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Ham­bur­ger Job­cen­ter vs. In­ge Han­ne­mann

Hartz-IV-Kri­ti­ke­rin Han­ne­mann kommt nicht mehr ins Job­cen­ter - Eil­an­trag ge­gen Ver­set­zung zum In­te­gra­ti­ons­amt zu­rück­ge­wie­sen: Ar­beits­ge­richt Ham­burg, Ur­teil vom 17.07.2014, 13 Ga 5/14

18.07.2014. In­ge Han­ne­mann ist ei­ne be­kann­te lin­ke Kri­ti­ke­rin der Über­wa­chung und Sank­tio­nie­rung von Ar­beits­lo­sen durch die Ar­beits­ver­wal­tung.

Ent­spre­chend die­ser po­li­ti­schen Über­zeu­gung sah Frau Han­ne­mann wäh­rend ih­rer lang­jäh­ri­gen Tä­tig­keit als Sach­be­ar­bei­te­rin für das Job­cen­ter Ham­burg-Al­to­na oft von Sank­tio­nen ab, die - so je­den­falls ih­re Vor­ge­setz­ten - we­gen Mel­de­ver­säum­nis­sen der Ar­beits­lo­sen hät­ten ver­hängt wer­den müs­sen.

Im April 2013 wur­de die "Hartz-IV-Re­bel­lin" da­her von der Ar­beit frei­ge­stellt und er­hielt Haus­ver­bot.

Ein da­ge­gen ge­rich­te­ter ar­beits­ge­richt­li­cher Eil­an­trag wur­de am 13.07.2013 vom Ar­beits­ge­richt zu­rück­ge­wie­sen. Mit dem gleich­zei­tig an­ge­streng­ten Haupt­sa­che­ver­fah­ren (AZ: 13 Ca 236/13) möch­te Frau Han­ne­mann er­rei­chen, dass ihr Ar­beit­ge­ber, die Stadt Ham­burg, da­zu ver­pflich­tet wird, sie wie­der als Ar­beits­ver­mitt­le­rin zu be­schäf­ti­gen.

Die­ses Ver­fah­ren ist bis­lang noch nicht ent­schie­den und wird mög­li­cher­wei­se auch nicht mehr durch ein Ur­teil be­en­det. Denn nach­dem die Klä­ge­rin am 28.02.2014 aus pro­zesstak­ti­schen Grün­den ein kla­ge­ab­wei­sen­den Ver­säum­nis­ur­teil ge­gen sich hat­te er­ge­hen las­sen, hat­te das Ar­beits­ge­richt Ham­burg zu­nächst ei­nen wei­te­ren Ver­hand­lungs­ter­min auf den Som­mer 2014 an­be­raumt, ihn aber am 10.07.2014 wie­der auf­ge­ho­ben, nach­dem die Stadt Ham­burg die Ab­ord­nung Frau Han­ne­manns an das Job­cen­ter zum 30.06.2014 wi­der­ru­fen hat­te.

Da die Ab­ord­nung an das Job­cen­ter ab Ju­li 2014 nicht mehr be­steht, muss­te die Stadt Ham­burg über ei­ne an­der­wei­ti­ge Ver­wen­dung ent­schei­den und hat das auch ge­tan. Kon­kret hat die Be­hör­de für Ar­beit, So­zia­les, Fa­mi­lie und In­te­gra­ti­on (BASFI) an­ge­ord­net, dass Frau Han­ne­mann künf­tig als Sach­be­ar­bei­te­rin im Re­fe­rat In­te­gra­ti­ons­amt ar­bei­ten soll.

Da­ge­gen hat die streit­lus­ti­ge Hartz-IV-Kri­ti­ke­rin er­neut ge­klagt, und zwar im ar­beits­ge­richt­li­chen Eil­ver­fah­ren und zu­gleich im Haupt­sa­che­ver­fah­ren. Sie be­fürch­tet, dem An­for­de­rungs­pro­fil der Tä­tig­keit beim In­te­gra­ti­ons­amt fach­lich nicht zu ent­spre­chen. Die Stadt Ham­burg si­cher­te al­ler­dings ei­ne um­fas­sen­de Ein­ar­bei­tung zu.

Mit dem Eil­ver­fah­ren hat­te Frau Han­ne­mann erst ein­mal kei­nen Er­folg. Das Ar­beits­ge­richt Ham­burg wies ih­ren Eil­an­trag ges­tern zu­rück (Ar­beits­ge­richt Ham­burg, Ur­teil vom 17.07.2014, 13 Ga 5/14).

In der der­zeit al­lein vor­lie­gen­den Pres­se­mit­tei­lung be­grün­det das Ar­beits­ge­richt sei­ne Ent­schei­dung mit der feh­len­den Eil­be­dürf­tig­keit der An­ge­le­gen­heit.

Denn ob ei­ne Ar­beits­an­wei­sung rech­tens ist, d.h. vom Wei­sungs­recht des Ar­beit­ge­bers ge­deckt ist oder nicht, müs­sen Ar­beit­neh­mer im Re­gel­fall im sog. Haupt­sa­che­ver­fah­ren klä­ren las­sen. Hier müs­sen sie ca. sechs bis neun Mo­na­te Zeit mit­brin­gen, die das Ar­beits­ge­richt in der ers­ten In­stanz meist braucht, um ei­nen sol­chen Fall zu ent­schei­den.

Schnel­ler geht es da mit ei­nem Eil­ver­fah­ren, das aber nur ei­ne vor­läu­fi­ge ge­richt­li­che Ent­schei­dung zum Ziel hat und au­ßer­dem nur mög­lich ist, wenn der kla­gen­de Ar­beit­neh­mer trif­ti­ge Grün­de da­für vor­bringt, dass die vor­läu­fi­ge Be­fol­gung der Ar­beits­an­wei­sung wäh­rend der re­gu­lä­ren Ver­fah­rens­dau­er für ihn mit un­zu­mut­ba­ren Be­las­tun­gen ver­bun­den wä­re.

Da­von konn­te Frau Han­ne­mann das Ar­beits­ge­richt Ham­burg nicht über­zeu­gen. Hier­zu heißt es in der ge­richt­li­chen Pres­se­mel­dung:

"Dass Frau Han­ne­mann durch die Zu­wei­sung ei­ner Tä­tig­keit beim In­te­gra­ti­ons­amt we­sent­li­che Nach­tei­le dro­hen, die so schwer wie­gen, dass die Zu­wei­sung der ge­än­der­ten Tä­tig­keit vor­über­ge­hend bis zur Ent­schei­dung in der Haupt­a­sche nicht hin­zu­neh­men ist, hält die Kam­mer nicht für aus­rei­chend dar­ge­tan und glaub­haft ge­macht. Das Ab­war­ten der Ent­schei­dung im Haupt­sa­che­ver­fah­ren sei Frau Han­ne­mann des­halb zu­mut­bar."

Fa­zit: Im öf­fent­li­chen Dienst tä­ti­ge Ar­beit­neh­mer müs­sen so gut wie nie um ih­ren Job ban­gen, d.h. be­triebs­be­ding­te Ent­las­sun­gen kom­men prak­tisch nicht vor. Im Ge­gen­zug sind ar­beits­ver­trag­li­che Ein­gren­zun­gen des Wei­sungs­rechts im öf­fent­li­chen Dienst sel­ten, und auch die Ar­beits­ge­rich­te schrei­ben das Wei­sungs­recht öf­fent­li­cher Ar­beit­ge­ber groß.

Vor die­sem Hin­ter­grund ist es we­nig wahr­schein­lich, dass Frau Han­ne­mann ih­ren Ar­beit­ge­ber mit ge­richt­li­cher Hil­fe dar­an wird hin­dern kön­nen, künf­tig im In­te­gra­ti­ons­amt statt wie bis­her im Job­cen­ter ein­ge­setzt zu wer­den.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Ar­beits­ge­richt sei­ne Ent­schei­dungs­grün­de ver­öf­fent­licht. Das voll­stän­dig be­grün­de­te Ur­teil des Ar­beits­ge­richts fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 18. Februar 2015

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