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Hin­weis­pflicht des Ar­beit­ge­bers zum The­ma Be­triebs­ren­te

Kei­ne all­ge­mei­ne Pflicht des Ar­beit­ge­bers, den Ar­beit­neh­mer auf die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung per Ent­gelt­um­wand­lung ge­mäß § 1a Be­trAVG hin­zu­wei­sen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 21.01.2014, 3 AZR 807/11

29.01.2014. Wer Rück­la­gen für sein Al­ter bil­den möch­te, muss lang­fris­tig pla­nen und sich über ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten des Spa­rens in­for­mie­ren.

Da­bei gilt oft die Re­gel: Wer früh da­mit an­fängt, re­gel­mä­ßig klei­ne Rück­la­gen zu bil­den, steht sich am En­de oft bes­ser als der­je­ni­ge, der in spä­te­ren Jah­ren grö­ße­re Be­trä­ge für sei­ne Al­ters­ver­sor­gung auf­wen­det.

Sind mög­li­che Spar­leis­tun­gen ein­mal in der Ver­gan­gen­heit un­ter­blie­ben, sind da­mit Zins­ef­fek­te und mög­li­che steu­er­li­che Be­güns­ti­gun­gen ver­schenkt. Das ist är­ger­lich, erst recht dann, wenn man bei kor­rek­ter In­for­ma­ti­on über sei­ne recht­li­chen Mög­lich­kei­ten ge­spart hät­te.

In ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) klar­ge­stellt, dass Ar­beit­neh­mer die­sen Är­ger nicht ge­gen ih­ren Ar­beit­ge­ber rich­ten kön­nen, wenn die­ser sie nicht von sich aus auf die Mög­lich­keit ei­ner Ent­gelt­um­wand­lung hin­ge­wie­sen hat: BAG, Ur­teil vom 21.01.2014, 3 AZR 807/11.

Pflicht des Arbeitgebers zur Information der Arbeitnehmer über Möglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung?

Gemäß § 1a Abs.1 Satz 1 Be­triebs­ren­ten­ge­setz (Be­trAVG) können Ar­beit­neh­mer von ih­rem Ar­beit­ge­ber ver­lan­gen, dass von ih­ren künf­ti­gen Ent­gelt­ansprüchen bis zu 4 Pro­zent der je­wei­li­gen Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung durch Ent­gelt­um­wand­lung für die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung ver­wen­det wer­den. Zur Durchführung die­ses An­spruchs müssen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer ei­ne Ver­ein­ba­rung tref­fen.

Der An­spruch auf Ent­gelt­um­wand­lung kann für Ar­beit­neh­mer fi­nan­zi­ell in­ter­es­sant sein, weil die Spar­leis­tun­gen steu­er­lich begüns­tigt sind und der per Ent­gelt­um­wand­lung zurück­ge­leg­te Teil des Ar­beits­lohns weit­ge­hend von So­zi­al­ab­ga­ben be­freit ist.

Ist der Ar­beit­ge­ber da­zu be­reit, sei­nen Ar­beit­neh­mern ei­ne Be­triebs­ren­te in Form ei­nes Pen­si­ons­fonds oder ei­ner Pen­si­ons­kas­se (§ 1b Abs.3 Be­trAVG) zur Verfügung zu stel­len, ist die Ent­gelt­um­wand­lung dort durch­zuführen, d.h. durch Beiträge zum Pen­si­ons­fonds bzw. der Pen­si­ons­kas­se.

Im Re­gel­fall und vor al­lem in klei­ne­ren Un­ter­neh­men gibt es so et­was nicht, und für die­sen Fall sieht § 1a Abs.1 Satz 3 Be­trAVG vor, dass der Ar­beit­neh­mer ei­nen An­spruch dar­auf hat, dass der Ar­beit­ge­ber für ihn ei­ne Di­rekt­ver­si­che­rung ab­sch­ließt, d.h. ei­ne pri­va­te Ren­ten­ver­si­che­rung bei ei­ner Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft.

Den An­spruch auf Ent­gelt­um­wand­lung gibt es zwar schon sein An­fang 2002, doch ma­chen vie­le Ar­beit­neh­mer da­von kei­nen Ge­brauch. Und man­cher Ar­beit­neh­mer weiß schlicht nicht, dass er die­sen An­spruch hat.

Dann stellt sich die recht­li­che Fra­ge, ob der Ar­beit­ge­ber von sich aus den Ar­beit­neh­mer dar­auf hin­wei­sen muss, dass der An­spruch auf Ent­gelt­um­wand­lung be­steht. Im Ge­setz selbst, d.h. in § 1a Be­trAVG, ist ei­ne sol­che Aus­kunfts­pflicht nicht fest­ge­schrie­ben. Aber viel­leicht er­gibt sie sich ja aus den ar­beits­ver­trag­li­chen Ne­ben­pflich­ten des Ar­beit­ge­bers, d.h. aus sei­ner Fürsor­ge­pflicht (§ 242 Bürger­li­ches Ge­setz­buch - BGB).

Der Streitfall: Arbeitnehmer verlangt Schadensersatz wegen unterbliebener Information über die Möglichkeit einer Entgeltumwandlung

Ein Ar­beit­neh­mer war gut zehn Jah­re, von Mai 2000 bis Ju­ni 2010, bei ei­nem Ar­beit­ge­ber beschäftigt. Ei­ne Ent­gelt­um­wand­lung hat­te der Ar­beit­neh­mer nie be­an­tragt und sich auch nicht kon­kret beim Ar­beit­ge­ber nach die­ser Möglich­keit er­kun­digt. Das Net­to­ge­halt des Ar­beit­neh­mers be­trug zu­letzt et­wa 1.340,00 EUR.

Das Ar­beits­verhält­nis en­de­te nach ei­ner vom Ar­beit­ge­ber aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung durch ei­nen ge­richt­li­chen Ver­gleich. In die­sem Ver­gleich war ge­re­gelt, dass "sämt­li­che Vergütungs­ansprüche", nicht aber "mögli­che Ansprüche ... auf Scha­dens­er­satz so­wie auf Schmer­zens­geld we­gen der ge­sund­heit­li­chen Be­ein­träch­ti­gun­gen" des Ar­beit­neh­mers er­le­digt sein soll­ten.

In ei­nem Fol­ge­pro­zess ver­klag­te der Ar­beit­neh­mer sei­nen Ex-Ar­beit­ge­ber auf 14.380,38 EUR nebst Zin­sen, weil er von ihm nicht über die Möglich­keit der seit Ja­nu­ar 2002 be­ste­hen­den Möglich­keit ei­ner Ent­gelt­um­wand­lung gemäß § 1a Be­trAVG hin­ge­wie­sen wur­de. Sei­nen An­spruch lei­te­te der Kläger aus den ihm ent­gan­ge­nen Zin­sen ab, die er hätte er­wirt­schaf­ten können, wenn er seit 2002 ei­ne Ent­gelt­um­wand­lung durch­geführt und in die­sem Rah­men 215,00 EUR mo­nat­lich an­ge­spart hätte.

Der Ar­beit­ge­ber be­stritt nicht, den Ar­beit­neh­mer nicht in­for­miert zu ha­ben, be­rief sich aber dar­auf, dass er da­zu gar nicht ver­pflich­tet sei. Außer­dem wand­te er ge­gen die Scha­dens­be­rech­nung ein, der Ar­beit­neh­mer müsse sich hier ei­ni­ge Po­si­tio­nen ab­zie­hen las­sen. Denn im­mer­hin hat­te der Ar­beit­ge­ber ja an­tei­lig auf den nicht um­ge­wan­del­ten Be­trag So­zi­al­ab­ga­ben und da­mit un­ter an­de­rem Ren­ten­beiträge ab­geführt, und das führ­te ja zu ei­nem höhe­ren An­spruch auf ei­ne ge­setz­li­che Ren­te.

Das Ar­beits­ge­richt Of­fen­bach (Ur­teil vom 16.05.2011, 5 Ca 513/10) und das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) wie­sen die Kla­ge ab, weil sie mein­ten, der Ar­beit­ge­ber hätte ge­gen kei­ne Pflich­ten ver­letzt, so dass ein Scha­dens­er­satz­an­spruch nicht bestünde (Hes­si­sches LAG, Ur­teil vom 27.07.2011, 6 Sa 566/11).

BAG: Keine Pflicht des Arbeitgebers, den Arbeitnehmer von sich aus auf den Anspruch auf Entgeltumwandlung hinzuweisen

Auch vor dem BAG zog der Ar­beit­neh­mer den Kürze­ren, der da­mit kei­ne der drei In­stan­zen von sei­ner Rechts­auf­fas­sung über­zeu­gen konn­te. In der der­zeit al­lein vor­lie­gen­den Pres­se­mel­dung heißt es kurz und knapp zur Be­gründung:

Ar­beit­ge­ber sind nicht da­zu ver­pflich­tet, ih­re Ar­beit­neh­mer von sich aus, al­so "pro­ak­tiv" bzw. oh­ne ent­spre­chen­de ar­beit­neh­mer­sei­ti­ge Fra­gen, auf den An­spruch auf Ent­gelt­um­wand­lung hin­zu­wei­sen. Aus dem Ge­setz er­gibt sich ein sol­cher An­spruch nämlich nicht, so dass er sich höchs­tens aus der Fürsor­ge­pflicht des Ar­beit­ge­bers er­ge­ben könn­te.

Ei­ne Aus­kunfts­pflicht aus Fürsor­ge­ge­sichts­punk­ten be­stand im Streit­fall aber nicht, so das BAG oh­ne nähe­re Be­gründung. Hin­ter­grund die­ses knap­pen State­ments der Er­fur­ter Rich­ter ist die BAG-Recht­spre­chung zum The­ma Aus­kunfts- und Aufklärungs­pflich­ten, die im­mer ei­nen kon­kre­ten An­lass im Ein­zel­fall ver­lan­gen.

Soll heißen: Der Ar­beit­ge­ber ist nur dann zu Auskünf­ten ver­pflich­tet, wenn es auf­grund der be­son­de­ren Umstände des Ein­zel­falls treu­wid­rig wäre bzw. ge­gen § 242 BGB ver­s­toßen würde, wenn er den Ar­beit­neh­mer oh­ne In­for­ma­tio­nen "im Re­gen" da­ste­hen las­sen würde.

Im Streit­fall hätte sich der kla­gen­de Ar­beit­neh­mer aber nur gewünscht, dass sein Ar­beit­ge­ber ihn An­fang 2002 auf die neue Rechts­la­ge hin­ge­wie­sen hätte. Das müssen Ar­beit­ge­ber aber nicht tun.

Fa­zit: Der Ar­beit­ge­ber ist kei­ne recht­li­che Aus­kunfts­stel­le in Fra­gen der Be­triebs­ren­te. Auf § 1a Be­trAVG muss er da­her nicht von sich aus hin­wei­sen.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 28. November 2016

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