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Wach­sen­de IG Me­tall gibt sich selbst­be­wusst

Das Füh­rungs­duo der IG Me­tall sieht die Ge­werk­schaft klar auf Kurs - be­reit zu Ar­beits­kämp­fen und zur Ret­tung des Eu­ro: Nur um die ei­ge­ne Zu­kunft ma­chen Det­lef Wet­zel und Jörg Hof­mann ein gro­ßes Ge­heim­nis

20.01.2015. (dpa) - "Auf uns ist Ver­lass."

Mit stolz­ge­schwell­ter Brust sind Det­lef Wet­zel und Jörg Hof­mann am Mon­tag vor die Pres­se ge­tre­ten.

Der IG-Me­tall-Chef und sein Vi­ze wol­len die Zu­kunft ih­rer Ge­werk­schaft in leuch­ten­den Far­ben zeich­nen.

Das vier­te Jahr in Fol­ge ist Deutsch­lands größ­te und mäch­tigs­te Ge­werk­schaft ge­wach­sen, auf nun­mehr 2,27 Mil­lio­nen Mit­glie­der.

403 000 da­von sind weib­lich, gut 230 000 un­ter 27 Jah­re alt.

"Da­mit sind wir nach wie vor die größ­te po­li­ti­sche Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on in Deutsch­land", sag­te der Ers­te Vor­sit­zen­de Wet­zel.

Ih­re Macht­ba­sis hat die IG Me­tall in den Groß­be­trie­ben der In­dus­trie­zwei­ge Au­to, Ma­schi­nen­bau, Elek­tro und Me­tall­ver­ar­bei­tung. Bei VW, Bosch oder Daim­ler läuft oh­ne die Be­triebs­rä­te der IG Me­tall we­nig. Für die mehr als 3,7 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­ten des größ­ten deut­schen Flä­chen­ta­rif­sys­tems wird seit we­ni­gen Ta­gen ver­han­delt, der für März er­war­te­te Ab­schluss hat Aus­wir­kun­gen auf die Kon­junk­tur des ge­sam­ten Eu­ro­raums.

Im Kampf ge­gen Nied­rig­zin­sen oder gar De­fla­ti­on sei die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) an ih­re Gren­zen ge­sto­ßen, stellt der Ta­rif­ex­per­te und Zwei­te Vor­sit­zen­de Jörg Hof­mann tro­cken fest. Die Zins­schrau­be ist kom­plett auf­ge­dreht, die Wir­kung der von EZB-Prä­si­dent Ma­rio Draghi for­cier­ten An­lei­he­käu­fe frag­lich. Ei­ne Be­le­bung der pri­va­ten Nach­fra­ge durch deut­lich hö­he­re Löh­ne in der größ­ten Bran­che Deutsch­lands wä­re da sehr will­kom­men, hat­ten schon im Som­mer Ver­tre­ter der EZB und der Bun­des­bank wis­sen las­sen.

Doch ne­ben 5,5 Pro­zent mehr Geld will die IG Me­tall auch mehr be­zahl­te Al­ters­teil­zeit und be­zahl­te Frei­stel­lun­gen für die per­sön­li­che Wei­ter­bil­dung durch­set­zen, die an­ge­sichts der schnel­len Di­gi­ta­li­sie­rung der In­dus­trie drin­gend not­wen­dig sei. Ge­ra­de am letz­ten Punkt droht die Ta­rif­run­de 2015 zu es­ka­lie­ren, denn die Ar­beit­ge­ber ha­ben ent­schlos­se­nen Wi­der­stand an­ge­kün­digt. Wer zu wel­chem Zweck auf ih­re Kos­ten wei­ter­ge­bil­det wird, wol­len sie wei­ter­hin al­lein ent­schei­den.

Die Bil­dungs­teil­zeit ist 20 Jah­re nach Er­rei­chen der 35-St­un­den-Wo­che frei­lich nur der ers­te Teil ei­ner über meh­re­re Ta­rif­run­den an­ge­leg­ten Stra­te­gie der IG Me­tall zur Ar­beits­zeit­ver­kür­zung. Die Ge­werk­schaft will nach ei­ge­nem Be­kun­den für mög­lichst vie­le Grup­pen Ar­beits­zeit­ver­kür­zun­gen mit mög­lichst ho­hem Lohn­aus­gleich her­aus­ho­len.

Nach den Al­ten und den Wei­ter­bil­dungs­wil­li­gen kom­men Mit­ar­bei­ter mit klei­nen Kin­dern oder pfle­ge­be­dürf­ti­gen An­ge­hö­ri­gen als nächs­te Ziel­grup­pen in den ta­rif­li­chen Fo­kus. Der Ar­beit­ge­ber­ver­band Ge­samt­me­tall fragt sich an­ge­sichts des Fach­kräf­te­man­gels längst, wer über­haupt noch die Ar­beit ma­chen soll.

Öko­no­misch wä­re die Ge­werk­schaft auf ei­nen Ar­beits­kampf bes­tens ein­ge­rich­tet. Seit Jah­ren wa­ren kei­ne grö­ße­ren Streiks mehr zu fi­nan­zie­ren und die im­mer zahl­rei­che­ren Mit­glie­der ha­ben auch 2014 für ei­nen er­neu­ten Bei­trags­re­kord von 516 Mil­lio­nen Eu­ro ge­sorgt. Die IG Me­tall hat zu­dem ein meh­re­re Mil­li­ar­den Eu­ro schwe­res Ver­mö­gen, das re­gel­mä­ßig hüb­sche Er­trä­ge bringt. Über ih­re ge­naue Hö­he schweigt sich Haupt­kas­sie­rer Jür­gen Ker­ner al­ler­dings be­harr­lich aus.

Bleibt die Fra­ge, wel­ches Ren­ten­mo­dell der 62 Jah­re al­te IG-Me­tall-Chef Wet­zel für sich selbst vor­ge­se­hen hat. Im Ok­to­ber die­ses Jah­res steht auf dem Ge­werk­schafts­tag in Frank­furt die Neu­wahl des kom­plet­ten Vor­stands für vier wei­te­re Jah­re an.

Hef­tig hat die Ge­werk­schaft ge­gen die Ren­te mit 67 ge­strit­ten und aus Glaub­wür­dig­keits­grün­den die ei­ge­nen Vor­stän­de spä­tes­tens mit 65 in den Ru­he­stand ge­schickt. Bei ei­nem Wech­sel an der Spit­ze hät­te nach IG-Me­tall-Tra­di­ti­on der Vi­ze Hof­mann das ers­te Zu­griffs­recht auf die Kan­di­da­tur. Er ist drei Jah­re jün­ger als Wet­zel, doch ent­schie­den ist laut Ge­werk­schaft noch nichts.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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