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Höchst­al­ters­gren­ze für Be­triebs­ren­te

Ein Höchst­al­ter von 50 Jah­ren für die Teil­nah­me an der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung ist rech­tens: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 12.11.2013, 3 AZR 356/12

14.11.2013. Be­trieb­li­che Ver­sor­gungs­ord­nun­gen le­gen fest, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Ar­beit­neh­mer Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung er­hal­ten.

Da­bei wer­den häu­fig Al­ters­gren­zen ver­wen­det, de­nen zu­fol­ge Ar­beit­neh­mer, die z.B. erst mit 50 oder 55 Jah­ren in den Be­trieb ein­ge­tre­ten sind, kei­ne An­wart­schaft auf ei­ne Be­triebs­ren­te mehr er­wer­ben kön­nen.

Sol­che Al­ters­gren­zen füh­ren zu ei­ner Schlech­ter­stel­lung von Ar­beit­neh­mern, die erst in vor­ge­rück­tem Al­ter ein Ar­beits­ver­hält­nis mit dem Ar­beit­ge­ber ein­ge­hen, so dass sich fragt, ob hier ei­ne ver­bo­te­ne Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung vor­liegt.

Nach ei­ner vor­ges­tern er­gan­ge­nen Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) ist das bei ei­ner Al­ters­höchst­gren­ze von 50 Jah­ren nicht der Fall, d.h. ei­ne sol­che Al­ters­gren­ze ist rech­tens: BAG, Ur­teil vom 12.11.2013, 3 AZR 356/12.

Können Arbeitnehmer von der betrieblichen Altersversorgung ausgenommen werden, die zu Beginn ihres Arbeitsverhältnisses 50 Jahre oder älter waren?

Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) ver­bie­tet sach­lich nicht ge­recht­fer­tig­te Be­nach­tei­li­gun­gen ("Dis­kri­mi­nie­run­gen") im Ar­beits­le­ben, un­ter an­de­rem Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen des Al­ters und Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen des Ge­schlechts, §§ 1, 2 und 7 AGG. Und wer kei­ne Be­triebs­ren­te mehr er­wer­ben kann, "nur" weil er erst mit 50 in das Un­ter­neh­men ein­ge­tre­ten ist, fühlt sich nach­voll­zieh­ba­rer Wei­se we­gen sei­nes Al­ters dis­kri­mi­niert.

Aber auch ei­ne mit­tel­ba­re ge­schlechts­be­zo­ge­ne Dis­kri­mi­nie­rung kann in­fol­ge sol­cher Al­tershöchst­gren­zen ein­tre­ten, da Frau­en öfter als Männer auf­grund von Kin­der­pau­sen ei­ne un­ter­bro­che­ne Er­werbs­bio­gra­phie auf­wei­sen, d.h. sie tre­ten häufi­ger als Männer in vor­gerück­tem Al­ter neu in ein Ar­beits­verhält­nis ein.

Aus Ar­beit­ge­ber­sicht sieht es da­ge­gen so aus, dass Be­triebs­ren­ten ei­ne Men­ge Geld kos­ten und so­wie­so frei­wil­lig sind, d.h. Ar­beit­ge­ber sind von Aus­nah­men ab­ge­se­hen recht­lich nicht ge­zwun­gen, Be­triebs­ren­ten zu ver­spre­chen. Dann aber können sie im Prin­zip auch nach ih­rem Er­mes­sen ent­schei­den, wer Be­triebs­ren­ten er­hal­ten soll und wer nicht. Und der Aus­schluss spät in das Un­ter­neh­men ein­ge­tre­te­ner Ar­beit­neh­mer schließt "ho­he" Ri­si­ken aus, denn mit über 50 ist das Ri­si­ko der In­va­li­dität und des To­des höher und da­mit das Ri­si­ko des Ar­beit­ge­bers, ent­spre­chen­de Be­triebs­ren­ten leis­ten zu müssen.

Der ge­ne­rel­le Aus­schluss von Al­ters­ren­ten lässt sich da­mit aber nicht so gut be­gründen, denn die Be­ren­tung mit Mit­te 60 ist kein "Ri­si­ko", son­dern der Re­gel­fall. An­de­rer­seits muss ei­ne Be­triebs­ren­te erst ein­mal ver­dient wer­den, und wer erst mit 50 Jah­ren oder da­nach im Be­trieb anfängt, hat dafür nicht mehr so viel Zeit.

Vor die­sem Hin­ter­grund fragt sich, ob es ei­ne sach­li­che Recht­fer­ti­gung für Al­tershöchst­gren­zen für den Er­werb von An­wart­schaf­ten auf ei­ne Be­triebs­ren­te gibt. Al­tershöchst­gren­zen müss­ten gemäß § 10 Sätze 1 und 2 AGG "ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen" und "durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt" sein. Außer­dem müssen die Mit­tel zur Er­rei­chung ei­nes sol­chen Ziels "an­ge­mes­sen und er­for­der­lich" sein. Un­ter die­sen Vor­aus­set­zun­gen er­laubt § 10 Satz 3 Nr.4 AGG aus­drück­lich die

"Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen bei den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit als Vor­aus­set­zung für die Mit­glied­schaft oder den Be­zug von Al­ters­ren­te oder von Leis­tun­gen bei In­va­li­dität ein­sch­ließlich der Fest­set­zung un­ter­schied­li­cher Al­ters­gren­zen im Rah­men die­ser Sys­te­me für be­stimm­te Beschäftig­te oder Grup­pen von Beschäftig­ten".

Der Fall des BAG: Betriebliche Versorgungsordnung schließt Arbeitnehmer aus, die erst mit 50 Jahren oder später in das Unternehmen eintreten

Im Streit­fall ging es um ei­ne im No­vem­ber 1944 ge­bo­re­ne Ar­beit­neh­me­rin, die im Fe­bru­ar 1996 ein­ge­stellt wor­den war, d.h. mit über 51 Jah­ren. Im Un­ter­neh­men blieb sie bis zu ih­rer Be­ren­tung mit 65 Jah­ren im Som­mer 2010.

Trotz ih­rer über 14jähri­gen Tätig­keit er­hielt sie kei­ne Be­triebs­ren­te. Denn die für das Un­ter­neh­men gel­ten­de Ver­sor­gungs­ord­nung, der "Leis­tungs­plan", sah vor, dass Ar­beit­neh­mer ge­ne­rell von Leis­tun­gen der Al­ters­ver­sor­gung aus­ge­schlos­sen sind, wenn sie erst mit 50 Jah­ren oder später in das Un­ter­neh­men ein­tre­ten. In § 3 des Leis­tungs­pla­nes heißt es:

"Bei Auf­nah­me der Tätig­keit nach dem voll­ende­ten 50. Le­bens­jahr kann ei­ne An­wart­schaft auf Ver­sor­gungs­leis­tun­gen nicht mehr er­wor­ben wer­den."

Die Ar­beit­neh­me­rin be­wer­te­te das als Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung und ver­klag­te die für die Ren­ten­aus­zah­lung zuständi­ge Un­terstützungs­kas­se mit dem Ziel, ab Ju­li 2010 ei­ne Be­triebs­ren­te zu er­hal­ten. Da­mit hat­te sie vor dem Ar­beits­ge­richt Es­sen kei­nen Er­folg (Ar­beits­ge­richt Es­sen, Ur­teil vom 11.10.2011, 2 Ca 2754/10).

Auch das für die Be­ru­fung zuständi­ge Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Düssel­dorf wies die Kla­ge ab. Al­ler­dings mein­te das LAG, dass der hier um­strit­te­ne Aus­schluss al­ler mit 50 Jah­ren oder später ein­ge­tre­te­nen Ar­beit­neh­mer von be­trieb­li­chen Ver­sor­gungs­leis­tun­gen ei­ne ver­bo­te­ne Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung sei.

Das nutz­te der Kläge­rin aber im Er­geb­nis nichts, denn das AGG ist erst am 18.08.2006 in Kraft ge­tre­ten, so dass die (Ex-)Ar­beit­neh­me­rin nur für die Zeit von Au­gust 2006 bis zur Be­ren­tung im Ju­ni 2010 An­wart­schaf­ten er­wer­ben konn­te. Das reich­te aber nicht, denn der Leis­tungs­plan sah ei­ne min­des­tens 10jähri­ge War­te­zeit vor (LAG Düssel­dorf, Ur­teil vom 29.02.2012, 12 Sa 1430/11).

BAG: Ein Höchstalter von 50 Jahren für die Teilnahme an der betrieblichen Altersversorgung ist rechtens

Das BAG ent­schied eben­falls ge­gen die (Ex-)Ar­beit­neh­me­rin, die da­mit in al­len drei In­stan­zen den Kürze­ren ge­zo­gen hat­te.

Im Un­ter­schied zum LAG Düssel­dorf stell­te das BAG al­ler­dings klar, dass die um­strit­te­ne Klau­sel des Leis­tungs­plan rech­tens war, der zu­fol­ge bei ei­ner Auf­nah­me der Tätig­keit nach dem 50. Le­bens­jahr ei­ne An­wart­schaft auf Ver­sor­gungs­leis­tun­gen nicht er­wor­ben wer­den kann. Ei­ne sol­che Höchst­al­ters­gren­ze ist wirk­sam, so das BAG. Sie führt we­der zu ei­ner un­zulässi­gen Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters noch zu ei­ner un­zulässi­gen Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts.

Mit die­ser Ent­schei­dung hat das BAG ein Ur­teil vom Fe­bru­ar die­ses Jah­res be­kräftigt, dem zu­fol­ge ei­ne War­te­zeit von 15 Jah­ren für den Be­zug ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­ren­te zulässig ist (BAG, Ur­teil vom 12.02.2013, 3 AZR 100/11). Denn wer ei­ne lan­ge Min­dest­war­te­zeit von 15 Jah­ren im Ar­beits­verhält­nis zurück­le­gen muss, um ei­ne An­wart­schaft auf ei­ne Be­triebs­ren­te zu er­wer­ben, muss bei re­gulärer Be­ren­tung mit 65 Jah­ren (oder kurz dar­auf) spätes­tens mit 50 Jah­ren (bzw. kur­ze Zeit später) in das Ar­beits­verhält­nis ein­ge­tre­ten sein, da er an­dern­falls von Ren­ten­leis­tun­gen aus­ge­schlos­sen ist.

Fa­zit: Ein Ein­stel­lungshöchst­al­ter von 50 Jah­ren für den Er­werb von An­wart­schaf­ten auf ei­ne Be­triebs­ren­te ist rech­tens, und auch ei­ne War­te­zeit von 15 Jah­ren ist recht­lich in Ord­nung. Dar­in liegt kei­ne ver­bo­te­ne Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung und auch kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts. An­ders ist es al­ler­dings dann, wenn Ar­beit­neh­mer be­reits bei ei­nem Ein­tritts­al­ter von 45 Jah­ren von der Teil­nah­me an der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung aus­ge­schlos­sen wer­den (LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 23.11.2011, 2 Sa 77/11). Ei­ne so ex­trem vor­ge­zo­ge­ne Al­ters­gren­ze geht zu weit, d.h. sie ist durch sach­li­che Gründe nicht mehr zu recht­fer­ti­gen.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Ge­richt sei­ne Ent­schei­dungs­gründe veröffent­licht. Die Ent­schei­dung im Voll­text fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 20. Oktober 2016

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