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IW-Stu­die: 2015 bringt un­ge­wöhn­lich vie­le Streik­ta­ge in Deutsch­land

So­viel Streik war sel­ten, sagt das In­sti­tut der deut­schen Wirt­schaft: Al­lein in den ers­ten sechs Mo­na­ten des Jah­res sei­en hier­zu­lan­de mehr Streik­ta­ge zu­sam­men­ge­kom­men als in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren zu­sam­men. Und das ha­be gu­te Grün­de, meint die Ge­werk­schaft Ver­di

21.07.2015. (dpa) - Die jüngs­ten Streiks ha­ben die deut­sche Wirt­schaft nach Be­rech­nun­gen des ar­beit­ge­ber­na­hen In­sti­tuts der deut­schen Wirt­schaft (IW) deut­lich schwe­rer ge­trof­fen als Ar­beits­kämp­fe frü­he­rer Jah­re.

Die Aus­stän­de in den ers­ten sechs Mo­na­ten des Jah­res hät­ten ins­ge­samt rund 944 000 Ar­beits­ta­ge ge­kos­tet, wie das Köl­ner In­sti­tut in ei­ner am Mon­tag ver­öf­fent­lich­ten Stu­die schätzt.

Ins­ge­samt sei­en auf 1000 Ar­beit­neh­mer da­mit al­lein im ers­ten Halb­jahr rund 26 Streik­ta­ge ge­kom­men - mehr als sechs­mal so vie­le wie 2014.

Auch ge­mes­sen an den Vor­jah­ren ist die Stei­ge­rung be­acht­lich. In den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren zu­sam­men wa­ren ins­ge­samt nur 14 Ta­ge an­ge­fal­len. Nach An­ga­ben des IW hat 2015 vor al­lem der Streik bei der Deut­schen Post den An­stieg ver­ur­sacht. Über­haupt ge­he ein Groß­teil der Streiks auf das Kon­to der Ge­werk­schaft Ver­di. "Rund 80 Pro­zent al­ler Aus­fall­ta­ge gin­gen im ers­ten Halb­jahr auf das Kon­to der größ­ten deut­schen Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft", heißt es beim IW. Über die IW-Un­ter­su­chung hat­te am Wo­chen­en­de die "Rhei­ni­sche Post" be­rich­tet.

Ein Ver­di-Spre­cher sag­te am Mon­tag in Ber­lin, es ha­be in die­sem Jahr be­son­ders schar­fe Aus­ein­an­der­set­zun­gen ge­ge­ben. Da­zu ge­hör­ten aber im­mer zwei Sei­ten. "Wir ha­ben die Streiks nicht vom Zaun ge­bro­chen, weil wir so ger­ne strei­ken", sag­te der Spre­cher. Ge­ra­de bei der Post und im Öf­fent­li­chen Dienst ha­be es sehr grund­sätz­li­che Streit­fra­gen ge­ge­ben, ab­seits von tra­di­tio­nell we­ni­ger kon­flikt­träch­ti­gen Ent­gelt­fra­gen. Das sei­en Son­der­si­tua­tio­nen ge­we­sen, in de­nen Ver­di auf An­grif­fe der Ar­beit­ge­ber re­agie­ren muss­te.

Laut IW hat al­lein der Streik bei der Post Ver­di rund 30 Mil­lio­nen Eu­ro ge­kos­tet. Geld, das die Ge­werk­schaft aus der Streik­kas­se neh­men muss, um den Ver­dienst­aus­fall der Strei­ken­den ab­zu­mil­dern. "Sol­che Sum­men rei­ßen Lö­cher in die Streik­kas­se und dürf­ten die Strei­klau­ne da­her erst ein­mal dämp­fen", heiß es in der Stu­die. Ver­di will die Kos­ten für die Streiks nicht be­zif­fern. Je­des Jahr wür­den acht Pro­zent der Bei­trags­ein­nah­men zu­rück­ge­legt, das sei­en rund 32 Mil­lio­nen Eu­ro. Nie­mand müs­se sich Sor­gen ma­chen, dass Ver­di das Geld aus­ge­he.

Im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich liegt Deutsch­land al­ler­dings ge­mes­sen an den Streik­ta­gen trotz des An­stiegs oh­ne­hin im Mit­tel­feld: 2014 ka­men et­wa in Finn­land 71 Streik­ta­ge je 1000 Ar­beit­neh­mer zu­sam­men, Spit­zen­rei­ter Dä­ne­mark zähl­te so­gar 135 Streik­ta­ge. In der Schweiz gab es hin­ge­gen 2014 ei­nen Streik­tag pro 1000 Ar­beit­neh­mern.

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Letzte Überarbeitung: 6. Juni 2016

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