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Raus aus dem Hams­ter­rad - Gren­zen set­zen als Selbst­stän­di­ger

Dies noch und das noch: Wer sein ei­ge­ner Chef ist, ar­bei­tet schnell über das ge­sun­de Maß hin­aus. Um da­bei nicht krank zu wer­den, soll­ten Selbst­stän­di­ge sich selbst Gren­zen set­zen. Die­se neun Stra­te­gi­en hel­fen da­bei

10.10.2016. (dpa) - Bei An­ge­stell­ten re­gelt der Ar­beits­ver­trag die wö­chent­li­che St­un­den­zahl.

Bei Selbst­stän­di­gen und Frei­be­ruf­lern gibt es da­für höchs­tens die in­ne­re Uhr.

Auch wenn An­ge­stell­te um Über­stun­den häu­fig nicht her­um­kom­men: Wer sein ei­ge­ner Chef ist, neigt be­son­ders da­zu, die ei­ge­nen Gren­zen stän­dig zu über­schrei­ten.

Kei­ne Pau­sen ma­chen, bis spät in die Nacht am Schreib­tisch sit­zen und mor­gens wie­der als ers­ter vor Ort sein: "Auf Dau­er rächt sich so ein Ver­hal­ten, denn der Kör­per braucht Aus­zei­ten, um zu re­ge­ne­rie­ren", sagt An­ja Hu­me, Ba­lance­coach aus Düs­sel­dorf.

Die­se neun Stra­te­gi­en hel­fen, et­was mehr Ru­he zu be­kom­men:

1. Re­ge­ne­ra­ti­on: Der An­spruch auf Pau­sen und Ur­laub ist für An­ge­stell­te ge­setz­lich ge­re­gelt. Bei Selbst­stän­di­gen fällt die Kon­trol­le dar­über schnell aus. Selbst­stän­di­ge soll­ten sich be­wusst ma­chen, dass Re­ge­ne­ra­ti­on ei­ne In­ves­ti­ti­on ins ei­ge­ne Un­ter­neh­men ist. "Leis­ten Sie sich den Fak­tor Er­ho­lung, denn er stärkt Ihr Un­ter­neh­men." Wich­tig da­für sei, sich re­gel­mä­ßig an­zu­schau­en: Wie vie­le St­un­den ha­be ich die­se Wo­che ge­ar­bei­tet? Wie vie­le Pau­sen ha­be ich mir ge­leis­tet? Und: Stimmt die Ba­lan­ce?

2. Be­loh­nun­gen: Sein ei­ge­ner Herr sein, frei be­stim­men kön­nen: So lau­ten häu­fig die Grün­de, um vom An­ge­stell­ten­ver­hält­nis in die Selbst­stän­dig­keit zu wech­seln. Doch wenn die Ar­beit erst­mal da ist, wer­den die schö­nen Ide­en für mehr Frei­heit häu­fig ver­ges­sen. "Es ist wich­tig, sich im­mer wie­der das zu gön­nen, was man bei der Wahl der Selbst­stän­dig­keit vor Au­gen hat­te", sagt Sa­bi­ne Kei­ner, Life Ba­lan­ce Coach aus Köln. Den Mon­tag­mor­gen blau oder bei Son­nen­schein am Nach­mit­tag Schluss ma­chen: Die Vor­tei­le der Selbst­be­stimmt­heit zu nut­zen, stär­ke die Leis­tungs­fä­hig­keit. Und wenn die Mu­ße­stun­den spä­ter nach­ge­ar­bei­tet wer­den müs­sen, ge­lin­ge das in der Re­gel ef­fek­ti­ver und zu­frie­de­ner.

3. Rhyth­mus: Mal sind es vie­le Auf­trä­ge, mal we­ni­ger - bei Selbst­stän­di­gen ist die an­fal­len­de Ar­beit oft schwer ab­zu­se­hen. Das sorgt im­mer wie­der für Stress. "Sor­gen Sie so weit es mög­lich ist für ei­nen re­gel­mä­ßi­gen Rhyth­mus", rät Hu­me. Fes­te Bü­ro­zei­ten bei­spiels­wei­se för­dern ei­ne gleich­mä­ßi­ge Ta­ges­struk­tur und hel­fen da­bei, im­mer wie­der­keh­ren­de Tä­tig­kei­ten zu struk­tu­rie­ren. "Ein fes­ter Rhyth­mus stärkt die in­ne­re Ba­lan­ce und hilft, auch in stres­si­ge­ren Zei­ten al­les bes­ser im Blick zu ha­ben."

4. Ab­sa­gen: Ei­nes der größ­ten Zeit­pro­ble­me von Selbst­stän­di­gen: Sie kön­nen häu­fig nur schlecht Nein sa­gen. Selbst wenn der Ur­laub di­rekt vor der Tür steht, sa­gen vie­le ei­nen Auf­trag nicht ab. "Es ist aber un­mög­lich und un­ge­sund, es im­mer al­len recht ma­chen zu wol­len", sagt Ma­ri­on Kai­ser-Els­ner, Coach aus Mün­chen. "Fan­gen Sie an, Ih­re Be­dürf­nis­se ernst zu neh­men und Nein zu sa­gen, wenn Auf­trä­ge Ihr Zeit­bud­get spren­gen." Die Sor­ge, den Kun­den zu ver­lie­ren, sei un­be­grün­det: "Mit ei­ner freund­li­chen Er­klä­rung ge­ben sich die meis­ten Kun­den zu­frie­den und kom­men trotz­dem wie­der."

5. Zeit­plan: "Ma­chen Sie am Wo­chen­an­fang ei­ne Wo­chen­pla­nung in­klu­si­ve Prio­ri­tä­ten und Fris­ten und am Abend oder am Mor­gen ei­nes je­den Ta­ges ei­ne Zeit­pla­nung für den Tag", emp­fiehlt Sa­bi­ne Kei­ner. Wich­tig da­bei sei­en fes­te Li­mits für be­stimm­te Tä­tig­kei­ten, et­wa ma­xi­mal drei St­un­den für die Vor­be­rei­tung ei­ner Prä­sen­ta­ti­on. "Pla­nen Sie da­bei auch 30 Pro­zent Puf­fer­zeit für Stö­run­gen und Un­vor­her­ge­se­he­nes ein, da­mit der Zeit­plan rea­lis­tisch bleibt."

6. Acht­sam­keit: Wer viel Stress hat, ver­liert schnell den Blick für das We­sent­li­che aus den Au­gen. Kai­ser-Els­ner emp­fiehlt des­halb Acht­sam­keits-Pau­sen. "Das sind klei­ne Mi­nu­ten-Aus­zei­ten, in de­nen man die Au­gen schließt, in den Bauch at­met oder in die Wol­ken schaut und in sich rein­hört." Wie füh­le ich mich ge­ra­de? Was är­gert mich? Brau­che ich ei­ne Pau­se? "Sol­che Pau­sen schär­fen den Blick für die ei­ge­nen Be­dürf­nis­se und hel­fen uns, wie­der run­ter­zu­kom­men."

7. Blo­ckie­ren: Der Auf­trag mit dem Kun­den ist in St­ein ge­mei­ßelt, die Jog­gin­grun­de nicht? "Ganz falsch", sagt Hu­me. "Ver­ab­re­dun­gen mit sich selbst soll­ten die glei­che Prio­ri­tät ha­ben wie be­ruf­li­che Ter­mi­ne." Sie emp­fiehlt, die Ter­mi­ne für Ur­laub und Frei­zeit im Ka­len­der far­big zu mar­kie­ren. "Mit sei­nen ei­ge­nen Er­ho­lungs­zei­ten kon­se­quent zu sein, ge­hört zu ei­nem gu­ten Selbst­ma­nage­ment."

8. Be­en­den: Das ma­che ich mor­gen noch und das über­mor­gen und das, wenn ich Zeit ha­be... "An­ge­fan­ge­ne, aber nicht be­en­de­te Auf­ga­ben kos­ten En­er­gie, weil un­ser Un­ter­be­wusst­sein sich im­mer wei­ter da­mit be­schäf­tigt", sagt Kei­ner. "Das sorgt auf Dau­er für ein un­be­frie­di­gen­des Ich-Muss Ge­fühl." Bes­ser: fes­te To-do-Punk­te auf den Ta­ges­plan set­zen und kon­se­quent ab­ha­ken.

9. Son­die­ren: Als Selbst­stän­di­ger ist man erst­mal be­müht, je­den Auf­trag zu ma­chen. "Das ist aber nicht im­mer der rich­ti­ge Weg", warnt Hu­me. Sie rät, Auf­trä­ge mög­lichst ziel­ori­en­tiert an­zu­neh­men. "Was will ich er­rei­chen? Ist die­ser Auf­trag da­für rich­tig?" Manch­mal sei es da­bei auch sinn­voll, Auf­trä­ge, die nicht zum ei­ge­nen Port­fo­lio pas­sen, ab­zu­sa­gen. "Das er­for­dert Mut, sorgt aber lang­fris­tig für mehr Zu­frie­den­heit, weil man sich dann auf die Din­ge kon­zen­trie­ren kann, die man wirk­lich ma­chen möch­te."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 10. Oktober 2016

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