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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Lebenspartner, Hinterbliebenenrente, Diskriminierung: Sexuelle Identität
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Niedersachsen
Akten­zeichen: 3 Sa 540/10 B
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 28.09.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Hannover, Urteil vom 03.02.2010, 8 Ca 199/09 Ö
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 11.12.2012, 3 AZR 684/10
   

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT

NIE­DERSACHSEN

 

Verkündet am:

28.09.2010

Ge­richts­an­ge­stell­te als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

IM NA­MEN DES VOL­KES

UR­TEIL

3 Sa 540/10 B

8 Ca 199/09 Ö ArbG Han­no­ver

In dem Rechts­streit

Kläger und Be­ru­fungs­be­klag­ter,

ge­gen

Be­klag­te und Be­ru­fungskläge­rin,

hat die 3. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nie­der­sach­sen auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 28. Sep­tem­ber 2010 durch

den Vi­ze­präsi­den­ten des Lan­des­ar­beits­ge­richts Vo­gel­sang,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn An­dritz­ky,
die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Frau Pohl 

für Recht er­kannt:

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Han­no­ver vom 03.02.2010 - 8 Ca 199/09 Ö - wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Fra­ge, ob die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, an den Kläger als ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner des frühe­ren Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ten B. ei­ne Hin­ter­blie­ben­ver­sor­gung zu zah­len.

 

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Herr B. (Ge­burts­jahr 1945) war bei der Be­klag­ten als Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ter nach Be­sol­dungs­grup­pe A 12 beschäftigt. Am 13.11.2003 be­gründe­te er mit dem Kläger, der eben­falls Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ter ist, ei­ne Le­bens­part­ner­schaft nach § 1 Abs. 1 LPartG. Am 12.09.2007 ver­starb Herr B.. Die für ihn gel­ten­de Dienst­ord­nung enthält u. a. fol­gen­de Re­ge­lung:

„§ 6 Geld- und geld­wer­te Leis­tun­gen, Ver­sor­gung
(1) Für Geld- und geld­wer­te Leis­tun­gen und die Ver­sor­gung gel­ten die Vor­schrif­ten für Be­am­te des Bun­des ent­spre­chend.
(2) (…)“

Den An­trag des Klägers, ihm als Hin­ter­blie­be­nen des Herrn B. Wit­wer­pen­si­on wie ei­nem über­le­ben­den Ehe­gat­ten zu zah­len, lehn­te die Be­klag­te ab.

Der Kläger hat die An­sicht ver­tre­ten, nach­dem der Ge­setz­ge­ber die Le­bens­part­ner­schaft in­zwi­schen zi­vil­recht­lich fast völlig mit der Ehe gleich­ge­stellt ha­be, ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die ge­gen­sei­ti­gen Un­ter­halts­ver­pflich­tun­gen, be­ste­he ein An­spruch auf Gleich­stel­lung von Le­bens­part­nern mit Ehe­gat­ten im Rah­men der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung. Ar­ti­kel 6 Abs. 1 GG zwin­ge den Ge­setz­ge­ber nicht et­wa, Le­bens­part­ner ge­genüber Ehe­part­nern zu be­nach­tei­li­gen. Ei­ne sol­che Vor­ge­hens­wei­se ver­s­toße auch ge­gen die Richt­li­nie 2000/78 EG.

Der Kläger hat be­an­tragt,

fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, an den Kläger seit Ok­to­ber 2007 ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung in dem sel­ben Um­fang zu zah­len, wie dies die Be­stim­mun­gen des Be­am­ten­ver­sor­gungs­ge­set­zes für ei­nen Ehe­part­ner vor­se­hen.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hat die An­sicht ver­tre­ten, für ei­nen An­spruch auf Wit­wergeld ge­be es kei­ne ge­setz­li­che Grund­la­ge. In­so­weit be­ste­he auch kei­ne Re­ge­lungslücke. Ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung der ent­spre­chen­den Be­stim­mun­gen des Be­am­ten­ver­sor­gungs­ge­set­zes schei­de

 

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eben­falls aus. We­gen des ver­fas­sungs­recht­li­chen Schut­zes der Ehe aus Ar­ti­kel 6 Abs. 1 GG sei es dem Ge­setz­ge­ber auch nicht ver­wehrt, die­se ge­genüber an­de­ren Le­bens­for­men zu begüns­ti­gen. Das Wit­wergeld stel­le zu­dem kei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung und da­mit kein Ar­beits­ent­gelt im Sin­ne der Recht­spre­chung des EuGH dar. Im Übri­gen sei der ver­stor­be­ne Le­bens­part­ner des Klägers nicht Ar­beit­neh­mer, son­dern Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ter ge­we­sen, so dass die be­am­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten ein­schlägig sei­en.

Durch Ur­teil vom 03.03.2010 hat das Ar­beits­ge­richt fest­ge­stellt, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, dem Kläger seit Ok­to­ber 2007 ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung in dem sel­ben Um­fang zu zah­len, wie dies die Be­stim­mun­gen des Be­am­ten­ver­sor­gungs­ge­set­zes für ei­nen Ehe­part­ner vor­se­hen. Die Kos­ten des Rechts­streits hat es dem Kläger zu 12 % und der Be­klag­ten zu 88 % auf­er­legt. We­gen der Be­gründung wird auf die Ent­schei­dungs­gründe des an­ge­foch­te­nen Ur­teils (Bl. 129 Rs. bis 132 d. A.) Be­zug ge­nom­men. Das Ur­teil ist der Be­klag­ten am 11.03.2010 zu­ge­stellt wor­den. Sie hat hier­ge­gen am 12.04.2010 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 11.06.2010 am 10.06.2010 be­gründet.

Die Be­klag­te ist der An­sicht, der Schutz von Ehe und Fa­mi­lie ha­be im Ge­gen­satz zur ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­ge­mein­schaft Ver­fas­sungs­rang. Zwar be­ste­he kei­ne Pflicht des Ge­setz­ge­bers, die ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­ge­mein­schaft schlech­ter zu be­han­deln als die Ehe. Die Ehe dürfe aber als ver­fas­sungs­recht­lich be­son­ders geschütz­te In­sti­tu­ti­on bes­ser be­han­delt wer­den. Wenn die Ver­fas­sung selbst ei­ne Un­ter­schei­dung vor­neh­me, könne dem Ge­setz­ge­ber kei­ne willkürli­che Un­gleich­be­hand­lung vor­ge­wor­fen wer­den, wenn er dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Un­ter­schei­dungs­mus­ter fol­ge.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Han­no­ver vom 03. Fe­bru­ar 2010 - 8 Ca 199/09 Ö - wird ab­geändert. Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.

Der Kläger be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Er ver­tei­digt die ar­beits­ge­richt­li­che Ent­schei­dung nach Maßga­be sei­nes Schrift­sat­zes vom 08.07.2010 (Bl. 180 - 182 d. A.).

 

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Ent­schei­dungs­gründe

I.
Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist statt­haft, sie ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den und da­mit ins­ge­samt zulässig (§§ 66, 64 ArbGG, 519, 520 ZPO).

II.
Die Be­ru­fung ist je­doch nicht be­gründet, weil das Ar­beits­ge­richt den Rechts­streit zu­tref­fend ent­schie­den hat.

1.
Die Kla­ge ist zulässig. Ins­be­son­de­re ist das gemäß § 256 ZPO er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se ge­ge­ben. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts sind im Be­reich des öffent­li­chen Diens­tes grundsätz­lich Fest­stel­lungs­kla­gen zulässig, weil sich die Ar­beit­ge­ber des öffent­li­chen Diens­tes der ge­richt­li­chen Ent­schei­dung hierüber in al­ler Re­gel beu­gen und auf die­se Wei­se der Rechts­frie­den wie­der her­ge­stellt wird (BAG, Urt. vom 05.11.2003 - 4 AZR 632/02 - AP Nr. 38 zu § 256 ZPO, 1977 = NZA-RR 2004, 442).

2.
Die Kla­ge ist nach dem un­strei­ti­gen Sach­vor­brin­gen der Par­tei­en auch be­gründet. Aus der Wer­tung in § 2 Abs. 1 Nr. 2 und § 8 Abs. 2 AGG er­gibt sich ein An­spruch des Klägers auf die Zah­lung der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung.

Al­ler­dings folgt der An­spruch - hier­auf weist die Be­klag­te zu­tref­fend hin - nicht aus der Dienst­ord­nung in Ver­bin­dung mit § 19 Abs. 1 S. 1, 28 Be­amt­VG. Der Kläger ist nämlich we­der Wit­wer ei­nes ver­stor­be­nen Be­am­ten noch Wit­wer ei­ner ver­stor­be­nen Be­am­tin. Da­mit sind über­le­ben­de Le­bens­part­ner ei­ner Le­bens­part­ner­schaft nicht an­spruchs­be­rech­tigt. Dies verstößt je­doch ge­gen die Re­ge­lun­gen in Ar­ti­kel 1 und 2 der Richt­li­nie 2000/78 EG. Die­se Richt­li­nie bin­det die Be­klag­te als öffent­li­chen Ar­beit­ge­ber im vor­lie­gen­den Fall un­mit­tel­bar. Darüber hin­aus verstößt die Re­ge­lung auch ge­gen die Be­stim­mung in § 2 Abs. 1 Nr. 2 des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes, durch das der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber die ge­nann­te EU-Richt­li­nie nun­mehr um­ge­setzt hat. Die Be­stim­mun­gen des AGG gel­ten trotz der in § 2 Abs. 2 Satz 2 AGG ent­hal­te­nen Ver­wei­sung auf das Be­triebs­ren­ten­ge­setz auch für die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung, so­fern das Be­triebs­ren­ten­ge­setz nicht ren­ten­recht­lich vor­ran­gi­ge Son­der­re­ge­lun­gen enthält. Die Re­ge­lung in § 2 Abs. 2 Satz 2 AGG wird hier­durch auch nicht ge­gen­stands­los. Sie behält viel­mehr ih­re Be­deu-

 

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tung als Kol­li­si­ons­re­ge­lung (BAG, Urt. v. 11.12.2007 – 3 AZR 249/06 – AP Nr. 1 zu § 2 AGG = NZA 2008, 532).

Die in der Dienst­ord­nung ge­trof­fe­ne Re­ge­lung in Ver­bin­dung mit den Be­stim­mun­gen des Be­amt­VG im Hin­blick auf die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung stellt ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung im Sin­ne von Ar­ti­kel 1 und Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78/EG so­wie gemäß § 1 und § 2 Abs. 1 Nr. 2 AGG dar. Nach der Recht­spre­chung des EuGH (EuGH 01.04.2008 – Rs C-267/06 (Ma­ru­ko) – AP Nr. 9 zur Richt­li­nie 2000/78/EG = NZA 2008, 459) verstößt die Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Ehe­gat­ten und über­le­ben­den Le­bens­part­nern bei der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ge­gen die Re­ge­lun­gen der Richt­li­nie 2000/78/EG, so­fern sich ein über­le­ben­der Le­bens­part­ner in ei­ner Si­tua­ti­on be­fin­det, die mit der ei­nes Ehe­gat­ten, der ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung erhält, ver­gleich­bar ist. Die­se ver­gleich­ba­re Si­tua­ti­on hat der Ge­setz­ge­ber mit dem „Ge­setz zur Übe­r­ar­bei­tung des Le­bens­part­ner­schafts­rechts“ ab dem 01.01.2005 für ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner ge­schaf­fen. Durch die­ses Ge­setz wur­de für ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner der Ver­sor­gungs­aus­gleich ein­geführt und die ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung der Ehe gleich­ge­stellt (§ 46 Abs. 4 SGB VI). Seit die­sem Zeit­punkt be­steht auch im Hin­blick auf die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ei­ne mit der Ehe recht­lich ver­gleich­ba­re Si­tua­ti­on (BAG, Urt. vom 14.01.2009 – 3 AZR 20/07 - AP Nr. 315 zu Art. 3 GG = NZA 2009, 489; BAG, Urt. vom 15.09.2009 - 3 AZR 294/09 - AP Nr. 317 zu Art. 3 GG = NZA 2010, 216; BVerfG vom 07.07.2009 - 1BvR 1164/07 - BVerfGE 124, 199 = NJW 2010, 1439).

Die Be­klag­te kann in­so­weit nicht mit Er­folg ein­wen­den, bei der Al­ters­ver­sor­gung han­de­le es sich nicht um ein Ar­beits­ent­gelt im Sin­ne von Art. 141 EG bzw. § 2 Abs. 1 Nr. 2 AGG.

Die Hin­ter­blie­be­nen­ren­te hat nämlich ih­ren Ur­sprung in der Zu­gehörig­keit des Ehe­gat­ten oder Le­bens­part­ners zu dem Ren­ten­sys­tem. Der Hin­ter­blie­be­ne er­wirbt den Ren­ten­an­spruch im Rah­men des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses zwi­schen sei­nem Ehe­gat­ten bzw. Le­bens­part­ner und des­sen Ar­beit­ge­ber. Die Ren­te wird auf­grund des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses des Ehe­gat­ten bzw. Le­bens­part­ners ge­zahlt (EuGH 01.04.2008 – Rs C-267/06 (Ma­ru­ko) – AP Nr. 9 zur Richt­li­nie 2000/78/EG = NZA 2008, 459; BVerfG vom 07.07.2009 - 1BvR 1164/07 - BVerfGE124, 199 = NJW 2010, 1439).

Hier­an ändert sich auch nichts durch den Ver­weis der Dienst­ord­nung auf die Be­stim­mun­gen des Bun­des­be­am­ten­ge­set­zes. Da­durch wird aus der ge­schul­de­ten Leis­tung kei­ne

 

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öffent­lich-recht­li­che Be­am­ten­ver­sor­gung. Grund­la­ge der Leis­tung bleibt nach wie vor das zwi­schen dem Kläger und der Be­klag­ten be­gründe­te Ar­beits­verhält­nis. Die Al­ters­ver­sor­gung, auch die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung, ist Ge­gen­leis­tung für die vom Kläger er­brach­te Ar­beits­leis­tung, und zwar ge­ra­de auch dann, wenn die­se Leis­tung al­lein vom Ar­beit­ge­ber fi­nan­ziert wird.

Die Be­klag­te kann auch nicht et­wa mit Er­folg gel­tend ma­chen, der Kläger sei als Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ter kein Ar­beit­neh­mer. Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­te sind trotz der weit­ge­hend öffent­lich recht­li­chen aus­ge­stal­te­ten Re­ge­lun­gen ih­rer An­stel­lungs­verhält­nis­se Ar­beit­neh­mer und nicht Be­am­te oder In­ha­ber ei­nes sons­ti­gen be­son­de­ren öffent­lich recht­li­chen Sta­tus. Sie wer­den nämlich wie die sons­ti­gen Ar­beit­neh­mer auf­grund ei­nes pri­vat-recht­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges beschäftigt, der das ent­schei­den­de Kri­te­ri­um für die Ar­beit­neh­mer­ei­gen­schaft im Ge­gen­satz zu sons­ti­gen Per­so­nen ist, die gleich­falls Ar­beit oder Dienst aus an­de­ren Rechts­gründen leis­ten, oh­ne je­doch Ar­beit­neh­mer im Rechts­sin­ne zu sein (BAG, Urt. vom 25.04.1979 - 4 AZR 791/77 - AP Nr. 49 zu § 611 BGB, Dienst­ord­nungs-An­ge­stell­te).

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist al­ler­dings Vor­aus­set­zung für den An­spruch ei­nes ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ners auf Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung, dass am 01.01.2005, al­so dem Zeit­punkt, in dem der Ge­setz­ge­ber im Hin­blick auf die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ei­ne ver­gleich­ba­re Si­tua­ti­on zwi­schen Ehe und ein­ge­tra­ge­ner Le­bens­part­ner­schaft ge­schaf­fen hat, ein Rechts­verhält­nis zwi­schen dem Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten und dem Ver­sor­gungs­schuld­ner be­stand. Ein sol­ches Rechts­verhält­nis war im vor­lie­gen­den Fall ge­ge­ben. Herr B. war zu die­sem Zeit­punkt noch Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­ter der Be­klag­ten und auch be­reits ei­ne Le­bens­part­ner­schaft mit dem Kläger ein­ge­gan­gen. An­knüpfungs­punkt für den An­spruch auf Gleich­be­hand­lung ist al­lein die Tat­sa­che, dass die Le­bens­part­ner­schaft den neu­en, ab dem 01.01.2005 gel­ten­den Re­ge­lun­gen un­terfällt. Der Eu­ropäische Ge­richts­hof hat in sei­ner Ent­schei­dung vom 01.04.2008 (Rs C-267/06 (Ma­ru­ko) – AP 9 zur Richt­li­nie 2000/78/EG = NZA 2008, 459) zu­dem aus­drück­lich klar­ge­stellt, dass die Wir­kun­gen sei­ner Ent­schei­dung zur Richt­li­nie 2000/78/EG in zeit­li­cher Hin­sicht nicht zu be­schränken sind.

Die Ver­sa­gung des An­spruchs auf Zah­lung ei­ner Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung würde im vor­lie­gen­den Fall auch tatsächlich zu ei­ner Un­gleich­be­hand­lung im Ver­gleich zu ei­nem hin­ter­blie­be­nen Ehe­gat­ten führen. Die­ser hätte nämlich nach der Re­ge­lung der §§ 19, 28 Be­amt­VG An­spruch auf Zah­lung ei­nes Wit­wen- bzw. Wit­wergel­des. Denn die Le­bens-

 

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part­ner­schaft des Klägers mit Herrn B. hat gemäß § 19 Abs. 1 Nr. 1 Be­amt­VG mehr als ein Jahr ge­dau­ert.

Die Be­klag­te kann fer­ner nicht mit Er­folg gel­tend ma­chen, die Er­stre­ckung der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung auf ei­nen über­le­ben­den Le­bens­part­ner würde zu ei­ner un­ge­recht­fer­tig­ten Bes­ser­stel­lung ge­genüber ei­nem ver­gleich­ba­ren Be­am­ten führen. Selbst wenn dies tatsächlich der Fall sein soll­te, stünde dies dem vom Kläger gel­tend ge­mach­ten An­spruch nicht ent­ge­gen. Die Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie 2000/78/EG so­wie des AGG ver­bie­ten le­dig­lich ei­ne Schlech­ter­stel­lung der Be­trof­fe­nen. Ob sich in­so­weit auch ein ent­spre­chen­der An­spruch für Be­am­te ergäbe, braucht im vor­lie­gen­den Fall da­ge­gen nicht ent­schie­den zu wer­den.

Der Ein­be­zie­hung von Le­bens­part­nern steht auch das aus dem Rechts­staats­prin­zip (Art. 20 Abs. 3 GG) ab­zu­lei­ten­de Ge­bot des Ver­trau­ens­schut­zes nicht ent­ge­gen. Auch in die­sem Punkt folgt die Kam­mer der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG, Urt. vom 15.09.2009 - 3 AZR 294/09 - AP Nr. 317 zu Art. 3 GG = NZA 2010, 216).

Die Be­klag­te kann schließlich nicht mit Er­folg ein­wen­den, dass un­ter den ge­ge­be­nen Umständen der ei­gent­lich Zweck der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu hin­ter­fra­gen sei. Sie meint, es sei nicht ein­sich­tig, war­um es un­ter den geänder­ten Be­din­gun­gen in den Er­werbs­bio­gra­phi­en im­mer noch üblich sei, dass Ehe­part­ner ei­nes Be­am­ten ein Le­ben lang An­spruch auf Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung er­hiel­ten. Mit die­sem Ein­wand stellt sie die rechts­po­li­ti­sche Er­for­der­lich­keit der Re­ge­lun­gen des Be­am­ten­ver­sor­gungs­ge­set­zes so­wohl für Ehe­leu­te als auch für Le­bens­part­ner ins­ge­samt in Fra­ge. Dies ändert aber nichts an der auf die­sen Re­ge­lun­gen be­ru­hen­den Un­gleich­be­hand­lung von Ehe­part­nern und Le­bens­part­nern nach dem LPartG.

Auch die Tat­sa­che, dass das Bun­des­ver­si­che­rungs­amt D-Stadt die Dienst­ord­nung der Be­klag­ten am 29.07.2007 ge­neh­migt hat, ändert nichts an der Un­wirk­sam­keit der Re­ge­lung, so­weit die­se zu ei­ner Her­aus­nah­me von Le­bens­part­nern aus der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung führt

III.
Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.

Die Re­vi­si­on war gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG zu­zu­las­sen.

 

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Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil fin­det, wie sich aus der Ur­teils­for­mel er­gibt, die Re­vi­si­on statt.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss in­ner­halb ei­nes Mo­nats nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils, die Re­vi­si­ons­be­gründung in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­hen.

Die An­schrift des Bun­des­ar­beits­ge­richts lau­tet:

Post­fach, 99113 Er­furt

oder

Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt.

Te­le­fax-Nr.: (0361) 26 36 – 20 00

Vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt müssen sich die Par­tei­en durch Pro­zess­be­vollmäch­tig­te ver­tre­ten las­sen. Als Be­vollmäch­tig­te sind außer Rechts­anwälten nur die in § 11 Ab­satz 2 Satz 2 Nr. 4 und 5 ArbGG be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen zu­ge­las­sen. Die­se müssen in Ver­fah­ren vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt durch Per­so­nen mit Befähi­gung zum Rich­ter­amt han­deln.

Die Re­vi­si­ons­schrift, die Re­vi­si­ons­be­gründungs­schrift und die sons­ti­gen wech­sel­sei­ti­gen Schriftsätze im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren sol­len 7-fach – für je­den wei­te­ren Be­tei­lig­ten ein Ex­em­plar mehr – ein­ge­reicht wer­den.

 

Vo­gel­sang 

An­dritz­ky 

Frau Pohl

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