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Die In­te­gra­ti­on von Mi­gran­ten in den Ar­beits­markt wird noch wich­ti­ger

Die Bun­des­re­gie­rung wünscht sich noch mehr Fir­men, die jun­ge Mi­gran­ten aus­bil­den: Un­ter­neh­men und Ar­beits­agen­tu­ren grei­fen auf Pro­gram­me zu­rück und star­ten neue

08.10.2015. (dpa) - Ar­beit ist der bes­te Schlüs­sel zur In­te­gra­ti­on - die­ser An­sicht ist nicht nur der neue Chef des Bun­des­amts für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge, Frank-Jür­gen Wei­se. Er weiß, wo­von er re­det: Wei­se lei­tet die Bun­des­agen­tur für Ar­beit. Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les nennt die In­te­gra­ti­on von Zu­wan­de­rern ei­ne «gro­ße Auf­ga­be». «Als Ge­sell­schaft müs­sen wir uns noch mehr an­stren­gen, Mi­gran­ten gut in den Ar­beits­markt zu in­te­grie­ren», sagt die SPD-Po­li­ti­ke­rin. Die Po­li­tik un­ter­stüt­ze beim Deutsch­ler­nen, der An­er­ken­nung aus­län­di­scher Be­rufs­ab­schlüs­se und der Qua­li­fi­zie­rung. Vie­le Un­ter­neh­men leis­te­ten ei­nen vor­bild­li­chen Bei­trag - aber die Wirt­schaft kön­ne noch mehr auf jun­ge Mi­gran­ten set­zen, meint sie.

Fa­bia­na Reich­mann ist ein Bei­spiel für ge­lun­ge­ne In­te­gra­ti­on. Die ge­bür­ti­ge Bra­si­lia­ne­rin ar­bei­tet seit zwölf Jah­ren bei dem Ma­gnet­schmuck-Her­stel­ler En­er­ge­tix in Bin­gen. Die Di­plom-Über­set­ze­rin lei­tet die Kun­den­be­treu­ung. «Wir te­le­fo­nie­ren mit der gan­zen Welt, wir schrei­ben mit der gan­zen Welt», sagt sie. En­er­ge­tix-Chef Ro­land Förs­ter, der rund 1600 Pro­duk­te an­bie­tet und an Händ­ler - meist selbst Kun­den und meist weib­lich - ver­kauft, ist in­ter­na­tio­nal aus­ge­rich­tet. Er ver­kauft in Eu­ro­pa, der Tür­kei, der Mon­go­lei, den USA, Aus­tra­li­en und Mit­tel­ame­ri­ka. Von den 83 Mit­ar­bei­tern ha­ben zwölf aus­län­di­sche Wur­zeln. Nah­les be­sucht das Un­ter­neh­men, das auch ei­ne ho­he Frau­en­quo­te hat, an die­sem Frei­tag.

Neun von zehn Un­ter­neh­men in Deutsch­land ha­ben Er­fah­run­gen mit mit­tel oder hoch qua­li­fi­zier­ten aus­län­di­schen Be­schäf­tig­ten ge­macht. Das geht aus dem IHK-Un­ter­neh­mens­ba­ro­me­ter zur In­te­gra­ti­on vom Mai 2015 her­vor, für das 1866 Un­ter­neh­men al­ler Bran­chen be­fragt wur­den. Vor vier Jah­ren hat­ten erst rund drei Vier­tel sol­che Er­fah­run­gen ge­macht. Die In­te­gra­ti­on ge­lingt aus Sicht der Fir­men zu­neh­mend bes­ser, da­bei wird die Ent­wick­lung ge­rin­ger qua­li­fi­zier­ter Mit­ar­bei­ter kri­ti­scher ge­se­hen. Grö­ße­re Un­ter­neh­men en­ga­gie­ren sich stär­ker für die In­te­gra­ti­on aus­län­di­scher Ar­beits­kräf­te als klei­ne­re. Al­len ge­mein­sam ist, dass sie die deut­sche Spra­che als wich­tigs­tes In­stru­ment se­hen.

Der welt­größ­te Che­mie­kon­zern BASF nimmt auch Flücht­lin­ge in den Blick. Seit En­de 2014 un­ter­stützt die BASF in der Me­tro­pol­re­gi­on Rhein-Ne­ckar nach ei­ge­nen An­ga­ben mehr als 20 Pro­jek­te zur In­te­gra­ti­on von Flücht­lin­gen - mit In­te­gra­ti­ons­pro­gram­men für Fa­mi­li­en, Sprach­kur­sen und Thea­ter- oder Hand­werks­pro­jek­ten. Für Ju­gend­li­che, die be­son­de­re Un­ter­stüt­zung brau­chen - auch sol­che mit aus­län­di­schen Wur­zeln -, bie­tet sie be­son­de­re Start­pro­gram­me an. «Dar­über hin­aus ist zur­zeit in Prü­fung, wie wir bei­spiels­wei­se un­se­re Start­pro­gram­me aus­ge­stal­ten kön­nen, um Flücht­lin­gen ei­ne kon­kre­te Per­spek­ti­ve bei der In­te­gra­ti­on in den Ar­beits­markt zu bie­ten», be­tont ei­ne BASF-Spre­che­rin in Lud­wigs­ha­fen.

«Der zu­neh­men­de Zu­zug von Asyl­be­wer­bern und Flücht­lin­gen stellt auch die Bun­des­agen­tur für Ar­beit vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen», sagt die Spre­che­rin der Re­gio­nal­di­rek­ti­on Rhein­land-Pfalz/Saar­land, Chris­ti­ne Lau­er, in Saar­brü­cken. Im ver­gan­ge­nen Jahr star­te­te zum Bei­spiel in den Agen­tu­ren Augs­burg, Bre­men-Bre­mer­ha­ven, Dres­den, Frei­burg, Ham­burg und Köln das Pro­gramm «Ear­ly In­ter­ven­ti­on» («frü­he Ver­mitt­lung»). 2015 ka­men Lud­wigs­ha­fen, Ber­lin-Süd und Han­no­ver da­zu. In dem ge­mein­sa­men Pro­jekt der Ar­beits­agen­tu­ren, dem Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und der EU soll früh er­kannt wer­den, ob Asyl­be­wer­ber pas­send für be­stimm­te Jobs sind. In ei­ni­gen Erst­auf­nah­me­stel­len wie et­wa in Le­bach im Saar­land oder in Trier in Rhein­land-Pfalz ist die Ar­beits­agen­tur vor Ort, um Asyl­be­wer­ber zu be­ra­ten.

Fa­bia­na Reich­mann ist schon lan­ge an­ge­kom­men in Deutsch­land und in dem Un­ter­neh­men, für das sie ar­bei­tet. Doch es ist auch für sie nach so vie­len Jah­ren nicht selbst­ver­ständ­lich, was sie macht: «Für mich ist das im­mer noch et­was Be­son­de­res», meint die ge­bür­ti­ge Bra­si­lia­ne­rin.

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Letzte Überarbeitung: 8. Oktober 2016

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