Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

IBM-Be­triebs­ren­ten­an­pas­sung: Be­triebs­rent­ner lö­sen Kla­ge­flut aus

Zu ge­rin­ge Be­triebs­ren­ten­an­pas­sung zwingt vie­le IBM-Be­triebs­rent­ner zur Kla­ge: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg: Mas­sen­haf­te IBM-Ver­fah­ren, Pres­se­mit­tei­lung vom 20.07.2011
22.09.2011. Tau­sen­de ehe­ma­li­ge IBM-Mit­ar­bei­ter ge­hen seit An­fang 2010 ge­gen ih­ren ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber ge­richt­lich vor. Der Grund: Sie füh­len sich um Tei­le ih­rer Be­triebs­ren­ten be­tro­gen.

Die deut­sche Ar­beits­ge­richts­bar­keit stöhnt un­ter die­ser Pro­zess­flut, doch den Com­pu­ter­rie­sen lässt die­ser Um­stand schein­bar kalt - er pro­zes­siert un­be­irrt wei­ter durch al­le In­stan­zen.

Al­lein beim Ar­beits­ge­richt Stutt­gart gin­gen in der ers­ten Jah­res­hälf­te 2011 1.148 Kla­gen ein. In der zwei­ten In­stanz, beim Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg, wa­ren es im­mer­hin noch 470 IBM-Ver­fah­ren. In der Sum­me han­delt es sich da­bei 15,2 Pro­zent al­ler Ur­teils­ver­fah­ren des Ar­beits­ge­richts und 35 Pro­zent al­ler Be­ru­fungs­ver­fah­ren vor dem LAG.

IBM rechnet Betriebsrentenanpassung klein und verstößt dabei gegen das Betriebsrentengesetz

Gemäß § 16 Abs. 1 Be­triebs­ren­ten­ge­setz (Be­trAVG) hat der Ar­beit­ge­ber al­le drei Jah­re „nach bil­li­gem Er­mes­sen“ über ei­ne An­pas­sung der lau­fen­den Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung zu ent­schei­den. Die An­pas­sung ist im­mer rech­tens, wenn sie nicht ge­rin­ger ist als der An­stieg des Ver­brau­cher­preis­in­de­xes für Deutsch­land (§ 16 Abs. 2 Nr. 1 Be­trAVG) oder der Net­tolöhne ver­gleich­ba­rer Ar­beit­neh­mer­grup­pen des Un­ter­neh­mens (§ 16 Abs. 2 Nr. 2 Be­trAVG).

In den Jah­ren Jah­re 2008 und 2009 ori­en­tier­te sich IBM je­doch an dem An­stieg der Re­allöhne al­ler sei­ner ak­tiv Beschäftig­ten. Das Un­ter­neh­men be­ach­te­te al­so nicht, dass al­lein die Net­to­lohn­ent­wick­lung „ver­gleich­ba­rer Ar­beit­neh­mer­grup­pen“ maßgeb­lich ist. Es wur­den Äpfel mit Bir­nen ver­gli­chen.

Außer­dem leg­te IBM sei­ner Ren­ten­an­pas­sung die Durch­schnitts­gehälter der letz­ten drei Jah­re zu­grun­de. Dem­ge­genüber ver­langt das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG), dass die ge­sam­te Zeit seit Ren­ten­be­ginn zu be­trach­ten ist (BAG, Ur­teil vom 21.8.2001, 3 AZR 589/00 und Ur­teil vom 30.8.2005, 3 AZR 395/04).

IBM auf Konfrontationskurs

Aus die­sen Gründen ver­liert IBM seit Mo­na­ten prak­tisch al­le Be­triebs­ren­ten­kla­gen, und auch die Ab­wei­sung ei­ner von IBM ein­ge­leg­ten Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ge­gen ein LAG-Ur­teil erklärt sich da­mit, dass die Rechts­la­ge aus Sicht des BAG geklärt ist.

Das Un­ter­neh­men be­gründet sei­ne An­pas­sungs­ent­schei­dung mit der an­geb­lich schwie­ri­gen wirt­schaft­li­chen La­ge im Jahr 2007. Das über­zeugt nicht, da IBM auf sei­ner ei­ge­nen In­ter­net­präsenz von ei­nem „ins­ge­samt glänzen­den Jahr“ spricht, in dem „Re­kord­zah­len er­zielt wur­den“. Nach ei­ge­nen An­ga­ben konn­te IBM im vier­ten Quar­tal ein Um­satz­plus von 10 Pro­zent ver­zeich­nen, im Jah­res­er­geb­nis war der Ge­samt­um­satz um 8 Pro­zent ge­stie­gen. Auf ei­ne wirt­schaft­li­che Not­la­ge kann sich IBM an­ge­sichts die­ser Zah­len kaum be­ru­fen.

Was IBM mit sei­nem Kon­fron­ta­ti­ons­kurs be­zweckt, ist un­klar. Ähn­li­che Rechts­strei­tig­kei­ten wer­den in der Re­gel in ei­ni­gen Pi­lot­ver­fah­ren durch­pro­zes­siert und das Ver­fah­ren­s­er­geb­nis dann für ver­gleich­ba­re Fälle über­nom­men. Mit sei­ner der­zei­ti­gen Stra­te­gie dürf­te sich das Un­ter­neh­men nur selbst scha­den. Denn der Ver­trau­ens­ver­lust bei sei­nen Beschäftig­ten, bei Kun­den und der All­ge­mein­heit, den ei­ne sol­che „Be­triebs­ren­ten­po­li­tik nach Guts­her­ren­art“ her­vor­ruft, ist kaum zu überschätzen.

Fa­zit: Be­triebs­rent­ner er­hal­ten al­le drei Jah­re ei­ne Mit­tei­lung über ih­re Ren­ten­an­pas­sung. Ist sie un­an­ge­mes­sen nied­rig, müssen Be­trof­fe­ne ihr in­ner­halb von drei Mo­na­ten schrift­lich wi­der­spre­chen (§ 16 Abs. 4 Satz 2 Be­trAVG). Die Frist läuft nur, wenn der Ar­beit­ge­ber in der An­pas­sungs­mit­tei­lung die wirt­schaft­li­che La­ge des Un­ter­neh­mens dar­ge­legt und auf die Fol­gen ei­nes nicht frist­gemäßen Wi­der­spruchs hin­ge­wie­sen hat. Wi­der­spricht der Be­triebs­rent­ner der An­pas­sung dann nicht frist­gemäß, gilt die An­pas­sung als rech­tens. IMB-Be­triebs­rent­ner soll­ten da­her al­len An­pas­sungs­mit­tei­lun­gen vor­sorg­lich per Ein­schrei­ben/Rück­schein schrift­lich wi­der­spre­chen und ei­ne höhe­re An­pas­sung zu ver­lan­gen.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 21. September 2016

Bewertung: IBM-Be­triebs­ren­ten­an­pas­sung: Be­triebs­rent­ner lö­sen Kla­ge­flut aus 5.0 von 5 Sternen (4 Bewertungen)

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880