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IW-Stu­die: Lohn­lü­cke nicht durch Un­ter­neh­men ver­ur­sacht

Ma­nue­la Schwe­sig pocht auf ih­re Ge­set­zes­plä­ne für mehr Lohn­gleich­heit bei Frau­en und Män­nern: Zum Wi­der­stand der Uni­on kommt nun noch Ein­spruch von Wirt­schafts­for­schern

14.06.2016. (dpa) - Der Un­ter­schied beim Durch­schnitts­ein­kom­men von Frau­en und Män­nern in Deutsch­land lässt sich aus Sicht des In­sti­tuts der deut­schen Wirt­schaft (IW) nicht per Ge­setz be­he­ben.

"Die An­nah­me, bei der Lohn­lü­cke han­de­le es sich um Dis­kri­mi­nie­rung durch die Un­ter­neh­men, ist un­sach­ge­mäß", sag­te der Di­rek­tor des ar­beit­ge­ber­na­hen In­sti­tuts, Mi­cha­el Hüt­her, am Mon­tag in Ber­lin.

Hüt­her stell­te sich da­mit ge­gen Frau­en­mi­nis­te­rin Ma­nue­la Schwe­sig (SPD), die auf bal­di­ge Um­set­zung ih­res Ge­set­zes­plans zur Lohn­gleich­heit pocht.

Die Tat­sa­che, dass Frau­en im Durch­schnitt rund ein Fünf­tel we­ni­ger ver­dien­ten als Män­ner, er­ge­be sich vor al­lem aus in­di­vi­du­el­len Ent­schei­dun­gen, heißt es in der IW-Ana­ly­se. Aus­schlag­ge­bend für die Lohn­hö­he sei­en un­ter an­de­rem Fak­to­ren wie Bran­che und Be­triebs­grö­ße. Zu­dem näh­men Frau­en sel­te­ner Füh­rungs­auf­ga­ben wahr und ar­bei­te­ten häu­fi­ger in Teil­zeit als Män­ner.

So sei­en gut drei Vier­tel al­ler Stel­len in den eher nied­rig ent­lohn­ten Be­rei­chen Er­zie­hung und Un­ter­richt so­wie im Ge­sund­heits- und So­zi­al­we­sen von Frau­en be­setzt, heißt es in der Stu­die. In der In­dus­trie, in der die Löh­ne eher hö­her sind, sei­en es we­ni­ger als drei von zehn. Oh­ne die­se Pa­ra­me­ter ha­be es im Jahr 2013 le­dig­lich ei­ne Lohn­lü­cke von rund 6,6 Pro­zent ge­ge­ben – das sei ei­ner der nied­rigs­ten Wer­te in der EU. Der Po­li­tik feh­le des­halb die ent­schei­den­de Be­grün­dung für das Lohn­ge­rech­tig­keits­ge­setz, mein­te Hüt­her.

Das Schwe­sig-Mi­nis­te­ri­um ent­geg­ne­te, es sei of­fen­sicht­lich, "dass das Pro­blem der Lohn­lü­cke klein­ge­re­det und klein­ge­rech­net wird". Fest ste­he, dass Frau­en mit glei­cher Qua­li­fi­ka­ti­on auf ver­gleich­ba­ren Stel­len sie­ben Pro­zent we­ni­ger ver­die­nen. "Die Lohn­lü­cke hat et­was mit ver­krus­te­ten Struk­tu­ren zu tun, die wir auf­bre­chen müs­sen, um die Gleich­stel­lung der Frau­en zu er­rei­chen."

Auch die Ge­werk­schaf­ten wi­der­spra­chen dem IW. Ge­setz­li­che An­stren­gun­gen sei­en eben­so wie Be­mü­hun­gen der Ta­rif­par­tei­en nö­tig, um die Un­gleich­heit von Frau­en und Män­nern am Ar­beits­markt zu über­win­den, sag­te der IG-Me­tall-Chef Jörg Hof­mann. "Der Markt wird das nicht rich­ten." DGB-Vi­ze­che­fin El­ke Han­nack sag­te: "Um da Trans­pa­renz rein­zu­krie­gen und Be­nach­tei­li­gun­gen auf­zu­de­cken, brau­chen wir das Lohn­ge­rech­tig­keits­ge­setz."

Be­reits in der Ko­ali­ti­on hat der Ent­wurf von Schwe­sig für Streit ge­sorgt. Ge­plant ist un­ter an­de­rem, dass Be­schäf­tig­te Aus­kunft über das Ge­halt von Kol­le­gen be­kom­men sol­len. Die Uni­on will, dass das nur in Be­trie­ben ab 500 Be­schäf­tig­ten zum Tra­gen kommt. Die Che­fin der Ge­werk­schaft Nah­rung-Ge­nuss-Gast­stät­ten (NGG), Mi­chae­la Ro­sen­ber­ger, kri­ti­sier­te: "Im Klar­text heißt das: In der Er­näh­rungs­in­dus­trie und im Gast­ge­wer­be wä­re die­ses Ge­setz prak­tisch wir­kungs­los." Denn dort ge­be es vie­le klei­ne und mit­tel­stän­di­sche Struk­tu­ren und nur ei­ne Hand­voll Un­ter­neh­men, die mehr als 500 Ar­beit­neh­mer be­schäf­ti­gen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 5. August 2016

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