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Ta­rif­li­che Zwangs­pen­sio­nie­rung ver­fas­sungs­wid­rig und frau­en­dis­kri­mi­nie­rend?

Ar­beits­ge­richt Ham­burg ent­schei­det im Ro­sen­bladt-Fall für Ar­beit­neh­me­rin: Ar­beits­ge­richt Ham­burg, Ur­teil vom 25.01.2011, 21 Ca 235/08
29.03.2011. So­wohl die Gleich­be­hand­lungs­rah­men­richt­li­nie als auch das All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) ver­bie­ten es, Ar­beit­neh­mer we­gen ih­res Al­ters zu dis­kri­mi­nie­ren, d.h. oh­ne Sach­grund schlech­ter als an­de­re zu be­han­deln. Da­her sind Ta­rif­ver­trä­ge, de­nen zu­fol­ge Ar­beits­ver­hält­nis­se mit Er­rei­chen des Ren­ten­al­ters oh­ne Kün­di­gung en­den, um­strit­ten. Denn Ren­ten­al­ter­sklau­seln füh­ren da­zu, dass Ar­beit­neh­mer al­lein we­gen ih­res Al­ters den Job ver­lie­ren.

Das Ar­beits­ge­richt (ArbG) Ham­burg hielt ei­ne sol­che Ta­rif­klau­sel im Fall der Rei­ni­gungs­kraft Gi­se­la Ro­sen­bladt für be­denk­lich und ließ sie vom Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof (EuGH) über­prü­fen. Der EuGH hat­te aus eu­ro­pa­recht­li­cher Sicht kei­ne Zwei­fel an ih­rer Recht­mä­ßig­keit, weil durch sie an­geb­lich Ar­beits­plät­ze für jün­ge­re Ar­beit­neh­mer ge­schaf­fen wer­den sol­len (Ur­teil vom 12.10.2010, C-45/09). Das ArbG hat­te da­her nur zu prü­fen, ob die Zwangs­pen­sio­nie­rung ge­gen deut­sches (Ver­fas­sungs-)Recht ver­stößt (Ur­teil vom 25.01.2011, 21 Ca 235/08).

Im Fall Ro­sen­bladt ge­hen die Mei­nun­gen aus­ein­an­der, weil Frau Ro­sen­bladt auf ih­ren Mi­ni­job drin­gend an­ge­wie­sen war, trotz­dem aber al­lein auf­grund der ta­rif­li­chen Ren­ten­al­ters­gren­ze ent­las­sen wur­de. Das ArbG Ham­burg re­spek­tier­te da­her zwar das EuGH-Ur­teil, ver­such­te aber trotz­dem, Frau Ro­sen­bladt zu hel­fen und ent­schied, dass die Ta­rif­re­ge­lung ge­gen den Gleich­heits­satz (Art.3 Grund­ge­setz - GG) ver­sto­ße. Zu­dem hät­ten von Ver­ren­tungs­klau­seln be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer ei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­op­ti­on.

Fa­zit: Die ver­fas­sungs­recht­li­chen Ar­gu­men­te des Ar­beits­ge­rich­tes Ham­burg sind kaum stich­hal­tig. Ei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gungs­op­ti­on könn­te aber be­ste­hen, d.h. von Zwangs­ver­ren­tun­gen Be­trof­fe­ne könn­ten den Ar­beit­ge­ber bei ei­ner Neu­be­set­zung der frei­ge­wor­de­nen Stel­le durch ei­ne Be­wer­bung zwin­gen, die Ab­leh­nung zu be­grün­den, was er al­lein mit Al­ters­grün­den wohl nicht kann. Hier liegt ein ju­ris­ti­scher An­satz­punkt, trotz gül­ti­ger ta­rif­li­cher Ren­ten­al­ter­sklau­seln ei­nen Fort­set­zungs­an­spruch zu be­grün­den.

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Letzte Überarbeitung: 20. September 2016

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