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Ne­cker­mann en­det in der Ab­wick­lung

Un­wirt­schaft­li­che Struk­tu­ren schre­cken In­ter­es­sen­ten ab: Das Aus für Ne­cker­mann

02.10.2012. Bis zu­letzt stand der Gal­gen­hu­mor bei Ne­cker­mann hoch im Kurs: „Was kommt in den Kel­ler, da­mit wir aus dem Kel­ler kom­men? Ih­re neue Wasch­ma­schi­ne“ wit­zel­ten die Wer­be­stra­te­gen. Wäh­rend­des­sen schlug der vor­läu­fi­ge In­sol­venz­ver­wal­ter des Frank­fur­ter Han­dels­un­ter­neh­mens be­reits Alarm. Die La­ge für Ne­cker­mann wer­de im­mer aus­sichts­lo­ser, sicht­bar schlim­me Fol­gen jah­re­lan­ger Miss­wirt­schaft hiel­ten In­ves­to­ren von ei­ner Über­nah­me ab, hat­ten die In­sol­venz­ver­wal­ter Mi­cha­el Fre­ge und Joa­chim Küh­ne un­ge­wöhn­lich deut­lich for­mu­liert.

Für die rund 2.400 Be­schäf­tig­ten be­deu­tet dies, dass sie sich im kom­men­den Mo­nat ar­beits­los mel­den müs­sen, denn das In­sol­venz-Kurz­ar­bei­ter­geld läuft zum 30. Sep­tem­ber aus. Da­nach hät­te der eins­ti­ge Ver­sandrie­se sei­ne Mit­ar­bei­ter aus ei­ge­ner Kraft be­zah­len müs­sen, was ihm je­doch nicht mög­lich ist.

Auf der Ne­cker­mann-Home­page sind trotz al­ler for­schen Selbst­iro­nie die ne­ga­ti­ven Fol­gen längst zu se­hen: „Wir ar­bei­ten dar­an, die ge­wohn­te Pro­dukt­viel­falt wie­der her­zu­stel­len“, heißt es dort. Die Nach­rich­ten­agen­tur dpa be­rich­tet je­doch, dass vie­le Lie­fe­ran­ten ih­re Wa­ren nur noch ge­gen Vor­kas­se aus­lie­fern. Bei Ne­cker­mann sel­ber sind ein Kauf auf Rech­nung, Ra­ten­zah­lung und so­gar ei­ne Zahl­pau­se mög­lich.

Für die Kun­den scheint al­ler­dings frag­lich, wo­für sie ei­ne Zahl­pau­se über­haupt in An­spruch neh­men sol­len, denn es ist kaum et­was da, was be­stellt wer­den könn­te. Ein kur­zer Blick auf die Web­sei­te reicht, um sich ei­nen Über­blick über die vor­ma­li­ge Pro­dukt­viel­falt zu ver­schaf­fen.

Rück­bli­ckend be­trach­tet zeich­net sich das En­de des schlin­gern­den Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­mens schon län­ger ab, denn es hat seit Jah­ren Pro­ble­me:

Im Jah­re 2007 wur­de Ne­cker­mann mehr­heit­lich an den US-In­ves­tor Sun Ca­pi­tal ver­kauft, ein Stel­len­ab­bau folg­te. Nach der Plei­te des Kar­stadt­Quel­le-Nach­fol­gers „Ar­can­dor“ über­nahm Sun Ca­pi­tal 2010 auch die üb­ri­gen An­tei­le an Ne­cker­mann.de. Der Ver­sand­händ­ler hat­te sich nach Ver­lus­ten mit ei­nem star­ken Wachs­tum im On­line-Ge­schäft wie­der auf­ge­rap­pelt.

Of­fen­bar rutsch­te das Un­ter­neh­men 2011 aber zu­rück in die Ver­lust­zo­ne. Die Re­ak­ti­on dar­auf kam im April die­sen Jah­res: Das Un­ter­neh­men plant,e mehr als je­de zwei­te Stel­le zu strei­chen und ver­ab­schie­det sich end­gül­tig aus dem schrump­fen­den Ka­ta­log­ge­schäft. Es wol­le von nun voll auf den On­line-Han­del set­zen. Das Lo­gis­tik­zen­trum in Frank­furt, das vor al­lem Tex­ti­li­en aus­lie­fert, sol­le dicht­ge­macht wer­den.

Die Ge­werk­schaft ver.di und der Be­triebs­rat re­agier­ten ent­setzt (wir be­rich­ten dar­über in: Ar­beits­recht ak­tu­ell: 12/253 Streik bei Ne­cker­mann in Frank­furt). Ver.di for­der­te dar­auf­hin ei­nen Ta­rif­ver­trag, um So­zi­al­plan­re­ge­lun­gen und ei­ne Be­schäf­ti­gungs­ge­sell­schaft ta­rif­lich ab­zu­si­chern. Ei­ne ers­te Ver­hand­lungs­run­de mit dem Un­ter­neh­men en­de­te al­ler­dings er­geb­nis­los. Die Be­schäf­tig­ten re­agier­ten mit Streiks.

Dar­auf­hin ging der Be­triebs­rat in die Of­fen­si­ve und leg­te im Mai 2012 ein gro­bes Kon­zept zum Er­halt Hun­der­ter Ar­beits­plät­ze vor. Er woll­te ent­ge­gen den Plä­nen der Ge­schäfts­lei­tung am ei­ge­nen Tex­ti­l­an­ge­bot fest­hal­ten. Das Lo­gis­tik­zen­trum in Frank­furt kön­ne zum On­line-Dienst­leis­ter für sta­tio­nä­re Tex­til­ket­ten wer­den. Die Ge­schäfts­lei­tung und der Fi­nanz­in­ves­tor Sun Ca­pi­tal lehn­ten das Al­ter­na­tiv­kon­zept je­doch ab.

Nach­dem der In­ves­tor kei­ne wei­te­ren Mit­tel für die drin­gend be­nö­tig­te Fi­nan­zie­rung zur Ver­fü­gung ge­stellt hat­te, war der In­sol­venz­an­trag im Ju­li 2012 un­ab­wend­bar.

Im Fol­gen­den wur­de mit Hoch­druck nach neu­en In­ves­to­ren ge­sucht. Nach An­ga­ben der In­sol­venz­ver­wal­ter hat­ten sich sämt­li­che In­ter­es­sen­ten je­doch ab­ge­wandt. Rund 50 pri­va­te In­ves­to­ren und Bie­ter­ge­mein­schaf­ten prüf­ten das Un­ter­neh­men so­dann auf Herz und Nie­ren. In ih­rer Pres­se­mit­tei­lung heißt es da­zu:

„Die In­ves­to­ren mo­nie­ren vor al­lem, dass ih­rer An­sicht nach über ei­nen lan­gen Zeit­raum hin­weg nicht kos­ten­be­wusst ge­wirt­schaf­tet wor­den sei. Über­all sei­en sie bei ih­rer Prü­fung auf die sicht­bar schlim­men Fol­gen für die Wirt­schaft­lich­keit des Be­triebs ge­sto­ßen.“

Fa­zit: Mitt­ler­wei­le steht es fest: Ne­cker­mann er­eilt das glei­che Schick­sal wie der einst­ma­li­gen Kon­zern­schwes­ter Quel­le vor drei Jah­ren. Das Un­ter­neh­men schließt sei­ne Pfor­ten. Ein­zel­ne Ein­hei­ten wie der Über­grö­ßen-Spe­zia­list Hap­py Si­ze, der vom Pforz­hei­mer E-Com­mer­ce-Händ­ler K-Mail Or­der (bes­ser be­kannt als „Klin­gel“) über­nom­men wird, wer­den mög­li­cher­wei­se über­le­ben.

Ein Groß­teil der noch vor­han­de­nen Ver­mö­gens­wer­te wird je­doch li­qui­diert wer­den und Tau­sen­den Ne­cker­män­nern und –frau­en bleibt da­mit nur der Gang zum Ar­beits­amt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 14. Mai 2014

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