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Heb­am­men­ver­band warnt: Im­mer mehr Kran­ken­häu­ser schlie­ßen Kreiß­saal

Zahl­rei­che der rund 2000 Kran­ken­häu­ser ar­bei­ten un­ren­ta­bel und schlie­ßen Ab­tei­lun­gen - auch Ge­burts­sta­tio­nen: Der Weg für Schwan­ge­re in den Kreiß­saal wird län­ger. Das könn­te auf der an­de­ren Sei­te aber mehr Ver­sor­gungs­qua­li­tät bei ver­blei­ben­den Sta­tio­nen be­deu­ten

24.11.2016. (dpa) - Der Deut­sche Heb­am­men­ver­band hat die Bun­des­re­gie­rung auf­ge­for­dert, den zu­neh­men­den Schlie­ßun­gen von Kreiß­sä­len ent­ge­gen­zu­wir­ken.

"Gab es 1991 bun­des­weit noch 1186 Kran­ken­häu­ser mit Ge­burts­hil­fe, wa­ren es 2014 nur noch 725", er­läu­ter­te die Prä­si­den­tin des Ver­ban­des Mar­ti­na Klenk, am Mitt­woch in Ber­lin.

"Je­de Frau und Fa­mi­lie muss wohn­ort­nah Heb­am­men­hil­fe be­kom­men kön­nen."

Klenk ar­gu­men­tier­te wei­ter, "die Rah­men­be­din­gun­gen in den Kran­ken­häu­sern müs­sen sich ver­bes­sern."

So soll­ten auch Ge­burts­hil­festa­tio­nen mit dem Si­cher­stel­lungs­zu­schlag für klei­ne Kli­ni­ken un­ter­stützt wer­den. Die Bun­des­re­gie­rung will Kli­ni­ken im länd­li­chen Raum dann fi­nan­zi­ell un­ter­stüt­zen, wenn sie für die Ver­sor­gung der Pa­ti­en­ten un­ver­zicht­bar sind.

Die Heb­am­men be­ra­ten wäh­rend ih­rer De­le­gier­ten­ta­gung noch bis Frei­tag The­men wie Kreiß­saal­schlie­ßun­gen und Ar­beit­be­las­tung. Die Ver­bes­se­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen von Heb­am­men soll ein be­rufs­po­li­ti­scher Schwer­punkt im Wahl­jahr 2017 sein, hieß es.

Die Grün­de für Kreiß­saal­schlie­ßun­gen sind un­ter an­de­rem zu we­ni­ge Ge­bur­ten­zah­len et­wa im länd­li­chen Raum. Das bringt Pro­ble­me bei der Fi­nan­zie­rung mit sich, aber auch feh­len­de Pra­xis und da­mit ab­neh­men­de Qua­li­tät bei der Ver­sor­gung Schwan­ge­rer. Wenn klei­ne Kli­ni­ken we­gen des Kos­ten­drucks die Ge­burts­hil­fe auf­gä­ben, wür­den die wer­den­den Müt­ter in die gro­ßen Zen­tren ab­wan­dern.

Zum an­de­ren fehl­ten mitt­ler­wei­le an vie­len Or­ten Heb­am­men, so der Ver­band. Ar­beits­be­las­tung und -ver­dich­tung sei­en an der Ta­ges­ord­nung. Im­mer we­ni­ger Heb­am­men sei­en be­reit, an­ge­stellt und Voll­zeit an ei­ner Kli­nik zu ar­bei­ten, er­klär­te Klenk wei­ter. Al­ler­dings trifft die­se Ar­beits­ver­dich­tung auch an­de­re Be­rei­che im Ge­sund­heits­we­sen.

Für frei­be­ruf­li­che Heb­am­men soll­te nach den Wor­ten Klenks die Haft­pflicht­pro­ble­ma­tik nach­hal­tig ge­löst wer­den, um wie­der mehr Heb­am­men in der Ge­burts­hil­fe zu hal­ten. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren wa­ren die pri­va­ten Be­rufs­haft­pflicht­ver­si­che­run­gen er­heb­lich ge­stie­gen, so dass be­fürch­tet wur­de, die Zahl frei­be­ruf­li­cher Ge­burts­hel­fe­rin­nen könn­te stark sin­ken. Heb­am­men­ver­bän­de und der Spit­zen­ver­band der Ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) strit­ten lan­ge über ei­nen fi­nan­zi­el­len Aus­gleich für die Ge­burts­hel­fe­rin­nen. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te ei­ne Schieds­stel­le dann ei­nen Aus­gleich fest­ge­setzt, der seit 1. Ja­nu­ar greift.

Der GKV-Spit­zen­ver­band er­klär­te: "Die Kran­ken­kas­sen ha­ben ih­re Haus­auf­ga­ben ge­macht. Von der Fi­nan­zie­rung der Be­rufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung für frei­be­ruf­li­che Heb­am­men bis hin zu der Un­ter­brin­gung auf dem Fest­land von wer­den­den El­tern, die auf den Nord­see­inseln kei­ne Ge­burts­sta­tio­nen fin­den, rei­chen die Maß­nah­men." Im üb­ri­gen kön­ne die Schlie­ßung ei­ner nur ge­le­gent­lich ge­nutz­ten Ge­burts­hil­festa­ti­on durch­aus ein Schritt hin zu ei­ner bes­se­ren Ver­sor­gungs­qua­li­tät sein und da­mit trotz der da­mit ver­bun­de­nen Un­an­nehm­lich­kei­ten gut für die wer­den­den El­tern und das un­ge­bo­re­ne Kind sein, er­klär­te Spre­cher Flo­ri­an Lanz.

Die Grü­nen-Ge­sund­heits­po­li­ti­ker Eli­sa­beth Schar­fen­berg und Ha­rald Ter­pe er­klär­ten: "Es ist er­freu­lich, dass die Zahl der Ge­bur­ten steigt. Für mehr Ge­bur­ten brau­chen wir auch mehr gut aus­ge­bil­de­te Heb­am­men. Doch die Ent­wick­lung läuft in ei­ne an­de­re Rich­tung. Das muss sich drin­gend än­dern."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 29. November 2016

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