ar­beit­ge­ber als "schäd­lich". Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) sprach von ei­ner "maß­los über­zo­ge­nen" For­de­rung. "Nie­mand kann sich ei­nen sol­chen Ab­schluss leis­ten." Die Haus­hal­te von Bund und Kom­mu­nen sei­en mit ho­hen Schul­den be­las­tet. "Ich rech­ne lei­der mit sehr schwie­ri­gen Ver­hand­lun­gen."

Ver­di-Chef Frank Bsirs­ke und der dbb-Vor­sit­zen­de Klaus Dau­der­städt recht­fer­tig­ten da­ge­gen ih­re For­de­rung mit "er­heb­li­chem Nach­hol­be­darf" im öf­fent­li­chen Dienst. Die Ge­häl­ter lä­gen deut­lich hin­ter de­nen der Pri­vat­wirt­schaft. Wenn der öf­fent­li­che Dienst an­ge­sichts des sich zu­spit­zen­den Fach­kräf­te­man­gels mit­hal­ten woll­te, müss­ten deut­li­che Lohn­ver­bes­se­run­gen kom­men. Auch in Sa­chen "Fa­mi­li­en­freund­lich­keit" müs­se mehr ge­sche­hen.

"Wir wol­len bei der Ein­kom­mens­ent­wick­lung nicht nur mit­hal­ten, son­dern auf­ho­len, um den Ab­stand zu re­du­zie­ren", sag­te Bsirs­ke. Der Ver­di-Chef wie auch Dau­der­städt wie­sen die Dro­hung der kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber nach wei­ter Pri­va­ti­sie­rung von Dienst­leis­tun­gen zu­rück. Noch mehr Pri­va­ti­sie­rung sei den meis­ten Bür­gern an­ge­sichts schlech­ter Er­fah­run­gen nicht zu ver­mit­teln. Vie­les sei da­durch teu­rer und schlech­ter ge­wor­den.

Der Prä­si­dent der Kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber, Tho­mas Böh­le, sag­te da­ge­gen: "Das Ar­gu­ment "Nach­hol­be­darf" zieht nicht." Die Ge­häl­ter sei­en seit 2008 um ins­ge­samt 19,5 Pro­zent ge­stie­gen - im un­te­ren Be­reich noch stär­ker.

Für die Be­schäf­tig­ten im Nah­ver­kehr for­dern die Ge­werk­schaf­ten ei­ne zu­sätz­li­che Zu­la­ge von 70 Eu­ro mo­nat­lich, um die Be­ru­fe für Ein­stei­ger at­trak­ti­ver zu ma­chen. Nach Ge­werk­schafts­an­ga­ben wür­de die 100-pro­zen­ti­ge Um­set­zung ih­rer For­de­run­gen beim Bund und den Kom­mu­nen zu­sätz­li­che Per­so­nal­aus­ga­ben von 7,54 Mil­li­ar­den Eu­ro jähr­lich er­for­dern.

Zu­gleich for­dern die Ge­werk­schaf­ten Kom­mu­nen und Bund auf, al­len Aus­zu­bil­den­den die Über­nah­me in ei­ne fes­te Be­schäf­ti­gung an­zu­bie­ten. Für al­le Be­schäf­tig­ten soll ein ein­heit­li­cher Ur­laubs­an­spruch von 30 Ta­gen gel­ten. Als Lauf­zeit des neu­en Ta­rif­ver­tra­ges stre­ben die Ge­werk­schaf­ten zwölf Mo­na­te an.

Die Ver­hand­lun­gen be­gin­nen am 13. März in Pots­dam. Die zwei­te Run­de star­tet am 20. März, die drit­te am 31. März. Bsirs­ke räum­te ein, dass die dich­te Fol­ge der Ver­hand­lun­gen den Zeit­raum für Warn­streiks ein­schrän­ke. Bei­de Ge­werk­schafts­füh­rer mach­ten aber deut­lich, dass sie zum Ar­beits­kampf be­reit sind, wenn die Ar­beit­ge­ber kein ver­nünf­ti­ges An­ge­bot vor­le­gen.

Bei der letz­ten Ta­rif­run­de vor zwei Jah­ren hat­ten die Ge­werk­schaf­ten mit ei­nem Stu­fen­mo­dell Ge­halts­ver­bes­se­run­gen von 6,3 Pro­zent er­zielt - bei ei­ner Lauf­zeit von zwei Jah­ren. Die Ta­rif­ge­sprä­che wa­ren von ei­ner bis­lang bei­spiels­lo­sen Warn­streik­wel­le im Nah­ver­kehr, bei Ki­tas, im Stra­ßen­dienst und bei der Müll­ab­fuhr be­glei­tet. Nach Ge­werk­schafts­an­ga­ben hat­ten sich da­mals über 200 000 Be­schäf­tig­te an den Warn­streiks be­tei­ligt.

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Letzte Überarbeitung: 19. November 2015

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