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Hil­fe für Feu­er­wehr­leu­te

Brand­op­fer und Un­fall­to­te - bei Ret­tungs­ein­sät­zen wer­den auch die Hel­fer psy­chisch be­las­tet: Land­au­er Feu­er­wehr be­auf­tragt für ih­re Ein­satz­kräf­te ei­nen ei­ge­nen Seel­sor­ger.

13.02.2013. (dpa) - «Schwei­gen und Zu­hö­ren ist das obers­te Ge­bot bei mei­ner Ar­beit», sagt Gott­fried Böhm.

Der 54-Jäh­ri­ge ist Feu­er­wehr­seel­sor­ger im pfäl­zi­schen Land­au und hilft bei der Ver­ar­bei­tung trau­ma­ti­scher Ein­sät­ze.

Oft sei­en es Ge­rü­che und ein­zel­ne Bil­der, die die Ein­satz­kräf­te nicht mehr los­lie­ßen. Böhm bie­tet dann die Mög­lich­keit, das Er­leb­te in Ge­sprä­chen zu ver­ar­bei­ten. Mit ei­ner psy­cho­lo­gi­schen The­ra­pie ha­be sei­ne Ar­beit aber nichts zu tun, sagt er.

Bei Be­darf kön­nen sich auch die Fa­mi­li­en der Feu­er­wehr­män­ner- und frau­en mel­den. «Ich hel­fe na­tür­lich un­ab­hän­gig von Kon­fes­si­on, Kir­chen­zu­ge­hö­rig­keit oder Welt­an­schau­ung», sagt Böhm, der haupt­be­ruf­lich als Dia­kon ar­bei­tet. Zu sei­nem Amt ge­kom­men ist er durch per­sön­li­chen Kon­takt: «Mei­ne Söh­ne sind bei der Feu­er­wehr Land­au ak­tiv und so kam die Ver­bin­dung zu­stan­de.»

Nach­dem er die zwei­jäh­ri­ge Feu­er­wehr-Grund­aus­bil­dung ab­ge­schlos­sen hat­te, be­gann Böhm im Mai ver­gan­ge­nen Jah­res sei­ne eh­ren­amt­li­che Seel­sor­ger-Ar­beit für die Feu­er­wehr. Da­bei war­tet er nicht nur dar­auf, dass die Feu­er­wehr­leu­te ihn an­spre­chen, son­dern er geht auf sie zu.

«Die Hemm­schwel­le ist na­tür­lich deut­lich ge­rin­ger, wenn man Gott­fried kennt und kein Ex­ter­ner kommt, den man viel­leicht auch noch siezt», be­rich­tet Stadt­feu­er­weh­r­inspek­teur Dirk Har­ges­hei­mer. Die 211 Feu­er­wehr­leu­te, von de­nen 15 weib­lich sind, ken­nen Böhm und wür­den bei Be­darf das Ge­spräch mit ihm su­chen.

Sein Stell­ver­tre­ter Mi­cha­el Bumb be­rich­tet, dass er bis heu­te im­mer wie­der an ei­nen Ein­satz mit ei­nem To­ten den­ken muss, ob­wohl das schon Jah­re her ist. Doch da­mals ha­be es noch kei­ne Seel­sor­ge-An­ge­bo­te für Ein­satz­kräf­te ge­ge­ben: «Ich hät­te mir das ge­wünscht und bin froh, dass dies nun ak­zep­tier­ter ist.» Die heu­ti­ge Feu­er­wehr - vor al­lem die Ju­gend - sei of­fe­ner und das Be­wusst­sein ha­be sich ver­än­dert: «Die Ge­sprä­che sind enorm wich­tig, die see­li­schen Be­las­tun­gen ma­chen ei­nen sonst ka­putt.»

Auch im Land­kreis May­en-Ko­blenz gibt es ei­nen spe­zi­ell für die Feu­er­wehr tä­ti­gen Seel­sor­ger. «An­de­re Feu­er­weh­ren müss­ten, so­fern sie Be­darf ha­ben und die Not­wen­dig­keit se­hen, auf die Kri­sen­in­ter­ven­ti­ons­diens­te zu­rück­grei­fen», er­klärt der Land­au­er Feu­er­weh­r­inspek­teur Har­ges­hei­mer. Böhm sei zwar pri­mär für die Feu­er­wehr Land­au zu­stän­dig, ist aber auch für an­de­re Feu­er­weh­ren of­fen. Ei­ne Zu­sam­men­ar­beit mit dem be­nach­bar­ten Land­kreis Süd­li­chen Wein­stra­ße nimmt ge­ra­de kon­kre­te For­men an.

Laut Sta­tis­tik der Feu­er­weh­ren in Rhein­land-Pfalz kam es 2011 zu 8311 Brän­den; 26 Men­schen star­ben da­bei, 642 konn­ten ge­ret­tet wer­den. Den größ­ten An­teil der Feu­er­wehr­ar­beit bil­den aber Hil­fe­leis­tun­gen et­wa nach Ver­kehrs­un­fäl­len oder Über­schwem­mun­gen. Für die Feu­er­weh­ren be­deu­te­te das 22 422 Ein­sät­ze - mit 184 To­ten. 2276 Men­schen konn­ten ge­ret­tet wer­den.

Wie wich­tig die Ver­ar­bei­tung nach ei­nem Ein­satz für die Feu­er­wehr­leu­te ist, be­stä­tigt Di­plom-Psy­cho­lo­ge Fre­di Lang: «Ein nicht ver­ar­bei­te­tes Trau­ma kann zu Kon­zen­tra­ti­ons­stö­run­gen und Schlaf­lo­sig­keit füh­ren», sagt der Re­fe­rats­lei­ter Fach- und Bil­dungs­po­li­tik des Be­rufs­ver­bands Deut­scher Psy­cho­lo­gin­nen und Psy­cho­lo­gen. Die Sym­pto­me könn­ten im schlimms­ten Fall ei­ne vor­über­ge­hen­der Ar­beits­un­fä­hig­keit zur Fol­ge ha­ben.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 18. Dezember 2013

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