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Hartz-IV-Satz soll um fünf Eu­ro stei­gen

Fünf Eu­ro für Er­wach­se­ne, drei bis vier Eu­ro für Kin­der und Ju­gend­li­che - so viel sol­len Hartz-IV-Be­zie­her bald mehr be­kom­men: So­zi­al­ver­bän­de und Op­po­si­ti­on kri­ti­sie­ren das als zu we­nig

11.09.2015. (dpa) - Hartz-IV-Emp­fän­ger sol­len zum Jah­res­wech­sel fünf Eu­ro mehr im Mo­nat be­kom­men.

Der Re­gel­satz für Al­lein­ste­hen­de soll von der­zeit 399 Eu­ro auf 404 Eu­ro stei­gen.

Das sieht ein Ver­ord­nungs­ent­wurf des Bun­des­so­zi­al­mi­nis­te­ri­ums vor.

Ei­ne Mi­nis­te­ri­ums­spre­che­rin be­stä­tig­te am Don­ners­tag in Ber­lin ent­spre­chen­de An­ga­ben der "Bild"-Zei­tung.

Le­ben zwei Er­wach­se­ne als Ehe­paar oder Part­ner in ei­nem Haus­halt, ei­ner so­ge­nann­ten Be­darfs­ge­mein­schaft, sol­len sie je­weils 364 statt bis­her 360 Eu­ro er­hal­ten. Für Kin­der bis zum Al­ter von sechs Jah­ren gibt es dem­nach 237 Eu­ro, das sind drei Eu­ro mehr. Für 7- bis 14-Jäh­ri­ge er­höht sich der Satz laut dem Ent­wurf um drei auf 270 Eu­ro, für 15- bis 18-Jäh­ri­ge um vier auf 306 Eu­ro.

Wie in Re­gie­rungs­krei­sen be­stä­tigt wur­de, soll das Bun­des­ka­bi­nett vor­aus­sicht­lich En­de Sep­tem­ber grü­nes Licht für die Ver­ord­nung ge­ben, dann muss sie noch den Bun­des­rat pas­sie­ren. Der Re­gel­satz für Al­lein­ste­hen­de war von 364 Eu­ro im Jahr 2011 schritt­wei­se bis 391 Eu­ro 2014 ge­stie­gen, der Satz für klei­ne Kin­der von da­mals 215 Eu­ro bis 229 Eu­ro im ver­gan­ge­nen Jahr.

Die Fest­set­zung ba­siert auf ei­ner of­fi­zi­el­len Ein­kom­mens- und Ver­brauchs­stich­pro­be zu den pri­va­ten Kon­sum­aus­ga­ben. Sie wird jähr­lich neu fest­ge­setzt an­hand der Ent­wick­lung der Prei­se und Net­to­löh­ne in Deutsch­land, wo­bei die Preis­ent­wick­lung mit ei­nem An­teil von 70 Pro­zent und die Lohn­stei­ge­run­gen zu 30 Pro­zent ein­flie­ßen.

Der Prä­si­dent des So­zi­al­ver­bands Deutsch­land, Adolf Bau­er, kri­ti­sier­te, die Be­rech­nung bil­de den All­tag der Be­trof­fe­nen nicht le­bens­echt ab. "So hat es auch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt der Bun­des­re­gie­rung in das Stamm­buch ge­schrie­ben."

Bei den Prei­sen zäh­len nicht die Ver­brau­cher­prei­se ins­ge­samt, son­dern die Prei­se der Gü­ter und Dienst­leis­tun­gen, die als re­le­vant für den tat­säch­li­chen Be­darf ein­ge­stuft wer­den. In der Ver­gan­gen­heit wur­de im­mer wie­der kri­ti­siert, dass zu vie­le Pos­ten aus den sta­tis­ti­schen Grund­da­ten her­aus­ge­nom­men wür­den. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bil­lig­te die Be­rech­nung vor ei­nem Jahr im Grund­satz, sah aber Be­darf für Nach­bes­se­run­gen et­wa hin­sicht­lich der Strom­prei­se oder der Mo­bi­li­tät.

Auch das Deut­sche Kin­der­hilfs­werk be­män­gel­te die Er­hö­hun­gen als völ­lig un­zu­rei­chend. "Drei Eu­ro mehr sind ein schlech­ter Witz", sag­te Bun­des­ge­schäfts­füh­rer Hol­ger Hof­mann.

Der Grü­nen-So­zi­al­po­li­ti­ker Wolf­gang Streng­mann-Kuhn hielt der Re­gie­rung "Re­chen­tricks" vor. "Den Hartz-IV-Be­zie­hen­den wer­den not­wen­di­ge Be­dar­fe völ­lig will­kür­lich ge­stri­chen", sag­te er. So er­hiel­ten Fa­mi­li­en mit ei­nem Kind für Kos­ten für Ver­kehr ins­ge­samt nur 47,12 Eu­ro im Mo­nat. "Fa­mi­li­en mit ge­rin­gen Ein­kom­men ge­ben in Wirk­lich­keit das Fünf­fa­che da­für aus."

Die Vi­ze­che­fin der Links­frak­ti­on, Sah­ra Wa­genk­necht, for­der­te in der "Bild"-Zei­tung ei­ne An­he­bung des Re­gel­sat­zes auf min­des­tens 500 Eu­ro im Mo­nat, um ein men­schen­wür­di­ges Le­ben zu er­mög­li­chen. Der CDU-Mit­tel­stands­po­li­ti­ker Chris­ti­an von Stet­ten kri­ti­sier­te in dem Blatt hin­ge­gen, bei der Hö­he der Hartz-IV-Sät­ze sei es kein Wun­der, dass es das "Ge­schäfts­mo­dell Hartz IV" ge­be und an­ge­bo­te­ne Ar­beit kon­se­quent ab­ge­lehnt wer­de.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 31. August 2016

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