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Gleich­be­hand­lung bei der Dienst­klei­dung

Pflicht zum Tra­gen von Cock­pit­müt­zen nur für Män­ner ver­stößt ge­gen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 30.09.2014, 1 AZR 1083/12

04.10.2014. In ei­nem et­was skur­ri­len Fall pro­zes­sier­te ein Pi­lot der Deut­schen Luft­han­sa seit 2010 mit sei­nem Ar­beit­ge­ber über die Streit­fra­ge, ob er zum Tra­gen ei­ner Dienst­müt­ze ver­pflich­tet ist oder nicht.

St­ein des An­sto­ßes war die Un­gleich­hand­lung von weib­li­chen und männ­li­chen Pi­lo­ten: Wäh­rend die Luft­han­sa-Pi­lo­tin­nen selbst ent­schei­den kön­nen, ob sie ih­re Cock­pit­müt­ze auf­set­zen wol­len oder nicht, ist dies ih­ren männ­li­chen Kol­le­gen vor­ge­schrie­ben.

Am Diens­tag die­ser Wo­che ent­schied das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG), dass sich der streit­lus­ti­ge Pi­lot auch in den der Öf­fent­lich­keit zu­gäng­li­chen Flug­ha­fen­be­rei­chen bar­häup­tig zei­gen darf: BAG, Ur­teil vom 30.09.2014, 1 AZR 1083/12.

Was haben Pilotenmützen mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz zu tun?

Ar­beit­ge­ber können Ar­beit­neh­mern auf­grund ih­res Wei­sungs­rechts vor­ge­ben, wel­che Klei­dung sie während der Ar­beit tra­gen müssen. Out­fit­vor­ga­ben des Ar­beit­ge­bers die­nen manch­mal der Si­cher­heit des Ar­beit­neh­mers oder drit­ter Per­so­nen (Helm­pflicht für Bau­ar­bei­ter, OP-Klei­dung, Si­cher­heits­schu­he), manch­mal aber auch "nur" ei­nem op­tisch ein­heit­li­chen Auf­tritt (Bahn­schaff­ner-Uni­form, Mc­Do­nalds-Hütchen) oder ei­nem "se­riösen" Er­schei­nungs­bild der Fir­men­an­gehöri­gen (Schlips und Kra­gen im An­waltsbüro).

Gibt es ei­nen Be­triebs­rat, hat die­ser bei der Aus­ge­stal­tung von Be­klei­dungs­vor­schrif­ten ein Mit­be­stim­mungs­recht gemäß § 87 Abs.1 Nr.1 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG). Wel­che Ar­beit­neh­mer­grup­pen wel­che Dienst­klei­dung tra­gen müssen, ist im Prin­zip Ver­hand­lungs­sa­che zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat.

Ei­ni­gen sich Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat auf ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung zu Out­fit­vor­ga­ben, ha­ben sie da­bei al­ler­dings den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz zu be­ach­ten (§ 75 Be­trVG). Das heißt zum Bei­spiel: Müssen weib­li­che Be­die­nun­gen in ei­nem bay­ri­schen Re­stau­rant ein Dirndl tra­gen, dürfen auch die Kell­ner nicht "un­ge­scho­ren" da­von kom­men, d.h. auch für sie muss dann ei­ne ver­gleich­ba­re Pflicht zum Tra­gen von (lan­des­ty­pi­scher) Dienst­be­klei­dung be­ste­hen.

An die­ser Stel­le fragt sich, ob der Ar­beit­ge­ber Dienstmützen als ei­nen Be­stand­teil der nur für Männer "gel­ten­den" Dienst­uni­form vor­ge­ben kann. Dann wären Frau­en eben­so we­nig da­zu ver­pflich­tet, ei­ne Dienstmütze zu tra­gen, wie Männer da­zu ver­pflich­tet wären, ei­nen Dienst­rock zu tra­gen.

Der Kölner Pilotenmützenfall: Lufthansapilot mag partout keine Dienstmütze tragen

Ge­strit­ten hat­ten ein Luft­hans­a­pi­lot und sein Ar­beit­ge­ber, die Luft­han­sa.

Ob­wohl das Be­trVG für Ar­beit­neh­mer, die von ei­nem Luft­fahrt­un­ter­neh­men im Flug­be­trieb beschäftigt wer­den, im Prin­zip nicht gilt, kann auf der Grund­la­ge ei­nes Ta­rif­ver­trags ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung für das flie­gen­de Per­so­nal er­rich­tet wer­den (§ 117 Abs.2 Be­trVG).

Bei der Luft­han­sa gibt es ei­nen sol­chen Ta­rif­ver­trag, der die Gel­tung des be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes vor­schreibt, es gibt ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung für das flie­gen­de Per­so­nal und es gibt auch ei­ne „Be­triebs­ver­ein­ba­rung Dienst­be­klei­dung“, der zu­fol­ge das Cock­pit­per­so­nal während des Flug­ein­sat­zes ei­ne Uni­form tra­gen muss.

Zu die­ser Uni­form gehört bei Pi­lo­ten ei­ne „Cock­pit-Mütze“, die in dem der Öffent­lich­keit zugäng­li­chen Flug­ha­fen­be­reich ge­tra­gen wer­den muss, während Pi­lo­tin­nen hierüber frei ent­schei­den können. Bei ih­nen gehört die „Cock­pit-Mütze“ auch nicht zur Uni­form, son­dern ist nur ein Ac­ces­soire. Gemäß der "Be­triebs­ver­ein­ba­rung Dienst­be­klei­dung" gilt nämlich für Pi­lo­tin­nen:

"Die Cock­pit-Mütze kann ge­tra­gen wer­den, gehört aber nicht zur vollständi­gen Uni­form."

Im De­zem­ber 2009 wei­ger­te sich der kla­gen­de Pi­lot, ei­nen länge­ren Flug wie vor­ge­schrie­ben mit sei­ner Dienstmütze an­zu­tre­ten. Dar­auf­hin wur­de er kur­zer­hand von dem Flug ab­ge­setzt, den ein Kol­le­ge über­nahm (er hat­te sei­ne Mütze al­ler­dings eben­falls „ver­ges­sen“). Im Ja­nu­ar 2010 wur­de der Pi­lot in ei­nem Per­so­nal­gespräch er­mahnt, künf­tig die Dienstmützen­pflicht zu be­ach­ten, und es wur­de ei­ne ab­mah­nungsähn­li­che Gesprächs­no­tiz ver­fasst und zur Per­so­nal­ak­te ge­nom­men.

Das ließ sich der Pi­lot nicht ge­fal­len und klag­te auf Ent­fer­nung der Er­mah­nung und auf die ge­richt­li­che Fest­stel­lung, dass er die Mütze künf­tig nicht mehr zu tra­gen brau­che.

Da­mit hat­te er in ers­ter In­stanz vor dem Ar­beits­ge­richt Köln Er­folg (Ur­teil vom 05.04.2011, 12 Ca 8659/10, wir be­rich­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell: 11/151 Ent­fer­nung ei­ner dis­kri­mi­nie­ren­den Er­mah­nung aus der Per­so­nal­ak­te), zog al­ler­dings in der zwei­ten In­stanz vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln den Kürze­ren (LAG Köln, Ur­teil vom 29.10.2012, 5 Sa 549/11, wir be­rich­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell: 12/347 Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts auf­grund von Dienst­klei­dung?).

Während das Ar­beits­ge­richt Köln sein Ur­teil da­mit be­gründe­te, dass die nur für Pi­lo­ten gel­ten­de Dienstmützen­pflicht ei­ne ge­schlechts­be­zo­ge­ne Dis­kri­mi­nie­rung sei, mein­te das LAG Köln, dass Pi­lo­ten nicht schlech­ter als Pi­lo­tin­nen, son­dern nur "an­ders" be­han­delt würden. Denn für sie stünden eben tra­di­tio­nell an­de­re Uni­for­men be­reit. Sch­ließlich ge­be es auch Uni­form­be­stand­tei­le, die nur Pi­lo­tin­nen tra­gen müss­ten bzw. könn­ten wie ei­nen Uni­form­rock.

BAG: Pflicht zum Tragen von Cockpitmützen nur für männliche Piloten verstößt gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz

Das BAG gab dem Pi­lo­ten Recht und stell­te da­her das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln wie­der her. In der der­zeit al­lein vor­lie­gen­den Pres­se­mel­dung be­ru­fen sich die Er­fur­ter Rich­ter auf den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz:

Ist die Dienst­klei­dung für ver­schie­de­ne Ar­beit­neh­mer­grup­pen un­ter­schied­lich aus­ge­stal­tet, dann ver­langt der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz dafür ei­ne sach­lich Recht­fer­ti­gung, so das BAG. Die aber gab es hier im Streit­fall nicht.

Denn die Pi­lo­ten­uni­form hat den Zweck, das Cock­pit­per­so­nal in der Öffent­lich­keit als her­vor­ge­ho­be­ne Re­präsen­tan­ten der Luft­han­sa kennt­lich ma­chen. Ge­mes­sen an die­sem Zweck der Dienst­uni­form ist ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung von Pi­lo­ten und Pi­lo­tin­nen, d.h. ei­ne Mützen­pflicht al­lein für Pi­lo­ten nicht ge­recht­fer­tigt.

Ob die nur für Pi­lo­ten gel­ten­de Mützen­pflicht auch ei­ne ge­schlechts­be­zo­ge­ne Dis­kri­mi­nie­rung ist oder nicht, konn­te das BAG da­her of­fen las­sen, da die Kla­ge des Pi­lo­ten be­reits auf der Grund­la­ge des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes Er­folg hat­te.

Fa­zit: Je nach Fri­sur können Pi­lo­tin­nen Pro­ble­me ha­ben, wenn sie ei­ne Cock­pitmütze tra­gen müssen, aber das gilt für Pi­lo­ten auch, zum Bei­spiel wenn sie Gel ver­wen­den. Da die Luft­han­sa im Übri­gen bei der Aus­ge­stal­tung der Uni­for­men für Pi­lo­tin­nen kein an­de­res Mützen­de­sign als für Pi­lo­ten vor­gibt, et­wa Ba­retts oder Mützen in Schiff­chen­form, ist nicht ein­zu­se­hen, war­um die Pflicht zum Tra­gen der Unis­ex­schirmmütze nur für Männer gel­ten soll­te.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das BAG sei­ne Ent­schei­dungs­gründe veröffent­licht. Das vollständig be­gründe­te Ur­teil des BAG fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 13. Oktober 2016

Bewertung: Gleich­be­hand­lung bei der Dienst­klei­dung 5.0 von 5 Sternen (1 Bewertung)

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