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Se­pa­ra­ter In­ter­net- und Te­le­fon­an­schluss für den Be­triebs­rat?

Kein An­spruch des Be­triebs­rats auf Ein­rich­tung von In­ter­net- und Te­le­fon­an­schlüs­sen, die vom Fir­men­netz­werk tech­nisch ge­trennt sind: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 20.04.2016, 7 ABR 50/14

24.04.2015. Dass Be­triebs­rä­te vom Ar­beit­ge­ber die Ein­rich­tung und Be­zah­lung von In­ter­net- und Te­le­fon­an­schlüs­sen ver­lan­gen kön­nen, ist in der Recht­spre­chung der Ar­beits­ge­rich­te seit lan­gem ge­klärt.

Be­triebs­rä­te müs­sen auch in der La­ge sein, die­se Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel ei­gen­stän­dig nach ih­ren Be­dürf­nis­sen zu nut­zen. Da­her sind ei­ne ei­ge­ne Te­le­fon­num­mer und ei­ne ei­ge­ne E-Mail-Adres­se des Be­triebs­rats heu­te eben­so selbst­ver­ständ­lich wie ein In­ter­net­zu­gang, der vom Be­triebs­rat grund­sätz­lich oh­ne Kon­trol­le durch den Ar­beit­ge­ber ge­nutzt wer­den kann.

Aber kann der Be­triebs­rat aus Furcht vor ei­ner miss­bräuch­li­cher Über­wa­chung durch den Ar­beit­ge­ber ver­lan­gen, dass die­ser ihm ei­nen Te­le­fon- und In­ter­net­an­schluss ein­rich­tet, der vom Un­ter­neh­mens­netz­werk un­ab­hän­gig ist? Nein, so das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in ei­ner Ent­schei­dung vom Diens­tag letz­ter Wo­che: BAG, Be­schluss vom 20.04.2016, 7 ABR 50/14.

Kann der Betriebsrat eine technische Brandmauer zwischen seinem Internet- und Telefonanschluss und dem Netzwerk des Arbeitgebers verlangen?

Gemäß § 40 Abs.2 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) kann der Be­triebs­rat vom Ar­beit­ge­ber "in er­for­der­li­chem Um­fang" die Be­reit­stel­lung von "In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik" ver­lan­gen.

Da­bei ent­schei­det der Be­triebs­rat nach Recht­spre­chung im Aus­gangs­punkt selbst nach sei­nem Er­mes­sen darüber, was er braucht, muss da­bei aber auch die In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers berück­sich­ti­gen. Über­zieht der Be­triebs­rat sein An­schaf­fungs­er­mes­sen, hat er im Er­geb­nis kei­nen An­spruch, dass der Ar­beit­ge­ber die gewünsch­ten Ein­rich­tun­gen an­schafft bzw. de­ren Kos­ten über­nimmt.

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren wa­ren die Ar­beits­ge­rich­te hier zu­guns­ten der Be­triebsräte großzügig. So kann der Be­triebs­rat z.B. ei­nen In­ter­zu­gang für je­des ein­zel­ne sei­ner Mit­glie­der ver­lan­gen (wir be­rich­te­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell: 10/155 In­ter­net und E-Mail für je­des Be­triebs­rats­mit­glied), er kann bei der Ver­wen­dung des In­ter­net selbst über die An­zahl und Ver­wen­dung von Be­nut­zer­ken­nun­gen ent­schei­den (wir be­rich­te­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell: 11/149 Com­pu­ter des Be­triebs­rats: Über Da­ten­schutz ent­schei­det der Be­triebs­rat) und er kann die An­schaf­fung ei­nes Lap­tops ver­lan­gen (wir be­rich­te­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell: 12/280 Be­triebs­rat hat An­spruch auf ei­nen Lap­top).

Die­se Recht­spre­chung ist nach­voll­zieh­bar, denn In­ter­net- und Te­le­fon­an­schlüsse kos­ten den Ar­beit­ge­ber nicht viel Geld, sind aber not­wen­dig für ei­ne ef­fek­ti­ve Be­triebs­rats­ar­beit. Heik­ler ist da­ge­gen die Fra­ge, wie der Be­triebs­rat auf die Sor­ge re­agie­ren kann, vom Ar­beit­ge­ber mögli­cher­wei­se (il­le­gal) aus­gespäht zu wer­den. Kann er vom Ar­beit­ge­ber ver­lan­gen, nicht ei­nen vom fir­men­ei­ge­nen Netz­werk ge­trenn­ten In­ter­net­zu­gang zu er­hal­ten und/oder ei­nen Te­le­fon­an­schluss, der von der TK-An­la­ge des Ar­beit­ge­ber ge­trennt ist? Vie­le Ar­beit­ge­ber wer­den hier Bauch­schmer­zen ha­ben, da ei­ne sol­che tech­ni­sche Ei­gen­brötle­rei mit Si­cher­ri­si­ken für die Fir­men­netz­wer­ker ver­bun­den sein können.

Der Fall des BAG: Betriebsrat verlangt separaten Internetzugang, der nicht über den Proxy-Server des Arbeitgebers vermittelt wird, und separate Telefonanschlüsse

Im Streit­fall ver­lang­te der Be­triebs­rat vom Ar­beit­ge­ber ei­nen In­ter­net­an­schluss, der vom Pro­xy-Ser­ver des Ar­beit­ge­bers ge­trennt sein soll­te, und Te­le­fon­an­schlüsse, die völlig un­abhängig von der Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­an­la­ge des Ar­beit­ge­bers sein soll­ten. In zwei­ter Li­nie woll­te er ei­nen in­halt­lich un­be­schränk­ten In­ter­net­zu­gang, da er in der Ver­gan­gen­heit ei­ni­ge Web­adres­sen wie YouTube nicht auf­su­chen konn­te, weil der Zu­griff auf die­se Adres­sen vom EDV-Sys­tem des Ar­beit­ge­bers ge­ne­rell ge­sperrt war.

Das Ar­beits­ge­richt Ol­den­burg (Be­schluss vom 27.06.20143, 5 BV 5/13) und das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Nie­der­sach­sen wie­sen die Anträge des Be­triebs­rats zurück (Be­schluss vom 30.07.2014, 16 TaBV 92/13).

BAG: Betriebsräte können keine Internet- und Telefonanschlüsse verlangen, die von den Firmennetzwerken technisch getrennt sind

Auch vor dem BAG hat­te der Be­triebs­rat kei­nen Er­folg. Zur Be­gründung heißt es in der der­zeit al­lein vor­lie­gen­den Pres­se­mel­dung des BAG:

Den An­spruch des Be­triebs­rats auf Te­le­fon, E-Mail und In­ter­net kann der Ar­beit­ge­ber erfüllen, in­dem er

  • dem Be­triebs­rat im Rah­men des be­trieb­li­chen In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­tems ei­nen Te­le­fon­an­schluss zur Verfügung stellt und
  • dem Be­triebs­rat ei­nen In­ter­net­zu­gang und E-Mail-Ver­kehr über ein Netz­werk ver­mit­telt, das für al­le Ar­beitsplätze des Un­ter­neh­mens ein­heit­lich ge­nutzt wird.

Die im­mer be­ste­hen­de ("abs­trak­te") Ge­fahr ei­nes Miss­brauchs von tech­ni­schen Kon­trollmöglich­kei­ten durch den Ar­beit­ge­ber ist kei­ne aus­rei­chen­de Be­gründung dafür, dass der Be­triebs­rat tech­nisch ge­trenn­te Ein­rich­tun­gen ver­langt, so die Er­fur­ter Rich­ter.

Fa­zit: Im vor­lie­gen­den Fall hat­te der Ar­beit­ge­ber dem Be­triebs­rat den Ab­schluss ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung an­ge­bo­ten, die mögli­che Über­wa­chun­gen un­ter­bin­den soll­te. War­um sich der Be­triebs­rat nicht dar­auf ein­las­sen woll­te, geht aus den Ent­schei­dun­gen nicht her­vor. In vie­len Fällen kann ei­ne sol­che Be­triebs­ver­ein­ba­rung aber ei­ne Möglich­keit für den Be­triebs­rat sein, kon­kre­te In­for­ma­ti­ons­rech­te in Be­zug auf die von der EDV des Ar­beit­ge­bers au­to­ma­tisch er­stell­ten Da­ten fest­zu­schrei­ben.

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Letzte Überarbeitung: 18. August 2016

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